Comeback bei Bundestagswahl 2013 Oliver Wittke fährt nicht mehr so schnell

Von Martin Teigeler

Oliver Wittke ist das politische Stehaufmännchen der NRW-CDU. Er wurde als OB in Gelsenkirchen abgewählt, musste später als Verkehrsminister zurücktreten und fuhr 2012 als Generalsekretär eine Landtagswahl-Niederlage ein. Jetzt steht Wittke vor einem Comeback. Ein Porträt.


CDU-Politiker Oliver Wittke
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Oliver Wittke bei einem Besuch der Ruhr-Uni Bochum. Bald will er in Berlin sein

Oliver Wittke ist wieder auf der Überholspur. Dieser erste Satz verbietet sich eigentlich für ein Porträt über den früheren NRW-Verkehrsminister. 2009 hatte Wittke das Ministeramt abgeben müssen, weil er beim Rasen geblitzt worden war. Eine peinliche Sache, die ihm bis heute nachhängt und für allerlei Spott über den "rasenden Olli" sorgt. Aber an in diesem sonnigen Märztag ist Wittke tatsächlich auf der Überholspur. Allerdings nur auf der Universitätsstraße in Bochum. Er fährt nicht besonders schnell. Er wählt eine Geschwindigkeit, die sogar knapp unter dem innerörtlichen Tempolimit liegt.

Schnell sprechen, langsamer fahren


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Ex-Generalsekretär, Ex-Minister und Ex-Oberbürgermeister Wittke

Mit anderen CDU-Politikern besucht Wittke in Bochum Hochschuleinrichtungen. In seinem Audi A 6 fährt er von Station zu Station. Er ist in seinem Revier. Der Gelsenkirchener Wittke hat vor 25 Jahren in Bochum studiert. Die Visite einer hochmodernen Kita auf dem Campusgelände nutzt er für eine politische Attacke auf die Landesregierung. "Diese Kindertagesstätte ist klasse, so was braucht man. Sie zeigt aber auch, wie falsch ist es, dass Rot-Grün in NRW die Elternbeiträge für die Kitas abschafft", sagt Wittke. Er spricht schnell, lächelt dabei immer wieder freundlich. "Wer finanziell leistungsfähig ist, soll auch bezahlen für die Kita-Betreuung seiner Kinder."

"Wälze mich nicht schweißgebadet im Bett"


Oliver Wittke Generalssekretär CDU NRW, Norbert Röttgen, Landesvorsitzender und Karl-Josef Laumann, Fraktionsvorsitzender, präsentieren vor dem Landtag ein erstes Wahlkampfplakat.
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Gemeinsam mit Röttgen (m.) und Laumann (r.) im erfolglosen Landtagswahlkampf 2012

Wer den fröhlichen Wittke bei diesem Alltagstermin beobachtet, kann sich kaum vorstellen, dass der CDU-Politiker vor knapp einem Jahr eine herbe Niederlage einstecken musste. Bei der Landtagswahl im Mai 2012 kam die CDU landesweit nur noch auf gut 26 Prozent - das war ihr Rekordtiefstwert in der NRW-Landesgeschichte. Der CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen musste gehen - und mit ihm Generalsekretär Wittke. Er habe die Verantwortung übernommen für die Wahlpleite, sagt Wittke. "Deshalb bin ich ja auch als Generalsekretär zurückgetreten. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich nachts schweißgebadet im Bett wälze und mir schuldbeladen vorkomme."

Zehn Monate nach der historischen Wahlniederlage scheint Oliver Wittke zufrieden zu sein mit seiner derzeitigen Rolle als Hinterbänkler im Landtag. Für jeden Gesprächspartner in Bochum hat er einen kleinen Scherz übrig. Jeden einzelnen Raum in der Bochumer Vorzeige-Kita schaut er sich mit anerkennendem Nicken an. Wittke wirkt zufrieden und entspannt. Die Lockerheit könnte aber auch mit seinen Zukunftsplänen zusammenhängen. Im September kandidiert er bei der Bundestagswahl.

Bundestagswahl als "Neuanfang"

"Die Bundestagswahl ist für mich schon ein Neuanfang", sagt Wittke. Als Vorsitzender der CDU im Ruhrgebiet wurde er beim Nominierungstreffen der Landespartei am vergangenen Samstag (16.03.2013) in Münster auf den als sicher geltenden Listenplatz 10 gewählt. Es ist die Fortsetzung einer politischen Karriere, die Wittke auf Nachfrage lachend als "abwechslungsreich" bezeichnet. Sensationell hatte er 1999 die OB-Wahl in der traditionellen SPD-Hochburg Gelsenkirchen gewonnen. Eine Mehrheit von 123 Stimmen beförderte den CDU-Mann ins Rathaus. Damals traf der junge Christdemokrat in der Stadtverwaltung auf 2.500 Mitarbeiter mit SPD-Parteibuch - und nur auf 14 beamtete CDU-Mitglieder. 2004 wurde er wieder abgewählt als OB. "Was ich als Oberbürgermeister und später als Landesminister gelernt habe, will ich in Berlin einbringen", sagt Wittke heute.

46 Jahre ist der Familienvater Wittke jetzt alt. Eine Nachwuchshoffnung ist er nicht mehr, aber trotz zwischenzeitlicher Überlegungen, aus der Politik auszusteigen, will der CDU-Politiker noch einmal angreifen. Fraglich bleibt, ob seine lockere Art, seine lockeren Sprüche und seine für einen Politiker untypische Ruhrpott-Herzlichkeit dabei hinderlich sind. Immer wieder stand sich Wittke selbst im Weg. In einem Zeitungsinterview stellte er sich einst als besonders bürgernah dar und war mit dem Satz zitiert worden: "Ich kann auch mit Doofen." Bei einer Landtagssitzung war Wittke zudem aufgefallen, weil er auf der Regierungsbank Fußball-Sammelbildchen in ein Album geklebt hatte. Der Unterhaltungsfaktor war bei dem Hobbyjäger immer hoch - das dürfte auch im Bundestag so bleiben.

Politiker "muss seriös rüberkommen"


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Keine Fußball-Sammelbilder mehr in Sicht, wenn Wittke auftritt

Die CDU-Delegation in Bochum ist zur nächsten Station der Hochschul-Tour weitergefahren. Die Politiker müssen sich eine Power-Point-Präsentation zur Zukunft der Gesundheitswissenschaft anhören. Einige CDU-Politiker zücken gelangweilt ihre Pads oder checken Mails auf dem Blackberry. Wittke hingegen hört dem Vortrag konzentriert zu. "Als Politiker muss man seriös rüberkommen", sagt er noch am Rande der Visite. Hätte man früher vielleicht noch ein paar kritische Sätze über andere CDU-Politiker von Wittke gehört, so gibt er sich zunächst diszipliniert. "Die NRW-CDU ist auf einem guten Weg. Armin Laschet und Karl-Josef Laumann leisten auf diesem Weg gute Arbeit", sagt er über die aktuelle Führung der Landespartei. Die Doppelspitze funktioniere "recht ordentlich". Lob klingt anders. Die CDU habe nun einmal so entschieden, die Spitzenämter in Fraktion und Partei auf zwei Personen zu verteilen. Zum Schluss sagt Wittke: "Ob einer der beiden nach der Bundestagswahl nach Berlin wechselt, weiß man nie. An meiner eigenen Biographie sieht man ja, wie schnelllebig die Politik ist."

Bei der Arbeit
Martin Teigeler

Auf dem Beifahrersitz von Oliver Wittke fühlt man sich wohl. Der CDU-Politiker fährt sicher - obwohl er gleichzeitig ein Interview gibt. Das ist vollkommen legal und gibt deshalb keine Punkte in Flensburg.


Stand: 18.03.2013, 08.05 Uhr


Kommentare zum Thema (17)

letzter Kommentar: 18.03.2013, 18.18 Uhr

T.Weber schrieb am 18.03.2013, 18.18 Uhr:
Wenn der mal so schnell arbeiten würde wie der Quasselt bzw. das auch genauso schnell umsetzen würde, wäre er ein Guter.
oh dementia oh senscencia schrieb am 17.03.2013, 14.52 Uhr:
Tja in den "Alt"parteien wird man auf dem Parlamentssessel mumifiziert wenn man die alte Mumie erst mal entfernen konnte? Mit dem Personal habens die Parteien wie mit den Phrasen aus den 80ern des letzten Jahrhunderts. Das erzeugt aber schon bei jungen Mitbürgern Falten auf der Stirn, so beginnt das frühe Altern in einer überalternden Politik.
WDR.de schrieb am 17.03.2013, 14.53 Uhr:
Posting wurde entfernt, weil es gegen unsere Kommentarregeln verstößt.
Kasse statt Klasse machen...Leute schrieb am 17.03.2013, 10.29 Uhr:
ben schrieb heute, 10:15 Uhr: Da irren sie aber gewaltig, denn die CDU hat wirklich keine Leute mehr, die irgendwas für die Wähler bedeuten oder bewirken könnten, sonst wäre das mit Schröder Light Kraft nicht passiert. Aber falls es sie beruhigt auch die anderen Parteien bringen über die Listen immer die zweifelhaften Verlierer ins Parlament, s.z.B. Schröder Köpf in Niedersachsen. Was interessiert die Parteien der Wähler, sobald man an der Kasse sitzt?
ben schrieb am 17.03.2013, 10.15 Uhr:
Die CDU ist ja für so manche "Merkwürdigkeit" bekannt, aber DEN Politik-Versager wieder hervorkramen? Da hat selbst die CDU bessere Leute. Oder sind seine Köfferchen aus den letzten "Durchwink-Aktionen" leer?

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