Die CDU plant den Neuaufbau 30 Prozent plus X

Von Rainer Kellers

Drei Tage lang hat die NRW-CDU ihre Fehler bei der Landtagswahl seziert. Das Ergebnis ist nicht angenehm, aber nun soll es wieder bergauf gehen. Bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr will die Partei über die 30-Prozent-Marke klettern. Die Frage ist nur, wie?


Sonderparteitag der CDU
Bild 1 vergrößern +

"Genug mit der Vergangenheitsbewältigung"

Der falsche Kandidat, die falschen Themen, mangelnde Kompetenz. Die Liste der Fehler bei der verkorksten Landtagswahl ist für die NRW-CDU lang. Am Wochenende hat die Parteispitze vier Stunden lang mit den Kreisvorsitzenden über die Wahl gesprochen. Am Montag folgte die Landtagsfraktion. Es waren "Tage des Zuhörens", sagte im Anschluss der neue Parteichef Armin Laschet. Jetzt sei es aber genug mit der Vergangenheitsbewältigung und es müssten "Tage des Handelns" folgen. Mit 26,3 Prozent hatte die Union im Mai ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in NRW eingefahren. Spitzenkandidat Norbert Röttgen erklärte noch am Wahlabend seinen Rückzug als Parteivorsitzender, wenig später verlor er auch das Amt des Bundesumweltministers.

Norbert Röttgen und seine Fehler

Der gescheiterte Spitzenkandidat wurde auch von den "CDU-Regionalfürsten" und der Fraktion als Hauptschuldiger für die Pleite ausgemacht. Seine Versäumnisse sind hinlänglich bekannt: Die Unentschiedenheit bei der Frage, ob er bei einer Wahlniederlage Oppositionschef im Landtag werde oder zurück nach Berlin gehe. Die Zuspitzung des Wahlkampfs auf die Haushaltspolitik, ohne jedoch eigene Sparvorschläge zu machen. Ein unverständlicher Slogan ("Politik aus den Augen der Kinder"). Schlechte Kompetenz- und Sympathiewerte für Röttgen. Und eine erhebliche Mobilisierungsschwäche in der eigenen Anhängerschaft. Den Schulkompromiss allerdings - auch von Röttgen vorangetrieben - halten die meisten Kreisvorsitzenden für richtig und widersprechen damit einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die war jüngst zu dem Ergebnis gekommen, dass der CDU die Einigung mit Rot-Grün beim Thema Schule geschadet habe. So habe man ein emotionales Thema leichtfertig aus der Hand gegeben.


Sonderparteitag der CDU
Bild 2 vergrößern +

"Die CDU muss wieder unterscheidbar sein"

"CDU muss wieder unterscheidbar sein"

Wie will die CDU nun aus der tiefen Depression herauskommen? Laschet und Fraktionschef Karl-Josef Laumann versuchten am Montag nach einer Klausurtagung der Fraktion Antwort darauf zu geben. Die CDU müsse wieder "unterscheidbar" sein, sagten beide. Die "Distanz zwischen Politik und Menschen" müsse kleiner werden, die Anliegen der eigenen Basis wieder im Mittelpunkt stehen. "Die neue Zukunft der Partei beginnt in den Stadtverbänden und Ortsunionen", hatte bereits am Samstag ein Kreisvorsitzender gesagt.

Inhaltlich will die Fraktion die Landesregierung mit eigenen Konzepten stellen, zum Beispiel beim Haushalt, dem Gemeindefinanzierungsgesetz und dem Ausbau der U3-Betreuung. Laschet will insgesamt die Wirtschafts- und Sozialkompetenz stärken. Die Partei müsse "sich hüten, sich nur in eine Richtung zu entwickeln". Grüne Themen sollten entsprechend nicht mehr im Fokus stehen, sondern der Erhalt von Arbeitsplätzen. "Arbeit zu schaffen, ist ein ethischer Wert", sagt Laschet. Einsetzen will sich Laschet in Zukunft sowohl für ein städtisches wie für ein ländliches Klientel.

"... sonst geht die Bundestagswahl verloren"

Die Klausurtagung der Fraktion war nur der Auftakt einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen. Bereits am Dienstag (04.09.2012) werde es eine Klausurtagung der NRW-Landesgruppe in Berlin geben. Mitte Oktober kommen alle Mandatsträger der NRW-CDU zu einer weiteren Klausur zusammen. Im November folgt ein Reformkongress, und bereits im September will Laschet bei einer "Industrietour" Unternehmen besuchen. Das Ziel sei, sich im nächsten Jahr bei der Bundestagswahl deutlich zu verbessern. Es sei enorm wichtig, mehr als 30 Prozent in NRW zu holen. "Wenn das nicht gelingt, geht die Wahl für die CDU in ganz Deutschland verloren", warnt Laschet.

Laschet bringt sich für Spitzenamt in Stellung

Gleichzeitig bringt sich Laschet in Stellung für ein Spitzenamt in der Bundes-CDU. Beim Parteitag im Dezember will sich der 51-Jährige zum Stellvertreter Angela Merkels wählen lassen. Diesen Posten hat bislang Norbert Röttgen inne. Der tritt zwar nicht erneut an, will sich andererseits aber auch nicht aus der Politik zurückziehen. Vor einigen Tagen gab er bekannt, Beisitzer im Bundesvorstand werden zu wollen. Außerdem will er erneut für den Bundestag kandidieren. Laschet und Laumann unterstützen Röttgen dabei. Er sei ein "großes politisches Talent", sagte Laumann am Montag. Nicht alle in der Partei dürften diese Meinung teilen.


Stand: 03.09.2012, 15.28 Uhr


Kommentare zum Thema (32)

letzter Kommentar: 08.09.2012, 10:08 Uhr

Armes NRW schrieb am 08.09.2012, 10:08 Uhr:
Ich glaube auch, dass das dicke Ende mit der rot/grünen NRW-Regierung noch kommt. Dass diese so souverän gewinnen konnte, rechne ich auch zum größten Teil der damals unfähigen CDU zu. Ich bin kein CDU-Wähler, hätte aber zumindest lieber eine große Koalition gehabt. Wie konnte die CDU nur solch einen ungeeigneten Kandidaten aufstellen. Wie konnte die CDU nur derart unvorbereitet sein, zumal bei der ständig um Unterstützung tingelden Minderheitsregierung jederzeit mit dem Zusammenbruch gerechnet werden konnte. Christian Lindner hat es intelligenter und niveauvoller gemacht, weshalb ich ihm auch meine Stimme gegeben habe.
Nix Volk nix Partei schrieb am 05.09.2012, 16:27 Uhr:
na ja was sind schon 30% bei 30 % Wahlbeteiligung wie in Dortmund der Trend zeigt? Altparteien sind Nix-Parteien geworden bejubeln Euro und beschließen einen verfassungswidrigen EMS ohne rot zu werden. Laschet hängt seine Fahne auch nur in diesen Wind von Merkel und Co und ist deshalb für NRW nicht akzeptabel(den anderen sind wir wie Merz für immer los?)
heinzb aus nrw schrieb am 04.09.2012, 20:22 Uhr:
Holt den Möllemann zurück, dann habt Ihr eine Chance, der hat vor und nach den Wahlen die Wahrheit gesagt und nicht das Volk betrogen wie die sonstige Politische Kaste Deutschlands .
Ich schrieb am 04.09.2012, 14:16 Uhr:
Auf Hr. Laschet und Konsorten kommt ein viel größeres Problem zu. Mit der zusammenführung der PBC mit der AUF Partei wird eine echte Alternative geschaffen zur CDU. Im gegensatz zu den Piraten und anderen Neuen haben die ein Program. Es wird 2013 sicher nicht viel für die Altparteien überbleiben zum verteilen. Zieht euch schon mal warm an.
KdM schrieb am 04.09.2012, 11:18 Uhr:
Die Wahl war ein Desaster für die Zukunft NRW´s auch wenn viele gejubelt haben. Der Kater kommt schneller als man denkt. Ich denke da nur an den Umweltzwangsdirigismus von rot-grün, wo nur Ideologie im Vordergrund steht und die Interessen der Bürger nicht nur nebensächlich sondern nicht existent sind. Häuschenbesitzer aber auch Mieter werden sich noch umschauen, was an Kosten auf sie zukommen bei den geplanten Zwangssanierungsmaßnahmen für Haus und Rohre. Ja die CDU ist auch nicht das non plus ultra. Aber wenn Politiker sich wieder zum Ziel setzen würden - ernsthaft - , den Bürger nicht mehr zu belasten als unbedingt nötig und wenn man auch vor Ort wieder schauen würde, daß Interessen von Städten und Landgebieten vereinbar sein müssen, ja das wäre schon was. Wenn man also unideologisch auf die Bedürfnisse der MENSCHEN schaute und auch ernsthaft sparen würde ist das ein lohnenswertes Ziel. Kommt so auch nicht von der CDU aber der Ansatz des Verstehens ist da - bei Hanni und Nanni nicht

Alle Kommentare anzeigen



tagesschau.de

  • Das Champions-League-Finale im Live-Ticker

    Rot oder Schwarz-Gelb? Im ausverkauften Wembley-Stadion kämpfen Bayern München und Borussia Dortmund um den Champions-League-Titel 2013. Es ist das bisher bedeutendste Ereignis in der Geschichte des deutschen Club-Fußballs: Zum ersten Mal treffen im Finale zwei deutsche Mannschaften aufeinander.

  • Friedrich: Kein Hinweis auf konkreten Anschlagsplan

    Das BKA hat die Innenminister der Länder über ein möglicherweise in Deutschland geplantes Attentat informiert. Spekulationen über Anschlagsziele wies Bundesinnenminister Friedrich jedoch zurück. Es gebe keine Hinweise auf konkrete Aktionen.

  • Soldat in Paris niedergestochen

    Ein Unbekannter hat in Paris einen französischen Soldaten mit dem Messer verletzt. Der Angreifer stach den Soldaten im Geschäftsviertel La Défense in den Hals und flüchtete. Nach Polizeiangaben ist das Opfer nicht in Lebensgefahr.

  • Merkel erteilt Forderung nach raschem Mindestlohn Absage

    "Mindestlohn jetzt": Mit dieser Forderung ist Kanzlerin Merkel auf der Tagung des CDU-Arbeitnehmerflügels empfangen worden. Zwar erteilte sie den Wünschen ihrer Parteifreunde eine Absage, vertröstete sie aber auf die Zeit nach der Bundestagswahl.

  • Solingen: Gedenken an Opfer des Brandanschlags von 1993

    2000 Menschen haben in Solingen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus protestiert. Die Demonstration war der Auftakt der Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Brandanschlags, bei dem 1993 fünf Türkinnen ums Leben kamen.

  • 50 Jahre AU: Geburtstag mit gemischten Gefühlen

    Als "Plauderklub der Diktatoren" wurde die Organisation für Afrikanische Einheit einst verspottet. Heute, 50 Jahre nach ihrer Gründung, nennt sie sich Afrikanische Union. Vieles läuft noch schleppend, aber militärisch hat sie sich Respekt verschafft.

  • Myanmar: Geburtenbeschränkung für Muslime in zwei Orten

    Die Beziehungen zwischen Buddhisten und Muslimen im Westen Myanmars sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein Beschluss der Behörden für weitere Aufregung: In zwei Städten gilt eine Geburtenbeschränkung - aber nur für Muslime, nicht für Buddhisten.