Polizei räumt Geschäftstelle der Grünen: No-Border-Protest in Düsseldorf
Ausnahmezustand in der Düsseldorfer Innenstadt: 40 Aktivisten des Kölner "No-Border-Camps" hatten sich am Freitag (20.07.2012) in der Geschäftsstelle der NRW-Grünen verschanzt, am Abend begann die Polizei, das Gebäude zu räumen. Eine ähnliche Aktion im französischen Generalkonsulat wurde am Freitagnachmittag bereits friedlich aufgelöst.

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Die Aktivisten halten den ersten Stock der Grünen-Geschäftsstelle besetzt
Absperrbänder verhinderten am Freitagnachmittag (20.07.2012) den Zugang zur Jahnstraße im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt. Circa zehn Einsatzwagen der Polizei und ungefähr 30 Beamte hatten sich vor der Geschäftsstelle der Grünen postiert. Aus den Fenstern im ersten Stock hingen Spruchbänder, die Solidarität mit Flüchtlingen einfordern. Aktivisten aus dem Umfeld des Kölner "No-Border-Camps", das für bessere Aufenthaltsbedingungen für Flüchtlinge demonstriert, hielten das Stockwerk besetzt. Sie waren vermummt, trugen Sonnenbrillen, Mützen und Schals. Sechs Stunden dauerte die Besetzung an. Am späten Abend begann die Polizei, das Gebäude zu räumen. Sie sprach von 40 Aktivisten, die sich zu diesem Zeitpunkt darin aufgehalten haben sollen. Laut Auskunft der Aktivisten seien es 50 gewesen.
Gewaltsam oder friedlich?
Die Aktion begann am Freitag (20.07.2012) gegen 14 Uhr. Die Aktivisten sollen sich gewaltsam Zutritt zur Parteizentrale verschafft haben, sagte Polizeisprecher Markus Niesczery. Eine Mitarbeiterin der Geschäftsstelle sei von den Eindringlingen zur Seite gestoßen worden. Jörg May, Finanzreferent der Grünen, gab an, eine Person habe sich als Postbote ausgegeben. Er betonte aber auch, dass die Demonstranten nicht bedrohlich gewesen seien. Laut Niesczery wird wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch und Körperverletzung ermittelt. Eine Anzeige hatten die Grünen zunächst nicht erstattet. Vertreter der Grünen und die Aktivisten sollen laut Partei einen längeren Dialog geführt haben. Als der zu keinem Ergebnis kam, entschied sich die Geschäftsstelle dazu, die Polizei um Hilfe zu bitten.
"Wir bedauern sehr, dass es zu der polizeilichen Räumung kommen musste", so Mona Neubaur, Vorsitzende der Düsseldorfer Grünen. "Die Gespräche verliefen zunächst konstruktiv und sachlich. Wir haben offen und ohne Androhung juristischer Konsequenzen die Protestierenden angehört. Acht Personen haben danach friedlich und ohne Personalfeststellung die Geschäftsstelle verlassen. Nach dem Angebot einer öffentlichen Erklärung zur Unterstützung der Forderungen hatten wir aber den Eindruck, dass ein Teil der Gruppe eher Eskalation wollte. Dies ändert jedoch nichts an unserer Unterstützung der politischen Forderungen."
Protest an Düsseldorfer Rheinkniebrücke
Mit der Aktion wollten die Aktivisten den Protest von Flüchtlingen an der Düsseldorfer Rheinkniebrücke unterstützen. Ursprünglich war dort ein Camp geplant, allerdings untersagte die Stadt den Demonstranten die Übernachtung in Zelten. Die Aktivisten halten das für eine Beschneidung des Demonstrationsrechts der Flüchtlinge. Sie fordern einen Abschiebestopp, die Auflösung von Sammellagern und die Abschaffung der sogenannten Residenzpflicht, nach der ein Flüchtling in der Stadt zu bleiben hat, in der er gemeldet ist. Nicht zuletzt wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom Mittwoch (18.07.2012), das die Sozialleistungen an Flüchtlinge für zu gering erachtet, erhielt das Thema in den vergangenen Tagen mehr Aufmerksamkeit.
Statt eines Zeltcamps genehmigte die Stadt schließlich eine Mahnwache. "Die Demonstranten dürfen sich theoretisch rund um die Uhr dort aufhalten, aber sie dürfen dort nicht übernachten", erläuterte Polizeisprecher Markus Niesczery WDR.de. Den Vorwurf, Protest sei nicht möglich, wies er zurück. "Das ist mir zu pauschal und in der Sache nicht angemessen." Die Flüchtlinge stellten am Dienstag (10.07.2012) vergangener Woche einen Klapppavillon unterhalb der Düsseldorfer Rheinkniebrücke in der Nähe des Landtags auf. Wechselnde Teilnehmer halten sich seitdem Tag und Nacht dort auf.
Dialog mit den Grünen gefordert

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No Border Protest in Düsseldorf
Die Forderung der Aktivisten in der Grünen-Geschäftstelle: "Wir wollen den Flüchtlingen einen ordentlichen Protest ermöglichen", sagte eine Sprecherin, die sich Judith W. nannte, gegenüber WDR.de. "Sie können nicht arbeiten, müssen am gleichen Ort bleiben und dürfen nicht dagegen protestieren. Das halten wir für falsch." Um den Protest durchzusetzen, forderte die No-Border-Bewegung ein Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der NRW-Grünen. "Die Grünen pflegen den Habitus, sich für Menschenrechte einzusetzen", begründete die Protestsprecherin diesen Schritt. "Allerdings haben sie beispielsweise auch das Asylbewerberleistungsgesetz mitverbrochen." Einerseits erhofften sich die Demonstranten, dass ihnen die Grünen helfen würden. "Andererseits wollen wir sie aber auch an ihre Versprechen erinnern."
Die meisten der Vorstandsmitglieder der Grünen befinden sich momentan im Urlaub. Von Seiten der grünen Führungsebene war auch nach Abbruch der Gespräche mit den Aktivisten kein Kommentar zu erhalten.
Ähnliche Aktion in französischem Konsulat

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Polizei löst Aktion im französischen Konsulat auf
Bei einer ähnlichen Aktion, die laut Judith W. nicht mit den Besetzern der Grünen-Geschäftsstelle abgesprochen war, hatten sich elf No-Border-Aktivisten am Freitagmittag (20.07.2012) im Vorraum des französischen Generalkonsulats in Düsseldorf eingenistet. Gegen 16 Uhr sei die Besetzung laut einem Düsseldorfer Polizeisprecher aufgelöst worden. "Die Aktion war zu keinem Zeitpunkt bedrohlich", sagte der Sprecher WDR.de. Die elf Demonstranten wurden in polizeilichen Gewahrsam genommen. Mit der Aktion wollten die Teilnehmer auf Todesfälle unter Einwanderern in Calais aufmerksam machen, die zu Unrecht als Selbstmorde zu den Akten gelegt worden seien. Am Abend wurden sie aus dem Gewahrsam entlassen.
Abschlussdemonstration am Flughafen
Am Samstag (21.07.2012) zogen etwa 600 Aktivisten vom Düsseldorfer Flughafen-Bahnhof in Richtung Flughafen-Terminal und hielten dort ihre Abschlussdemonstration mit einer Mahnwache ab. Begleitet wurden sie dabei nach Polizeiangaben von einem großen Aufgebot an Beamten. Zwischenfälle und Behinderungen für Reisende gab es nicht, so ein Polizeisprecher. 50 Teilnehmer versammelten sich innerhalb des größten NRW-Flughafens. Der Protest richtete sich gegen Sammelabschiebungen in den Kosovo sowie nach Serbien und Nigeria.
Stand: 21.07.2012, 15.47 Uhr
Kommentare zum Thema (33)
letzter Kommentar: 26.07.2012, 15:35 Uhr
- Hans schrieb am 26.07.2012, 15:35 Uhr:
- Ja Ja, gegen welche Regel habe ich denn verstoßen? Ich habe niemanden persönlich beleidigt oder sonst irgendwie verunglimpft. Das Problem ist doch vielmehr das es Meinungen gibt die ihr als politisch incorrect betrachtet oder aber Angst davor habt das andere dies tun und Euch deshalb belästigen. Vor allem wenn es, um zurecht unbeliebte oder geächtete, Minderheiten wie z.B Zigeuner geht. Nun gut so ist das eben bei Euch im WDR das kann ich nicht ändern. Allerdings ändert das nichts daran das mein Kommentar im Hinblick auf das Recht der freien Meinungäußerung völlig korrekt und juristisch unbedenklich war.
- WDR.de schrieb am 26.07.2012, 12:59 Uhr:
- @Hans: Ihr Posting wurde entfernt, weil es gegen unsere Kommentarregeln verstößt.
- Anonym schrieb am 23.07.2012, 14:07 Uhr:
- Bleibt lediglich die Hoffnung, daß durch die steigenden Kosten in Kürze schneller abgeschoben wird.
- Schwere Zeiten für die Grünen? schrieb am 23.07.2012, 11:36 Uhr:
- Die Grünen sind in der Trittin-Falle gelandet. Jetzt werden die Sprechblasen dieses Spitzenfunktionärs, der abstruse Forderungen nur allzu gern auf die Spitze treibt, aber sein wahres Gesicht bei den Bilderbergern zeigte, auch eingefordert. Der Realo-Grüne Tübinger OB Boris Palmer hat die Gefahr, die dieser Altfunktionär für die Grünen mittlerweile darstellt(in Bezug auf Wählerzuspruch in Bevölkerung) schon erkannt und in der Partei thematisiert. Aber die Distanzierung der Grünen von Trittin und seinen Irrlichtern von Gefolgsleuten kommt offensichtlich viel zu spät. Die Grünen sind als janusgesichtige Partei entlarvt und werden wie jede andere Altpartei von Gruppen aus Bevölkerung attackiert. Als nächstes kommen die Eurokritiker, die die Eurobonds -und Sozialisierungforderungen der BRD-Kassen für Europa und die Welt, seitens der Grünen(und SPD" Erzbengel" Gabriel!) nicht vergessen werden!
- Henrik v. K. schrieb am 23.07.2012, 11:15 Uhr:
- Nicht das wir wegen dieser sozialromantischen Gutmenschen wieder die Besen vor die Tür stellen müssen! Es krankt an zu zögerlichen Rückführungen in die jeweiligen Heimatländer. Wir brauchen schnellere Verfahren und endlich(!) konsequente Abschiebungen wenn kein Asylgrund vorliegt oder die Gefahr im Heimatland, wie im Kosovo, nicht mehr existiert. Schlechte wirtschaftliche Verhältnisse im Heimatland oder sonstige Unannehmlichkeiten wie Witterung ,schlechte Infrastruktur uns vieles mehr sind ganz sicher keine akzeptablen Gründe für einen Verbleib von temporär aufgenommenen Flüchtlingen in Deutschland. Das es diesen Menschen bei uns sehr gut gefällt ist schon klar aber das ist erst recht kein Grund sie nicht Rückzuführen! Was Zigeuner bertrifft so sind diese Menschen in Ganz Europa und weit darüber hinaus nicht gut gelitten. Kein Land in Europa will Zigeuner aufnehmen. Das hat ganz sicher seine guten Gründe!
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