No-Border-Camp in Köln: "Deutschland ist meine Heimat"
Menschenrechtsgruppen haben zurzeit Dutzende von Zelten am Rheinufer in Köln aufgeschlagen. Bis Sonntag (22.07.2012) möchten die Veranstalter dieses "antirassistischen Grenzcamps" auf die Probleme von Flüchtlingen aufmerksam machen. Im Fokus stehen Abschiebungen von Roma-Familien.

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Bis zu 1.000 Menschen aus vielen Ländern werden zu dem Grenzcamp erwartet
Tina (22) lebt ständig in der Angst, in den Kosovo abgeschoben zu werden. Im Abstand von drei Monaten muss die Roma zur Ausländerbehörde, um ihren Duldungsstatus wieder zu verlängern. Ihre Eltern flohen Anfang der 1990er Jahre vor dem Bürgerkrieg aus dem damaligen Jugoslawien. Tina war drei Jahre alt. "Deutschland ist meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen. Roma sind im Kosovo nichts wert. Wenn wir dorthin zurückgehen, dann habe ich keine Zukunft. Ich beherrsche noch nicht einmal die dortige Sprache", sagt die 22-Jährige.
Workshops, Demonstrationen und Straßentheater
Tina gehört zu den Teilnehmern des "No-Border-Camps", das ein Netzwerk von Antirassismus-Gruppen an den Poller Wiesen organisiert hat. Bis Sonntag (22.07.2012) gibt es Workshops und Vorträge, in denen es um Zwangsvorführungen, Abschiebungen und um bessere Aufenthaltsbedingungen für Flüchtlinge geht. Mit Straßentheater und Demonstrationen in Köln und Düsseldorf wollen die Aktivisten auf die Lage von Asylbewerbern und geduldeten Flüchtlingen aufmerksam machen. Bis zu 1.000 Menschen aus verschiedenen Ländern werden erwartet. Die "No-Border-Camps" finden in unregelmäßigen Jahresabständen in europäischen Ländern statt. In Köln wurden 2003 schon einmal die Zelte aufgeschlagen. Damals war das Camp nach Auseinandersetzungen mit der Polizei von den Behörden aufgelöst worden.
Am Samstag (21.07.2012) ist eine Protestkundgebung auf dem Düsseldorfer Flughafen geplant. Von dort starten zahlreiche Flugzeuge mit zwangsweise abgeschobenen Flüchtlingen in ihre Herkunftsländer. Auch nach Serbien und in den Kosovo. Unter den Abgeschobenen sind viele Roma, die zum Teil jahrelang in Deutschland leben.
Schwierige Lebenssituation für Roma im Kosovo

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Roma werden im Kosovo diskriminiert
Das Leben der Roma im Kosovo ist problematisch. "Diese Minderheit trifft dort auf schwierige Lebensbedingungen. Deshalb betreibt Nordrhein-Westfalen eine zurückhaltende Rückführungspolitik", sagt Birgit Axler, Sprecherin beim NRW-Innenministerium. Derzeit leben in NRW 3.580 geduldete Kosovaren. Davon gehören rund 2.460 der ethnischen Minderheit der Roma an. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 75 Menschen in den Kosovo abgeschoben. Mehr als die Hälfte waren Roma. "Wir schicken die Leute nicht ins Nichts", so Axler weiter. Denn NRW beteilige sich im Kosovo an Rückkehrprojekten. Die Hilfe für kosovarische Rückkehrer reiche von Wohnungs- und Arbeitssuche bis hin zur medizinischen Behandlung.
Als besser gilt die Lebenssituation der Roma im Nachbarland Serbien. In NRW leben derzeit rund 3.760 geduldete serbische Staatsbürger. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten 311 ausreisen. Seitdem Anfang 2010 die Visa-Freiheit für Serbien eingeführt wurde, sei die Zahl der Asylbewerber von dort deutlich angestiegen, sagt Birgit Axler vom Innenministerium.
Verein fordert: "Therapie statt Flieger"
Ganz anders bewertet Iris Biesewinkel, Sozialberaterin bei Rom e.V. in Köln, die Rückführungspolitik des Landes. Der Verein beteiligt sich an dem Grenzcamp. "Von Zurückhaltung bei der Abschiebung in den Kosovo sehe ich nichts. Selbst schwer kranke Menschen und Familien mit kleinen Kindern werden in den Flieger gesetzt. Dabei sind viele so traumatisiert, dass sie in eine Therapie statt in einen Flieger gehören", meint Iris Biesewinkel, die selbst den Kosovo und Serbien besucht hat. "In Serbien sieht man wenigstens Roma, die auf der Straße betteln. Im Kosovo trauen sie sich noch nicht einmal das, weil sie dann sofort vertrieben werden."
Doch auch Serbien ist kein ungefährliches Land für Roma. In beiden Ländern sei eine steigende Tendenz von rassistischen Übergriffen zu bemerken, sagt Iris Biesewinkel. Kinder würden auf dem Schulhof verprügelt und Erwachsene auf der Straße zusammengeschlagen. Sie würden von Sozialleistungen und Schuldbildung ausgeschlossen. Die Angst der in Deutschland lebenden Roma vor der Abschiebung sei deshalb groß. "Ganze Familien gehen in die Illegalität. Sie leben auf der Straße, schlafen im Park und die Kinder gehen dann nicht mehr zur Schule", erzählt Sozialberaterin Biesewinkel.
Tina gibt nicht auf

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Bis Sonntag wollen Aktivisten auf die Probleme von Flüchtlingen aufmerksam machen
Zurück im "No-Border-Camp": Tina hofft, dass es mit einem dauerhaften Bleiberecht klappt. Zurzeit macht sie wieder mal ein Praktikum. In einem Hotel mit Restaurant-Betrieb. Ihr Chef kennt ihre Lage. Wenn er mit ihr zufrieden ist, bekommt sie vielleicht einen Job. "Dann muss aber auch das Ausländeramt mitspielen", sagt sie. Denn ihr Chef möchte sie, wenn überhaupt, dann länger einplanen als nur drei Monate. Deshalb braucht die junge Roma-Frau von den Behörden eine längere Aufenthaltsgenehmigung. Unabhängig von ihrer Situation droht aber auch ihren Eltern und Brüdern stets die Abschiebung. Für Tina bleibt die Zukunft ungewiss.
Stand: 17.07.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (46)
letzter Kommentar: 22.07.2012, 16:30 Uhr
- Anonym schrieb am 22.07.2012, 16:30 Uhr:
- @ jonas- ist das die Intoleranz der Toleranten? Wer eine andere Meinung vertritt, wird wie in der Stasi angezettelt. Das war auch im dritten Reich so. Und das bei den Gutmenschen, die immer die anderen sofort als Nazis titulieren. Und diese Gutmenschen, die auch nur ein bisschen Soziologie oder ähnliches studiert haben und nie für ihren Unterhalt arbeiteten, sich aber nie zu fein waren, die hart Arbeitenden für ihren Unterhalt aufkommen zu lassen, sind auch nicht besser als die Kientel.
- kleinundbissig schrieb am 22.07.2012, 15:02 Uhr:
- Vielleicht sollten wir den Platz alle mal besuchen. Wäre ja eventuell eine Möglichkeit für den Einen oder Anderen die Person/en zu identifizieren, der/die ihn bestohlen, überfallen, beraubt, abgezockt oder gar verletzt haben.
- Alois schrieb am 22.07.2012, 01:28 Uhr:
- "Was ist an dem Besen in der Tür" auch "Ziegeunerbesen" genannt verwerflich? Der zeigt doch nur an, dass Zigeuner dort nicht erwünscht sind. Vor der Tür zu meinem Club steht auch ein Türsteher der genau dem selben Zweck dient, die Leute fernzuhalten die wir im Club nicht haben wollen. Also auch so eine Art sprechender Allroundbesen. Das ist gutes Recht! Analog dazu darf ich mir als Privatman, genauso wie ich mir ein Schild mit der Aufschrift "Betteln und Hausieren verboten" an Haustüre mache doch, auch einen Besen vor die Tür oder oder an die Einfahrt meines Grundstücks stellen um vorbeiziehenden Zigeunern anzuzeigen, dass sie in diesem Haus nicht erwünscht sind. Wo ist da ein Problem? Ich muß nicht jeden auf meinem Grund und Boden willkommen heißen.
- WDR.de schrieb am 22.07.2012, 12:27 Uhr:
- @ Jonas - wir haben den Kommentar von "Das Zentralorgan" nach nochmaliger Prüfung entfernt.
- Jonas schrieb am 21.07.2012, 18:08 Uhr:
- Lieber WDR, bitte überlegt euch doch, ob ihr diese ganzen rassistischen Stereotype hier stehen lassen wollt. Es kann jawohl nicht die Aufgabe einer gebührenfinanzierten Medienlandschaft sein dem Mob einen Ort zu geben, an dem er sich austoben kann. Wenn hier sachlich diskutiert werden soll, und das ist ja angeblich der Wunsch, dann soll das auch passieren, statt unbegründet Vorurteile rauszuhauen, tatsächliche empirische Daten zum Thema zu vernachlässigen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge auszublenden. So etwas kann auf Political incorrect, bei der NPD und bei Pro Köln passieren, aber doch nicht hier Auch sollte sich überlegt werden eindeutige Kommentare wie den vom "Zentralorgan" vom 17.07.12 17:17 Uhr besser zu prüfen. Der Besen vor der Haustür ist ein mittelalterliches antiziganistisches Symbol, was heute immernoch verwendet wird. Eine Aussage, die diesen Brauch positiv darstellt hier zu dulden halte ich für mehr als fragwürdig. Vielen Dank für die nun einsetzende Rec ...
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