Ausnahmen beim Nichtraucherschutz Die Eckkneipen sind raus, das Brauchtum darf hoffen

Von Sven Gantzkow

Das Hin und Her von Rot-Grün beim Nichtraucherschutz sorgt für Verunsicherung: Beim SPD-Parteitag am Wochenende witterten einige Genossen eine neue Chance für Ausnahmen vom Rauchverbot. Und die Opposition freut sich über die Unentschlossenheit auf Regierungsseite.


Eine Zigarette glimmt am Rand eines Aschenbechers
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Wie streng wird das Nichtraucherschutzgesetz?

Eigentlich war alles schon klar: Ein Nichtraucherschutzgesetz sollte her, das seinen Namen auch verdient. Keine Ausnahmen mehr, auch in Eckkneipen und auf Karnevalsfeiern sollten künftig keine Zigaretten mehr brennen. So sah es der Entwurf von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) zumindest vor. Doch seit der Aussprache im Landtag zu Hannelore Krafts Regierungserklärung am 15. September schienen ein paar Hintertürchen wieder offen. "Wir wollen nicht mit dem Knüppel durchgehen", signalisierte Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen damals Kompromissbereitschaft. Und auch aus der Staatskanzlei war zu hören, dass man sich bei Brauchtumsveranstaltungen und privaten Feiern Ausnahmen von der Regel vorstellen könnte.

Dauerbrenner Nichtraucherschutz

Entsprechend war der Dauerbrenner auch ein Thema auf dem Parteitag der Sozialdemokraten am Wochenende (29./30.09.2012) in Münster. Eine klare Entscheidung blieb nach der kontrovers geführten Debatte, bei der unter anderem mehrere SPD-Unterbezirke einen "Schutz der Eckkneipe" sowie einen Volksentscheid gefordert hatten, allerdings aus. Stattdessen erteilten die Delegierten der SPD-Landtagsfraktion den Auftrag, zwei Fragen genauer prüfen zu lassen: erstens, ob geschlossene Gesellschaften in angemieteten Gaststättenräumen vom Rauchverbot ausgenommen werden könnten. Und zweitens, ob es Sonderregelungen für Brauchtumsveranstaltungen in Festzelten geben könnte. Klar ist damit auch im Umkehrschluss: Eckkneipenbesitzer können die Hoffnung aufgeben.

Expertenmeinungen werden ausgewertet


Eine Zigarette liegt durchgebrochen auf dem Tisch, im Hintergrund ein Feuerzeug
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Wo kann man das Rauchen demnächst knicken?

Derweil nimmt das Vor und Zurück bei einem Gesetzesvorhaben, das längst ausformuliert schien, kein Ende: Britta Altenkamp, stellvertretende Landesvorsitzende der SPD, sagte am Wochenende, sie halte Ausnahmen nach der Expertenanhörung im Landtag vom 26. September eigentlich für unmöglich. Vor allem Gesundheitsexperten hatten sich darin für einen konsequenten Nichtraucherschutz ausgesprochen. "Wir werden jetzt gemeinsam die Anhörung und die Empfehlungen der Experten auswerten", sagt Sven Lehmann, Landesvorsitzender der Grünen, am Montag (01.10.2012). Die Debatte auf dem SPD-Parteitag hält er für ein deutliches Zeichen, dass "Rot-Grün geschlossen für Gesundheitsschutz, vor allem für Kinder und Jugendliche", eintrete.

Hohn von der Opposition


Hohn löst die Unentschlossenheit bei der Opposition aus: "NRW hat bereits ein konsequentes Nichtraucherschutzgesetz", verweist CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann auf die gültige Regelung, die aus der Zeit stammt, in der er selbst Regierungsmitglied war. Die rot-grünen Pläne für ein absolutes Rauchverbot geißelt er erneut als Versuch, die Bürger in NRW "per Gesetz zu entmündigen". "Dass große Teile der SPD da nicht mitmachen wollen, spricht Bände." Die FDP beschwert sich über "inhaltsleere Sprechblasen" aus den Reihen der SPD. "Staat sich von grüner Zeigefingerpolitik zu lösen, vertröstet sie ihre aufgebrachte Basis mit unverbindlichen Prüfversprechen", sagt Marco Buschmann, Generalsekretär der NRW-FDP. Damit lasse sich die SPD wie schon bei der Energiepolitik "vom kleinen Koalitionspartner auf der Nase herumtanzen". Die Piraten wiederum finden es gut, dass die SPD Ausnahmen beim Brauchtum und bei Privatfeiern prüfen will. Laut Lukas Lamla, dem gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktion, gehen ihnen die beiden Ausnahmen sogar "nicht weit genug". E-Zigaretten sollten beispielsweise nicht den herkömmlichen Zigaretten gleichgestellt werden. "Die gesundheitlichen Risiken und der Suchtpotenzial sind erheblich geringer als beim Tabakkonsum", so Lamlas Begründung.


Stand: 01.10.2012, 15.50 Uhr


Kommentare zum Thema (79)

letzter Kommentar: 05.10.2012, 17:18 Uhr

KDM schrieb am 05.10.2012, 17:18 Uhr:
@anonym 0:18 Uhr: In das "normale" Leben wird ja auch nicht eingegriffen. Oder wollen Sie behaupten, dass Rauchen "normal" sei? Kennen Sie andere Lebewesen auf diesem Planeten, die sich und andere vorsätzlich schäden, indem sie giftige Pflanzen in ein Stück Papier rollen, das dann anzünden und sich in den Mundwinkel hängen?
Anonym schrieb am 05.10.2012, 00:18 Uhr:
@KDM da habe Sie die Kommentare wohl falsch gelesen/verstanden ;) Mir geht es darum dass nicht unnötig in das "normale" Leben eingegriffen wird und wie das bei dem einzelnen dann auch aussehen mag, ist seine Sache. Ich bin dagegen das Raucher immer die bösen sind, die per Gesetz zu etwas gezwungen werden. Wie ich schon anführte sollte es für einen Nichtraucher kein Problem sein sich nicht dem Passivrauch auszusetzen zu müssen, alles andere sind eigene Entscheidungen. Wie, ich glaube es war Dieter Nuhr mal sagte: " Wenn sie das rauchen jetzt auch noch auf der Straße verbieten, dann fange ich damit an..." Btw. ICH bin Nichtraucher und muss auch nicht immer selber betroffen sein um eine andere Meinung zu haben. Dieses Gesetz ist nicht notwendig und in der "schönen heilen Welt" wie Sie sie anklingen lassen - möchte ich nicht leben!!!!
KDM schrieb am 04.10.2012, 21:25 Uhr:
@Nichtraucherin: Ja, die Argumente der Raucher sind wirklich bizarr, da gebe ich Ihnen recht. Denn zunächst mal haben Adipositas und Alkoholmissbrauch ja überhaupt nichts mit der Belästigung von Nichtrauchern durch Zigarettenrauch zu tun. Aber so sind sie halt, unsere lieben Raucher: kein Argument ist zu verquer, um es nicht doch noch in die Diskussion einzuführen. Ich schließe mich Ihrem Votum an: eine schnelle Entscheidung tut not!
Nichtraucherin schrieb am 04.10.2012, 20:34 Uhr:
Das wird ja immer bizarrer! Jetzt muss man schon Idealgewicht und Idealgröße haben, darf keinen Alkohol trinken und nicht rauchen - mir wird schlecht! Am Donnerstag war in der NRZ auf Seite 1 eine große Überschrift, dass das Ende der Raucherkneipen feststeht. M.E. hat dieses Thema solche Wertigkeit nicht verdient. Laßt die Kirche im Dorf, dann entscheidet endlich über diesen Blödsinn. Ich fühle mich in keinster Weise durch Raucherkneipen beeinträchtigt oder durch Raucher. Die jetzige Regelung ist ausreichend.
KDM schrieb am 04.10.2012, 19:12 Uhr:
@Teile 1 bis 3: Ich unterstütze Ihre Forderung, Tabakprodukte komplett zu verbieten. Aber für die nächsten 2 - 5 Jahre (so lange wird das wohl noch dauern) reicht mir schon ein strengerer Nichtraucherschutz. Im Übrigen hätte ich nichts dagegen (und freue mich mit Ihnen!), wenn demnächst auch andere Dinge (Alkohol, Fettleibigkeit pp.) auf den Prüfstand kämen.

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