Debatte um Nichtraucherschutz: Rauchverbot: Erzwingt SPD-Basis Ausnahmen?
Die rot-grüne Landesregierung will das Nichtraucherschutzgesetz verschärfen. Doch an der SPD-Basis gibt es Unmut über ein radikales Rauchverbot in Gaststätten. Vor allem im Ruhrgebiet formiert sich Widerstand. Der strikte Gesetzentwurf steht in der Kritik.

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Bald zur Hälfte verboten? Kneipenbesucher trinken Bier und rauchen Zigaretten
SPD-Basisvertreter in Nordrhein-Westfalen wollen sich mit einem strengeren Nichtraucherschutzgesetz nicht abfinden. Immer wieder gibt es kritische Stimmen vor allem aus der SPD im Ruhrgebiet. Gegenüber der "Rheinischen Post" signalisierte die Vize-Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Britta Altenkamp, am Dienstag (24.07.2012) nun Kompromissbereitschaft.
"Ich gehe davon aus, dass es nach der Expertenanhörung und den Beratungen im Parlament Veränderungen am Entwurf des Nichtraucherschutzgesetzes der Landesregierung geben wird", sagte Altenkamp. Diese eigentlich selbstverständliche und für alle Gesetze gültige Aussage soll offenbar die innerparteilichen Gegner des Reformplans besänftigen. "Sinnvoll begründete Einwände" müssten ernst genommen werden, wurde die SPD-Politikerin aus Essen weiter zitiert.
Keine Ausnahmen mehr vom Verbot?

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SPD-Politikerin Altenkamp gibt sich kompromissbereit
Kurz vor der Sommerpause hatte das rot-grüne Kabinett den Entwurf für ein neues Nichtraucherschutzgesetz auf den Weg gebracht. Das novellierte Gesetz betrifft vor allem die Kneipengänger. In Gaststätten und Restaurants soll künftig ein eindeutiges Rauchverbot gelten. Auch in Festzelten und bei Brauchtumsveranstaltungen soll Tabakkonsum vollständig untersagt werden. Auf Verstöße können Bußgelder von bis zu 2.500 Euro folgen. Das rigorose Rauchverbot Bayerns war Vorbild für die NRW-Novelle. Im Herbst will Rot-Grün das Gesetz im Düsseldorfer Landtag beschließen.
Die strenge Regelung kommt vor allem bei Sozialdemokraten im Revier schlecht an. "Jeder soll selbst entscheiden, in welche Kneipe er geht", sagte der Dortmunder SPD-Politiker Florian Meyer. Der rot-grüne Gesetzesplan sei lebensfremd und mit sozialdemokratischen Vorstellungen von Freiheit nicht zu vereinbaren. "Die Ordnungsämter könnten das Komplettverbot doch auch gar nicht kontrollieren", sagte Meyer. Er hoffe deshalb auf Ausnahmeregelungen.
Genossen beklagen Gängelung
Der SPD-Ortsverein Solingen Mitte mobilisiert bereits seit Monaten via Facebook und Blogs gegen eine Verschärfung der Rechtslage. Rauchen gehöre "zur Kultur unseres Landes". Der Dortmunder SPD-Chef Franz-Josef Drabig rügte den Gesetzentwurf als eine "Gängelung, die nichts mehr mit Gesundheitsschutz" zu tun habe. Rauchen ist bei vielen Anhängern und Mitgliedern der traditionsreichen Arbeitnehmerpartei positiv besetzt, nicht zuletzt wegen des dauerqualmenden Altkanzlers Helmut Schmidt und zahlloser weiterer Ex-Spitzengenossen mit Zigarette oder Pfeife.
Bei den Genossen im Rheinland wird das Thema ebenfalls heiß diskutiert. "In jedem Ortsverein gibt es dazu sehr emotionale Diskussionen", sagt der Kölner SPD-Vorsitzende Jochen Ott. Gegner und Befürworter eines radikalen Verbots stünden sich dabei unversöhnlich gegenüber. Jeder sei eingeladen, Vorschläge für ein "rechtssicheres" Gesetz zu machen, sagte Ott.
Veränderungsbedarf am Gesetzentwurf sieht der Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Markus Weske. Er hoffe darauf, dass "in den Anhörungen zu dem Gesetz rechtssichere Vorschläge unterbreitet werden, wie Ausnahmeregelungen beispielsweise für das ehrenamtlich organisierte Brauchtum, für private Feiern in der Gastronomie oder auch Übergangslösungen aussehen können", sagte der SPD-Parlamentarier. Auch im Landesvorstand der SPD gibt es Kritiker des rot-grünen Gesetzentwurfs. "Das ist Freiheitsberaubung", sagt ein Genosse.
CDU gegen neues Gesetz

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CDU-Fraktionschef Laumann sieht keinen Bedarf für eine Novellierung
Die Opposition sieht sich durch die mögliche Kehrtwende bei Rot-Grün bestätigt. "Die SPD hat endlich eingesehen, dass wir ein gutes Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen haben. Wir brauchen keine Novellierung", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Josef Laumann. Als Gesundheitsminister hatte der Christdemokrat 2008 ein Gesetz verantwortet, das bis heute etliche Ausnahmen vom Rauchverbot etwa für Eckkneipen oder in Festzelten zuließ. "Wir freuen uns, dass die SPD Bereitschaft zeigt, ihren eigenen Gesetzentwurf zu entschärfen", teilte die FDP mit.
Eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) gab zu der neu aufgeflammten Debatte keine Stellungnahme ab: "Das Parlament ist jetzt dran." Die Grünen-Fraktion ist wenig begeistert von den diskutierenden Sozialdemokraten. Altenkamps Äußerung, wonach kein Gesetz das Parlament so verlasse, wie es eingebracht wurde, sei eine "Binsenweisheit", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Sigrid Beer. Am Ende werde "ein konsequenter und rechtssicherer Nichtraucherschutz stehen, insbesondere auch zum Schutz der Beschäftigten in der Gastronomie".
Während die Grünen das Thema Rauchverbot in den vergangenen Monaten offensiv vorangetrieben haben, zeigte die SPD dabei von Anfang an weniger Elan. Nach der Sommerpause sollen zunächst einmal Experten und Betroffene bei einer Anhörung im Landtag ihre Meinung sagen.
Stand: 24.07.2012, 13.23 Uhr
Kommentare zum Thema (164)
letzter Kommentar: 29.07.2012, 15:40 Uhr
- Nils schrieb am 29.07.2012, 15:40 Uhr:
- Na ja, auch wenn hier heiß diskutiert wird: NRW ist eine der letzten Inseln der Glückseligen. Ich bin beruflich viel unterwegs, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Fast NIRGENDWO in EUROPA darf mehr geraucht werden, in den USA sowieso nicht. Gut, in Japan darf man nicht auf der Strasse aber dafür in Lokalen rauchen, kurios aber kein Maßstab. In Russland ist es natürlich noch erlaubt, so wie in vielen Entwicklungsländern auch. Sorry Leute, aber ist das unser Massstab? Rauchen im Kindergarten? Weil es regnet? Unfassbar!
- KDM @Hornberger Schießen: schrieb am 29.07.2012, 13:38 Uhr:
- Ich kann nicht feststellen, dass ich mich "ereifert" hätte. Ich habe lediglich Ihre seltsame Theorie zum Ergebnis der Volksabstimmung in Bayern kommentiert. Im Übrigen: Schlechtes Benehmen stört mich auch, nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln. Rauchen in Anwesenheit Dritter, die sich daran stören, fällt allerdings zweifelsfrei auch unter diesen Begriff. Wohingegen mir Personen, die "gierig essen" (vielleicht haben die einfach Hunger?) ziemlich egal sind. Aber vielleicht initiieren Sie ja mal einen Gesetzesvorstoß, der das unterbindet.
- Hornberger Schießen @ KDM schrieb am 29.07.2012, 07:40 Uhr:
- Ich verstehe nicht, warum Sie sich so ereifern. Ich rauche nicht, aber aus Prinzip bin ich gegen die Verschärfung. Ich besuche selten Raucherkneipen und gönne den Rauchern das Vergnügen. Es muss auch Nischen geben. Mich nervt mehr schlechtes Benehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln, z.B. lange Handygespräche, Füße auf Sitze, Kaffetrinken, unaufhörliches, gieriges Essen.
- KDM @spd ist dumm: schrieb am 29.07.2012, 03:23 Uhr:
- Ja, in der Tat, sogar der größere Teil der Wirte war (und ist) für das neue Gesetz - was umso bemerkenswerter ist, als es mit dem DEHOGA immer noch eine so genannte "Interessenvertretung" gibt, die den dümmeren (aber lauteren) Teil der Wirte repräsentiert. Tatsächlich sind die meisten Wirte schlau genug, zu erkennen, dass nur gleiche Voraussetzungen für alle (und nicht willkürlich gezogene Grenzen) zu einer vernünftigen Basis führen. Zuletzt hat eine große Mehrheit der Düsseldorfer Wirte sich - entgegen der früheren Haltung - für ein weitreichendes Rauchverbot ausgesprochen, weil die Erkenntnis Raum gegriffen hat, dass a) hierdurch ganz massiv Betriebskosten gespart werden können (vor allem Reinigungs- und Reinvestitionskosten) und b) die Umsätze (anders als von Ewiggestrigen vorhergesagt) nicht etwa sinken, sondern - dank der Erschließung neuer Zielgruppen- steigen. Was sagen wir da? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung ...
- KDM @Hornberger Schießen: schrieb am 29.07.2012, 03:16 Uhr:
- "Die viel zitierte Abstimmung in Bayern muss man auch im Zusammenhang mit der nicht sehr hohen Beteiligung betrachten." - Stimmt. Wenn die Wahlbeteiligung höher ausgefallen wäre, dann hätten die Befürworter eines verschärften Nichtraucherschutzes nicht mit 70, sondern mit 85 % gewonnen. Allerdings kommt es darauf bei Abstimmungen nicht an, so dass viele Nichtraucher (zu Recht) keine Notwendigkeit gesehen haben, zur Wahl zu gehen.
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