NRW-Wahlrecht als Vorbild für den Bund?: Von den Kosten der Demokratie
Ein neues Wahlrecht muss her. Aber wie soll das aussehen? Ein Blick nach NRW könnte helfen: Hier werden die Überhangmandate, die das Bundesverfassungsgericht am stärksten bemängelt hat, ausgeglichen.

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Das Parlament wächst: Mit Ausgleichsmandaten gibt es mehr Parlamentarier
Hauptkritikpunkt des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) am Wahlrecht sind die Überhangmandate. Sie entstehen, wenn die Kandidaten einer Partei mehr Wahlkreise direkt gewinnen, als der Partei nach den Zweitstimmen prozentual eigentlich zustehen. Im derzeitigen Bundestag profitiert davon vor allem die CDU mit 24 Überhangmandaten. Die Unverhältnismäßigkeit hat das Gericht bemängelt.
Ein Ausweg: Ausgleichsmandate
Einen Ausweg bieten die sogenannten Ausgleichsmandate, die nun auch für das neue Wahlrecht im Bund diskutiert werden. Das NRW-Wahlrecht sieht diese bereits vor. Durch diese zusätzlichen Mandate soll die proportionale Verteilung der Stimmen wieder gewährleistet werden. Erreicht eine Partei Überhangmandate, erhalten die anderen Parteien zum Ausgleich ebenfalls zusätzliche Sitze im Parlament. Mit dem Ziel, das die Verteilung der Parlamentarier dem prozentualen Stimmenanteil der Partei entspricht.
Doch die Regelung hat auch Nachteile, die bei der letzten NRW-Landtagswahl im Mai 2012 deutlich wurden: Statt der ursprünglich 181 zogen aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten 237 Parlamentarier in den Düsseldorfer Landtag ein. Und das große Stühlerücken begann.
Mehr Kosten für die Steuerzahler

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Ulrich von Alemann sieht NRW als Vorbild
Was die Ausgleichsmandate angeht, könnte das NRW-Wahlrecht durchaus Vorbild für den Bund sein, meint der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann: "Dieses System mit Ausgleichsmandaten bietet schon mehr Chancen- und Wahlgleichheit." Allerdings bringt das Mehr an Parlamentariern auch Mehrausgaben mit sich. Rund zehn Millionen Euro zusätzlich, rechnet der Bund der Steuerzahler, kostet das größere Landesparlament in Düsseldorf. Das ist ein Grund, warum der Verein "Mehr Demokratie" ein Bundestagswahlrecht nach NRW-Vorbild ablehnt. "Der Landtag ist deutlich aufgebläht, aber das bedeutet keinesfalls mehr Demokratie", bemängelt Landesgeschäftsführer Alexander Slonka. Von Alemann sieht das anders: "Die Abgeordneten kosten zwar mehr Geld, aber das ist nicht zum Fenster hinausgeworfen. Mehr Volksvertreter sind dann auch näher an der Basis. Ein Schaden ist das nicht", meint der Politikwissenschaftler. Und fügt hinzu: "Die Demokratie kostet nun einmal mehr Geld als die Diktatur."
Was ist wirklich demokratisch?
"Mehr Demokratie" gehört zu den Klägern gegen das nun gekippte Bundestagswahlrecht. "Die Überhangmandate sollten generell abgeschafft werden", fordert Slonka. Vielmehr plädiert er dafür, die Wahlkreise zu vergrößern. "In den Wahlkreisen sollten die Wähler dann mit der Erststimme nicht mehr nur eine, sondern mehrere Personen wählen können." Mit diesen sogenannten Mehrmandats-Wahlkreisen würden Überhangmandate sehr unwahrscheinlich, zudem verringere sich in der Regel die Differenz zwischen den Anteilen von Erst- und Zweitstimme.

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Vielen ist das Wahlrecht zu kompliziert
In einigen Bundesländern wie Hamburg und Bremen wird schon nach diesem System gewählt. Von Alemann hält davon wenig. "Teilweise haben die Wähler bei diesem System tischtuchgroße Wahlzettel vor sich. Viele fühlen sich damit komplett überfordert." Zudem hätten die Erfahrungen gezeigt, dass in diesen Bundesländern die Wahlbeteiligung zurückgeht - "eben weil das System zu kompliziert ist", betont von Alemann. Schon das etablierte Verfahren mit Erst- und Zweitstimme würden viele Wähler nicht durchschauen, meint der Politikwissenschaftler.
Wahlrechtsfrage ist Machtfrage
In einem Punkt sind sich Alexander Slonka und Ulrich von Alemann einig: Die Wahlrechtsfrage ist auch immer eine Machtfrage. Bei der sich die Parteien im Bund nun allerdings parteiübergreifend einigen müssen: auf ein gerechteres, verfassungskonformes und vielleicht sogar weniger kompliziertes Wahlrecht.
Stand: 26.07.2012, 14.47 Uhr
Kommentare zum Thema (30)
letzter Kommentar: 30.07.2012, 13:37 Uhr
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 30.07.2012, 13:37 Uhr:
- Von Demokratie kann schon lange nicht mehr geredet werden. Demokratie ist wen die Mehrheit / das Volk entscheidet. Die Mehrheit ist für Mindestlohn und haben wir den? Die Bevölkerung muss die Netzentgelte schultern wo von die Konzerne profitieren u.s.w. Was wir haben ist eine gewählte Regierung die unsere Lobbys im Land redlich hofiert. Zu Königs, Fürsten und Freiherrn Zeiten was es auch nicht anders.
- mouseclick2 schrieb am 30.07.2012, 13:27 Uhr:
- Ich glaube nicht, daß die Deutschen sich blenden lassen von Merkel, Schäuble & Co. ich glaube, daß wir gar nicht mehr viel Spielraum haben. Wir sind schon längst im Würgegriff unsere Bundespolitiker. Das Konzept von Bi. - Berg & Co scheint aufzugehen.
- mouseclick2 schrieb am 30.07.2012, 12:31 Uhr:
- Das wir uns vor dem Verrat unserer Bundespolitiker nicht mehr schützen können, ist ein unbeschreibliches Horrorszenario, was gerade in den Anfängen steckt und wage zu bezweifeln, ob der Bürger überhaupt noch einen Chance hat dagegen anzukommen. Tunnel graben und warten bis der Wahnsinnsanfall vorüber ist. Wahrscheinlich fangen wir mal wieder von vorne an, mit allem was dazu gehört. Alles niedertrampeln und dann kommen die Retter, die alles vorher inszeniert haben, um ihre Machenschaften auf ein Neues zu beginnen. Da ist Rothschild und Konsortien ja geübt drin seit Jahrhunderten und machen seit jeher fette Beute.
- mouseclick2 schrieb am 30.07.2012, 12:18 Uhr:
- Von Demokratie kann schon spätestens seit Hartz4 keine Rede mehr sein. Ich frage mich, wie wir uns als Bürger über die ständge Rechtsbrechung unserer Vertreter Schäuble&Co noch schützen können. Ich sehe im Moment keine Aussicht für wirkliche demokratische Verhältnisse in Sicht. Deutschland und die Bürgerrechte sind schon ausgehebelt von unserer Bundespolitik.
- Michel nicht mehr Herr im eigenen Haus schrieb am 29.07.2012, 22:56 Uhr:
- Juncker macht BRD-Scheindemokratie immer teurer. Der Deutsche als Wähler hat für den Euro schon die Souveränität verloren, jedenfalls wenn ma Draghi und Juncker schwadronieren hört. Die deutschen Politiker haben beim Euro nichts mehr zu bestimmen, es sei denn sie schreien bedingungslos dafür, wie ein Schulz oder Gabriel oder Trittin oder.....
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