Strengere Regeln für Nebeneinkünfte: Mehr Transparenz im Parlament
Wer verdient wie viel dazu? Abgeordnete in NRW sollen in Zukunft verpflichtet werden, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen. Die Grünen wollen eine solche Reform durchsetzen, die anderen Fraktionen signalisieren Gesprächsbereitschaft. Aber zunächst soll ein Gutachten in Auftrag gegeben werden.
"Was wir als Grüne seit Jahren freiwillig machen, wird zur Nagelprobe für Laschet, Laumann, Lindner und Co.", erklärte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Sigrid Beer. Ihre Fraktion listet seit 2005 alle Nebentätigkeiten der Grünen-Abgeordneten im Internet auf.
Nun wollen die Grünen auch alle anderen NRW-Abgeordneten verpflichten, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen. Die Chancen für eine Reform stehen seit der hitzigen Debatte rund um die Nebeneinkünfte des SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück gar nicht schlecht. Am Dienstag (23.10.2012) diskutierte eine Arbeitsgruppe, die sich aus Politikern der fünf Fraktionen zusammensetzt, über das Thema.
Bislang herrschen in Düsseldorf laxe Regeln

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Seit 2005 veröffentlichen Beer und ihre Fraktionskollegen die Nebeneinkünfte
Bislang erhalten die Bürger überhaupt keinen Einblick in die Einkünfte der NRW-Abgeordneten. Denn eine Veröffentlichung der Nebentätigkeiten wie auf Bundesebene gibt es nicht. Die Geschäftsordnung des Düsseldorfer Landtages sieht zwar vor, dass sämtliche Nebentätigkeiten der Landtagspräsidentin mitgeteilt werden müssen. Die Summe der Verdienste daraus aber bleibt - egal wie hoch sie ist - unter Verschluss. Zudem sind die Parlamentarier überhaupt erst ab einer jährlichen Gesamtsumme von 12.000 Euro verpflichtet, ihre Einnahmen zu melden.
"Mit unserer Linie hier in NRW fallen wir noch hinter Berlin zurück", sagte Marc Herter. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD diagnostizierte: "Wir haben Nachholbedarf." Die Bürger sollten von Anfang an wissen, welche Nebeneinkünfte der Abgeordnete bezieht. Das sehen auch die anderen Fraktionen so. Nur über das "wie viel" an Transparenz ist man sich noch nicht einig. Die Piraten fordern zum Beispiel, wirklich alle Einnahmen offenzulegen, sogar die über Miete und Pacht. Zudem solle der Zeitaufwand der "Nebenjobs" transparent gemacht werden.
Alle einig, alle wollen mehr Transparenz
Lutz Lienenkämper von der CDU signalisierte pauschal die Gesprächsbereitschaft seiner Fraktion: "Wir verschließen uns einer konstruktiven Debatte nicht." Die jetzigen Regelungen seien nicht in Beton gegossen. Und auch Christof Rasche, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP, fand: "Gut, dass wir drüber reden." Bundesweit seien einheitliche Regelungen wichtig - die FDP und auch die Wähler würden keinen Flickenteppich an Regelungen wollen. Auch die SPD setzt sich für bundesweite Standards ein und will, wie auch die FDP, zunächst auf eine Entscheidung in Berlin warten.
Dort werden zurzeit zwei Reformvorschläge diskutiert: Eine komplette Transparenz auf Euro und Cent und eine Staffelung nicht mehr in drei, sondern in vielen kleinteiligen Stufen. Die höchste Stufe läge dann nicht wie bislang bei 7.000 Euro, sondern bei über 25.000 Euro im Monat.
Beer: "Das Ziel ist ein gemeinsamer Beschluss"
Der Arbeitskreis in NRW hat sich bei seinem ersten Treffen zunächst darauf verständigt, Fragen für ein Gutachten zu erarbeiten. "Das Gutachten soll größtmögliche Transparenz im Landtag NRW ausloten", so die Grüne Beer. Auch wenn Rot-Grün die neuen Regeln per Parlamentsmehrheit durchsetzen könnte: SPD und Grüne suchen den Konsens mit den anderen Fraktionen. Beer: "Das Ziel ist ein gemeinsamer Beschluss."
Stand: 23.10.2012, 17.08 Uhr
Kommentare zum Thema (27)
letzter Kommentar: 25.10.2012, 16:12 Uhr
- der Eulenspiegel schrieb am 25.10.2012, 16:12 Uhr:
- Nachfrager Warum Schröder dieses Antikorruptionsgesetz nicht verabschiedete das weiß ich nicht. Ich weiß nur dass er dazu nu knapp 2 Jahre Zeit hatte. In wie weit er in der neuen Legislaturperiode dies vor hatte weiß ich auch nicht. Ich weiß nur das Merkel 7 Jahre Zeit hatte. Und ich weiß das von Seiten der Unionspolitiker immer wieder die Aussage kommt „ Die Bürger würden das nicht verstehen“. Und ich glaube das die Unionspolitiker in Wirklichkeit Angst davor haben das die Bürger das viel zu gut verstehen.
- Lachnummer schrieb am 25.10.2012, 16:09 Uhr:
- Das Bild spricht schon für sich; wer sich die leeren Plätze im Parlament anschaut -egal bei welcher Sitzung- sollte sich Gedanken machen wie das alles so funktionieren kann nur weil es sich hier nun wirklich nicht um normale Bürger handelt....
- Werner schrieb am 25.10.2012, 09:39 Uhr:
- Kein Wunder, dass sich Union und FDP bisher gegen mehr Transparenz stemmten, sie aber verlogen von Steinbrück (SPD) einfordern. Dann käme ja raus, wie sehr diese Parteien mit der (Finanz-)wirtschaft verwickelt sind, teilweise auch die SPD. Z. B. Mappus (CDU) in BW - eine Marionette von Bankern.
- Nachfrager schrieb am 24.10.2012, 22:56 Uhr:
- Eulenspiegel@, Borussia hat gesiegt und sie haben meine Frage noch immer nicht beantwortet. Merken sie nicht, dass sie sich damit lächerlich und unglaubwürdig machen. Zu ihrer Bemerkung zum Antikorruptionsgesetz. Es wurde 2003 von der UN verabschiedet und von über 150 Staaten unterzeichnet. Leider nicht von der damaligen SPD Schröder Regierung. Immer schön bei der Wahrheit bleiben damit die Beine nicht immer kürzer werden.
- der Eulenspiegel schrieb am 24.10.2012, 22:11 Uhr:
- Es ist nun mal Merkel und Co. die sich weigern das UN-Abkommen zur Bekämpfung von Korruption zu unterzeichnen mit irgendwelchen bla bla Begründungen.
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