Mieten in NRW steigen Bezahlbare Wohnungen gesucht

Bauminister Michael Groschek (SPD) warnt vor "Luxus-Ghettos" in NRW-Großstädten. Die Probleme am Wohnungsmarkt sind vielschichtig: Im Ruhrgebiet stehen Mietshäuser leer. In rheinischen Großstädten wie Köln und Düsseldorf sind bezahlbare Wohnungen knapp.


Grundrenovierung einer verlassenen Mietwohnung
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Chaos-Beseitigung in einer Mietwohnung

Wie das Pestel-Institut in Hannover am Montag (10.09.2012) mitteilte, fehlen in Nordrhein-Westfalen knapp 1,2 Millionen Sozialwohnungen. Der Deutsche Mieterbund in NRW hält diese Zahl für realistisch. "Öffentlich geförderte, preisgünstige Wohnungen sind dringend nötig, um den Wohnungsmarkt insgesamt zu entlasten" sagte die Geschäftsführerin des Mieterbunds Nordrhein-Westfalen, Elisabeth Gendziorra, zu WDR.de.

Kritik an "abschreckenden" Vorschriften

In gefragten Metropolen entlang der Rheinschiene drohen nach Meinung von Gendziorra "drastische Mietsteigerungen", weil der Wohnungsmarkt wegen fehlender preisgünstiger Angebote zu angespannt sei.

Die Vermieter verweisen hingegen auf teils "abschreckende" Vorschriften für Investitionen in Sozialwohnungen. Bauherren müssten hohe Standards etwa bei der energetischen Gebäudesanierung und der Barrierefreiheit erfüllen, sagte der Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland, Erik Uwe Amaya. Dass die Politik über die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Sanierung noch nicht entschieden habe, sei ein weiteres Investitionshemmnis.

Das böse G-Wort

Seit Jahren wächst die Attraktivität citynaher Stadtviertel. Wissenschaftler sprechen vom Prozess der Gentrifizierung, angelehnt an den englischen Begriff "gentry" für den niederen Adel. Hierbei wird die angestammte, einkommensärmere Einwohnerschaft schleichend aus zentral gelegenen "In"-Quartieren verdrängt. Teure Sanierungen und Neubauten sorgen für steigende Mieten, die sich nur noch einkommensstarke Bewohner leisten können. Beispiele in NRW sind etwa Düsseldorf-Flingern-Nord, Köln-Ehrenfeld oder das Dortmunder Kreuzviertel. Bundesweit ist Gentrifizierung ein Streitthema vor allem in Berlin und Hamburg.


Michael Groschek
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Bauminister Michael Groschek

Ärmere Mieter finden dann teilweise nur noch in sozial problematischen Vorstadt-Siedlungen ein Zuhause. Minister Groschek sprach in einem seiner zahlreichen Sommerinterviews zum Thema "Luxus-Ghettos" gar von einer "Apartheid" zwischen Edelvierteln und Stadtteilen, "in denen Heuschrecken-Unternehmen Hartz IV-Empfänger als Mieter nehmen, um Geld vom Amt zu kassieren, aber nichts in die Häuser investieren".

Besserverdienende nach Düsseldorf?

Rund 850 Millionen Euro stellt das Land NRW pro Jahr für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Doch wie die Städte das Angebot nutzen, ist höchst unterschiedlich. 2011 nahm Köln 66 Millionen Euro in Anspruch. Während auch Münster Mittel in Höhe von 40 Millionen Euro abrief, waren es bei Düsseldorf nur 12,5 Millionen Euro - was Minister Groschek ärgert: "Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Besserverdienende ein Zuhause in Düsseldorf bekommen sollen, während sozial nicht so gut ausgestattete Bürger und Bürgerinnen nach Köln verwiesen werden." Diese Arbeitsteilung sei aber nicht zu vertreten. Sozialer Wohnraum sei in allen Städten von NRW notwendig.

Zumal die Zahl der Sozialwohnungen im Land in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent zurückging. Pro Jahr verschwinden laut Pestel-Institut 46.000 Sozialwohnungen vom Markt, weil die vertraglich vereinbarte Frist der Mietpreisbindung ausläuft. Vermieter können seither die Miete ordentlich erhöhen.

Ende des vergangenen Jahres wurden landesweit 543.983 Sozialwohnungen gezählt. Im Jahr 2000 waren es noch 970.000. Allein in Düsseldorf ist die Zahl der Sozialwohnungen in den vergangenen zehn Jahren von knapp 37.000 auf 20.000 zurückgegangen. In Köln waren es vor 15 Jahren über 100.000 Sozialwohnungen, heute sind es knapp 50.000.

Leerstände im Ruhrgebiet


Mehrfamilienhäuser mit heruntergekommener Fassade.
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Gebäude mit "Sanierungsbedarf"

In wirtschaftlich schwächeren Regionen stehen dagegen Wohnungen leer. In einzelnen Stadtteilen des Ruhrgebiets konzentrieren sich diese Leerstände nach Angaben des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen "auf schlechte Gebäudelagen und schlechte Gebäudequalitäten". Oftmals sind auch Mietshäuser betroffen, die von anonymen Fonds aufgekauft und dann abgewirtschaftet wurden.

In einem Stadtplanungsbericht für Oberhausen ist beispielsweise etwas verharmlosend von "Straßenraum mit geringer Aufenthaltsqualität" und einem "leerstehenden Gebäude mit Sanierungsbedarf" die Rede. Bauminister Groschek schlug deshalb vor, in Regionen mit großflächigen Leerständen und vielen Schrottimmobilien "häufiger die Abrissbirne" einzusetzen.

Stichworte

Sozialwohnung

Sozialwohnungen sind öffentlich geförderte Wohnungen mit günstigen Mieten. Gefördert werden können Bauprojekte von Privatpersonen oder Wohnungsunternehmen. Abgewickelt wird die Förderung über die Kommunen und die NRW.Bank. Der Staat gewährt den Bauherren zinsgünstige Darlehen für den Neubau von Mietwohnungen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Vermieter in NRW, 15 bis 25 Jahre lang bestimmte Mietobergrenzen einzuhalten. Wer eine Sozialwohnung mietet, darf nicht mehr als 17.000 Euro pro Jahr verdienen. Für Familien gelten höhere Grundbeträge.


Stand: 10.09.2012, 18.34 Uhr


Kommentare zum Thema (46)

letzter Kommentar: 13.09.2012, 23:08 Uhr

@Analytiker schrieb am 13.09.2012, 23:08 Uhr:
Ich zitiere "Es sollte so sein, dass ein gewisser Anteil der Miete für Instandhaltungen vorgesehen ist. " Es sollte nicht so sein, es ist so. Die Mieten sind danach berechnet. Ihre Rechnung ist zwar ganz amüsant aber sagt doch im Grunde Garnichts aus. Das gehört nämlich auch zu den vielen Vorschriften das ein bestimmter Teil der Miete festgelegt ist. Nur diesen Teil streichen sich die Hauseigentümer einfach ein.
Analytiker schrieb am 13.09.2012, 09:17 Uhr:
@@Analytiker schrieb am 12.09.2012, 17:10 Uhr: Es sollte so sein, dass ein gewisser Anteil der Miete für Instandhaltungen vorgesehen ist. Doch die Höhe der Miete läßt das wohl häufig nicht zu. Niemand baut Häuser um Geschenke zu verteilen und niemand arbeitet zum gleichen Zweck. Bei den heutigen Vorschriften kann man je nach Grundstückspreis mit Baukosten von mindestens 2000 € je qm Wohnfläche rechnen. Eine 100 qm Wohnung kostet dann 200000 € . Damit sich diese Investition auch lohnt, braucht der Vermieter eine Rendite von 6 % . (Er muss für Mieteinnahmen auch einen deutlich höheren Steuersatz als bei anderen Anlageformen zahlen) d.h. 1000 € pro Monat für den Kapitaleinsatz. Plus Reparaturrücklagen , Versicherungen, Grundsteuern.. Kaltmiete von 1400- 1500 € für 100 qm. Selbst bei älteren Häusern wird es kaum billiger, da es Unsummen kostet, die auf den neusten technischen Stand zu bringen. Wenn sich dann die notwendigen Mieten nicht durchsetzen lassen bleibt nur der Verfall.
@Analytiker schrieb am 12.09.2012, 17:10 Uhr:
Kaputte Fenster, Türen und Fliesen sind zwar sehr ärgerlich und kosten auch viel Geld. Da hat mancher Vermieter ehrlichen Grund zum klagen. Aber das betrifft nicht die Bausubstanz. Die Bausubstanz wird zerstört durch undichte Dächer und Keller bröckelnder Putz und Beton an den Fassaden. Jeder Mieter zahlt mit seiner Miete einen bestimmten Betrag der für Reparatur und Instandsetzung vorgesehen ist. Das Problem ist das dieses Geld immer häufiger gar nicht mehr dafür eingesetzt wird. Es ist günstiger für die Hausbesitzer das Geld einzusacken und die Häuser einfach verfallen zu lassen.
Anonym schrieb am 12.09.2012, 17:05 Uhr:
Ich gebe Analytiker vollkommen Recht. Wir hatten das Haus meiner Eltern vermietet. Schaden: an die 40000 €. Die Mieter hatten alles verkauft: Heizkörper, Türen, Steckdosen, teilweise Dachpfannen, Bad war total zerstört, Garage haben wir abgerissen. Daher hier: bezahlbare Wohnungen: Ich nehme keinen Mieter mehr, der Hartz bezieht. Das Geld kann man alles in den Wind schreiben und da ist auch nie mehr was zu holen. Es laufen wirklich Leute mit der rosaroten Brille, naiv und bar allen Wissens durch die Welt. Die glauben nichts und wenn was wahres kommt, wird's ignoriert.
Analytiker schrieb am 12.09.2012, 10:13 Uhr:
@Anonym schrieb am 11.09.2012, 16:07 Uhr: "Selbst die schlimmsten Mieter zerstören keine Bausubstans" Sie scheinen mit einer rosaroten Brille durch die Gegend zu laufen. Sicherlich wird Bausubstanz auch durch fehlende Reparaturen zerstört. Erkundigen Sie sich doch einmal bei den Vermieterverbänden oder Wohngesellschaften mit passenden Wohnungen nach der Schadenshöhe, die durch Mieter verursacht werden. Die sind nicht selten so groß, dass sich sogar Reparaturen zur Erhaltung der Bausubstanz nicht mehr lohnen.

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