Neuerungen zum Schulbeginn Grundschulen starten mit Islamunterricht

42 neue Sekundarschulen und erstmals islamischer Religionsunterricht in Grundschulen - das sind die wichtigsten Neuerungen, die Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag (17.08.2012) ankündigte. Kritik gab es von der GEW: Die Gewerkschaft fordert, Lehrer besser auf die Inklusion vorzubereiten.


Schulministerin Sylvia Löhrmann
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Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) kündigte Neuerungen zum Schulbeginn an

Das neue Schuljahr 2012/2013 startet in der kommenden Woche mit vielen Neuerungen. Unter anderem wird die nordrhein-westfälische Schullandschaft um 42 Sekundarschulen erweitert. Rund 1.500 Schüler haben sich in NRW für diese neue Schulform entschieden, erklärte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag (17.08.2012) in Düsseldorf. Zudem nehmen 20 neue Gesamtschulen den Betrieb auf. In 44 Grundschulen wird erstmals bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht angeboten.

Sinkende Schülerzahlen

Insgesamt sinkt die Schülerzahl in NRW im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf rund 2,68 Millionen Kinder und Jugendliche. Eingeschult werden in der kommenden Woche 149.350 Erstklässler - etwa 11.600 weniger als im letzten Schuljahr. Das Gymnasium bleibt mit über 594.000 Schülern die mit Abstand beliebteste Schulform. Dagegen setzt sich der Abwärtstrend für die Hauptschule fort und erreicht mit nur noch 157.470 Schülern den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten.

Eingliederung behinderter Kinder

Ein großes Ziel der Koalition ist die Eingliederung behinderter Kinder in die Regelschulen. Vor der Sommerpause hatte der Landtag ein rot-grünes Eckpunktepapier beschlossen, das Schülern mit besonderem Förderbedarf schrittweise ab dem Schuljahr 2013/14 einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht mit nicht behinderten Kindern einräumt.

GEW: Lehrer wurden nicht auf Inklusion vorbereitet


Gemeinsames Lernen mit behinderten Kinder
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Viele Lehrer sind unsicher im Umgang mit behinderten Schülern

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert an der sogenannten Inklusion, dass Lehrer nicht auf den Unterricht mit behinderten Kindern vorbereitet werden. "Schon jetzt besuchen immer mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule - die nötigen Rahmenbedingungen dafür gibt es aber noch nicht", sagte die nordrhein-westfälische GEW-Vorsitzende, Dorothea Schäfer. Es würden noch keine Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten, in deren Klassen schon jetzt behinderte Schüler sitzen.

Lehrer überfordert


Viele Lehrer fühlten sich überfordert, "weil sie einfach noch nicht auf den integrativen Unterricht vorbereitet sind", sagte Schäfer weiter. Von Löhrmann verlangt die Lehrergewerkschaft, schnellstmöglich eine gezielte Fortbildung anzubieten. Zudem müsse das Schulgesetz rasch geändert werden, damit die Klassen kleiner werden. Im rot-grünen Koalitionsvertrag werden kleinere Lerngruppen versprochen, mehr individuelle Förderung und Ausbau der Ganztagsangebote - auch um die Belastung der Schüler durch derzeit oft überlange Schultage in der erweiterten gymnasialen Oberstufe "G8" zu verringern.

Vor Überforderung soll Schüler in NRW auch ein Hausaufgabenerlass des Schulministeriums schützen. Er benennt zeitliche Höchstgrenzen für Hausaufgaben. Das Ministerium verlangt von den Lehrern, eigentliche Schulaufgaben nicht nach Hause zu verlagern. Die Schulcurricula sollen Freiräume für Wiederholungen einplanen.

FDP: "Differenzierte Bildungsgänge schrittweise ausgetrocknet"

Die FDP-Landtagsfraktion kritisiert, dass an den 42 neuen Sekundarschulen, wo Gymnasial-, Hauptschul- und Realschullehrer zusammenarbeiten, die Chancen zur differenzierten Förderung der Kinder nicht genutzt würden. "Differenzierte Bildungsgänge werden schrittweise ausgetrocknet. Damit werden die Chancen zur bestmöglichen individuellen Förderung eingeschränkt", heißt es in einer Mitteilung der Fraktion.

CDU: "Löhrmann fehlt Vision"

Kritik kommt auch aus der CDU. "Frau Löhrmann redet zu viel über Strukturen und zu wenig über Qualität. Ihr fehlt die Vision, was die Schulen angesichts großer Herausforderungen künftig leisten sollen. Die Antwort liegt nicht allein in neuen Schulformen oder der stärkeren Vergemeinschaftung des Lernens", teilte der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser mit. Nicht einverstanden ist er auch mit der Personalsituation an den Schulen: "Wenn in diesem Jahr unter dem Strich über 1.800 weniger neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden, wird deutlich, dass die Zeit der rot-grünen Wahlgeschenke vorbei ist."

Einheitliche Löhne gefordert

Ein weiterer Kritikpunkt: An den Sekundarschulen würden Lehrer mit verschiedenen Ausbildungen unterschiedlich bezahlt. Gymnasiallehrer erhielten dabei oft einige hundert Euro mehr Bruttogehalt als ihre Kollegen. Da in Zukunft aber alle Lehrer einen Masterabschluss brauchen werden, hält die GEW diese Bezahlung für ungerecht. Auch der Lehrerverband und der Verband Bildung und Erziehung (VEB) setzen sich für einheitliche Löhne ein. Der Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, hält die unterschiedliche Bezahlung dagegen für gerechtfertigt.

Bildungserfolg abhängig vom sozialen Status

An den rund 6.400 Schulen des Landes gibt es auch andere Baustellen. "Das nordrhein-westfälische Schulsystem ist den Anforderungen der Zukunft noch nicht gewachsen", bekennen SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag. "Nach wie vor hängt der Bildungserfolg viel zu sehr vom sozialen Status der Eltern ab." Versprochen werden kleinere Lerngruppen, mehr individuelle Förderung und Ausbau der Ganztagsangebote - auch um Druck aus derzeit oft überlangen Schultagen in der erweiterten gymnasialen Oberstufe "G8" zu nehmen.

Stichworte

Inklusion

Inklusion bedeutet, dass Schulen und die Didaktik von vornherein auf die Unterschiedlichkeit der Schüler und eine individuelle Förderung ausgerichtet sind. So sollen auch Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung die Möglichkeit bekommen, eine allgemeinbildende Schule zu besuchen.

1994 wurde erstmals in der sogenannten Salamanca-Erklärung der Unesco-Konferenz Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik benannt. Mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde die "inklusive Bildung" im Völkerrecht verankert. Mit Unterzeichnung verpflichtete sich auch Deutschland ein Bildungssystem zu errichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung der Regelfall ist. Alle Bundesländer stehen nun vor der Aufgabe, ihre Schulgesetze entsprechend der neuen gesetzlichen Grundlage weiter zu entwickeln.

24,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen wurden im Schuljahr 2012/13 mit einem diagnostizierten sonderpädagogischem Förderbedarf in allgemeinbildenden Schulen im Land NRW unterrichtet - Grundschulen erreichen einen Anteil von 33,6 Prozent beim gemeinsamen Unterricht, und Schulen der Sekundarstufe I kommen auf 18,4 Prozent. Damit liegt NRW über dem Bundesdurchschnitt, der 2010 bei rund 20,1 Prozent liegt. Deutschlandweit wird an Grundschulen somit wesentlich öfter inklusiv unterrichtet als an Schulen der Sekundarstufe I.

Allerdings liegt der Inklusionsanteil in 17 von 30 europäischen Ländern 2008 schon über 75 Prozent: in Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Italien, Litauen, Malta, Norwegen, Portugal, Slowenien, Spanien, Schweden, UK-Schottland, UK-Wales, Ungarn, Zypern.

Erstklässler sitzen im Unterricht Video Weniger Kinder zum neuen Schuljahr (00:44 Min.) WDR aktuell vom 17.08.2012

Weniger Kinder zum neuen Schuljahr


Stand: 17.08.2012, 17.24 Uhr


Kommentare zum Thema (46)

letzter Kommentar: 22.08.2012, 10:50 Uhr

Egal schrieb am 22.08.2012, 10:50 Uhr:
Keine Demokratie braucht Religionsunterricht in Schulen!Staat und Religion haben strikt getrennt zu sein!Leider sind ja die suedlichen Bundeslaender immer noch religioes verseucht,daher meint man nun auch noch Islamunterricht einfuehren zu muessen.Das die Tuerkei nun den Wolf im schafspelz spielt ist kein Argument dafuer.
heinzb aus nrw schrieb am 21.08.2012, 21:50 Uhr:
Vollkommen notwendig, ich war bis lt. Woche im Urlaub in der Türkei in Ankara, da wurde auf Staatskosten gerade eine evangelische Kirche saniert und christliche Glaubenslehre soll zum Schulbeginn dort an den türkischen Schulen auch eingeführt werden, die dafür zuständigen Lehrer werden vom Staat bezahlt, habe ich erfahren. Und wenn man bedenkt, wie viele Kinder dort im Christentum unterrichtet werden im Vergleich zu türkischen Kindern an Deutschen Schulen, da war es eine Entscheidung, die überfällig war, meine ich.
WDR.de schrieb am 21.08.2012, 16:54 Uhr:
Kommentar gesperrt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema bei.
Anonym schrieb am 21.08.2012, 14:57 Uhr:
"Steuerzahler" wir haben schon vor Jahrzehnten Millionen von Arbeitskräfte islamischer Religionszugehörigkeit ins Land geholt. Sie leben, wie schon geschrieben, seit Jahrzehnten unter uns und mit uns. Für sie besteht genauso das Recht auf freie Religionsausübung wie für alle Anderen. Wie soll man ihrer Meinung nach mit diesen Tatsachen umgehen?
Steuerzahler schrieb am 21.08.2012, 10:50 Uhr:
@ Iguana 2.0 JA .. ich fürchte mich vor der schleichenden Islamisierung ... was ist daran verwerflich? Und da manipulieren mich nicht die Medien oder der Mainstream sondern die Erfahrung aus dem echten Leben. Der Islam gehört nicht zu Deutschland ....

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