Negativpreis für Josef Ackermann Ausgezeichneter "Lobbykrat"

Was die "Goldene Zitrone" für Filmschaffende ist, soll die "Lobbykratie-Medaille" für Lobbyisten sein: keine Auszeichnung, sondern ein Negativpreis. Die erste Medaille hat am Mittwoch (07.12.2011) der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekommen. Die Bank war wenig angetan.


Josef Ackermann vor einem Logo der Deutschen Bank
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Erster Träger der "Lobbykratie-Medaille": Josef Ackermann

"Lobby Control", eine Initiative mit Sitz in Köln, verleiht den Preis in diesem Jahr zum ersten Mal. Die Begründung für die Wahl Ackermanns: Er hatte im Juli 2011 als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF am Krisengipfel zum Rettungspaket für Griechenland teilgenommen. Damit, so die Initiative, habe die Bankenlobby einen bevorzugten Zugang zu Regierungschefs erhalten, der demokratischen Prinzipien widerspreche. Die Eurokrise sei ein weiteres Beispiel dafür, wie Banken durch aktive Mitgestaltung die Interessen der Finanzbranche schützten. So hätten sie die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägen und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellen können, heißt es bei "Lobby Control".

Deutsche Bank: Ackermann hat im Auftrag der Bundesregierung gehandelt

Die Deutsche Bank konterte prompt: Lobby Control gehe es nicht um die Sache, "sondern lediglich darum, jemandem ein Etikett anzukleben", wie ein Sprecher sagte. Er verwies darauf, dass die Deutsche Bank in Griechenland relativ gering engagiert sei. Deswegen habe sie kein gesteigertes spezifisches Eigeninteresse an einer für sie günstigen Lösung. Trotzdem habe sich Ackermann besonders für einen freiwilligen Schuldenverzicht gegenüber Griechenland eingesetzt. "Das geschah auf Wunsch der demokratisch gewählten Regierung dieses Landes." Auf deren Wunsch habe die Bank auch gemeinsam mit anderen deutschen Instituten versprochen, keine griechischen Staatsanleihen zu verkaufen. Dies habe die Deutsche Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Abschreibungen gekostet.

Lobby Control weist Kritik an der Kritik zurück

Die Lobby-Kritiker überzeugt diese Antwort auf die Preisverleihung, die vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank stattfand, natürlich nicht. Auf ihrer Homepage stellen sie fest: Der Sprecher gehe "mit keinem Wort auf den Vorwurf des bevorzugten Zugangs ein. Vielmehr verweist er auf das übliche Idealbild der Lobbyisten von einem pluralistischen Interessenausgleich". Ackermann und die Deutsche Bank hätten aber durch diesen privilegierten Zugang ihre Interessen durchsetzen können - und gerade deswegen seien sie gewählt worden.


Stand: 07.12.2011, 14.29 Uhr


Kommentare zum Thema (16)

letzter Kommentar: 12.12.2011, 13:20 Uhr

Marvin schrieb am 12.12.2011, 13:20 Uhr:
Wann der wieder zum Abendessen ins Kanzleramt eingeladen wird?
Olli Garch schrieb am 10.12.2011, 19:31 Uhr:
Die Auszeichnung des internationalen sozialistischen Untergrundes hat er ja nun nicht mehr entgegen nehmen koennen. Was hat der Sigmar Gabriel eigentlich neulich in Rom gemacht? Gibts da irgendwelche "Querverbindungen"? Steht die SPD auf dem Boden "unserer" Freiheitlidemokratischengrundordnung? Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um ueber ein SPD-Verbotsverfahren nachzudenken! :)
Günter schrieb am 09.12.2011, 13:00 Uhr:
Dieser Ackermann, der sich selber zum Frontmann für Profitmaximierun über alles gemacht hat, auch über Menschenwürde. Dieser Ackerman hat diese Auszeichnung verdient. Natürlich auch stellvertretend für alle kleinen möchtegerne-Ackermänner. In der Hoffnung das da durch vielleicht ein kleines Stückchen Menschenwürde, in der Welt gerettet werden könnte.
Egon schrieb am 08.12.2011, 14:22 Uhr:
@Anleger: Was bitte qualifiziert "Handwerker/Meister oder Selbstständige" in Fragen zum Lobbyismus? Höchsten das hier auch nur eigene Interessen in Form von Lobbyarbeit für das Handwerk und oder den kleinen Mittelstand von Interesse ist. Und warum diese Polemik in Richtung des öffentlichen Dienstes? NEID? Diese Initiative "Lobby Control" ist gut und seit langem überfällig. Unsere Gesellschaft braucht einen Pranger für Lobbyisten um deren umtriebige Machenschaften an die Öffentlichkeit zu zerren.
Tante Sülze schrieb am 08.12.2011, 12:11 Uhr:
Ich mahne, dass öffentliche Kontrolle, wie auch die unabhängige Information über Geschehnisse, in den Händen unserer freien Medien liegen muss. Informationen sind wichtig, aber ich erfahre, dass Informationen für unser Volk besonders geschmückt werden müssen. Die Zutaten dafür liefern vermutlich nicht wir, die Gebührenzahler, sondern andere. Lobby-Contol, noch nie davon gehört. Gibt es dafür einen deutschen Namen. Die Lobby versuche ich durch meine Wahlentscheidungen seit langem zu kontrollieren, aber die Mehrheit wählt Lobby. Wir sind mehrheitlich Lobby.

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