Vorschau auf Landtagssitzung Langer Landtag: Von Atommüll bis Stärkungspakt

Von Jenna Günnewig

Sitzfleisch und Entscheidungsfreude sind gefragt: Über zwölf Stunden wollen die Landtagsabgeordneten am Donnerstag (08.12.2011) verhandeln. Debattiert wird unter anderem über Atommüll, die Rettung der klammen Kommunen und das Aufregerthema Diätenerhöhung. Eine Vorschau.


Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags spiegelt sich in einer Glasscheibe
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19 Punkte stehen am Donnerstag auf der Tagesordnung des Landtags in Düsseldorf

Schon um zehn Uhr in der Früh ist Streit programmiert: Die Frage, wohin mit dem Atommüll im Forschungszentrum Jülich, steht als erste auf der Tagesordnung. Der Bund hatte Ende November den Transport von Jülich ins Zwischenlager Ahaus durchgesetzt, durch NRW könnte schon Anfang 2012 hoch radioaktiver Müll rollen. Rot-Grün spricht sich gegen den Transport von 152 Castor-Behältern aus und hat deswegen eine Aktuelle Stunde beantragt. Bundesumweltminister und CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen habe "eine für NRW teure, riskante und überflüssige Irrfahrt der 300.000 hoch radioaktiven Brennelementekugeln durch unser Land zu verantworten", heißt es in dem Antrag.

Auch die FDP beantragt Aktuelle Stunde zu Brennelementen


Das Problem: Die Genehmigung für die Lagerung der Castor-Behälter in Jülich ist bis Mitte 2013 befristet. Der rot-grünen Landesregierung sei dies seit Langem bekannt, "dennoch haben SPD und Grüne kein Konzept für den Verbleib der Brennelemente vorgelegt", kritisiert Dietmar Brockes, energiepolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Seine Partei hat deswegen im Anschluss eine Aktuelle Stunde zur Lagerung der Brennelemente im Forschungszentrum Jülich beantragt. Auch die CDU beschäftigt sich mit dem Thema und fragt in einem Eilantrag: "Plant die Landesregierung ein zweites atomares Zwischenlager in Nordrhein-Westfalen?"

Stärkungspakt Stadtfinanzen: Freude programmiert


Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann lachen im Landtag
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Kraft und Löhrmann (r.) haben im Moment gut lachen

Kurz vor der Mittagspause steht Jubeln bei Rot-Grün auf dem Programm. Denn dann soll der lange geplante und heftig diskutierte Gesetzentwurf zur Konsolidierung der kommunalen Finanzen verabschiedet werden. Erst Ende November hat sich die rot-grüne Minderheitsregierung mit der FDP-Opposition auf ein gemeinsames Konzept zur Sanierung der Kommunalfinanzen geeinigt. Nun sollte die Mehrheit im Landtag stehen und die armen Städte und Gemeinden bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro vom Land bekommen.

Neuordnung der Gebührenordnung wird entschieden

Statt für Fernseher oder Radio soll in Zukunft pro Wohnung ein Rundfunkbeitrag bezahlt werden - am Donnerstag stimmt der Landtag über den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag ab. Die Umstellung auf die Wohnungsabgabe muss bis zum Jahresende von allen Länderparlamenten ratifiziert werden. Die rot-grüne Minderheitsregierung will die Neuordnung der Rundfunkgebühren unterstützen, die CDU kritisiert, mit dem Gebührenstaatsvertrag liege dem Landtag ein Gesetz vor, das nicht mehr verändert werden könne. Die Fraktion will aber trotzdem zustimmen - damit steht die Mehrheit im Landtag.

Vor Verabschiedung: Gesetz zur Stärkung der Bürgerbeteiligung


Unterschriften für das Bürgerbegehren
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Bürgerbegehren sollen erleichtert werden

Zudem wird über einen rot-grünen Gesetzentwurf entschieden, der vorsieht die Hürden für erfolgreiche Bürgerbegehren zu senken. So soll die Bedingung künftig wegfallen, dass Bürger die Kosten ihres Vorschlags bis ins Kleinste durchkalkuliert haben müssen. Zudem sollen mehr Themen in Bürgerbegehren entschieden werden dürfen. Und: Bislang mussten grundsätzlich 20 Prozent aller Wahlberechtigten dem Begehren zustimmen. Diese Prozent-Hürden soll für Städte mit über 50.000 Einwohner auf 15 Prozent, für Städte mit über 100.000 Einwohner auf zehn Prozent abgesenkt werden.

Abgeordnete wollen eine bessere Altersversorge


Je später der Abend, desto leerer die Bänke, desto brisanter die Themen: Die rot-grüne Regierung will mit Unterstützung der CDU-Opposition die Altersversorgung der 181 Abgeordneten im Landtag um 500 Euro im Monat erhöhen. FDP und Linke kritisierten das Vorgehen der anderen Fraktionen. Den Steuerzahler würde die Diätenerhöhung pro Jahr 1,1 Millionen Euro kosten. Mit der Erhöhung haben es die Abgeordneten eilig, schon kurz vor Weihnachten soll das Parlament die Änderung des Abgeordnetengesetzes in der zweiten Lesung endgültig beschließen.


Stand: 08.12.2011, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (9)

letzter Kommentar: 09.12.2011, 06:41 Uhr

Balu schrieb am 09.12.2011, 06:41 Uhr:
Es wird zeit das wir endlich auf die Strasse gehen. Frau Grössenwahnsinn in Berlin verteilt unsere Steuern wir bei einem Basar, im Landtag erhöht man trotz leerer Haushaltskassen sich mal eben die Diäten für die Altersvorsorge und im Fernsehen erzählt ein Kasper der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat die Renter sollten später noch ehrenamtlich arbeiten, natürlich per Gesetz. Was kommt als nächstes, eine Zwangsabgabe das ich überhaupt Arbeit habe oder wie schon der unverschämte Solidaritätszuschlag einen Zuschlag für arme Abgeordnete. Es wird wirklich Zeit.
Hans-Joachim schrieb am 08.12.2011, 19:09 Uhr:
Da hilft nur bei den nächsten Wahlen rot-grün-(gelb) die "Rote Karte" zu zeigen! Politiker fast aller Coleur betrachten unser Land und den Steuerzahler nur noch als Selbstbedienungsladen und Stimmvieh! Bei einem salär von über 10.000,--EUR ist diesen Leuten doch wirklich eine eigenfinanzierte Altersversicherung zuzumuten! Dem Normalbürger wird das ja allenthalben in Form der Riesterrente empfohlen! Für diese tolle Eigenversorgung wurde dann sogar der Riester-Faktor in der Rente eingeführt, welcher zu einer Absenkung der gesetzlichen Rente führte!
Martin S. schrieb am 08.12.2011, 19:06 Uhr:
Eine absolute Frechheit! Während die Politker verzweifelt versuchen noch mehr Geld aus dem gemeinem Volk zu pressen, bedienen sich diese schamlos aus dem Pott! Und alle sind sich einig! Ich habe meinen Glauben an die Politiker schon lange verloren, aber diese Vorgehensweise bestätigt das auch noch! Schande, Schande!
olejnik herbert schrieb am 08.12.2011, 17:28 Uhr:
Es ist eine bodenlose Frechheit was sich so im Landtag abspielt:Wir das Volk werden nur noch verhöhnt!Hartz4 wird um 10,-Euro erhöht,obwohl man frau zig Jahre in die Sozialkassen eingezahlt hat.Ein Abgeordneter hat Nichts eingezahlt!Aber der grösste Hammer ist und bleibt:SIE KÖNNEN SICH JA SELBER IM BUND U LAND IHRE DIÄTEN ERHÖHEN!GUTE NACHT DEUTSCHLAND!
Gran-Torino schrieb am 08.12.2011, 17:11 Uhr:
Realitätsverlust auf Kosten der Armen? Mich würde interessieren wo den bitte diese 1,1 Million eingespart werden? Bei denen die sowieso schon wenig haben? Oder bei der Toilettenreinigung im Landtag. Bei denn Vergnügungstouren der Abgeordneten? Erst heißt es der Landtag können keinen ordentlichen Haushalt finanzieren und nun sind mal wieder 1,1, Million übrig. Politiker haben (k)ein Gespür dafür entwickelt den Bürger zu verprellen und sollen sich nicht wundern wenn sie demnächst nicht wieder gewählt werden aber dann ist sowieso alles zu spät für und abgezockten Bürger. Politik so wie sie heute betrieben und vermittelt wird ist Ethisch nicht mehr hinnehmbar. Sei es in der Bundes,Landes oder Kommunalpolitik. Wir Bürger müssen mehr Instrumente in die Hand bekommen solch einer Selbstbedienungsmentalität einen Riegel vor zu schieben, denn immerhin ist es letztlich unser Geld was da verprasst wird. Was wir brauchen sind keine Parteien sondern eine kontrollierte Bürgerliche Sel ...

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