Expertenanhörung im Landtag Von Late Night-Shopping bis Sonntagsruhe

Von Jenna Günnewig

Lange auf lassen oder wieder früher zumachen? Die rot-grüne Landesregierung diskutiert darüber, die Ladenöffnungszeiten in NRW einzuschränken. Am Mittwochnachmittag (18.01.2012) berieten Experten im Landtag über das Pro und Contra vom Einkaufen rund um die Uhr.


"Den Wintermantel kaufe ich nicht zweimal, nur weil es ein Late Night-Shopping gibt!" Folkert Küpers vertritt die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft NRW und ist klar gegen lange Ladenöffnungszeiten: Unternehmen, die von längeren Öffnungszeiten Gebrauch machen, hielten häufig die Arbeitszeitbestimmungen und die tariflichen Mindeststandards nicht ein - so eines seiner Argumente bei der Expertenanhörung zum Ladenschluss am Mittwoch (18.01.2012).

Eine Reihe vor ihm wirbt Peter Achten vom Handelsverband NRW für liberale Öffnungszeiten. Die Beschränkung der Ladenöffnungszeiten sei einfach nicht mehr zeitgemäß und auch den Konsumenten in keinster Weise vermittelbar. "Bei einer Einschränkung der Öffnungszeiten wird ausgewichen, sei es auf den Internet-Handel oder ins benachbarte Ausland."

Vom Einzelhandel auf die grüne Wiese

Kritische Töne zu den längeren Öffnungszeiten kamen vor allem auch aus dem Handwerk. Kleinere Betriebe litten durchaus unter Umsatzeinbußen, weil sich die Kundenströme hin zu den großen Betrieben "auf der grünen Wiese" verlagerten, sagte der Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags, Frank Wackers.

Aus Sicht der Wirtschaft haben die längeren Öffnungszeiten nicht automatisch zu höheren Umsätzen geführt. Dennoch begrüßte die Mehrzahl der Sachverständigen die Liberalisierung des Ladenschlusses vor gut fünf Jahren.

Landesregierung prüft eine Einschränkung der Öffnungszeiten


Seit November 2006 dürfen die Läden werktags rund um die Uhr öffnen. Zudem sind vier offene Sonntage pro Jahr erlaubt, die jeder Stadtteil individuell wählen darf. Vor allem die Kirchen, aber auch Gewerkschaften und die Verbraucherzentrale, forderten mehr Sonntagsschutz. SPD und Grüne sind sich über die Ausgestaltung noch unklar, wollen aber an dem Gesetz schrauben und besonders den Sonntag arbeitsfrei halten.

Denn der dürfe nicht "durch immer mehr Ladenöffnungen zu einem Werktag wie jeder andere werden", so Thomas Eiskirch, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD. In seiner Fraktion gebe es keine Festlegung, ob überhaupt eine Änderung der Öffnungszeiten an den Werktagen nötig sei - man wolle erst die Ergebnisse der Expertenanhörung "akribisch auswerten".

Grüne schlagen Ladenschluss um 22 Uhr als Kompromiss vor

Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen kam am Mittwochvormittag bereits mit einem konkreten Vorschlag um die Ecke: Durch die Woche seien Öffnungszeiten bis 22 Uhr für ihn ein vernünftiger Kompromiss. Beim Eindämmen des Wildwuches mit zu vielen offenen Sonntagen hofft der Grünen-Chef auf eine Verständigung mit der CDU.


NRW-CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst sitzt am 03.12.2009 im NRW-Landtag
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Hendrik Wüst (CDU) warnt vor Bevormundung der Kunden

Die wirkt aber bislang wenig zustimmungsfreudig und warnt: Finger weg von unserem Ladenöffnungsgesetz. "Jeder Händler kann heute frei entscheiden, ob und wie er die gesetzlichen Möglichkeiten ausnutzen will. Eine Rücknahme dieser Regelung, wie sie die rot-grüne Minderheitsregierung fordert, würde eine Bevormundung von Kunden und Händlern bedeuten", findet der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hendrik Wüst. Auch die FDP ist gegen jede Änderung des unter ihrer Regierung beschlossenen Gesetzes. Die Linkspartei will hingegen noch kürzere Öffnungszeiten. Bei der Diskussion um Ladenöffnungszeiten ist das Ende offen.


Stand: 18.01.2012, 18.00 Uhr


Kommentare zum Thema (34)

letzter Kommentar: 23.01.2012, 12:59 Uhr

Taube schrieb am 23.01.2012, 12:59 Uhr:
Ich bitte alle verdammt nochmals, lass die Öffnungszeiten bisher stehen. Wenn Grüne oder andere früherer schliessen will, bekommt bald (100%) blaue Wunder. Da die (fast jede) Geschäfte in Venlo jeden Sonntag offen hat, laufen die Kunden irgendwann von Laden weg. Sie soll nicht zu ritterlicher Zeiten abkehren. Längere Zeiten schafft man auch die bisschen Arbeitsplätze, soll man nicht vergessen.
@ anonym: Etwas weltfremd ... schrieb am 23.01.2012, 09:08 Uhr:
"Wäre ein Mehrschichtmodell im Einzelhandel zu normalen guten Konditionen Voraussetzung könnte man die Ladenschlußzeiten vielleicht noch anders sehen." Wollen Sie ernsthaft behaupten, im Einzelhandel gäbe es kein Mehrschichtmodell und sämtliche VerkäuferInnen seien von Ladenöffnung bis Ladenschluss täglich anwesend? Und was die normalen guten Konditionen angeht: Glauben Sie etwa, auch wenn die Geschäfte wieder um 18:30 schließen sollten, dass niemand im Einzelhandel mehr auf 400-Euro-Basis arbeiten müsste?
anonym schrieb am 22.01.2012, 08:13 Uhr:
das Ego wird bedient und stimmt. Ist doch eine traurige Basis irgendwie. Finde ich zumindest.
anonym schrieb am 22.01.2012, 07:44 Uhr:
Cem, ist nur seltssam, daß Bayern und Baden-Württemberg sehr erfolgreich in ihrer Politik und ihrem konsvervativen Handeln sind. Weit erfolgreicher als die anderen Bundesländer. Denn sie stehen von den 16 am besten wirtschaftlich das. Und schulisch wohl auch. Was mag uns das wohl sagen? Dann doch lieber mit normalem Ladenschluß als experimentierfreudig und weniger erfolgreich. Was das Ausland vormacht, muß man nicht unbedingt nachmachen. Es ist wohl ein Unterschied ob man einkaufen kann oder bis in die Nacht hineinarbeiten muß. Die meisten reden ohne vorher nachzudenken. Wir sind früher nicht verhungert, als die Geschäfte noch um 18.30 h schlossen. Im Gegenteil. Und würden es heute noch weniger. Die Arbeitszeit geht auf Kosten der Mitarbeiter. Wäre ein Mehrschichtmodell im Einzelhandel zu normalen guten Konditionen Voraussetzung könnte man die Ladenschlußzeiten vielleicht noch anders sehen. Menschen werden ausgenutzt die Bevölkerung steht dabei und schaut zu. Hauptsache ...
Cem, Köln schrieb am 19.01.2012, 21:03 Uhr:
Oh, bitte, lasst die Läden lange offen sein! Es ist so ein stressfreies Leben ohne diesen Ladenschluss-Zwang. Andere Länder können das auch, und schon lange. Es muss ja nicht jeder Supermarkt bis um 24 Uhr offen sein. Da leider inzwischen fast alle Supermärkte einem Konzern gehören (z.B. in Köln), können die das ja schön planen. Ich erlebe regelmäßig in München, wie unpraktisch und un-international die Schließung um 20 Uhr ist. Außerdem inzwischen auch "bayrisch-absurd-CSUlerisch". Wenn die Grünen jetzt für frühe Schließung ist, bin ich kein Grünen-Wähler mehr.

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