Schulausschuss berät über Reisekosten Viele Klassenfahrten stehen auf der Kippe

Von Rainer Kellers

Müssen in diesem Jahr etliche Klassenfahrten ausfallen, weil Lehrer ihre Reisekosten nicht mehr selbst übernehmen dürfen? Schulministerin Löhrmann hat das am Mittwoch (20.02.2013) im Landtag nicht ausschließen können. Bis Ostern soll es Klarheit geben.


Das Gepäck einer neu angekommenen Schulklasse in einer Jugendherberge
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Viele Schulen befürchten, ihre Klassenfahrten absagen zu müssen

Die Verunsicherung an den Schulen ist groß. Im vergangenen Herbst haben zwei Gerichte entschieden, dass das Land ihren Lehrern zwingend die Kosten für Klassenfahrten erstatten muss. Bislang haben Lehrer und Begleitpersonen in NRW häufig Klassenfahrten aus eigener Tasche bezahlt. Das war gut fürs Budget, darf nun aber nicht mehr so gehandhabt werden. Das Problem ist nur: Im Schuletat ist nicht mehr Geld für Klassenfahrten drin als vorher. Und die Schulen wissen nicht, wie sie die höheren Kosten auffangen sollen.

Dringliche Frage der Piratenfraktion


Müssen nun bereits gebuchte Reisen storniert und geplante Fahrten abgesagt werden? Das wollte die Piratenfraktion am Mittwoch (20.2.2013) von der Schulministerin im Schulausschuss wissen. Sylvia Löhrmann (Grüne) versuchte zu beruhigen. Bereits genehmigte Klassenfahrten müssten nicht storniert werden, sagte sie. Und es dürften auch weitere Klassenfahrten von den Schulleitern genehmigt werden, falls die Kosten vom Budget der Schule gedeckt seien. Löhrmann stellte klar, dass genehmigte Reisen auch dann stattfinden können, wenn das Budget - durch die nun hinzukommenden Reisekosten für Lehrer - überschritten wird. Das Ministerium kann in diesem Fall Geld zuschießen. "Abwicklung bereits eingegangener rechtlicher Verpflichtungen", heißt das im Beamtendeutsch.

Ministerin kann Etat nicht erhöhen


Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne)
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Löhrmann: "Wir sind in einer misslichen Lage"

Problematisch allerdings wird es für Schulen, die in diesem Jahr Reisen geplant, aber noch nicht genehmigt bekommen haben. Wenn klar ist, dass die Reisekosten das Budget der Schule übersteigen, gibt es vorerst keine Genehmigung. "Wir sind da in einer misslichen Lage", gab Löhrmann im Ausschuss zu. Denn einfach mehr Geld für Klassenfahrten in den Schuletat einzustellen, um die höheren Kosten durch die Gerichtsurteile aufzufangen, gehe nicht. Erstens sei nicht klar, wie viel Geld überhaupt fehle - das werde derzeit in Gesprächen mit Schulen und Bezirksregierung erörtert. Und zweitens sei der Haushalt für 2013 noch nicht vom Parlament verabschiedet.

"Bis Ostern haben wir Klarheit"

"Mir sind die Hände gebunden", sagte Löhrmann. Das Budgetrecht liege beim Parlament, sie könne den mit rund sechs Millionen Euro gefüllten Topf für Klassenfahrten nicht einfach nachträglich auffüllen. Das könne nur im Rahmen der Haushaltsberatungen geschehen. Die laufen derzeit, mögliche Änderungen werden aber erst wirksam, wenn der Haushalt verabschiedet ist. Und das wiederum dauert noch bis Ende März. "Bis Ostern", verspricht die Ministerin "haben wir Klarheit."

Dass der Topf nachträglich gefüllt wird, ist jedoch sehr wahrscheinlich. Im Ausschuss erinnerten alle Fraktionen daran, wie wichtig Klassenfahrten seien. Die CDU hat zudem bereits Anfang Februar signalisiert, sich bei den Haushaltsberatungen dafür einzusetzen, dass der Etat für Klassenfahrten aufgestockt wird. Man kann davon ausgehen, dass die anderen Fraktionen dem zustimmen werden.


Stand: 20.02.2013, 12.27 Uhr


Kommentare zum Thema (40)

letzter Kommentar: 22.02.2013, 17:13 Uhr

Kein Lehrer schrieb am 22.02.2013, 17:13 Uhr:
@Eigenverantwortlicher 9:42 schrieb am 21.02.2013, 12:35 Uhr: Augen auf bei der Berufswahl???? Wenn wir alle den Lehrerberuf erlernen/studieren/ausüben...Oh je!!! Wirtschaft Ade!! Fragt doch mal die Eltern welche die Fahrten nicht bezahlen können? Ich fänd es sinnvoller den Unterrichtsstundenausfall zu minimieren als sich über Klassenfahrtkosten aufzuregen! (Wenn auch berechtigt, jedoch nicht erste Priorität) Vielleicht bekämmen wir aus der Wirtschaft dann auch mal Auszubildende mit ordentlichem Vorwissen!!
@ Anonym , 10:37 Uhr: schrieb am 22.02.2013, 15:51 Uhr:
vor allem die Alt68er und RotGrünen....
Anonym schrieb am 22.02.2013, 10:37 Uhr:
Sollten nicht 10-20% der Lehrer/innen für immer verreisen?
@ Schüler schrieb am 21.02.2013, 14:47 Uhr:
Richtig, in Wahrheit bedeutet eine Klassenfahrt nämlich unbezahlte Überstunden - und nebenbei steht man noch mit einem Bein im Gefängnis. NEVER!
schüler schrieb am 21.02.2013, 14:23 Uhr:
Die Lehrer müßten noch Schmerzensgeld oben drauf bekommen - außer mit der 1. Klasse eines Mädchen-Gymnasiums oder einer Grundschule in feinster Wohngegend würde ich als Lehrer niemals eine Klassenfahrt machen; außer, ich möchte meine Zeit bei der Polizei etc. verbringen. Und das soll ich dann noch selber zahlen? Da ist ja fast noch besser, in der Krankenpflege zu arbeiten?!?!?!!?

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