Foto der Jungen Union Münster: Gruppenbild mit Reichsflagge
Auf einem Foto posiert die Junge Union Münster vor einer schwarz-weiß-roten Reichsfahne und löst damit im Internet einen Proteststurm aus. Die Flagge gilt als politisch vorbelastet und wird gerne von Neonazis verwendet. Extremismusforscher finden die Aktion heikel.

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Junge Union Münster: Schnappschuss von der Weihnachtsfeier 2012
Das Bild des Anstoßes entstand auf einer gemütlichen Weihnachtsfeier. Die CDU-Nachwuchspolitiker feierten in den Räumen einer Münsteraner Studentenverbindung, ließen sich gemeinsam ablichten und posteten den Schnappschuss auf Facebook. Dann setzte sich ein Proteststurm in Gang: Binnen weniger Stunden häuften sich die kritischen Kommentare. Am Freitagmittag (21.12.2012) war das Bild, auf dem der neue Vorstand zu sehen ist, gerade mal 19 Stunden online und hatte schon weit mehr als 1.000 Stimmen nach sich gezogen.
Seichte Reaktionen wie "peinlich" und "sinnlos" waren noch die Ausnahme. Ein Nutzer fragte: "Ist die CDU nicht am rechten Rand?" Andere gingen weiter und sprachen vom "Outing zum Faschismus" oder riefen "Braun ist das neue Schwarz". Ein Facebook-Nutzer verglich die JU gar mit der Nachwuchsorganisation der Nationalsozialisten, der Hitler Jugend.
Extremismusforscher: Bilder mit Reichsflagge besser vermeiden

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Die umstrittene Flagge ist auch unter Neonazis beliebt.
Aber was hat es mit der Fahne auf sich? "Die Fahne war die des ehemaligen Deutschen Reiches", sagte der Düsseldorfer Extremismusforscher Fabian Virchow WDR.de. Nationalsozialisten hätten die Fahne jahrelang parallel zur Hakenkreuzfahne als Staatflagge benutzt. Heute würden Neonazis und Rechtsextreme die legale Fahne häufig bei Demonstrationen tragen. Zu dem JU-Schnappschuss meinte Virchow: "Das ist auf jeden Fall erklärungsbedürftig." Ein Porträt mit der Fahne solle wegen der politischen Vorbelastung vermieden werden. "Man kann sich ja auch vor dem Haus fotografieren lassen."
Ein Urteil über die Aktion der Jungen Union Münster gab Virchow nicht ab. Diejenigen, die die Fahne aufhängen, müssten hinterfragt werden, sagte der Wissenschaftler. "Es gibt ein Spektrum von Verbindungen, die demokratisch sind. Und ein Spektrum, das rechts ist."
JU gibt sich überrascht
Die Junge Union scheint die Proteste geahnt zu haben. Am rechten Rand des Fotos steht: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Die JU Münster hat in den Räumlichkeiten des VDSt Münster (Verein Deutscher Studenten, Anmerkung d. Red.) getagt, der wiederum schwarz-weiss-rot als Verbindungsfarben führt." Die Reaktionen auf die Aktion konnten die Mitglieder am Freitag aber nicht verstehen. "Wir waren selbst ein bisschen überrascht", sagte der stellvertretende JU-Kreisvorsitzende, Christoph Sluka. Das Foto sei schließlich in der Räumlichkeiten einer Studentenverbindung entstanden. Bei dieser handele es sich nicht um eine Neonazi-Kameradschaft. "Jeder sollte in der Lage sein, zu differenzieren."
Eigentlich düften die Reaktionen die JU aber nicht überrascht haben. Die CDU-Nachwuchspolitiker hatten sich schon bei der vorherigen Weihnachtsfeier mit der Reichsflagge ablichten lassen - und damals ebenfalls Proteste ausgelöst. Warum wurde die Fahne in diesem Jahr nicht einfach beiseite gerückt? "Wir können uns nicht vorschreiben lassen, was politisch korrekt ist", sagte der 26-jährige Jurastudent Sluka. Man dürfe die JU nicht verurteilen, nur weil die NPD die Fahne auch verwende. Der JU-Kreisvorsitzende Christoph Sluka: "Salopp gesagt: Die NPD spricht deutsch, ich auch."
Stand: 21.12.2012, 15.58 Uhr
- Münstersche Zeitung: Scharfe Kritik an Fahnenfoto der Jungen Union
- Rechtsextremismus bei Burschenschaften: Von Vaterland und "deutschem Blut"
- Rechtsextreme Tendenzen [Mediathek]
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Die Junge Union Münster posiert vor einer schwarz-weiß-roten Flagge
Facebook-Auftritt Junge Union Münster - Homepage von Extremismusforscher Fabian Virchow
Kommentare zum Thema (43)
letzter Kommentar: 25.12.2012, 12:36 Uhr
- Ein sozialdemokratischer VDSter! schrieb am 25.12.2012, 12:36 Uhr:
- "Ein Urteil über die Aktion der Jungen Union Münster gab Virchow nicht ab. Diejenigen, die die Fahne aufhängen, müssten hinterfragt werden, sagte der Wissenschaftler. "Es gibt ein Spektrum von Verbindungen, die demokratisch sind. Und ein Spektrum, das rechts ist."" Ich habe zwar keine Ahnung vom (V)VDSt aber als "Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung" und FH-Prof. eine Haltung! Prof. Virchow sollte sich vielleicht umfassender mit den Verlautbarungen und Erklärungen des VVDSt-KV der letzten 60 Jahre beschäftigen, bevor er Urteile versucht... Für den Anfang könnte er sich mit der UNESCO-Auszeichnung des VVDSt-KV beschäftigen.
- Knolli schrieb am 23.12.2012, 07:47 Uhr:
- Also die Flaggen auf dem Nazi-Foto und dem JU-Foto sind identisch. Mich wundert dies indes nicht..., viele Wähler dieser Partei empfinden das 3. Reich als "gar nicht so schlechte" Staatsform, haben Ressentiments gegen Juden und Ausländer, wünschen sich "den starken Mann der durchgreift", wollen das endlich "mal Schluss ist" mit der Aufarbeitung des Hitler-Faschismus..., und sind eben... "Patrioten"..., da muss man doch die GANZE dt. Geschichte toll finden. Die CDU ist sich dieser zahlenmäßig nicht zu unterschätzenden Truppe von Leuten insbesondere während des Wahlkampfes absolut bewusst. Da wundert so eine "patriotische" Fahnen-Aktion der JU doch wenig. Und gerade in europafeindlicher Stimmung..., in einem Klima des Hasses insbesondere gegen islamische, ausl. Mitbürger macht sich rechter Patriotismus im Wahlkampf gut. Ziemlich erbärmlich, was die Jugendorganisation dieser ach so tollen Partei so aufzieht..., hoffentlich geht der Schuss nach hinten los...
- Jens Jensen, Tonder (DK) schrieb am 22.12.2012, 21:02 Uhr:
- Wer keine Ahnung hat, sollte den Mund halten; das gilt für den Kommentar Citizen X besonders. Denn wenn das Kaiserreich ein autoritärer Obrigkeitsstaat gewesen sein sollte, dann hätte z.B. der "Simplizissimus" niemals ungestraft über "Unseren Kornprinzen" schreiben und dabei auf den Schnapskonsum des Kronprinzen anspielen dürfen. - Übrigens kamen ab 1872 sehr viele Juden nach Deutschland, und zwar wegen des liberalen Klimas gegenüber Juden hier etwa im vergleich zu Österreich-Ungarn und vor allem Frankreich ( Dreyfuss-Affäre). Dass es im Kaiserreich natürlich auch so zuging: "Na, junger Mann, wo hamm Se denn jedient?" ist sicherlich richtig; aber man schaue sich einmal an, welch ein extremer Rassismus in GB,USA und Frankreich herrschte. Dagegen waren "Preußens" kleine Lichter, was dies in keien r Weise entschuldigt. Ich finde, man sollte nur mit einer gewissen Sachkompetenz hier differenzierte Werturteile fällen.
- Analytiker schrieb am 22.12.2012, 20:59 Uhr:
- @Citizen X : Leider hat selbst der Autor dieses Beitrags die auf dem Foto zu sehende schwarz-weiß-rote Fahne als die alte Reichsfahne angesehen. In Wirklichkeit ist es die Fahne einer studentischen Verbindung. Dies ist im gleichen Beitrag auch beschrieben. So kann man auch Stimmung machen. Wie man an den Kommentaren sieht sogar mit Erfolg.
- GD schrieb am 22.12.2012, 20:21 Uhr:
- Na und?? Was soll der Sturm im Wasserglas?? Für viele Leute beginnt die Deutsche Geschichte erst 1949. Man muss zu seinen Traditionen und zur eigenen Geschichte stehen, sonst sind wir ein Volk ohne Rückgrat.
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