Geplante Atommülltransporte Wenn der Castor durch NRW rollen sollte

Setzt sich der Bund durch, fahren ab 2012 Castorbehälter von Jülich bis Ahaus. Welche Strecke ist geplant? Ist mit Protesten wie jüngst im Wendland zu rechnen? Und wie ist das Zwischenlager in Ahaus ausgerüstet? WDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen.


Castortransport
Bild 1 vergrößern +

Noch ist nicht entschieden, ob die Castoren wie geplant ab 2012 tatsächlich in das Zwischenlager Ahaus rollen werden. Trotzdem wirft die Entscheidung des Bundes, den Atommüll aus Jülich ins Münsterland zu transportieren, schon jetzt Fragen auf. WDR.de sprach mit Stephan Hackenbroch, dem Regionalkorrespondenten des WDR in Ahaus.

Wie werden die Castoren nach Ahaus transportiert?

Diese Frage ist nach Aussage des NRW-Umweltministeriums noch nicht abschließend geklärt, und das gehöre, laut Stephan Hackenbroch, auch zur Taktik: "Momentan lässt sich nicht voraussagen, ob die Castoren über die Schiene oder die Straße transportiert würden." Die Straße biete bessere Möglichkeiten, Verzögerungen durch Demonstrationen zu umgehen, weil man flexibel ausweichen könne. "Als 2005 die letzten Castortransporter nach Ahaus fuhren, hat man diesen Vorteil genutzt. Als klar war, an welchen Kreuzungen die Proteste stattfinden werden, nahmen die Fahrer einfach einen Umweg." Auch NRW-Umweltminister Johannes Remmel sprach im Interview mit WDR 2 von "engen Straßen", was nahelegt, dass die Landesregierung mit diesem Transportweg rechnet.

Welche Kommunen sind betroffen, welche Strecke wird genommen?

Auch das dürfte eher offen bleiben - aus den gleichen Gründen wie bei der Frage, ob via Schiene oder Straße transportiert wird. "Über die Route, die gefahren wird, entscheiden die Einsatzkräfte spontan", sagt Hackenbroch. Auch der Zeitpunkt der Fahrten werde flexibel entschieden. "Dadurch wird die Möglichkeit zum gezielten Protest eingedämmt."

Wie reagieren die Bürgerinitiativen, wie wird der Protest aussehen?


Die Bürgerinitiative in Ahaus hofft nach der Ankündigung, dass ab 2012 Castoren rollen sollen, wieder mit stärkerem Zulauf. "Die Initiative war zwar nicht tot", schildert Hackenbroch die Situation. "Die monatlichen Sonntagsspaziergänge am Zwischenlager waren teilweise aber schwach besucht." Nach Fukushima und rund um die Rücknahme der Laufzeitverlängerung durch die Bundesregierung seien 200 bis 300 Teilnehmer gekommen, ansonsten eher 30 bis 50.

"Die Bürgerinitiative will die Transporte in jedem Fall verhindern." Mit aufsehenerregenden Aktionen wie jüngst im Wendland oder Massenaufläufen beim Transport von Atommüll aus den Meilern Neckarwestheim und Grundremmingen im Jahr 1998 sei aber nicht zu rechnen. Weil die Fahrten und die Routen wahrscheinlich nur schwer voraus zu sagen sein werden, wird es auch nicht leicht, konzentrierte Proteste zu organisieren. Gleichzeitig sagen die Atomgegener aber auch, dass sie seit 2005, als sie "ausgetrickst" wurden, dazugelernt hätten und besser vernetzt seien.

Stichworte

Zwischenlager Ahaus

Das Brennelement-Zwischenlager Ahaus befindet sich im westlichen Münsterland. Es hat eine Genehmigung als Zwischenlager bis 2036 und wird von der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) betrieben. Die GNS mit Hauptsitz in Essen gehört zum überwiegenden Teil den Energie-Unternehmen Eon Kernkraft und RWE Power.

In der fast 200 Meter langen Transportbehälterhalle auf dem Ahauser Gelände lagern momentan 305 Castorbehälter. Sie enthalten rund 600.000 Brennelementekugeln aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor Hamm-Uentrop. Der Transport fand 1992 statt. 1998 kamen ausgediente Brennelemente aus den Atommeilern Neckarwestheim (Baden-Württemberg) und Gundremmingen (Bayern) hinzu. 2005 wurden noch einmal 18 Castoren mit sogenannten Stilllegungsabfällen wie Schutzkleidung, Putzlappen oder Werkzeugen aus dem Forschungsreaktor Rossendorf (bei Dresden) eingelagert.

Die zur Verfügung stehenden Stellplätze in Ahaus sind nach WDR-Informationen momentan zu maximal einem Drittel belegt. Außer den geplanten Jülicher Castor-Transporten werden voraussichtlich auch mittelradioaktive Abfälle aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Ahaus eingelagert werden. Da es sich um Abfälle aus deutschen Brennelementen handelt, ist Deutschland völkerrechtlich zur Rücknahme verpflichtet.

Jülicher Atommüll

Der Atommüll aus Jülich besteht aus 300.000 Brennelemente-Kugeln. Die Kugeln haben eine hohe Strahlung und sind deshalb sehr gefährlich. Sie stammen aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR), der sich auf einem an das Forschungszentrum Jülich angrenzenden Gelände befindet. Der 1967 in Betrieb genommene Reaktor wurde 1988 abgeschaltet. Die Rückbauarbeiten sollen 2015 abgeschlossen werden.

Die etwa tennisballgroßen Brennelemente-Kugeln sind zum Transport und zur Lagerung in 152 Spezialbehältern, so genannten Castoren, verpackt. Diese Behälter sind wesentlich kleiner als die sonst verwendeten Castoren für Brennelemente aus kommerziellen Kernkraftwerken. Sie sind weitgehend identisch mit den bereits in Ahaus lagernden 305 Behältern mit Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Hamm-Uentrop. Die Behälter schirmen die Strahlung nach Angabend es Forschungszentrums fast vollständig ab. Die Strahlung in einem Meter Abstand sei deutlich geringer als etwa bei einem Kurzstreckenflug. Auf dem Gelände des Jülicher Forschungszentrums dürfen sie nur noch bis 2013 gelagert werden, dann läuft die Genehmigung aus - dies ist der Grund, warum der Atommüll nun nach Ahaus transportiert werden soll.


Stand: 01.12.2011, 13.42 Uhr


Kommentare zum Thema (16)

letzter Kommentar: 05.12.2011, 17.13 Uhr

Teuer ist gut! schrieb am 05.12.2011, 17.13 Uhr:
Jaa teuer machen ist guut! Das kann nicht teuer genug werden, da ist das Steuergeld ganz sicher sinnvoller und besser verbrannt als in einem "Euro Rettungsschirm" oder in einer überflüssigen Landesbank ect.
schwarzer Martin schrieb am 05.12.2011, 13.05 Uhr:
grüner Martin-- Ja gibt es denn für die "Grünen" was schöneres ?
grüner Martin schrieb am 05.12.2011, 10.28 Uhr:
Wenn der Castor durch NRW rollen sollte, dann wird es ganz sicher richtig richtig teuer! Der letze Castortransport nach Gorleben war der bis jetzt TEUERSTE(!) Das lässt sich sicher noch deutlich überbieten :-))
Bambi schrieb am 04.12.2011, 17.40 Uhr:
Was soll das ganze Theater? Bislang ist bei einem Castortransport noch nie etwas passiert und wird auch nie passieren. Das ganze unausgelastete Gejammere und Gezeter zeigt doch nur, dass wir in einem Land leben, wo es allen gut geht und die höchsten Sicherheitsbestimmungen herrschen. In so einem Land gibt es natürlich auch notorische Querulanten, welche aus purer Langeweile gar nicht wahrhaben wollen wie gut es ihnen geht.
Günter schrieb am 03.12.2011, 19.56 Uhr:
Genau so ist es. Man hätte, bevor man überhaupt irgend eine Atomanlage baute, zu erst ein Endlager verwirklichen müssen. Das Motto" nach mir die Sinnflut ", das zu dieser tollen Atomkraftwelt führte, halte ich für falsch.

Alle Kommentare anzeigen



Mehr Politik

tagesschau.de

  • Nahost-Konflikt: Israel willigt in Waffenpause ein

    Israel will beim militärischen Einsatz im Gazastreifen offenbar eine zwölfstündige Waffenpause einlegen. Sie soll am frühen Morgen beginnen, hieß es aus US-Regierungskreisen. Eine von US-Außenminister Kerry vorgeschlagene Waffenruhe hatte das israelische Sicherheitskabinett zunächst abgelehnt.

  • Lufthansa fliegt wieder nach Tel Aviv

    Trotz der Gefechte im Gazastreifen fliegen die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften ab Samstag wieder nach Tel Aviv. Zu der Entscheidung sei man nach einer Risikoanalyse gekommen, teilte der Konzern mit. Auch Air Berlin will die Flüge wieder aufnehmen.

  • Flugschreiber der in Mali abgestürzten Maschine gefunden

    Das Wrack der Air-Algérie-Maschine ist in der Sahelzone in Mali entdeckt worden. Französische Soldaten fanden in den Trümmern zwar einen Flugschreiber, aber keine Überlebenden. Unter den Toten ist auch eine deutsche Entwicklungshelferin mit ihrer Familie.

  • FAQ: Beginnt jetzt der Handelskrieg gegen Putin?

    Die "schwarze Liste" ist nur der Anfang. Denn nächste Woche könnte die EU erstmals harte Sanktionen gegen Russland verhängen. Was wären die Konsequenzen? Droht nun sogar ein Wirtschaftskrieg? tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • MH17: Niederländische Polizisten fliegen in die Ukraine

    40 niederländische Militärpolizisten sind in die Ukraine geflogen. Sie sollen die internationalen Experten bei der Untersuchung der Absturzstelle von Flug MH17 unterstützen, die sich kaum frei bewegen können. Die Polizisten sind unbewaffnet und sollen keine Uniformen tragen.

  • Irak: Terrormiliz IS verhängt strenge Vorschriften

    Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verschärft die Vorschriften für die Menschen in den von ihr besetzten Gebieten im Irak. Frauen dürfen nur noch voll verschleiert auf die Straßen. Zudem müssen sich sunnitische Kämpfergruppen der IS unterordnen.

  • DLRG will weiter ehrenamtlich retten

    Auch angesichts der zahlreichen Badeunfälle an der Ostsee will die DLRG weiter keine Gebühren für die Rettung von Schwimmern kassieren. Zuvor hatte DLRG-Präsident Hatje erklärt, man müsse darüber nachdenken, Leichtsinnigen Einsätze in Rechnung zu stellen.

Videos, Blogs, Specials