Von NRW ins italienische Parlament Auf dem Weg nach Rom

Von Daniela Nosari

Italien wählt, und ganz Europa schaut mit Spannung zu. Auch in Deutschland lebende Italiener konnten ihre Stimme abgeben: an Landsleute, die in Deutschland leben und als gewählte Parlamentarier pendeln würden. WDR.de stellt zwei Kandidaten aus NRW vor.


Carla und Franco Pugliese
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Carla und Franco Pugliese

Für Italiener und Italienerinnen aus NRW ist die Wahl schon vorbei: Sie durften an der Parlamentswahl in ihrem Land per Briefwahl teilnehmen. Spätestens bis Donnerstagnachmittag (21.02.2013) mussten ihre Stimmzettel das zuständige Konsulat erreicht haben, um dann rechtzeitig nach Rom geschickt zu werden. Dort werden sie am Montag (25.02.2013) ab 15 Uhr gezählt - wie alle anderen Stimmzettel aus Italien. Seit 2006 existiert der Wahlkreis "Ausland", dem zwölf Abgeordnete und sechs Senatoren zustehen. Aufgeteilt ist dieser Wahlkreis wiederum in vier Bezirke, die nur zum Teil den Kontinenten entsprechen. Die Italiener in NRW wählen im Bezirk "Europa".

Keine Profipolitiker


Voraussetzung für die Kandidaten im Wahlkreis "Ausland" ist ein Wohnsitz im Ausland, im jeweiligen Bezirk. In der Regel sind sie keine Profipolitiker, sondern seit Jahren engagierte Menschen, die in ihrem Umfeld recht bekannt sind. Zum Beispiel das Ehepaar Pugliese: 1970 kamen sie, um ein paar Monate lang Deutsch zu lernen - und blieben. Seinen Bürojob in Mailand tauschte Franco Pugliese gegen eine Arbeitsstelle beim Autohersteller Ford in Köln. Dort waren damals sehr viele Italiener angestellt.

Seit über 40 Jahren zusammen engagiert

Seitdem arbeiten Franco und Carla Pugliese zusammen, um die anderen italienischen Migranten zu unterstützen und ihnen den Alltag zu erleichtern. 1978 gründeten sie den kulturellen Verein "Rinascita", um Integration zu fördern und ihren Landsleuten zur Seite zu stehen. Carla Pugliese ist Mitglied des Integrationsrats ihrer Stadt Troisdorf und dreier kommunaler Ausschüsse. Die beiden haben drei Kinder. Der Rentner und die Hausfrau kandidieren für den neuen "Partito comunista", zu deutsch "Kommunistische Partei".

Probleme mit dem Konsulat


Die NRW-Kandidaten wollen vor allem die Interessen der anderen Italiener vertreten, die im Ausland leben. Die großen aktuellen Themen Italiens - die Schulden, die Sparpolitik, die steigenden Lebenshaltungskosten - spielen für ihre Arbeit eine untergeordnete Rolle. In Köln seien beispielsweise viele ältere Italiener mit dem Konsulat unzufrieden, erzählt Franco Pugliese. Seit etwa einem Jahr müsse man vor dem Besuch des Konsulats online einen Termin buchen. Das gehe aber nur im Internet, was viele Migranten der älteren Generation überfordere. "Und wenn man seinen Pass dringend erneuern will, muss man neuerdings beweisen, dass es einen handfesten Grund dafür gibt. Am besten mit einem Behördenschreiben. Aber für die Dringlichkeit zahlt man schon 34 Euro zusätzlich, das müsste reichen", sagt Carla Pugliese.

Kaum Chancen, nach Rom zu kommen

Die Wahl zum Abgeordneten oder Senator würde das Leben der Auslandskandidaten auf den Kopf stellen. Sie müssten regelmäßig nach Rom fliegen, um an parlamentarischen Debatten und Abstimmungen teilzunehmen. Ein Leben mit dem Koffer in der Hand, so wie es die aktuellen Vertreter der Auslandsitaliener schon kennen. Laura Garavini zum Beispiel, Abgeordnete der Demokratischen Partei von Berlusconis Herausforderer Pier Luigi Bersani, pendelt seit Jahren zwischen Berlin und Rom. So tun es auch ihre Kollegen aus der Schweiz und aus Großbritannien.

"Aber ich schaffe es nicht in den Senat", meint Franco Pugliese. Auch seine Ehefrau Carla, Kandidatin für die Abgeordnetenkammer, sagt, sie seien sehr realistisch. Für die fünf im Bezirk "Europa" zur Wahl stehenden Plätze im Abgeordnetenhaus bewerben sich 86 Kandidaten. Von den 23 Kandidaten für den Senat werden nur zwei tatsächlich den Weg nach Rom antreten. Ihre Kandidatur sieht das Ehepaar Pugliese vor allem als ein politisches Signal: "Wir sind auch noch da, und das sind unsere Themen."


Stand: 24.02.2013, 13.06 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 27.02.2013, 16:25 Uhr

Anonym schrieb am 27.02.2013, 16:25 Uhr:
Ist schon irgendwie ein komischer Zufall, dass NRW und Italien die gleichen Landesfarben haben.... Und der ehem. NRW Clown beklagt sich über die italienischen Clowns und wird vom Staatspräsidenten ausgeladen... Tja, Peer dann mal schnell bei der VHS anmelden Stichwort" Diplomatenlehrgang" für Sozis reicht die VHS..
Anonym schrieb am 27.02.2013, 13:13 Uhr:
Klasse die italienischen Zinsen steigen für Schlendrian Schuldenmachen und andere Schlamperei, das sollte NRW auch mal treffen, Downgrade NRW! Strafzinsen für RotGrüne Verschuldung sofort einführen!
Anonym schrieb am 26.02.2013, 22:41 Uhr:
Die Börsen sind ganz schön in den Keller gegangen, genauso wird es sein wenn RotGrün im Herbst die Wahl in Deutschland gewinnt, dann geht die Wirtschaft, der Euro, gehen die Märkte, geht die Gesellschaft den Bach runter..
WDR.de schrieb am 26.02.2013, 18:49 Uhr:
Kommentar gesperrt Bitte diskutieren Sie sachlich.
Waschbär schrieb am 26.02.2013, 17:12 Uhr:
Deutschland wird regiert? Wer darüber nicht staunt, bei all den Schweinereien mit der Ernährung und mit den Teuerungen, hat die Ruhe weg. Was geht ab in der EU mit 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, der schlechten medizinischen Versorgung in Italien und den katastrophalen Zuständen in Griechenland. Die Abhängigkeit von den Zinswucherern wird in Europa noch gefördert aber nicht beseitigt. Klar, wenn die Zinswucherer ihren Wucherzins haben wollen, dann müssen diejenigen, die sich gar nichts liehen, gleich mit auf die Fresse fallen - werden also für den Wohlstand auf Pump der Wenigen in Massenmithaftung genommen. Und sagt man was gegen diese Ungerechtigkeiten, dann ist man kein guter Europäer der Banken. Etwas besseres stellt die EU doch gar nicht dar. Der Euro ist doch kein Geld mehr. Wenn keine humane Entschuldung der Armen stattfinden soll dann eben die kurze und schmerzhafte Tour wie damals in den USA. Dann muss es eben vielen Reichen an die dreckigen Kragen gehen.

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