Ministerin stellt Studie zur Homophobie vor Vorurteile gegenüber Homosexuellen weit verbreitet

Von Rainer Kellers

Jeder fünfte Nordrhein-Westfale neigt zu einer feindseligen Einstellung gegenüber Schwulen, Lesben und Transsexuellen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Emanzipationsministerin Barbara Steffens am Mittwoch (17.10.2012) vorgestellt hat. Eine Info-Kampagne soll nun helfen, Vorurteile abzubauen.


Plakat: Ein Homosexueller mit dem Schriftzug: Landliebe in Bewegung
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Plakat der Kampagne "Anders und gleich"

Der junge Daniel steht am Rande einer Dorfstraße. Er lächelt zurückhaltend, hat den Maibaum aber energisch über die Schulter geworfen. Im Arm hält er ein lila Herz aus Pappmaschee, auf dem der Name seines Erwählten steht: Carlo. "Landliebe in Bewegung", ist das Plakat überschrieben. Es ist Teil einer Infokampagne, die kommende Woche beginnt. Das Ziel: Mehr Akzeptanz und Respekt gegenüber Schwulen, Lesben und anderen sexuellen Minderheits-Identitäten.

Homophobie geht seit Jahren zurück


Dieser Respekt fehle immer noch in weiten Teilen der Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Bielefeld. Jeder Fünfte in NRW habe demnach eine "homophobe Einstellung" - hat also Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben. Allerdings geht die Homophobie seit Jahren kontinuierlich zurück - auch das ist ein Ergebnis der Studie. Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben haben danach insbesondere Ältere, schlechter Gebildete, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die auf dem Land wohnen. Männer scheinen anfälliger für homophobe Gedanken zu sein als Frauen. Und auch streng Religiöse, gleich welchen Glaubens, neigen zur Homophobie. Häufig hegen Homophobe auch Vorurteile gegenüber anderen Minderheiten, haben rassistische oder sexistische Einstellungen. Im Bundesvergleich liegt NRW bei der Homo-Feindlichkeit im Mittelfeld aller Bundesländer.

Breit angelegte Langzeitstudie

Die Ergebnisse zur Homophobie stammen aus einer Sonderauswertung einer breit angelegten Langzeitstudie der Uni Bielefeld. Im Verlauf von zehn Jahren haben die Wissenschafter jedes Jahr bundesweit rund 2.000 Menschen zu ihren Vorurteilen befragt - gegenüber Schwulen und Lesben, aber auch gegenüber anderen Minderheiten. In NRW wurden jedes Jahr 400 bis 500 Personen am Telefon interviewt. Aus dieser Teilmenge ist die repräsentative Stichprobe zur Homophobie in NRW entstanden.

"Ist Homosexualität unmoralisch?"


Ob jemand als homophob eingestuft wird oder nicht, haben die Forscher anhand dreier Fragestellungen ermittelt. Erstens: Wie steht der Befragte zum Thema Homo-Ehe. Diese lehnen in NRW 26 Prozent der Befragten ab. Zweitens: Ist es ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen? Hier stimmten 20 Prozent zu. Drittens: Ist Homosexualität unmoralisch? 14 Prozent sagten hier ja. Aus den drei Werten haben die Forscher den Mittelwert "Homophobie" ermittelt: 20 Prozent aller Befragten hegen demnach Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben.

80.000 Euro für mehr Akzeptanz

"Wir haben ein breites homophobes Klima, das sich in vielen Lebensbereichen durchschlägt", sagt Ministerin Steffens (Grüne) bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Düsseldorf. Dieses Klima äußere sich durch Mobbing am Arbeitsplatz, Ausgrenzung in Jugendcliquen, Beleidigungen auf der Straße und gewalttätige Übergriffe. Die Ministerin will nun für ein Klima der Offenheit werben.

Und deshalb unterstützt Steffens die Kampagne "Anders und gleich" der Landesarbeitsgemeinschaft "Lesben in NRW". Mit Plakaten und Infomaterial will die Arbeitsgemeinschaft für mehr Akzeptanz werben. Vom kommenden Montag an (22.10.2012) sollen mehrere Plakatmotive an den Bahnhöfen großer Städte in NRW zu sehen sein. Zum Beispiel Daniel und sein Maibaum. Die Kampagne kostet 80.000 Euro und wird komplett vom Landesgesundheitsministerium finanziert.


Stand: 17.10.2012, 16.17 Uhr


Kommentare zum Thema (46)

letzter Kommentar: 20.10.2012, 12:10 Uhr

clientela schrieb am 20.10.2012, 12:10 Uhr:
80.000 Euro, das geht ja noch. Aber eigentlich unnötig. Ich finde es richtig, dass Gleichgeschlechtliche zu ihrer Partnerschaft stehen können. Selbst im Beamtenrecht sind sie schon gleichgestellt. Wer homophob ist, wird es auch bleiben und den durchschnittlichen Bürgern ist anderes wichtig. Mir wäre Sparen, Schuldenabbau wichtig. CDU/FDP regelngesellschaftliche Belange mit mehr Verhältnismäßigkeit (s. Ladenschluss, Raucherkneipe, Rauchmelderpflicht, Dichtigkeitsprüfung ....). Das sind ja alles ganz nette Themen, aber ehrlich: die Liberalisierung des Ladenschluss war für den berufstätigen Städter ein Segen, ich werde nicht zwangsweise in Raucherkneipen verbracht....Wann werden endlich die wirklich wichtigen Themen angegangen? Leider muss man sich mit der Rot/Grünen Landesregierung arrangieren.
Perry schrieb am 20.10.2012, 08:19 Uhr:
Grüne sind besonders gut darin anderen ihre einzig seligmachende Meinung aufzuzwingen.Neulich sprach eine Grüner davon das sie das "wohlhabende Billdungsbürgertum" sind.Soll heißen, wer nicht Grün ist ist ein dummer Habenichts.Eine sexuelle Orientierung ist jedes Menschen eigene Sache.Ich habe nichts gegen Homos oder Heteros. Ich möchte aber nicht zusehen müssen wenn andere Menschen kopulieren weder live noch in Filmen, ich denke es gibt nicht ohne Grund eine Intimsphäre die unbeteiligte außen vor lässt.Menschen die sich lieben haben das Recht auf ihre Liebe, Mitmenschen haben aber auch das Recht sich raushalten zu dürfen.Und nur weil es den Grünen Phantasten gefällt lasse ich mir weder Schuldgefühle einreden noch Intoleranz vorwerfen.Und ständig Minderheiten zu erfinden um dann für deren " Rechte" zu kämpfen scheint das einzige zu sein was Grüne tun.Eine Minderheit die die Mehrheit unterdrücken will, tolles Demokratieverständnis wohlhabenderPseudolinker Pharisäer, erbärmlich.
Knolli schrieb am 19.10.2012, 09:58 Uhr:
@Acki: Wenn schon Milchmädchenrechnung, dann mach ich auch mal eine: Wenn die FDP so normal bei 6-7% liegt (von denen sie im Moment nur träumen kann), die FDP aber bei der letzten BTW knapp 15% holte, "dann muss man davon ausgehen, dass" ca. 8% der vorherigen Nichtwähler sich durch "Mehr netto vom brutto"-Geschwurbel kaufen ließen. Die FDP ist als Mehrheitsbeschaffer an der Regierung, dass kann den GRÜNEN bei fast dem selben Stimmanteil dann niemand versagen. Und die ziehen dann eben ihr Ding durch. Während die FDP mit "mehr netto vom brutto" den Rohrkrepierer des Jahrtausends hinlegte. Sie sehen, Acki, ist eben alles relativ. Sie schreiben "grüne Moralapostel"? Moralapostel? Das sagen Sie mal denen, die was gegen Homosexuelle haben. Das wissen die noch gar nicht.
WDR.de schrieb am 19.10.2012, 07:44 Uhr:
Posting wurde entfernt. Bitte tragen Sie nur zum Thema des Artikels bei. Dies ist kein Chat
Steuerzahler, 54 schrieb am 18.10.2012, 19:53 Uhr:
Jeder Geck soll nach seiner Fasson glücklich werden. Das heisst aber nicht das ich alles das gut zu finden habe, denn dann müsste ich auch Nazis und Islamisten gut finden, weil das sind auch Randgruppen. Was mir aber gewaltig auf die Nerven geht, ist diese Gehirnwäsche gewisser Parteien, die alles was nicht ihrer Denkweise anhängig ist, als tendenziell minderbemittelt bezichtigen. Das sind Methoden die in totalitären Staaten und bei unseren Grünen üblich sind. Und das ist in meinen Augen ein absolut undemokratisches Verhalten. ps. lieber Schwule und Lesben als Grüne

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