Opposition gegen Haushalt 2012: Minderheitsregierung sucht Mehrheitsbeschaffer
Ein Korb für den Finanzminister. Obwohl Norbert Walter-Borjans am Mittwoch (21.12.2011) kräftig für seinen Haushalt 2012 Werbung machte, wollen FDP, CDU und Linkspartei nicht mitmachen. Ohne die Opposition geht es aber nicht - eine Zitterpartie für die rot-grüne Minderheitsregierung.
Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) ist im Moment wirklich nicht zu beneiden. Der Linkspartei spart er zu viel, der FDP und der CDU zu wenig. Die Unterstützung einer der Parteien braucht er aber, um den Haushalt 2012 durch den Landtag zu bringen.
Deswegen ging der SPD-Finanzminister bei der Einbringung des Haushaltes am Mittwoch (21.12.2011) vorsichtshalber auf Kuschelkurs. Die Regierung will im kommenden Jahr 58,4 Milliarden Euro ausgeben und knapp vier Milliarden Euro neue Schulden machen. "Wir konsolidieren, das ist etwas anderes als bloßes Kürzen und Kappen", so der Finanzminister. In seiner ruhigen, fast schon staatstragenden Rede lobte er nicht nur seinen Haushaltsentwurf, sondern auch die "konstruktive Mitwirkung der Opposition" bei vergangenen Gesetzen. Nickte nach rechts, nickte nach links. Auf der Regierungsbank nickten Sylvia Löhrmann (Grüne) und Hannelore Kraft (SPD) währenddessen zustimmend im Takt.
Kein Haushalts-Mehrheitsbeschaffer in Sicht
Das half aber nichts - denn das Werben der Minderheitsregierung verfehlte die liberale Zielgruppe. "Beim besten Willen: Wir können keine Sparbemühungen erkennen!" schmetterte Gerhard Papke durch den Landtag. Der FDP-Fraktionschef hatte bei der ersten Lesung des Haushaltsgesetzes erkennbar keine Lust als sicherer Mehrheitsbeschaffer aufzutreten. Der Haushalt sei angesichts steigender Steuereinnahmen "eine Enttäuschung". Ein Landesetat, der keine Sparanstrengungen erkennen lasse, sei für die FDP "weder zustimmungsfähig noch hinnehmbar", so Papkes Fazit.
Nachdem die Liberalen erst Anfang Dezember dem rot-grünen Stärkungspakt zur Konsolidierung der Kommunen zugestimmt hatten, kam diese klare Absage zum Haushalt überraschend. Ministerpräsidentin Kraft lächelte trotzdem tapfer und ein wenig süffisant weiter.
Feilschen bei der Linkspartei
Nur einen Redner weiter bekam ihre Regierung allerdings den nächsten Korb. Auch die Linkspartei, mit deren Duldung der Haushalt 2011 verabschiedet worden war, will beim Haushalt 2012 "so" nicht mitmachen. Denn der Entwurf setze den verhängnisvollen Kurs der Desinvestition fort. Für den Vorsitzenden Wolfgang Zimmermann ist das "eine Politik im Interesse des Kapitals". Das sei der Preis dafür, dass der Finanzminister auf die FDP als Mehrheitsbeschaffer gesetzt habe. "Wir Linke sind berechenbar im Gegensatz zu allen anderen", sagte Zimmermann - und meinte Papke. Der habe zwar gerade laut gebrüllt, werde aber am Ende doch einknicken und zustimmen.
Doch am Ende der Rede ist auch der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei berechnend und baut sich noch schnell ein Schlupfloch. Seine Partei werde "den Haushaltsentwurf 2012 gewissenhaft prüfen", weder eine Zustimmung noch eine Enthaltung gebe es aber umsonst. Ein klares Jein der Linkspartei also.
"Für FDP und Linke attraktiv bleiben geht nicht"
Bliebe da noch die CDU. Die hatte aber schon im Vorhinein so über den Haushalt gewettert, dass klar war: Die größte Oppositionspartei wird Rot-Grün nicht die Mehrheit für den Haushalt beschaffen. CDU-Vorsitzender Karl-Josef Laumann konnte deswegen bei der Haushaltsdebatte attackieren statt taktieren. Eine klassische 45-minütige Generalabrechnung prasselte auf das rot-grüne Kabinett ein, vom mangelnden U3-Ausbau über veralterte Industriepolitik bis hin zu nicht ausreichenden Hilfen für die Kommunen kam in Laumanns Rede alles vor. Beim Haushalt würde Rot-Grün "täuschen, tricksen, verschleiern" - und versuchen gleichzeitig für die FDP und die Linke attraktiv zu bleiben.
"Laumann laut wie immer", konterte Walter-Borjans die Rede des CDU-Fraktionsvorsitzenden. Er habe schon deutlich spannendere Haushaltsdebatten erlebt, so das Fazit des Finanzministers. Walter-Borjans behielt in Sachen Haushalt vorerst das letzte Wort und richtete es an die FDP: "Stimmen Sie zu? Enthalten Sie sich? Keiner weiß das, das haben sie heute erreicht!" Das Taktieren geht vorerst in den Ausschüssen weiter, endgültig wird erst Ende März über den Haushalt und damit auch über den Fortbestand der rot-grünen Minderheitsregierung entschieden.
Stand: 21.12.2011, 16.26 Uhr
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Kommentare zum Thema (19)
letzter Kommentar: 25.12.2011, 12:21 Uhr
- heini schrieb am 25.12.2011, 12:21 Uhr:
- Wenn nicht die Linken doch noch die heimlichen Koalitionäre spielen, gibt es also Neuwahlen. Doch wen solch ich wählen? SPD steht für den Schuldenstaat. Sie hat seit Jahrzehnten NRW ruiniert: Schlechteste Bildungspolitik. Erste Landesbank, die liquidiert werden muss, u. a. weil frühere Landesregierungen (Rau etc. ) diese als IHRE Bank betrachteten und sich dort de facto eine kleine aber feine Privatfluglinie für Wochenendtrips zu Freunden oder Segelbooten hielten. Die Grünen stehen für die Aussage: "Wir sind dagegen!" Nämlich gegen alles, was das Land nach vorne bringt. Aber sie sind für überbordende (Umwelt-) Bürokratie. Die CDU hat sich dank Röttgen aus der Realität verabschiedet. Zudem stellte sie vor einiger Zeit einen beratungsresistenten Ministerpräsidenten, dessen blödsinnige Positionen erst einmal geräumt werden mussten. FDP ist megaout. Diese Stimmen sind verloren. Die Linke will den Staat ruinieren, wie alle sozialistischen Staaten von Korea bis Kuba es vorgemacht haben
- schwarzer Martin schrieb am 24.12.2011, 16:21 Uhr:
- den Haushalt 2012 wird sie noch hin bekommen. Aber auch nur, weil sie diese Supersteuereinnahmen verbuchen kann. Aber damit ist 2013 Schluss. Hannelore Kraft wird in die Geschichte eingehen, weil es noch nie eine Regierung geschafft hat, ein Bundesland in SO KURZER ZEIT finanziell frontal restlos gegen die Wand zu fahren.
- Revier-Pirat schrieb am 23.12.2011, 10:18 Uhr:
- Bosbach erlebte am eigenen Leibe und beschrieb das Politiksystem als Diffamierrungswerk gegen berechtigte Zweifler. Folglich fehlen die Zweifel in den Altparteien und ein frischer Wind muss in die Haushaltsführung. Das System, welches um Wulff seine Maschen immer enger zieht, ist kein Hannoveraner Patent sondern zieht sich durch alle BRD-Haushalte, mal mehr mal weniger, aber immer mit maximaler Verschuldung und Entleerung der Sozialkassen, wohingegen die staatl. Personalkosten und Gehälter in Parlamenten oder Behörden explodieren. Perfide dabei sind immer die Gerechtigkeitsmäntelchen, mal lau als Mann der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer über Debattenlaufsteg vorgeführt oder in Form des Dauerbrenners einer angeblichen Arbeitnehmerpartei als Mildtätigkeit für selbst eingeführtes Hartz4unrecht angepriesen. Man kann es nicht mehr hören, entweder notleidende Eurobanker, Privatversicherungen, Pensionsfonds der Unkündbaren und Politikerversorgungssysteme retten zu "müssen"
- Witzigkeit kennt keine Grenzen ! schrieb am 23.12.2011, 07:11 Uhr:
- @Kölle Alaaf , für unsere Karnevalshochburg NRW sind die Piraten einfach unverzichtbar !
- Welche Aufgabe haben diese Politiker eigentlich? schrieb am 22.12.2011, 22:33 Uhr:
- Wenn ich mich recht entsinne, ist NRW das Bundesland mit der höchsten Neuverschuldung in 2012. Wie die Sache auch ausgeht, die Schulden müssen abgebaut werden. Es ist nicht möglich immer mehr auszugeben als man hat. Aber warum streiten alle immer nur ums Geld? Wie wäre es denn mal mit massiven Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik, damit die seit Jahrzehnten etablierte Arbeitslosigkeit endlich abgebaut wird. Z.B. Arbeitszeitsenkungen, wo immer es möglich ist. Es gibt genügend arbeitslose Fachkräfte. Weniger Arbeitslose => weniger Sozialleistungen => weniger Schulden, das wäre ein guter Weg.
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