Aktivisten kämpfen weiter gegen Rodung Im neuen Camp der Waldbesetzer

Von Robert Franz

Mitte November hat die Polizei ein Camp von Umweltaktivisten im Hambacher Forst geräumt. Die jungen Menschen wollten verhindern, dass der Energiekonzern RWE dort Bäume für den Tagebau fällt. Inzwischen haben die Aktivisten ihr Lager an den Waldrand verlagert. Ein Ortsbesuch.


Hand hält einen Stock in ein Feuer
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Feuer für den Abwasch

Mit den Blättern einer alten Zeitung ist Moritz dabei, ein Feuer in dem kleinen Ofen anzuzünden. Er will den Abwasch erledigen. Doch der Wind macht es ihm nicht leicht. Draußen, auf dem Feld am Rande des Hambacher Forstes, ist der Wind am zweiten Weihnachtsfeiertag (26.12.2012) schneidend kalt. "Er ist unser größtes Problem", sagt Moritz, 27 Jahre alt, Umweltaktivist. Um ihn herum sind ein halbes Dutzend anderer Bewohner des Lagers aktiv. Es wird Essen zubereitet, Löcher werden in den Boden gegraben. Während Moritz das Feuer entfacht, kommen zwei Mitstreiter vorbei, um sich zu verabschieden. Sie haben die Rucksäcke umgeschnallt, nehmen sich kurz in den Arm. Beim nächsten Treffen wollen sie wieder da sein. Es herrscht Aufbruchstimmung im Team. Doch neue Aktivisten werden im Camp erwartet. Auch während der Feiertage seien immer bis zu zehn Aktivisten im neuen Camp, sagt Moritz.

Unerwartete Solidarität


Ein Mann mit Kaputze
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Umweltaktivist Moritz

Nach der Räumung des alten Camps in den Bäumen hätten sie von null anfangen müssen, erzählt der Umweltaktivist. Nur wenige Sachen seien ihnen von der Polizei zurückgegeben worden. "Unser Werkzeug liegt noch beim Staatsschutz." Mitte November hatte die Polizei das erste Camp im Hambacher Forst geräumt. Die Aktivisten hatten dort seit April 2012 gegen die Abholzung des Waldes protestiert. RWE als Eigentümer des Waldes hatte die Räumung beantragt, nachdem die Besetzer nicht freiwillig abgezogen waren, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Gegen die Besetzer laufen Strafanzeigen. Die sind allerdings nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Köln noch nicht über den "Status der polizeilichen Bearbeitung" hinausgekommen.

Vor Ort geht es weiter: Viele neue Nachbarn der Umweltaktivisten helfen dabei, das neue Lager einzurichten. Bewohner aus Morschenich, dem kleinen Ort am Rande des Forstes, spenden Nahrungsmittel und Baustoffe oder einfach nur Geld. Die Solidarität an Weihnachten hat Moritz besonders überrascht. "Sogar kleine Geschenke hatten sie für uns."

Ziele sind selbst unter den Aktivisten umstritten


Beschriftete Holzschilder vor zwei Zelten
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Hier steht das Materiallager

Ob und wann sie wieder in den Forst zurückkehren wollen, lassen die Aktivisten offen. Doch auch ihnen ist klar, dass sie am aktuellen Standort keinen Baum retten können. Nicht alle Menschen in der Umgebung hätten Verständnis dafür, dass sie das Abholzen der Bäume verhindern wollen. Viele Bewohner hätten leider resigniert, meint Moritz. Ihr Camp habe zumindest dazu beigetragen, einige Bewohner wachzurütteln, neu zu motivieren, doch nicht klein beizugeben. "Wir diskutieren viel, versuchen zu überzeugen." Doch was die Aktivisten am Ende erreichen können, ist selbst unter den Mitgliedern nicht unbedingt Konsens. Ob sie mit ihrer Aktion am Ende das Verschwinden des Hambacher Forstes nur aufhalten werden, oder es ihnen gelingt, den Energieriesen RWE zur Aufgabe seiner Pläne zu bringen, ist offen. Der Konzern jedenfalls will die Bäume abholzen, um den Braunkohle-Tagebau weiter voranzutreiben.

Auch dem neuen Lager droht die Räumung


Schrank mit Geschirr
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Spenden von den neuen Nachbarn

Im Alltag des Camps spielen die grundsätzlichen Überlegungen derweil kaum eine Rolle. Vielmehr geht es darum, sich weiter auf den Winter einzustellen. Anders als in den Bäumen müssen sie auf dem Feld sehr viel mehr tun, um sich vor der Witterung zu schützen. Deshalb haben sie damit begonnen, Gruben auszuheben. In den Senken sind sie besser vor dem Wind geschützt. Holzpaletten bilden Stege auf dem nassen, lehmigen Boden. Der Besitzer des Grundstücks lässt sie gewähren, hat ihnen das Areal überlassen. Das schützt die Aktivisten aber nicht vor weiteren Aktionen der Polizei. Diese hatte die Aktivisten bereits wenige Tage, nachdem sie das neue Camp aufgeschlagen hatten, zum Verlassen aufgefordert. Weil der Besitzer selbst dagegen lautstark protestierte, wurde er vorübergehend von Beamten abgeführt.


Ein Sprecher der Polizei des Kreises Düren rechtfertigt das Vorgehen der Beamten. Diese hätten sich bei ihrem Einsatz auf Aussagen eines anderen Landwirtes verlassen, die sich aber erst im Laufe Einsatzes als falsch erwiesen hätten. Die gescheiterte Räumung ihres Lagers durch die Polizei werten die Aktivisten als Erfolg. Inzwischen hat aber auch das Bauamt des Kreises das Lager in Augenschein genommen. Aussichten auf eine Genehmigung sieht der Kreis nicht. Es werde jetzt das Gespräch gesucht, so der Baudezernent, aber letztlich stehe die Räumung des Geländes an. Moritz, der inzwischen eine große Emailleschüssel mit Spülwasser auf den kleinen Ofen gesetzt hat, lässt das kalt. "Für jedes Camp, das sie abreißen, bauen wir zwei neue."

Ein Teil des Waldes ist bereits gerodet


Ein vom Wind verdrehtes Transparant vor mehreren Wohnwagen und Zelten
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Das neue Camp am Rande des Forstes

Die Aktivisten wollen weiter auf sich aufmerksam machen. Sie rechnen jederzeit mit neuen Aktionen. Sicherheitsfirmen, die nach Worten der Aktivisten von RWE beauftragt seien, beobachten jeden Schritt der Naturschützer. "Nachts leuchten sie uns mit ihren Laserpointern an", erzählt Moritz. Wenn sie sich in den Wald begeben, komme es immer wieder zu kleinen Rangeleien. Ein Teil des Waldes ist offenbar bereits gerodet. Am Rand des Forstes, von der Straße einsehbar, liegen Baumstümpfe. Nach Angaben eines RWE-Sprechers ruhen die Arbeiten jedoch momentan. Grund sei eine Klage des BUND gegen die Rodung. Ziel der Aktivisten ist denn auch, den verbliebenen Baumbestand zu retten. Was sie konkret geplant haben, wollen Moritz und seine Mitstreiter nicht sagen.

Übrigens ...
Robert Franz

... einen Eindruck davon, wie die Sicherheitsleute von RWE mit den Umweltaktivisten umgehen, habe ich auf dem Rückweg selbst bekommen. Als ich mir die Überreste des alten Camps ansehen will, wird mir noch auf der Straße von Männern in gelben Warnwesten untersagt, das Gelände zu betreten, nachdem ich mich als Journalist zu erkennen gegeben habe. Währenddessen gehen Spaziergänger ungehindert in den Wald. Schließlich steht dort auch nur der Hinweis, das Betreten des RWE-Geländes geschehe auf eigene Gefahr. Ein Sprecher des Unternehmens hat sich für das Vorgehen bei mir entschuldigt.


Stand: 27.12.2012, 14.50 Uhr


Kommentare zum Thema (71)

letzter Kommentar: 01.01.2013, 22:16 Uhr

Anonym schrieb am 01.01.2013, 22:16 Uhr:
Ja schwarzer Martin NRW ist beim Schulden machen spitze dank Rüttgers mit seinen 5,6 Milliarden Netto-Neuverschuldung da haben sie Recht.
@schwarzer Martin schrieb am 01.01.2013, 17:24 Uhr:
Das stimmt in soweit das der sämtliche Stromproduzenten in ein Netz einspeisen und alle Abnehmet aus diesem Netz beliefert werden. Endscheident ist aber wer bekommt das Geld. Wenn ich bei einem Ökostrom-Produzenten im Vertrag bin bekommt das Geld natürlich dieser, zumindest so weit er den Strom selber produziert. Und der Strommengen die nicht von den Gebiets- Monopolisten reduziert wird werden immer mehr. Ich zitiere Tagesschau 19. 12. 2012 „Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch steigt rasant an. Bald wird jede vierte Kilowattstunde aus Wind und Sonne, aus Biomasse und Wasserkraft erzeugt.“ Mit der Produktion dieses Stromanteils haben die Gebiets- Monopolisten so gut wie nichts zu tun.
der Eulenspiegel schrieb am 01.01.2013, 16:56 Uhr:
„Falsche Propheten, lange Bärte und nur noch Sermon“ Sie haben ja wirklich die Taktik drauf die Fehler ihrer Parteien anderen Personen in die Schuhe zu schieben. Die Chefin in Berlin heißt nun mal Merkel. Weder ein Trittin noch ein Gabriel sitzen im Kabinett von Merkel. Es ist nun mal so dass auch CDU/FDP Politiker für ihre politischen Endscheidungen verantwortlich sind. Und für diese kaotische Energiewende sind ausschließlich Merkel und Co verantwortlich. Wobei ich sagen muss besser eine kaotische Energiewende als keine. Es stimmt das es ohne Atomenergie geht, nur nicht sofort. Und es gibt sicher viele Möglichkeiten diese knapp 15 % Atomenergie zu ersetzen.
schwarzer Martin schrieb am 01.01.2013, 11:04 Uhr:
Zumindest wissen wir ja jetzt, wieder mal , das NRW ein Schlusslicht mehr hat. Ja beim Ökostrom, sind nur noch Saarland, Bremen und Berlin schlechter. Ach ja, in NRW hat ja 5 Jahre Rüttgers regiert, bestimmt deshalb, ja sischer doch, daran wird es liegen . Wie gut das NRW doch wenigstens beim Schulden machen Spitze ist.
Falsche Propheten, lange Bärte und nur noch Sermon schrieb am 01.01.2013, 10:12 Uhr:
der Eulenspiegel schrieb am 31.12.2012, 19:21 Uhr: " Ohne Kernenergie geht es nicht sofort" Das kann man so nicht stehen lassen, ließe man die alten Kohlekraftwerke laufen und baute schnell die in Planung aufgehaltenen fossilen Neuwerke ginge es sicherlich bis 2017 ohne Problem? Nur was sie da sagen ist nicht Merkel zuzuschreiben sondern dem ständigen Wahlkampf von einem Trittin und Gabriel, die seit 2009, mal Afghanistan,dann Euro. mal CO2-Klima,dann Eurohilfe für alle außer BRD-Bürger mal die Quecksilberminen von Leuchten,dann Euro fürs Weltall und 2011 wieder AKWs auf ihren Selbstdarstellertripp ausschlachteten.Ich habe seit 2009 keine ausgeschlaffenen Politiker mehr sehen können, sondern musste von früh morgens bis spät abends haltlose Behauptungen über einen Euro hören,dessen Rettung sich die Eurobondsjäger von Helmut Schmidt, Steinbrück, Gabriel und Özdemir auf die Fahnen schrieben. Die andere für uns Bürger eigentliche Politik wurde unter diesem Thema von SPD-Grünen ver...

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