Urabstimmung zur Bundestagswahl: Essener Grüner will Trittin ärgern
Er hat keine Chance - und das weiß er auch: Thomas Austermann ist einer von 15 Bewerbern für das grüne Spitzenduo zur Bundestagswahl 2013. Der Zählkandidat aus Essen wirbt für Friedenspolitik.

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Die Grünen im Vorwahlkampf: Ein Kandidat ist Thomas Austermann aus Essen
Thomas Austermann hat keine lange Rede vorbereitet. "Ich werde ein kurzes Statement abgeben und Fragen beantworten", sagt der 46-Jährige. Nervös wirkt Austermann nicht vor der ersten von bundesweit elf Vorstellungsrunden im Rennen um das Grünen-Spitzenduo zur Bundestagswahl 2013. Am Freitag (21.09.2012) hat sich der Zählkandidat aus Essen auf der ersten Regionalkonferenz der Parteibasis in Hannover vorgestellt.
Altenpfleger gegen Fraktionschef
Austermanns wichtigster Gegenkandidat ist Bundestags-Fraktionschef Jürgen Trittin. "Es ist ja eigentlich klar, dass Trittin gewinnt. Alles andere wäre eine Sensation", sagt der gelernte Altenpfleger aus Essen-Holsterhausen, der alles andere ist als ein Berufspolitiker. Neben Austermann treten noch elf weitere männliche Politamateure an. Kaum jemand kennt diese Grünen aus der Provinz. Sie heißen Roger Jörg Kuchenreuther (Bamberg-Land), Alfred Mayer (Berg am Laim) oder Peter Zimmer (Rottal-Inn).
Die den Grünen traditionell verbundene Berliner Tageszeitung "taz" nörgelte über das ungleiche Kandidatenrennen: "Wo sind sie nur, die machtbewussten Männer?" Während bekannte Grüne wie Parteichef Cem Özdemir oder der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer nicht kandidieren, gehen Außenseiter wie Austermann in ein völlig aussichtsloses Rennen.
"Mir geht es nicht um Prozente, sondern um Inhalte", sagt der Essener gelassen. Er wirbt für eine pazifistische Außenpolitik. Als Vorbilder nennt er Petra Kelly und Willy Brandt. Austermann spricht kein Politikerdeutsch. Manchmal ringt er um die richtigen Worte.
Zorn über Joschka Fischer
Auf Ex-Außenminister und Grünen-Übervater Joschka Fischer ist Austermann nicht gut zu sprechen. Die alte rot-grüne Bundesregierung habe Deutschland 1999 in einen "Angriffskrieg" geführt, schimpft er noch 13 Jahre später. Wegen des Militäreinsatzes war Austermann damals aus der Partei ausgetreten. Seit Anfang September 2012 ist er nun wieder Mitglied der Grünen - pünktlich zur Urwahl. "Ich wollte ein Zeichen setzen. Bei der Urabstimmung muss ein Bewerber an den Kosovokrieg erinnern", sagt Austermann. Ob er nach dem Basisvotum dauerhaft in der Partei bleibt, sei "offen". Bei dieser ausweichenden Antwort klingt Austermann fast wie ein Politprofi.
Austermann ist Einzelkämpfer. In den Online-Foren der Grünen stellen nur wenige Parteimitglieder Fragen an den Bewerber. Aus seinem Essener Kreisverband heißt es knapp: "Er ist nicht unser offizieller Kandidat." Auf der Landesebene haben Grüne "den Namen Austermann noch nie gehört".
Entscheidung im November

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Favorit: Ex-Umweltminister Jürgen Trittin
Die in Hannover beginnenden Debattenrunden der Grünen werden teilweise im Internet übertragen. Eines der "Urwahlforen" findet am 30. September in Bochum statt. Bis spätestens 9. November soll feststehen, wer das geplante Spitzenduo der Grünen im Bundestagswahlkampf wird. Alle knapp 60.000 Grünen-Mitglieder können zuvor bis zum 30. Oktober wählen. Es ist eine Briefwahl. Vom 4. bis spätestens 9. November wird ausgezählt.
Jeder grüne Abstimmungsteilnehmer hat zwei Stimmen. Dabei dürfen nicht beide Voten auf männliche Bewerber entfallen und nicht beide Stimmen auf eine Person vereint werden. Während Trittin haushoher Favorit für eine Position im Spitzenduo ist, rangeln drei Spitzenpolitikerinnen um den zweiten Posten: Parteichefin Claudia Roth, die Bundestags-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sowie die Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Austermann hält das Rennen zwischen den Frauen für offen - ganz im Gegensatz zum ungleichen Wettbewerb der Herren. Wegen der Frauenquote können auch zwei Frauen gewählt werden, maximal aber ein Mann.
Stand: 21.09.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 22.09.2012, 10:27 Uhr
- dummer Martin schrieb am 22.09.2012, 10:27 Uhr:
- "Dabei dürfen nicht beide Voten auf männliche Bewerber entfallen ..." Das ist allerdings Quote in Reinkultur.
- Analytiker schrieb am 22.09.2012, 10:08 Uhr:
- Diese Wahlordnung der Grünen kann wahrscheinlich nur derjenige verstehen und befürworten, der sein Hirn schon für Jahre im voraus mit THC betäubt hat. Es wäre theoretisch möglich, dass alle Grünen nur eine Stimme abgeben und die 3 Frauen je nur eine Stimme ( die eigene) bekommen. Dann wäre nach deren Wahlordung mindestens 1 Frau gewählt. Mit derartigen Verfahren, die einige Politiker(innen) auch gern außerhalb ihrer Partei im Staat und Wirtschaft installiert sehen, tut man den Frauen wahrlich keinen Gefallen. Das führt nur zu den mittleidig belächelten Quotenfrauen.
- Friedrich schrieb am 21.09.2012, 22:51 Uhr:
- Also ich kann Thomas Austermann nur viel Erfolg wünschen. Ich denke seine Arbeit und sein Einsatz ist ganz wichtig für die Grünen.
- Bilderberger Lächeln liegt auf der Partei? schrieb am 21.09.2012, 10:01 Uhr:
- mit den alten Kandidaten verplempern die Grünen weitere 4 Jahre, die bei übernächster Wahl schmerzhaft fehlen werden. Diese Partei geht eben selbst nicht in die Zukunft , die sie dem Wähler trügerisch verspricht?
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