Frauenquote: FDP und CDU in NRW uneins Bundesrat stimmt für Frauenquote

Von Katja Goebel

Der Bundesrat tritt für eine gesetzlich festgelegte feste Frauenquote für Spitzenjobs in großen Unternehmen ein. Zwei CDU-geführte Länder haben in der Länderkammer am Freitag (21.09.2012) eine entsprechende SPD-Initiative unterstützt SPD-Initiative unterstützt - zur Freude der CDU-Frauen in NRW. Die Landes-FDP lehnt die Quote aber ab.


Obwohl es in der CDU bislang keine Mehrheit für die Quote gibt, hat der Bundesrat am Freitag (21.09.2012) für eine Frauenquote in Aufsichtsräten gestimmt. Die Mehrheit kam zustande, weil die von CDU und SPD gemeinsam geführten Regierungen von Sachsen-Anhalt und dem Saarland eine Gesetzesinitiative der Länder Hamburg und Brandenburg unterstützten. Zusammen mit den von SPD, Grünen und Linken geführten Ländern war damit eine Mehrheit in der Länderkammer erreicht. Auch die rot-grüne Landesregierung in NRW ist für die verbindliche Quote. Nun muss sich der Bundestag mit dem Vorschlag befassen.

"Mutiger Vorstoß"

"Mutig", findet Regina van Dinther, frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in NRW, den Vorstoß der Parteikollegen im Saarland und in Sachsen-Anhalt. "Aus Sicht unserer CDU-Frauen kann ich sagen, dass wir uns mehrheitlich für die Quote eingesetzt haben. Sie bedeutet Vielfalt und hilft auch älteren oder zugewanderten Frauen." Und mit Hinblick auf die Parteikollegin und saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sagt van Dinther: "Daran sehen wir ja, was Frauen an den richtigen Schaltstellen bewirken können. Ich wünschte übrigens, dass mehr männliche Entscheidungsträger Töchter hätten."

"Kein Allheilmittel"

Natürlich sei die Quote für manchen Unionspolitiker immer noch ein rotes Tuch, weiß auch Andrea Milz, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, doch sei sie "besser als Nichts." Milz hält die Quote allerdings nicht für ein Allheilmittel. "Wer als Frau in den Aufsichtrat will, muss das Richtige lernen", lautet ihre Devise und sie kritisiert, dass die Quote in Aufsichtsräten nur wenigen Frauen, und zwar nur denen ganz oben zugutekomme. "Da wird zu hoch geschielt. Wichtiger ist eine bessere Frauenförderung im mittleren Management. Um in die höheren Positionen zu kommen, müssen Frauen da erst einmal durch." Unternehmer müssten Frauen in der mittleren Ebene mehr Angebote machen und flexibler sein.

"Wenig nachhaltiges Wunschdenken"

Die FDP-Fraktion in NRW lehnt hingegen die Quote strikt ab. "Eine gesetzliche Frauenquote löst nicht die Ursache des Problems, sondern doktert lediglich an den Symptomen herum", erklärt die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion Susanne Schneider. Darüber hinaus erführen Frauen, die ohne gesetzlichen Zwang in die Führungsetagen von Unternehmen aufstiegen, eine höhere Akzeptanz, als wenn sie mit dem Klischee der "Quotenfrau" behaftet seien. "Die Mitglieder des Bundesrates sollten sich bei ihrer Entscheidung zur gesetzlichen Frauenquote nicht von einem wenig nachhaltigen Wunschdenken leiten lassen", riet Schneider vor der Abstimmung.

Die Koalitionspartner im Bundestag sind über die Frauenquote zerstritten. Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) lehnt eine gesetzliche Quote ab, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) indes wirbt dafür und die FDP ist dagegen. Deshallb hätte der Gesetzentwurf bei einer folgenden Beratung im Bundestag auch keine Chance. Der Koalitionsvertrag verpflichtet die Regierungspartner zu einem einmütigen Abstimmungsverhalten.


Stand: 21.09.2012, 12.30 Uhr


Kommentare zum Thema (45)

letzter Kommentar: 02.10.2012, 08:42 Uhr

Rückständige FDP schrieb am 02.10.2012, 08:42 Uhr:
Das die FDP so vehement gegen die Quote ist, entspricht ihrem gestrigen Menschenbild und ihrer Maxime: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht." Wenn's danach ginge würde sich nie was bewegen (man kennt ja diese lobbydienlichen "freiwilligen Selbstverpflichtungen" )- gestalterisch hat die Splitetrpartei FDP bundesweit sowie so nichts mehr mitzureden Und Lindners sogenannter "mitfühlender" Liberalismus erweist sich mal wieder als Leim auf dem bei der NRW-Wahl die Bürger gefangen wurden.
Analytiker schrieb am 22.09.2012, 14:53 Uhr:
Eine Frauenquote ist das schlimmste was man den Frauen antun könnte. In vielen Berufen existiert ein großer Frauenmangel und so wäre es möglich, dass im Aufsichtsrat oder Vorstand eines Unternehmens auf Grund dieser Quote plötzlich die 3. Wahl sitzt. (Das ist zwar auch heute schon möglich, doch es ist nicht so offensichtlich) Das macht dann alle Frauen in Führungspositionen fast automatisch zu "Quotenfrauen".
Andrea schrieb am 22.09.2012, 14:49 Uhr:
Quoten sind immer kontraproduktiv! Bei der Auswahl von geeigneten Personalien muß es dringend(!) auf die Qualifikation ankommen und NICHT auf des Geschlecht. Frauenquoten sind ein Relikt aus den dunklen frauenbewegten Tagen der Vergangenheit. Wir sollten heute vernüftiger und realistischer sein.
rhodan schrieb am 22.09.2012, 09:56 Uhr:
@Friedrich schrieb: "Gerade in der Wirtschaft werden Führungspositionen bei gleicher Qualifikation nach Stallgeruch vergeben und natürlich auch nach Geschlecht." Das geht natürlich nicht nach Geschlecht, sondern wer dem Unternehmen das meiste bringt. Das ist von brutaler Ehrlichkeit. Natürlich muss man wissen, was die Führung will. Selbstdarstellung über sexy Outfit hilft da nicht.
Friedrich Hölscher schrieb am 22.09.2012, 08:52 Uhr:
Zur Frauenquote: Im WDR5 kommentierte gestern ein Head-Hunter, der seit Jahren Frauen in leitende Positionen vermittelt, daß gar nicht genügend qualifizierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu finden wären, um alle Quoten positionen zu besetzen. Norwegen wird immer als Vorbildsland angeführt. Aber Fakt ist, daß sich in Norwegen 70 Frauen 350 Positionen teilen. Nur deswegen kann Norwegen die Quote von 40% erfüllen. Man spricht auch von "Goldröcken". Siehe FAZ vom 15.02.11. Ob das erstrebenswert ist, möchte ich bezweifeln. Übrigens, ich bin nicht gegen Frauen in Führungspositionen. Sie sollten nur nach Qualifikation ausgewählt werden. Frage: Sollte man wegen etwa 1000 Aufsichtsratposten Gesetze schaffen??? Was wird für die restlichen Mill. Frauen getan????

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