Kürzungen bei Förderprogrammen Land spart bei Radwegen, Kindern und Kultur

Von Rainer Kellers

152 Millionen Euro will Finanzminister Walter-Borjans in diesem Jahr bei Förderprogrammen sparen. Wen es trifft, geht aus einer Liste des Ministeriums hervor, die dem WDR vorliegt. Besonders hart ist das Ressort des Verkehrsministers betroffen. Und - wieder mal - die Kultur. Proteste sind programmiert.


Taschenrechner und ein Rotstift liegen auf dem nordrhein-westfalischen Wappen.
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Land spart bei Radwegen, Kindern und Kultur

Im Vergleich zum Gesamtetat des Landes von rund 60 Milliarden Euro erscheint der Kürzungsbetrag bei den Förderprogrammen von 152 Millionen mickrig. Im Einzelnen jedoch dürften die Einsparungen so manchem wehtun. In der internen Liste des Finanzministeriums wird kaum ein Bereich von Einsparungen ausgenommen. Proteste dürften programmiert sein. Am Donnerstag (10.01.2013) will Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) bei einer zweitägigen Klausur mit den Abgeordneten des Haushalts- und Finanzausschusses über die Streichliste beraten. Auch da dürfte es Gegenwind für den Minister geben - vermutlich auch aus der eigenen Partei. Allerdings, wie zu hören ist, seien die Förderprogramme seit Jahren nicht mehr auf ihre Sinnhaftigkeit hin kontrolliert worden. Bei der Überprüfung seien in etlichen Bereichen Doppelt- oder gar Dreifachförderungen aufgefallen. So habe es beispielsweise Maßnahmen gegeben, die doppelt vom Familienministerium und vom Schulministerium kassiert hätten.

Wo wird am meisten gespart?


Am größten ist der Sparanteil beim Ministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr. Allerdings ist das Volumen der Förderprogramme dort auch besonders groß. Insgesamt streicht Walter-Borjans dem Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) 48 Millionen Euro aus dem Etat. Beinahe die Hälfte davon - mit gut 20 Millionen der größte Einzelposten der Streichliste - entfällt auf den Fördertopf für Maßnahmen zur Stadterneuerung. Der Posten verliert damit ein Sechstel seines Volumens. Deutlich gespart wird auch beim Um- und Ausbau von Landstraßen (zusammen 15,5 Millionen weniger) und beim Bau von Radwegen entlang von Landstraßen (minus 4 Millionen).

Kein Geld mehr für den Kauf von Kunstwerken


NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans
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Dürfte sich unbeliebt machen: Finanzminister Walter-Borjans

Bereits durchgesickert war, dass Rot-Grün auch bei der Kultur den Rotstift ansetzt. Und zwar ziemlich radikal. Die Gesamtsumme von gut 12 Millionen ist zwar nicht so groß, aber das ist der Kulturetat mit knapp unter 200 Millionen auch nicht. Die Streichliste in diesem Bereich hat es in sich. Weniger Geld gibt es beispielsweise für Bibliotheken (minus 5,5 Millionen), die Kunstsammlung NRW erhält kein Geld mehr für den Ankauf von Kunstwerken (minus 800.000 Euro), und in beinahe jedem anderen Bereich wird zum Teil deutlich gekürzt: zum Beispiel bei den Förderungen für Theater, Film, Kunst und Kultur für Kinder sowie der Musikpflege. Die Kulturlobby hat sich bereits zu Wort gemeldet.


Haushalt 2013

Weniger Geld für Mittagessen armer Kinder

Wie hart es die Kultur trifft, wird deutlich, wenn man sieht, dass in den Bereichen Wissenschaft und Soziales weniger beziehungsweise genauso viel gekürzt wird - bei jeweils viel größeren Etats. Bei der Wissenschaft sind es gut zehn Millionen. Größter Posten hier ist die Technologieförderung mit einem Minus von fast 7 Millionen Euro. Im Ressort von Sozialminister Guntram Schneider (SPD) fallen 12,7 Millionen an Förderungen weg. 5 Millionen davon sind Kürzungen bei den Zuschüssen für die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege - das war bereits vor einigen Wochen bekannt geworden und hat zu lauten Protesten der Verbände geführt. Um fast drei Viertel (von 3,5 auf 1 Millionen) wird der Zuschuss für die Mittagsverpflegung von sozial schwachen Kindern zusammengestrichen. Wie zu hören ist, würden diese Mittel aber vom Bund kompensiert.

10 Millionen weniger für den Hochwasserschutz

Deutlich abgespeckt wird auch der Etat des grünen Umweltministers. Sein Ressort verliert Fördermittel in Höhe von insgesamt 36 Millionen - Platz zwei der Liste. Der Löwenanteil des Sparvolumens kommt hier aber zusammen, indem Zuschüsse in Darlehen umgewandelt werden sollen. Das heißt, das Geld wird nicht mehr ausgegeben, sondern geliehen - und soll mit Zinsen wieder reinkommen. Umgestellt wird zum Beispiel die Förderung der Kraft-Wärme-Koppelung. Alleine das soll 20 Millionen bringen. 10 Millionen sollen auf diese Weise beim Hochwasserschutz gespart werden.

Das Streichvolumen der anderen Ressorts ist wie folgt: Der Etat der Ministerpräsidentin verliert 1,8 Millionen. Justiz: 0,78 Millionen. Inneres: 0,02 Millionen. Schule: 2 Millionen. Familie: 25 Millionen (davon 12,2 bei der Kultur). Wirtschaft: 6 Millionen. Gesundheit: 8,9 Millionen.


Stand: 10.01.2013, 06.30 Uhr


Kommentare zum Thema (154)

letzter Kommentar: 15.01.2013, 14:42 Uhr

Eurone schrieb am 15.01.2013, 14:42 Uhr:
Komisch; immer wenn irgendwo Gelder gekürzt werden ist das Geschrei groß... Was ist eigentlich mit den Projekten, die bereits Förderungen vom Land seit 2 Jahren sicher haben und sie nicht nutzen - werden die daraus entstehenden Zinsen eigentlich dem Land zurückgezahlt? - Ob CDU, SPD, FDP oder welcher Verein auch immer - großkotziges kollektives Jammern und verurteilen anderer führt wohl hier auch mal wieder nicht zu einem Schwenk den die Mehrheit akzeptieren kann.
Anonym schrieb am 15.01.2013, 14:36 Uhr:
@RechtsDaumenLinks schrieb heute, 12:50 Uhr: der sozialverträgliche Abbau des sozialunverträglichen Beamtentums abseits der Kernaufgaben des Staates, die ein Beamtentum (jedenfalls auf Zeit) benötigen, hört sich eher wie ein Widerspruch an. Aber das Unwort des Jahrtausends ist sowieso."sozialverträglich" oder was ist daran sozialverträglich die Sozialkassen, beser gesagt die Einzahler der Sozialkassen, mit Steuern zu finanzierenden Aufgaben zu belasten? Oder ist das "Dienst nach Vorschrift", manchmal kann man sich es nicht mehr anders erklären?
@RechtsDaumenLinks schrieb am 15.01.2013, 14:04 Uhr:
Dumme Reden können wir selber halten wenn wir sie brauchen. Dazu brauchen wir keine CDU.
RechtsDaumenLinks schrieb am 15.01.2013, 12:50 Uhr:
Also wenn mehr als ein drittel des Jahreshaushalts von den Personalkosten verschlungen wird sollte man sich echt mal ein paar Gedanken machen. Nur gut das es durchaus sozialverträgliche Alternativen gibt wo man was sparen kann.
@ Sab. schrieb am 14.01.2013, 23:24 Uhr:
Gut Ding will Weile haben, Wunder dauern etwas länger

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