Faktencheck zu "Hart aber fair": Europameister der Herzen oder Europas Schulmeister?
Beim Fußball und in der Wirtschaft – Deutschland ist stark und feiert in Schwarzrotgold. Soll Deutschland wieder mehr führen? "Nicht schon wieder" mahnen die einen, Endlich! sagen die anderen. Im "Hart-aber-fair-Faktencheck" überprüfen wir Aussagen aus der Sendung. Zum Thema Nationalismus äußert sich Prof. Jochen Roose.
Eine Talkshow ist turbulent. Auch in 75 Minuten bleibt oft keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt "Hart aber fair" nach und lässt einige Aussagen und Behauptungen von Experten überprüfen. Die Antworten gibt es am Tag nach der Sendung hier im Faktencheck.
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O-Ton Reintke Hansch
(00:43 Min.)
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O-Ton Reintke Hansch
Terry Reintke über Nationalismus seit der WM 2006
Terry Reintke sagt, dass sich die nationalistischen Tendenzen durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verstärkt haben. Dies belege eine Studie des Bielefelder Soziologen Heitmeyer. Führte die WM 2006 zu mehr Nationalismus?
"Frau Reintke hat recht, dass Wilhelm Heitmeyer diese These vertritt", sagt Jochen Roose und verweist auf Heitmeyers Aussage in der "Süddeutschen Zeitung" vom 15.12.2006, die These des toleranten Patriotismus sei "gefährlichen Unsinn". "Allerdings", gibt Roose zu bedenken, "zeigen langfristige Studien für die Zeit ab 2002 keine deutliche Zunahme von Einstellungen, die typischerweise mit Nationalismus oder Rechtsextremismus in Zusammenhang gebracht werden." Als Beispiel nennt er die Untersuchung "Die Mitte in der der Krise" der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2010. Vielmehr fänden sich Schwankungen, wobei die Tendenzen in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich sind. Tendenziell gebe es eine Zunahme in Ostdeutschland, sagt Roose. "Ein sprunghafter Anstieg nach 2006 lässt sich aber nicht finden. Auch eine Zunahme von politisch - insbesondere rechtsextrem - motivierten Straftaten im Umfeld von Welt- und Europameisterschaften konnte das Landeskriminalamt Niedersachsen nicht feststellen", so der Soziologe. Er hält die These von Heitmeyer für nicht ausreichend solide belegt.
Hinweis zur Studie der Uni Bielefeld: Im Jahr 2006 kamen Forscher um den Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer im fünften Teil der Studie "Deutsche Zustände" zu der Erkenntnis, dass die Menschen nach der Fußballweltmeisterschaft nationalistischer und weniger patriotisch eingestellt waren als zuvor. Allerdings, so stellten sie fest, "sind die Veränderungen relativ gering."
Rainer Brüderle über den Musterschüler Irland
Rainer Brüderle freut sich über die Fortschritte der Iren bei der Bewältigung ihrer Finanzkrise. Von den Ländern, die den Rettungsschirm EFSF in Anspruch genommen haben, sei Irland der Musterknabe, sagt der FDP-Politiker.
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Panel "Hart aber fair"
(00:23 Min.)
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Panel "Hart aber fair"
Tatsächlich scheint es Irland als erstes der Länder, die unter den Rettungsschirm geschlüpft waren, zu gelingen, sich aus der Schuldenkrise zu befreien. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben des Leiters des EFSF, Klaus Regling, ein Bericht der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds aus dem Juli 2011. Demnach kommt Irland, das als erstes Land die Hilfe aus dem Rettungsschirm in Anspruch nehmen musste, mit den Reformen schneller voran als geplant. Die Wettbewerbsfähigkeit und die Exporte sind gestiegen, das Staatsdefizit ist gesunken und die Reformen des Bankensektors kommen schneller voran als erwartet. Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln blickt optimistisch nach Irland. Die Zinsen für zweijährige Staatsanleihen in Irland seien von 23 Prozent im Juli 2011 auf aktuell 4,5 Prozent gesunken.
DFB-Besuch in Auschwitz-Birkenau
Eine Delegation des DFB hat am 1. Juni 2012 die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht und der Opfer der Nationalsozialisten gedacht. Unklar in der Diskussionsrunde war, wie viele Spieler der Nationalmannschaft Teil der Delegation waren.
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Peter Hahne
(01:29 Min.)
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Peter Hahne
Es waren drei: Kapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski. Neben den Spielern besuchten DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, Ligapräsident Reinhard Rauball, dessen Vize Peter Peters sowie Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff die Gedenkstätte.
Dass nur drei Spieler am Besuch in Auschwitz teilnahmen, stieß beim Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, auf Kritik. Seiner Ansicht nach hätte man mit der kompletten Mannschaft Hunderttausende junger Menschen erreichen können, mehr als mit tausend Gedenkreden, so Graumann. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach entgegnete, man habe ein Zeichen gegen das Vergessen und jede Form von Rassismus und Antisemitismus setzen wollen. Man müsse es demjenigen überlassen, wie er es organisiert und rüberbringt. "Wir haben es nicht gemacht der öffentlichen Wirkung wegen, sondern weil wir es für richtig gehalten haben", so Niersbach im deutschen EM-Quartier in Danzig.
Stand: 26.06.2012, 12.16 Uhr
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