Vorwürfe gegen Marc Jan Eumann: Ein geldwertes Dankeschön für den Doktorvater?
Die Vorwürfe gegen Medienstaatssekretär Eumann (SPD) sind brisant. Er soll bei seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben. Sein Doktorvater wiederum hat Fördergeld vom Land bekommen. Als Dankeschön dafür, weggesehen zu haben? Mit dieser Frage hat sich am Donnerstag (17.10.2013) der Medienausschuss befasst.

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Bestreitet die Vorwürfe: Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann
Der Fall ist kompliziert und spielt auf mehreren Ebenen. Deshalb von vorne: Die Vorwürfe beginnen mit der Doktorarbeit des jungen Staatssekretärs und früheren Landtagsabgeordneten Marc Jan Eumann an der TU Dortmund über die frühere Nachrichtenagentur "Deutscher Presse-Dienst". Ebene eins: Eumann steht im Verdacht, bei dieser 2011 veröffentlichten Dissertation abgeschrieben zu haben. Und zwar bei sich selbst.
"Eine Patina von 20 Jahren"
Aufgebracht hat diesen Vorwurf der renommierte Leipziger Medienhistoriker Arnulf Kutsch. In der Fachzeitschrift "Publizistik" hat Kutsch kurz vor Weihnachten eine Rezension zur Doktorarbeit geschrieben - ein niederschmetternder Verriss. Der Hauptvorwurf: Die Dissertation sei "in großen Teilen identisch" mit der Magisterarbeit Eumanns, die er 20 Jahre früher an der Uni Köln eingereicht hat. Eumanns Doktorarbeit sei weder methodisch noch inhaltlich eine Erweiterung, sondern zeige vielmehr, "wie angenehm es sich in unserem Fach auf der Grundlage des Textkorpus' einer Magisterarbeit promovieren lässt, selbst wenn sich über diese eine 20-jährige Patina gelegt hat".
Muss Eumann der Titel aberkannt werden?
Das sind Worte von ungewöhnlicher Deutlichkeit, und für sich allein wäre eine solche Bewertung für einen Medienstaatssekretär schon mehr als peinlich. Zum Vorwurf des schlechten wissenschaftlichen Arbeitens kommt aber noch - Ebene zwei - ein weiterer hinzu: Hat Eumann dadurch, dass er lediglich seine Magisterarbeit aufgepeppt hat - wie Kutsch unterstellt -, seinen Doktortitel unrechtmäßig erhalten? Laut Kutsch taucht weder im Literaturverzeichnis noch sonstwo in Eumanns Dissertation der - gleichlautende - Titel der Magisterarbeit auf. Nur im Vorwort wird die frühere Arbeit erwähnt. Reicht das aus? Hätte sich Eumann selbst zitieren müssen? Und droht ihm nun die Aberkennung seines Doktortitels?
Hier wird die Beurteilung schwierig. Kutsch selbst stellt die Forderung auch gar nicht auf. Es ist Eumanns Doktorvater, der Dortmunder Medienwissenschaftler Horst Pöttker, der geklärt haben will, ob Eumann seinen Titel illegitim erworben hat. Pöttker hat die Uni gebeten, das zu untersuchen. Noch läuft die Prüfung, und es ist nicht absehbar, wann die TU eine Entscheidung fällt. Entscheidend wird sein, ob Eumann gegenüber der Uni und den Prüfern Angaben über seine Magisterarbeit gemacht hat oder nicht. In der Prüfungsordnung der Hochschule steht nämlich, dass ein Bewerber darlegen muss, "ob die Dissertation in der gegenwärtigen oder in einer anderen Fassung" bereits für eine staatliche oder akademische Prüfung vorgelegen habe. Hat Eumann dargelegt? Das wird die Prüfungskommission feststellen müssen. Eumann selbst äußert sich dazu nicht.
Gab es eine Dankeschön-Förderung?
Nun könnte man den ganzen Fall als rein akademische Frage abtun. Doch es gibt noch eine dritte Ebene. Und darum ging es am Donnerstag im Medienausschuss des Düsseldorfer Landtages. Die TU Dortmund nämlich hat vom Land eine Zuwendung in Höhe von rund 200.000 Euro bekommen, mit dem eine Fortbildungsinitiative für Lokaljournalisten gefördert wurde. Diese Zuwendung ist 2011 geflossen, im selben Jahr, in dem Eumann - schon Medienstaatssekretär - seinen Doktortitel erworben hat. Gibt es da einen Zusammenhang? Hat der Doktorvater Pöttker etwa über die Schwächen der Arbeit hinweggesehen, um die Zuwendung für seine Hochschule zu bekommen? CDU und FDP haben diesen Verdacht geäußert und halten ihn auch nach der Sitzung des Ausschusses für nicht ausgeräumt.
Medienministerin: Einflussnahme gab es nicht

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Nimmt Eumann in Schutz: Ministerin Schwall-Düren
Eumann selbst, seine Vorgesetzte, Medienministerin Angelica Schwall-Düren (SPD), sowie Doktorvater Professor Pöttker weisen den Verdacht von sich. Das Hauptargument ist jeweils der zeitliche Zusammenhang. So erklärt Eumann im Ausschuss, die mündliche Prüfung im Rahmen seiner Dissertation habe bereits im Februar 2011 stattgefunden. Alle wesentlichen Arbeiten für die Dissertation seien da abgeschlossen gewesen. Die Idee einer Initiative zur Förderung des Lokaljournalismus sei aber erst im Juni 2011 beim Medienforum NRW entstanden, betont Ministerin Schwall-Düren.
Eumann erklärte sich für befangen
Mit der Umsetzung wurde laut Schwall-Düren die in der Staatskanzlei zuständige Mediengruppe beauftragt. Diese habe im Juli erstmals bei einem Treffen unter anderem mit Eumann erwähnt, dass die TU Dortmund als Projektträger in Frage komme. Im August dann sei die Mediengruppe zu der Erkenntnis gekommen, dass Dortmund unter Berücksichtigung aller Kriterien am besten geeignet für die Initiative sei. Als dann Eumann erfahren habe, dass der Hauptansprechpartner an der TU sein eigener Doktorvater sein würde, habe er sich "sofort" für befangen erklärt und sei von allen Entscheidungen ausgenommen worden, sagt Schwall-Düren. Eine Einflussnahme seitens des Staatssekretärs habe es nicht gegeben.
Die CDU hat weiter Zweifel
Bestätigung für diese Darstellung bekommt die Ministerin von der Innenrevision der Staatskanzlei. Die nämlich hat den Vorgang untersucht und keine Verstöße festgestellt, wie Schwall-Düren bereits am Dienstag (15.01.2013) bekanntgab. Eumann habe keinen Einfluss auf die Zuwendung von Fördergeldern genommen, heißt es in einem von Schwall-Düren zitierten Brief der Innenrevision.
Ist also alles in Ordnung? Aber nein, sagt die CDU. Denn erstens sei die Innenrevision der Staatskanzlei - die im Übrigen erst seit Oktober 2012 existiert - nicht unabhängig. Und zweitens stelle sich die Frage, ob sich Eumann schon vor August für die TU Dortmund starkgemacht habe. Schließlich habe er schon im Juli gewusst, dass die TU einer der möglichen Projektträger ist. "Die Landesregierung müsse jeden Eindruck vermeiden, dass sie Dankeschön-Förderungen verteilt", meint der medienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Sternberg. Fortsetzung folgt.
Stand: 17.01.2013, 18.19 Uhr
Kommentare zum Thema (32)
letzter Kommentar: 21.01.2013, 16:32 Uhr
- Eddi schrieb am 21.01.2013, 16:32 Uhr:
- Lieber WDR das waren keine Beleidigungen sondern Fakten! Oder bekommt der Steinbrück doch den Hals voll? Oder der saubere Herr Gabriel? Kann sich keiner mehr an die Zeit als Ministerpräsident erinnern? Leider vergisst auch der WDR in Sachen SPD das eine oder andere! Ein Schelm wer böses dabei denkt!
- WDR.de schrieb am 21.01.2013, 09:18 Uhr:
- Beitrag gesperrt. Bitte kommentieren Sie sachlich. Beleidigungen und Diffamierungen werden nicht veröffentlicht.
- Anonym schrieb am 21.01.2013, 06:38 Uhr:
- Dieses süffisante Grinsen besagt doch alles: "Schreit ruhig, popeliges Fußvolk - Mir kann keener! Alles gut abgeschottet und gesichert - habt doch gut gezahlt dafür (wahrscheinlich immer noch)!"
- Ozzy schrieb am 20.01.2013, 20:03 Uhr:
- Der @schwarze Martin freut sich das auch mal ein SPDler unter Verdacht steht und nicht nur seine schwarz-geld Freunde. Lassen wir ihm das kurze Vergnügen, denn alles was die CDU in NRW aufbauscht entpuppt sich wie immer als heisse Luft.Was macht eigentlich der Dr.Titel von Fr. Schavan??Aber eins stimmt, ohne Parteibuch wird man unter Ramsauer und Niebel nichts !!
- Peterchen schrieb am 19.01.2013, 17:51 Uhr:
- Also wenn ein Ministerpräsident jede Menge Dinge macht aufkosten von irgendwelchen Unternehmen und dann hinterher sagt das war keine Vorteilsnahme weil das habe ich alles in bar zurückgezahlt so ist das schon ein bisschen eigenartig. Wenn er sich noch dazu hinstellt und sagt jetzt werde ich alles aufdecken und dann nur das wiederholt was schon dreimal in der Presse gestanden hat so ist das auch merkwürdig. Würde sich ein Herr Eumann so verhalten würde er zu recht abgesägt und die schwarzen Socken würden über ihn herfallen wie die Wölfe. Wulf hat nachweißlich gravierende Fehler gemacht. Das mindeste was man ihn klar vorwerfen kann ist das er, als Ministerpräsident, nicht klar zwischen Beruf und Privat getrennt hat. Er hat da so ein wischi waschi gemacht das hinter nicht mehr möglich war das auseinander zu halten.
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