Die Energiewende in NRW Hin zur Mitmach-Energie-Kultur

Die Energiewende findet vor unserer Haustür statt - das verdeutlicht auch die Messe "E-world" in Essen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird unser Leben verändern - vielleicht besitzen viele von uns bald Teile vom Stromnetz.


Blauer Himmel spannt sich über einem Windrad auf einem Feld
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NRW ist das Energieland Nummer 1

Wenn sich auf einer Messe Fachleute treffen und sich über neue Geräte und Verfahren austauschen, dann ist das zunächst nur mäßig spannend. Interessanter wird es schon, wenn es um ganz aktuelle Themen geht, die jeden betreffen - und dazu gehört die Energiewende. Die spielt nicht nur auf der Messe "E-world energy & water" in Essen eine große Rolle, sondern auch direkt bei uns, im traditionellen Energieland NRW. Rund 30 Prozent des Stroms bundesweit wird in NRW produziert, mehr als 240.000 Menschen sind in der Energiewirtschaft beschäftigt. Und in Zukunft wird die Energieerzeugung wohl noch näher an die Menschen heranrücken.

Wichtige Themen: Netzausbau und Stromspeicher


Strommast
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Stromleitungen: eine der Herausforderungen der Energiewende

Zwei wichtige Themen beschäftigen die Fachleute: Einerseits die Frage des Netzausbaus. "Der Strom aus den erneuerbaren Energien entsteht vor allem in Norddeutschland, er muss also vom Norden in den Süden transportiert werden", erklärt Prof. Klaus Görner, Professor für Energie- und Umweltverfahrenstechnik an der Uni Duisburg-Essen. Mehrere große Stromtrassen sollen künftig den Strom aus erneuerbaren Energien in der Republik verteilen. Doch das ist nur ein Teil des Problems, wie Christian Rehtanz, Professor an der TU Dortmund, in einer Studie mit der Deutschen Energieagentur (Dena) herausgefunden hat. "Bis 2030 müssen in Deutschland rund 42 Milliarden Euro zusätzlich in das so genannte Verteilnetz investiert werden - denn die Windenergie, die beispielsweise in ländlichen Gebieten entsteht, muss ja erstmal eingesammelt werden", betont der Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft. "Das ist ein Bereich, der bisher vernachlässigt wurde, auch in der öffentlichen Diskussion." Und auch hier werde sich die Frage der Akzeptanz in der Bevölkerung stellen: "Denn irgendwo müssen die Kabel ja hin!", sagt Rehtanz. Neue Stromleitungen, Windräder, Solarzellen: Energieerzeugung wird künftig sichtbarer werden.

Methode mit Zukunft: Strom wird zu Gas

Doch der Netzausbau allein löst die Probleme, die die Energiewende mit sich bringt, nicht. Zweites wichtiges Thema ist die Speicherung von Energie, und insbesondere von Strom. Hier könnte künftig das Verfahren "Power to Gas" eine wichtige Rolle spielen, meint Experte Görner. Dabei wird überschüssiger Strom aus Wind und Sonne genutzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Der Wasserstoff wird dann als Energieträger genutzt und ins Erdgasnetz eingespeist. „Die Wasserstoff-Konzentration im Gasnetz kann bis zu fünf Prozent betragen“, erklärt Klaus Görner. „Die Anlagen für die Umwandlung gibt es schon“, fügt er hinzu, „aber bisher ist der Wirkungsgrad nicht besonders hoch.“ An der Weiterentwicklung dieser Technologie arbeiten unter anderem die Wissenschaftler in Dortmund.

Die Energiewende betrifft auch die herkömmlichen Kraftwerke. Sie müssen so umgerüstet werden, dass sie als Puffer die natürlichen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen ausgleichen können. Für viele Jahre werden auch noch konventionelle Kraftwerke Teil des Energiemixes bleiben.

Veränderungen auch für die Verbraucher


Waschmaschine mit Wäsche
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Wie können Verbraucher Stromspitzen abbauen?


Und auch die Verbraucher sind gefragt. Sie könnten helfen, Stromspitzen abzubauen, meint Görner. "Ein Kühlschrank muss ja nicht immer ununterbrochen auf die gleiche Temperatur kühlen. Und die Waschmaschine könnte auch nachts laufen, wenn zu viel Strom zur Verfügung steht." Wie können die Schwankungen am besten ausgeglichen werden? Und wie wird der Strom aus unterschiedlichen Quellen am besten verteilt? Dazu entwickeln einige Stromversorger und Industriebetriebe derzeit beispielsweise entsprechende Software, mit der dezentrale Anlagen wie Windräder und Photovoltaikanlagen vernetzt und gesteuert werden sollen, um eine stabile Versorgung zu gewährleisten.

Heißt es bald: "Das ist mein Netz?"


Manfred Fischedick
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Energieexperte Manfred Fischedick

Um die Potenziale auszuloten, wollen sich die RWTH Aachen, die Uni Duisburg-Essen, das Wuppertal- Institut und die Universität Köln in einem "Virtuellen Netzinstitut" vernetzen und in den kommenden zweieinhalb Jahren untersuchen, was die Energiewende konkret für NRW bedeutet - und wie NRW am besten von dieser Entwicklung profitieren kann. "Man sollte das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu anwenden, dass auch NRW davon profitiert", meint auch Manfred Fischedick, Energieexperte vom Wuppertal Institut. Beispiel dafür wäre der Ausbau der Windenergie. Energiewende bedeutet aber auch gesellschaftliche Veränderungen. "Die Menschen müssen die Veränderungen nicht nur akzeptieren, sondern sie auch mit tragen", betont Fischedick - zum Beispiel in Form von Bürgerkraftwerken, bei denen sich Bürger zu einer Beteiligungsgesellschaft zusammentun, um gemeinsam etwa eine Windenergie- oder Solaranlage zu betreiben. Schleswig-Holstein hat ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, bei dem Bürger aufgerufen sind, mit in den Netzausbau investieren. "Das könnte ein Muster sein für den Rest Deutschlands", urteilt Fischedick. Das heißt: Die Menschen werden künftig nicht nur Energie konsumieren, sondern auch aktiv werden und die Energielandschaft mit gestalten.

Stichworte

Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, soll Strom, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird, Vorrang geben und dafür sorgen, dass der Ausbau solcher Energiequellen gefördert wird. Zu den erneuerbaren Energiequellen gehören Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme oder Biomasse. Im Gegensatz zu ihnen sind die Vorräte an konventionellen Energiequellen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas endlich, das heißt, sie werden eines Tages aufgebraucht sein. Die Stromgewinnung durch erneuerbare Energiequellen hat zudem weitaus weniger umweltschädliche Auswirkungen als die Verarbeitung konventioneller Brennstoffe.

Das EEG sichert Herstellern von erneuerbaren Energien eine bestimmte Vergütung ihres erzeugten Stroms zu. Netzbetreiber werden verpflichtet, diesen "Ökostrom" vorrangig abzunehmen. Mit der EEG-Umlage, die im Strompreis der Energieversorger enthalten ist, übernehmen die Endverbraucher die Mehrkosten der Netzbetreiber.


Stand: 07.02.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 08.02.2013, 20:51 Uhr

Gerlinde schrieb am 08.02.2013, 20:51 Uhr:
Was ich gut an der “ Mitmach-Energie-Kultur“ finde ist das die Bürgerbeteiligung größer wird und der Einfluss der Stromkonzerne abnehmen wird. Ich denke die Stromkonzerne sind viel zu mächtig geworden. Sie haben mittlerweile an viel zu vielen Stellen versucht die Politik zu beeinflussen, ja sogar zu bestimmen. Ich habe bei den Stromkonzernen sehr stark den Eindruck dass sie sich selbst als die wahren Herrscher im Land wahrnehmen.
Nord-Süd-Gefälle des Geldstromes schrieb am 08.02.2013, 15:40 Uhr:
wenn die Meldungen stimmen werden wir ja schon bald indirekt über jede Versicherung, die man abschließt zu Finanzier der Stromadern aus der Nordsee. "Presse" meldet, dass Allianz mit Tennet verhandelt, ins Geschäft einzusteigen. Das sind also die Münchener Vorstellungen? NRW-Bürger subventioniert wieder mal Bayern und dieses Nettosubventionsempfängerland der BRD beschwert sich, dass die anderen Bundesländer so schlecht wirtschaften?
Anonym schrieb am 08.02.2013, 09:35 Uhr:
Die teure Illusion von Scheinmärkten erlaubt den Parteien Bürokratie mit eigenen Leuten aufzubauen. Regulierungsbehörden, die einzig dafür sorgen die Steuersummen im Staatssäckel permanent zu erhöhen, sind so effektiv wie zahnloser Tiger. Es ist alles nur Kulisse für ein riesiges Selbstbedienungsspiel, aber das gehört mit zur Scheindemokratie seit über 2000 Jahren.
Anonym schrieb am 07.02.2013, 18:01 Uhr:
„Und die Waschmaschine könnte auch nachts laufen, wenn zu viel Strom zur Verfügung steht." Das hängt bestimmt damit zusammen dass die PV Anlagen nachts besonders viel Strom produzieren. Ich habe den Eindruck der Herr Fischedick weiß gar nicht wovon er redet
Joko schrieb am 07.02.2013, 16:17 Uhr:
Ja, ne ist klar: Ich gehe nachts in den Keller, um die Waschmaschine anzuschmeißen. Und mein Kühlschrank ist voll: Ich wüßte nicht, warum meine Lebensmittel manchmal nur 9 Grad und an anderen Tagen 7 Grad gekühlt sein müssen. Und da die Energiewende eines der grünen Lieblingsthemen ist, mache ich da eh nicht mit. Basta!

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