Doppelstaatler müssen sich entscheiden Wenn der deutsche Pass plötzlich weg ist

Von Rainer Kellers

Seit Mittwoch (02.01.2013) könnten Jugendliche mit doppelter Staatsangehörigkeit ihren deutschen Pass verlieren: nämlich so genannte Optionskinder, wenn sie 2013 ihr 23. Lebensjahr vollenden. In NRW sind mehrere hundert Menschen betroffen.


Hände halten Reisepässe verscheidener Staaten
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Bis spätestens zum 23. Lebensjahr muss eine Entscheidung her

Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in Deutschland keine Seltenheit mehr. So erhalten zum Beispiel Kinder mit einem deutschen und einem ausländischen Elternteil in der Regel bereits mit der Geburt beide Pässe und können diese ihr Leben lang behalten. Anders sieht das bei in Deutschland geborenen Kindern mit zwei ausländischen Elternteilen aus. Zwar erhalten diese Kinder ebenfalls beide Staatsangehörigkeiten, wenn mindestens ein Elternteil dauerhaft und legal in Deutschland lebt. Allerdings nur auf Zeit. Spätestens mit ihrem 23. Geburtstag müssen sich die so genannten Optionskinder für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden und die andere abgeben. Entscheiden sie sich nicht, verlieren sie automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Mehrheit wählt die deutsche Staatsangehörigkeit


Diese 1999 nach langem politischen Streit verabschiedete Regelung führt 2013 erstmals dazu, dass junge Erwachsene ihren deutschen Pass zwangsweise abgeben müssen. Und zwar all jene Kinder von Ausländern, die im Jahr 1990 in Deutschland geboren wurden und sich noch nicht für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entschieden haben. Wie viele das in NRW sind, lässt sich nicht exakt sagen. Für 2012 kann das NRW-Sozialministerium noch keine Statistik vorlegen. Bis Ende 2011 waren es in Nordrhein-Westfalen aber noch 327 junge Erwachsene.

Ingesamt gibt es nach Angaben des Ministeriums hierzulande 934 "Optionskinder", die 2013 ihr 23. Lebensjahr vollenden. 607 von ihnen haben sich bis 2011 für eine der beiden Staatsangehörigkeiten entschieden. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 601 Personen, hat die deutsche Staatsangehörigkeit gewählt und die ausländische abgegeben. Welche ausländischen Nationalitäten das sind, hat das Ministerium nicht ermittelt, die meisten Betroffenen dürften aber Türken sein.

NRW-Minister werben für deutschen Pass

Die NRW-Minister für Soziales und Inneres, Guntram Schneider und Ralf Jäger (beide SPD), haben in einer gemeinsamen Erklärung Mitte Dezember beklagt, dass das Staatsangehörigkeitsrecht die jungen Menschen zu einer Entscheidung zwinge. Beide Minister wollen sich dafür einsetzen, dass das Recht modernisiert wird. In einem persönlichen Schreiben an alle "Optionskinder" in NRW haben Schneider und Jäger zudem für die deutsche Staatsangehörigkeit geworben. "Wir laden die jungen Menschen ein, die deutsche Staatsangehörigkeit beizubehalten", schreiben die beiden Minister. "Sie sind hier aufgewachsen, sie leben hier und gehören zu diesem Land."

Die Minister weisen darauf hin, dass es in vielen Fällen trotzdem möglich sei, zwei Staatsangehörigkeiten zu behalten. Das ist nach dem deutschen Recht zum Beispiel dann der Fall, wenn der andere Staat keine Möglichkeit vorsieht, die Staatsangehörigkeit abzugeben. In NRW sind bei den zuständigen Bezirksregierungen bis Ende 2011 111 Anträge auf Beibehaltung der ausländischen Staatsangehörigkeit gestellt worden. 39 wurden angenommen, sechs abgelehnt. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Optionspflichtigen deutlich steigen.


Stand: 02.01.2013, 06.30 Uhr


Kommentare zum Thema (51)

letzter Kommentar: 06.01.2013, 14:45 Uhr

Anonym schrieb am 06.01.2013, 14:45 Uhr:
Früher war es mal ein geflügeltes Wort: Der hat den Führerschein bei Neckermann gemacht. Kann man das heute beim deutschen Pass auch anwenden? Ein Qualitätsmerkmal ist das nicht -mehr-.
Ich schrieb schrieb am 06.01.2013, 08:45 Uhr:
Mann/Frau kann nur einem Herrn dienen!
wahlverweigerer schrieb am 05.01.2013, 11:33 Uhr:
Zwei Staatsbürgerschaften hätte ich auch gern, aber nicht zum Rosinen rauspicken, sondern um die deutsche abgeben zu können.
Alibaba o.R. schrieb am 04.01.2013, 19:02 Uhr:
Der Zwang der BRD die doppelte Staatsbürgerschaft auf zu geben empfinde ich als Eingriff freiheitlicher Rechte. Seid über 20 jahren sind wir nach Deutschem Recht verheiratet und habe viele male versucht die Deutsche staatsbürgerschaft zu erlangen.Es wurden mir hier in der BRD für meinen med.Beruf absichtich viele Steine in den Weg gelegt.Diese Institution die meinen Beruf nicht anerkennen wollt wurde vor vielen Jahren gesagt bin ansehnlich nicht attraktiv genug deswegen bekomme ich keinesfalls eine berufliche Anerkennung. Das ist nur ein kleiner Krümel davon was ich hier in der BRD erdulden mußte zumal kommt es mir hier so vor das Sie mich hier in der BRD nicht haben wollen obwohl ich alles gegeben habe mich zu integrieren. Zu Bismarck Zeiten wurde ein Ausländischer Ehepartner automatisch nach Deutschem Recht eingedeutscht.Mitlerweile verzichte ich auf einen Deutschen Pass das bringt mir nach dem Erlebten auch keine Freude mehr.
Asparuch schrieb am 04.01.2013, 18:35 Uhr:
An die Gutgläubigen. In einer TV Sendung sagte Katarina Valente Sie hat persönlich erzählt wegen Ihre Söhne besitzt Sie drei Pässe CH/F/D als Erleichterung diese zu besuchen (aber nicht aus Deutschen Stolz). Wir angeblich verwirrten denken die Gesetze gelten für das ganze Deutsche Volk aber nicht nur für Untertanen- Türken,Russen,Engländer,Italiener usw. Wiso muss mann unbedingt einen Deutschen Pass besitzen wenn die Person verhält sich hiet angepasst und friedlich (hat sich hier schon in der BRD integriert). Sowieso bleibt ein Ausländer / Immigrant immer Fremd und immer als Ausländer angesehen in der BRD -mit oder ohne Deutschen Pass.

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