Nominierungen für Bundestagswahl Berlin-Tickets für 2013 gesucht

Von Martin Teigeler

Rund ein Jahr vor der Bundestagswahl im September 2013 laufen die Nominierungen der Bewerber in den Wahlkreisen. Erfahrene Politiker wie Wolfgang Bosbach und Peer Steinbrück treten in NRW-Stimmbezirken wieder an. Andere bekannte Parlamentarier hören auf.


Bundestagsdebatte im Plenarsaal mit Einzelfahrschein zur Bundestagswahl [montiert]
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Bundestagsdebatte im Plenarsaal

Offiziell gibt es noch nicht einmal einen Wahltermin, doch in den nordrhein-westfälischen Wahlkreisen laufen sich bereits die Kandidaten für den nächsten Bundestag warm. Nominierungsparteitage und Delegiertentreffen finden statt. Karrieren werden gemacht bei Kampfabstimmungen. Als wahrscheinliche Wahltermine gelten der 15., 22., oder 29. September 2013. Das schwarz-gelbe Bundeskabinett hat noch bis Februar Zeit, um dem Bundespräsidenten einen Wahltermin vorzuschlagen.

Veteranen hören auf

Prominente Politiker aus Nordrhein-Westfalen kehren dem Bundestag im kommenden Jahr den Rücken. Der Ex-Vizekanzler und einstige SPD-Chef Franz Müntefering hatte sich monatelang eine erneute Kandidatur offen gehalten. Auf einer Parteiveranstaltung kündigte er vor wenigen Tagen seinen Rückzug an. "Das wird meine Frau alleine machen müssen", sagte Müntefering. Seine Ehefrau Michelle kandidiert 2013 erstmals für die SPD im Wahlkreis Herne-Bochum II, nachdem sie sich gegen innerparteiliche Kontrahenten durchgesetzt hatte. Der 72-jährige Franz Müntefering gehört dem Bundestag mit Unterbrechungen seit Mitte der 70er Jahre an.


Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und seine Frau Michelle
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Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und seine Frau Michelle

Altgediente aller Parteien ziehen sich zurück

Auch die Kölner Grüne Kerstin Müller zieht sich zurück. Sie wolle "zu neuen Ufern aufbrechen und mich neuen Herausforderungen stellen", schrieb sie in einem Brief an ihre Parteifreunde. "Daneben hat meine Entscheidung auch ganz private Gründe, denn meine Tochter ist jetzt ein Schulkind in Berlin. Als alleinerziehende Mutter könnte ich daher meine Verpflichtungen im Bundestag und gleichzeitig die regelmäßige Betreuung des Wahlkreises künftig schwerer erfüllen", begründete sie ihren Schritt. Aus den Reihen der Kölner Grünen ist zu hören, dass der früheren Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion bei einer erneuten Bewerbung eine Kampfabstimmung gegen eine grüne Nachwuchspolitikerin gedroht hätte.

Dieter Wiefelspütz (SPD) aus Lünen verabschiedet sich ebenfalls aus dem Bundestag. Mit dem Satz "Alles hat seine Zeit" hatte er bereits im Herbst 2011 seinen Abgang angekündigt. Der 65-Jährige war 1987 erstmals ins (damals noch Bonner) Parlament eingezogen. Nach über 20 Jahren im Parlament hört der FDP-Politiker Jörg van Essen (Wahlkreis Hamm/Unna II) auf.

Gerangel in Münster und Duisburg

Wenn altgediente Volksvertreter ihre Laufbahn beenden, startet gerade bei SPD und CDU - jenen NRW-Parteien, die Erfolge in den Direktwahlkreisen unter sich ausmachen - oft ein harter Wettbewerb um die Nachfolge. So können bei der CDU in Münster die Parteimitglieder per Urwahl entscheiden, wer auf den langjährigen Abgeordneten und Ex-Generalsekretär Ruprecht Polenz folgen soll. Die Lokalpresse schrieb von "Chaoswochen", da immer neue Kandidatennamen gehandelt wurden - ohne recht zu überzeugen. Gleich sieben SPD-Bewerber rangeln in Duisburg um einen vakanten Wahlkreis.

Kandidatur trotz Krankheit


Wolfgang Bosbach
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Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach will es 2013 noch einmal wissen

Trotz seiner Krebserkrankung tritt der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach erneut als Direktkandidat im Rheinisch-Bergischen Kreis an. "Es ginge mir auch nicht besser, wenn ich nicht mehr kandidieren würde", sagte der 60-Jährige unlängst in einem "Spiegel"-Interview. "Ich wäre nicht glücklicher, nicht zufriedener, wenn ich nur noch zu Hause wäre und mich meinen Hobbys widmen würde. Wenn mein Arzt mir dringend abraten würde, käme ich vielleicht ins Grübeln", fügte der Christdemokrat hinzu.

Bisherige Regierungsmitglieder wie die FDP-Bundesminister Guido Westerwelle (Wahlkreis Bonn) und Daniel Bahr (Münster) dürften wohl ebenfalls wieder auf dem Stimmzettel auftauchen. Gleiches gilt für die Grüne Bärbel Höhn (Oberhausen), den früheren CDU-Landesvorsitzenden Norbert Röttgen (Rhein-Sieg-Kreis), die Linke-Abgeordnete Sahra Wagenknecht (Düsseldorf) und den ehemaligen SPD-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (Mettmann). Der frühere Ministerpräsident ist seit Monaten als Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten im Gespräch.

Auch die kleinen Parteien, oft als "Sonstige" tituliert, bereiten sich vor. "Uns geht es nicht um Pöstchen", teilte Stefan Engel aus Gelsenkirchen mit. Er ist Bundesvorsitzender der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands. "Wir werden unseren Wahlkampf voll in den Dienst der Kämpfe der Arbeiter- und Volksbewegung stellen", kündigte Engel an. In über 40 Stimmkreisen wolle die MLPD antreten. Steigerungspotenzial hat seine Partei: Bei der letzten Bundestagswahl 2009 kam die Splitterpartei landesweit auf 4.268 Zweitstimmen, was einem Anteil von lediglich 0,0 Prozent in NRW entsprach.


Stand: 25.09.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (3)

letzter Kommentar: 26.09.2012, 10:47 Uhr

Elementarteilchen schrieb am 26.09.2012, 10:47 Uhr:
Eigentlich kann ich nichts, reicht das für ein Mandat? Ich möchte auch nach 5 Jahren Pensionsansprüche haben, die man sonst nicht nach 45 Jahren Arbeit erhält. Und ein bißchen koruppt bin ich auch. Also erfülle ich doch die Grundvoraussetzungen eines deutschen Politikers, oder? Bitte, bitte, wählt mich. Ich verspreche alles. Von blühenden Landschaften in der Arktis bis zum Wäldersterben in der Sahara. Traut mir, ich bin der Mann fürs Grobe. Kriege führe ich zur Not auch. deutsche Waffen müssen schließlich verkauft werden - weltweit!
Bulli1 schrieb am 25.09.2012, 14:04 Uhr:
Wolfgang Bosbach würde ich auch wählen! Allerdings müßte ich neben ihm lange suchen! Insbesondere in seiner Partei fiele es mir schwer! Bei der FDP fände ich niemanden. Die "Wählbaren" haben die Szene verlassen! Und bei der SPD? Die Partei ganz ohne "Ausreißer"! Leute wie Rudi Dreßler haben sie aussortiert. Der paßte wohl nicht mehr in die Struktur! Da werde ich wohl mal weiter unten auf dem Zettel mein Kreuz machen! Ab Liste 5 eben!
Laufleser schrieb am 25.09.2012, 13:37 Uhr:
Was hat Wagenknecht mit Düsseldorf zu tun? Und Steinbrück mit Mettmann? Politimporte sind nicht immer gut...


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