Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst: Bären-Picknick mit "Bufdi" Sven
Die Zivis gingen, die "Bufdis" kamen: Der vor einem Jahr gestartete Bundesfreiwilligendienst wird mittlerweile als Erfolg gefeiert. Zur Freude an der Arbeit mischt sich aber auch ein bisschen Frust. Zum Beispiel beim "Bärenbändiger" Sven Weyer auf dem Naturgut Ophoven.

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Sven Weyer erzählt, was kleine Bären brauchen
"Ich hätte lieber Zivildienst gemacht", sagt der 20-Jährige, der auf dem Naturgut Ophoven bei Leverkusen Kindern erklärt, woher der Strom kommt und was Tiere - zum Beispiel kleine Bären - zum Leben brauchen. Als er sich damals nach dem Abi beworben hatte, wurde die Wehrpflicht abgeschafft und damit auch der Zivildienst. Aus Zivis wurden "Bufdis": Bundesfreiwilligendienstler. Der Grund für seinen Frust - bei aller Liebe zu seiner Arbeit - liegt am Geld: "Ich bekomme 257 Euro pro Monat - als Zivi hätte ich über 600 Euro verdient."
Über 32.000 Plätze sind belegt
Wie Sven Weyer sind etliche andere junge Männer in den neuen Freiwilligendienst getreten. Und nicht nur junge Männer wie er: Im Gegensatz zum Zivildienst steht er nämlich auch Frauen, Älteren und Ausländern offen. Im Juni 2012 gab es bundesweit 32.008 "Bufdis", 9.000 weitere hatten ihren Dienst - laut Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das früher für die Zivis zuständig war - zuvor bereits beendet. Insgesamt fördert Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) 35.000 laufende Dienste, in NRW arbeiten die meisten Bufdis.
Mehr Bewerber als freie Stellen
Bis zum Wechsel von Zivis zu Bufdis gab es rund 90.000 Zivildienststellen. Klar, dass 35.000 neue Bundesfreiwilligendienstler die wichtige Arbeit ihrer Vorgänger nicht ganz ersetzen können - der teilweise Ersatz war das Ziel. Vor Probleme gestellt sehen sich etwa die Wohlfahrtsverbände, die vor allem in Altenheimen und Kindergärten auf Freiwillige setzen. Die Nachfrage von Bewerbern sei weit höher als Bufdi-Plätze angeboten werden.
Verbände wollen mehr Geld aus Berlin
Die Lösung sehen die Verbände darin, mehr Plätze zu schaffen. Die Diakonie zum Beispiel und das Deutsche Rote Kreuz forderten erst diese Woche wieder vom Bundesfamilienministerium, die Fördergelder zu erhöhen. Aber Ministerin Schröder hat schon angekündigt, dass zurzeit nicht mehr Geld zu erwarten sei. Nach Angaben des Infobüros Bundesfreiwilligendienst, das sich als Schnittstelle zwischen Politik und Praxis versteht, nimmt der Bund in diesem Jahr 250 Millionen Euro in die Hand für den Bundesfreiwilligendienst.
Beispiel Naturgut Ophoven: Froh über die "Bufdis"

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Bunte Schwämme und Zauberwasser helfen, die Kräuter zu riechen
Auf dem Naturgut Ophoven, wo Sven Weyer mit den Kindern durch die Natur zieht, sind die Chefs zufrieden mit ihren neuen Bufdis und deren Einsatz. Kein Bufdi habe vorzeitig den Vertrag gekappt, was anders als bei den Zivis für Bufdis möglich ist. Koordinatorin Cille Körner freut sich darüber, dass jetzt auch junge Frauen dabei sind. Sie sorgten für eine "bessere Mischung". Außerdem muss die Bildungsstätte, die auf billige Arbeitskräfte angewiesen ist, weniger Geld ausgeben als noch zu Zivi-Zeiten. Denn weil mit Sven und fünf anderen Bufdis vier junge Leute im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) arbeiten, wurde der Lohn auf FÖJ-Niveau gesenkt. Alle bekommen das gleiche: 257 Euro. Dabei können Bufdi-Löhne generell 336 Euro hoch sein, aber das letzte Wort haben die Träger vor Ort.
Drei Freiwilligendienste: BFD, FÖJ, FSJ - Zusammenlegung gefordert
Zum Start vor einem Jahr hatten Verbände befürchtet, dass es zum Beispiel für ihre Altenheime und soziale Dienste zu wenig Freiwillige geben würde. Besorgt waren sie auch, dass der Bundesfreiwilligendienst die beiden bestehenden freiwilligen Einsatzmöglichkeiten des ökologischen (FÖJ) und sozialen Jahrens (FSJ) verdrängen könnte. Laut Familienministerin Schröder ist beides nicht eingetreten. Sie ziehe eine "großartige Bilanz". Teile Opposition, SPD und Grüne, sehen das nicht so. Sie wollen Doppelstrukturen auflösen und die drei Dienste zusammenfügen. Außerdem kritisieren SPD und Grüne, dass Arbeitsagenturen Arbeitslosen zum Freiwilligendienst raten würden, "damit sie aus der Statistik kommen und ein bisschen Taschengeld verdienen".
"Natur-Lehrer" geht bald selbst in die Lehre

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Gelassen nach einem Jahr Kindertrubel
Auch Sven Weyer hatte vor einem Jahr keine Job-Möglichkeit. Bereut hat er das letzte Jahr nicht, denn er wurde Freiwilliger, weil er bereits zuvor wusste, dass ihm das Unterrichten der Kinder Spaß machen würde. Zum Beispiel, wenn er mit Erstklässlern das "Bären-Picknick" macht. Dann fragt der 20-Jährige die Kinder: "Was brauchen Bären zum Leben?" Und die Kinder antworten: "Nahrung, Luft..." Aufgeschürfte Hände, Zwist um den besten Platz im Sitzkreis, das alles bringt ihn inzwischen nicht mehr aus der Ruhe. "Das passiert", sagt er und lächelt gelassen. Im Herbst fängt er eine Ausbildung als Fachinformatiker an. Mit Bären und Kindern hat sein Arbeitsalltag dann nichts mehr zu tun.
Stichworte
- Der Bundesfreiwilligendienst
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Umweltschutz, Denkmalpflege, Bildung, Soziales, Sport - der Bundesfreiwilligendienst kann in vielen Bereichen absolviert werden. Er steht allen offen, die die Schulzeit beendet haben. Wer sich für einen Platz interessiert, findet auf der Homepage www.bundesfreiwilligendienst.de eine Platzbörse mit freien Stellen. Bezahlt wird ein "Taschengeld" von höchstens 336 Euro monatlich. Dazu übernimmt die Einsatzstelle die Krankenversicherung. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, kann aber auch vorher aufgekündigt werden.
- "Bufdis" in NRW
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Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit den meisten "Bufdis". 6.577 der insgesamt 32.000 Bundesfreiwilligendienstler (Stand: Juni 2012) arbeiten in NRW. 3.639 sind Männer, 2.938 Frauen. Die Mehrzahl ist unter 27 Jahren alt. Nur etwa jeder siebte Freiwillige ist älter. Ostdeutschland hat die höchste Anzahl der Älteren: Mehr als die Hälfte ist dort älter als 27, bundesweit ist es jeder Dritte. Wie viele Arbeitslose und Ausländer den Dienst nutzen, weist die Statistik nicht aus. Daten dazu und zur Motivation der "Bufdis" sollen noch erhoben werden, berichtet Roland Hartmann vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Köln).
Stand: 29.06.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 30.06.2012, 10:44 Uhr
- Oh manno schrieb am 30.06.2012, 10:44 Uhr:
- Es_ist_ein Erfolg-weil es offensichtlich_angenommen_wird!Das hat zuerst mal rein garnichts mit"nicht genug Arbeit"zu tun.Abgesehen davon das diese Freiwilligen durchaus"richtige Arbeit"leisten-die aber sonst nie erbracht wuerde weil dafuer,ohne diesen Dienst,nicht genug Geld vorhanden waere! Die freiwilligen"gewinnen"durch Erfahrungen,die sie so in ihrem normalem Berufsleben so vermutlich nie machen wuerden.Zudem beteiligen sich nun auch sehr viele Aeltere(Rentner)daran und haben damit eine sinnerfuellende Aufgabe.Btw. was ist schlecht daran wenn Arbeitslose diesen Dienst antreten?Besser doch als Zuhause herumzusitzen und keine Soziale Kontakte ausserhalb des engeren Kreises zu haben! Gut waere es natuerlich wenn bspw. bei HartzIV das eingenommene Geld nicht angerechnet werden wuerde.Die drei Dienste sollten allerdings wirklich sinnvollerweise in einen zusammengefasst werden.
- ??? schrieb am 29.06.2012, 08:44 Uhr:
- Erfolg ist, weil die Verantwortlichen das so wollen
- Anonym schrieb am 29.06.2012, 08:25 Uhr:
- Wir feiern also den Bundesfreiwilligendienst als Erfolg, weil es nicht genug "richtige" Arbeit und Lehrstellen gibt. o_O
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