EDV-Panne beim Landesbesoldungsamt Uni-Mitarbeiter warten auf Gehälter

Viele Landesbedienstete warten noch immer auf ihr Aprilgehalt. Betroffen sind vor allem studentische Hilfskräfte. Schuld ist eine EDV-Umstellung beim Landesbesoldungsamt - dort fehlen fast 7000 Angestellte in der neuen Kartei. Viele Unis kümmern sich um Übergangslösungen.


Wenn Jeanette Klemmer auf ihr Konto schaut, dann fehlen dort 1.700 Euro. Geld, das das Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV) ihr eigentlich längst hätte überweisen müssen. Seit dem 1. April arbeitet Klemmer an der Uni Wuppertal als wissenschaftliche Hilfskraft. Die Doktorandin ist frisch zurück aus der Elternzeit. Im Fachbereich Ingenieurwesen beschäftigt sie sich mit Verkehrsplanung, hat eine halbe Stelle an der Uni. Dafür sollte die 28-Jährige eigentlich 1.700 Euro bekommen - doch der Gehaltszettel lässt noch immer auf sich warten.

Denn gleichzeitig mit ihrem Wiedereinstieg in den Job führte das Landesamt für Besoldung - das Klemmer bezahlt - ein neues Abrechnungssystem ein. Und mit ihm viele Probleme: denn Mitarbeiter mit neuen Verträgen oder Vertragsverlängerungen müssen nun alle händisch ins neue System eingespeist werden - fast 7.000 Beschäftigte sind in der neuen Kartei gar nicht erfasst. Die Folge: Ihr Gehalt für April wurde nicht ausgezahlt.

LBV reagierte erst "sehr zugeknöpft"

Während das Landesamt noch mit der Neusortierung seiner Abrechnungskartei beschäftigt war, riefen Anfang Mai bei den Studentenvertretungen an den Unis in NRW die ersten besorgten Studenten an. So auch in Münster, wo der AstA das erste Mal am 7. Mai von den Zahlungsschwierigkeiten erfuhr: "Wir haben dann sofort beim Landesamt für Besoldung nachgehört", sagt eine AstA-Sprecherin, "da war das Problem bekannt, der Brief an die Unis war aber noch nicht rausgeschickt."

Auch auf Anfragen der Uni Duisburg habe das LBV zunächst "sehr zugeknöpft" reagiert, so eine Uni-Sprecherin. Erst nachdem sich die Probleme häuften, sei die Behörde aktiv geworden. Auch Jeanette Klemmer beklagt die schlechte Informationspolitik der Behörde: "Man kann telefonisch niemanden erreichen, es werden keine E-Mails beantwortet, von daher schwindet dann auch mit der Zeit das Verständnis", sagt sie.

Mitarbeiter machen Überstunden

Das LBV weiß um die Sorgen vieler Angestellter. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die fehlenden Datensätze noch einzugeben", sagt Wolfgang Pohl, stellvertretender Leiter der Behörde, "unsere Mitarbeiter machen schon viele Überstunden." Insgesamt 175.000 Angestellte bekommen landesweit ihren Gehaltszettel vom LBV, 85.000 arbeiten im Hochschulbereich. "Davon sind zwischen 12.000 und 16.000 Hilfskräfte, die oft nur für ein Projekt an der Uni arbeiten und zum Teil jetzt zum Semesterstart angefangen haben", so Pohl. Viele Mitarbeiter, viele Daten - und damit viel Zeit, die für die Aufarbeitung benötigt wird.

An den Unis in NRW hat man in der Zwischenzeit schon andere Lösungen gefunden, damit die Studenten pünktlich ihre Miete zahlen können. So geht die Uni Münster erstmal in Vorkasse. Zwei Mitarbeiter hat man hier inzwischen als Ansprechpartner für die Studenten abgestellt. Wer noch auf das Geld vom Land wartet, bekommt von der Uni das Geld vorgestreckt. Unter einer Bedingung: "Wenn derjenige uns belegen kann, dass er das Geld wirklich dringend braucht", sagt Uni-Sprecher Norbert Robers. Zahlt das Amt, muss der Student das Geld an die Uni zurückzahlen. Eine ähnliche Lösung hat die Uni Bielefeld gefunden, wo Mitarbeiter "in Extremfällen" einen Vorschuss der Hochschule bekommen.

Die Studentenvertreter an der RWTH Aachen gehen sogar gleich selbst in Vorkasse: Wer belegen kann, dass ihm noch Geld vom Land zusteht, bekommt vom AstA ein zinsloses Darlehen. Die maximale Summe: 350 Euro. "Wir können das Land ja nicht zwingen zu zahlen. Aber wir können den Studenten schnell und unkompliziert helfen", sagt Onur Ögül vom Sozialreferet des AstA in Aachen. So reichte als Bürge schon ein Mitbewohner - die Studenten mussten nicht extra ihre Eltern um Hilfe bitten. "Ein paar Studenten haben diese Hilfe auch in Anspruch genommen", sagt Ögül, "aber längst nicht alle, die davon betroffen waren."

Wann die Gehälter wieder alle pünktlich überwiesen werden, vermag man beim LBV in Düsseldorf noch nicht zu sagen: "Wir hoffen, dass wir bis zum Spätsommer alle Datensätze haben", sagt Pohl. Doch so lange sei seine Behörde keinesfalls tatenlos: "Für die automatische Erfassung der Gehälter, die wir gerade vorbereiten, müssen die Daten bis zum 10. des Monats vorliegen", erklärt er das Procedere. "In den Fällen, in denen wir schon absehen konnten, dass das nicht klappt, haben wir sofort Abschläge veranlasst, die häufig ähnlich hoch waren, wie das tatsächliche Gehalt." Wer auch jetzt noch auf sein Geld wartet, dem rät Pohl zu etwas Geduld: "Die Abschläge werden automatisch gezahlt, dafür muss man nicht extra bei uns anrufen."

Dass das auch nur selten etwas bringt, hat Jeanette Klemmer erlebt: Statt das LBV selbst erreichte sie nur die Warteschleife der Hotline, wurde auch aus der nach einiger Wartezeit rausgeschmissen. Nun kann auch sie nur noch auf die Überweisung der Behörde warten.


Stand: 22.05.2013, 14.52 Uhr


Kommentare zum Thema (72)

letzter Kommentar: 27.05.2013, 11.23 Uhr

ThomasH schrieb am 27.05.2013, 11.23 Uhr:
@Polizeibeamter aD: Ich denke, dass man als ehemaliger Polizeibeamter mit einem lebenslang gesicherten Einkommen nicht unbedingt nachvollziehen kann, wie man sich als Student fühlt, wenn plötzlich das Einkommen wegbricht - auch, wenn es nur für kurze Zeit. Dieser Horizont ist, wie hier durch diesen Kommentar beweisen wurde, offensichtlich nicht vorhanden und daher sollte man sich auch kein Urteil erlauben.
Desinam schrieb am 27.05.2013, 01.43 Uhr:
@Oecher Genauso sieht es aus. Bekommt der Staat etwas zurück, dann geht das ganz schnell mit der Einziehung und ggf. auch weiter. Würde ein Unternehmen in der freien Wirtschaft derart arbeiten, wie das LBV, wäre es sicherlich ganz schnell vorbei mit dem Betrieb. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in dieser Behörde irgendwie irgendetwas nicht stimmt.
Oecher schrieb am 26.05.2013, 14.55 Uhr:
Zu meinem Vorredner: Die Gehälter werden jeweils am Monatsende ausgezahlt. Wer also am 1. April eingestellt wurde, dem fehlt im Moment _ein_ Monatsgehalt. Das Gehalt für Mai wird ohnehin erst kommende Woche ausgezahlt. Also wieder zu meiner Frage an den WDR: Wie kommen Sie auf 1700 Euro? Im übrigen stimme ich meinem Vorredner zu: Hilfskräfte über längere Zeit ohne das (ohnehin eher dünne) Gehalt sitzenzulassen, ist mehr als peinlich. Gerade, wenn man für Vater Staat arbeitet, der rein hauptberuflich (und ohne, dass ich es als Vorwurf meine) dem Bürger in die Tasche greift, muss man erwarten dürfen, dass das Gehalt pünktlich kommt. Der Staat erwartet umgekehrt vom Bürger ja auch pünktliche Zahlung der Steuern!
@ Oecher schrieb am 26.05.2013, 09.48 Uhr:
Da laut Beitrag die Gehälter bereits seit dem 01. April ausstehen, gehe ich ma davn aus dass dann auch das Gehalt vom 01. Mai fehlt, das wären dann 2 Gehälter. Weiter vorn schrieb jemand dass man als stundentische Hilfskraft 850 Euro erhält. 2 x 850 wären dann 1700 Euro. Da die LBV laut eigenen Angaben auch nicht weiß, wann sie die Datensätze korrigiert und die ausstehenden Gelder bezahlt haben wird, gehe ich mal nicht davon aus dass sich die Angelegenheit zum 01. Juni in Wohlgefallen aufgelöst haben wird, das wäre für die Betroffenen dann das 3. Gehalt was fehlt. Aber hey, laut den Meldungen hier im Thread ist es ja eine Lapalie wenn die Leute ihre Miete nicht bezahlen können und auf der Straße landen. Kein Grund zur Aufregung. Zumindest nicht für die Verantwortlichen.
Oecher schrieb am 25.05.2013, 23.22 Uhr:
Frage an den WDR: Wie kommen Sie auf die 1700 Euro? Gemeint sein kann ja nur das Gehalt für den einen Monat (April), und da Wissenschaftliche Hilfskräfte in NRW für 19 Stunden um die 1150 Euro pro Monat erhalten, würde mich schon interessieren, wo die von Ihnen genannte Zahl herkommt.

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