Debatte zur Beamtenbesoldung im Landtag Wurden die Beamten getäuscht?

Von Rainer Kellers

Wortbruch ist ein schwer wiegender Vorwurf. Doch genau darum ging es am Donnerstag (21.03.2013) im Landtag. Die Landesregierung habe ihre Beamten getäuscht, behauptet die Opposition. Sie habe versprochen, das Tarifergebnis im öffentlichen Dienst vollständig zu übernehmen. Stimmt nicht, beteuert die Regierung.


Eine Beamtin studiert an ihrem Schreibtisch Akten
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Die Beamten fühlen sich betrogen von der Landesregierung

Es ist der zweite Tag in Folge, an dem der Landtag über die Beamtenbesoldung streitet. Es ist ein sensibles Thema, doch die Opposition fährt schweres Geschütz auf. "Plant die Landesregierung einen Wortbruch bei der Beamtenbesoldung?", will die CDU in einer Aktuellen Stunde am Donnerstag wissen. Wobei die Frageform im Titel laut Opposition bereits überholt sei. Beantragt wurde die Debattierrunde, bevor Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Montag (18.03.2013) die Katze aus dem Sack gelassen und verkündet hatte, das Tarifergebnis des öffentlichen Dienstes werde nur für die unteren Besoldungsgruppen übernommen. Aus dem Verdacht sei Gewissheit geworden, proklamiert der CDU-Abgeordnete Werner Lohn in Richtung Regierungsbank. "Sie haben einen eklatanten Wortbruch begangen."

Beamte berufen sich auf ein Versprechen der Ministerpräsidentin


Doch worauf gründet er diese Behauptung? Lohn zitiert aus einem Brief der Ministerpräsidentin an den Deutschen Beamtenbund (DBB) in NRW. Der Brief vom Dezember 2011 liegt auch WDR.de vor. Darin schreibt Kraft: "Ich kann Ihnen versichern, dass die Landesregierung keine weiteren Einschnitte bei der Beamtenschaft plant." Ganz ähnlich hat sich auch Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) ausgedrückt, als er wenige Tage zuvor an den DBB geschrieben hat: "Sie wissen, dass die Landesregierung mehrfach verkündet hat, Beamte (...) zukünftig nicht weiter von der Lohnentwicklung abzukoppeln." Das sei ein Versprechen gewesen, meinen die Beamten, und die Opposition im Landtag pflichtet dem natürlich bei. Schließlich ergibt sich nicht jeden Tag die Chance, die Landesregierung vorzuführen.

Zitate, die angeblich aus dem Zusammenhang gerissen sind


Das Maskottchen der Gewerkschaft der Polizei unterhält sich während einer Mahnwache vor dem Landtag in Düsseldorf mit einem diensthabenden Polizisten
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Mahnwache der Polizeigewerkschaft vor dem Landtag

Die Landesregierung behauptet nun, beide Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen. Und tatsächlich schreibt Walter-Borjans im übernächsten Absatz: "Die Landesregierung sieht im Rahmen einer nachhaltigen Politik Konsolidierungsmaßnahmen als unausweichlich an. (...) Auch die Personalausgaben (...) können nicht außen vor bleiben." Reicht das als Relativierung der zuerst geäußerten Absicht, die Beamten nicht von der Lohnentwicklung abzukoppeln? Eher nein. Denn in dem Briefwechsel von 2011 ging es um die Forderung des Beamtenbundes, die Kürzungen beim Weihnachtsgeld zurückzunehmen. Diesem Ansinnen erteilt der Minister eine Absage. Und darauf bezieht sich seine Einschränkung.


Noch deutlicher wird es in dem Brief der Ministerpräsidentin. Ihre Versicherung, Einschnitte seien nicht geplant, schränkt sie in keiner Weise ein. Im Gegenteil. Sie macht den Beamten sogar Hoffnung, möglicherweise doch wieder mehr Weihnachtsgeld zu bekommen. Klar, ausdrücklich schreiben weder Kraft noch Walter-Borjans, dass künftig alle Tarifbeschlüsse eins zu eins übernommen werden. Aber man kann ihre Einlassungen durchaus als Versprechen verstehen, keine weiteren Opfer von den Beamten zu verlangen. Dieses Versprechen ließ sich nun nicht halten. Die Wut der Beamten darüber ist durchaus nachvollziehbar.

"Ein dickes Plus wäre mir lieber gewesen"


Norbert Walter-Borjans spricht am 21.03.2013 im Landtag in Düsseldorf zu den Abgeordneten
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Sah keine Alternative zum Besoldungsbeschluss

Dass es den Handelnden Leid tut, kann man ihnen aber auch abnehmen. "Mir wäre es lieber gewesen, ein deutliches Plus für die Beamten zu verkünden", beteuert Finanzminister Walter-Borjans am Donnerstag. Eine Alternative aber sehe er mit Blick auf die Haushaltssituation und die Schuldenbremse nicht. Stellenstreichungen, wie die Opposition verlange, kämen nicht in Betracht. Die Rechenspiele von CDU und FDP, 1,5 beziehungsweise zwei Prozent der Stellen in Ministerien, Bezirksregierungen und Landesbetrieben abzubauen, würde zu einer extremen Arbeitsverdichtung führen. "Mir wird schwindelig von so viel Kaltschnäuzigkeit."

Von Melkkühen und Scheinheiligen

Auf dieser Ebene verläuft bei der Aktuellen Stunde die Verteidigungslinie der Koalition. Die Empörung der Opposition soll als populistisch entlarvt werden. Während beispielsweise Ralf Witzel (FDP) der Regierung vorwirft, die Beamten als "Melkkühe" zu missbrauchen oder Dirk Schatz (Piraten) sich aufregt, die Beamten seien der Landesregierung "scheißegal", hält der Finanzminister die gesamte Opposition für einen "Chor der Scheinheiligen". "CDU und FDP geht es nicht um die Beamten", meint auch SPD-Frau Heike Gebhard. "Es geht Ihnen nur darum, uns Wortbruch vorzuwerfen." Und der Grüne Mehrdad Mostofizadeh vermutet insbesondere bei der FDP "Schadenfreude" und "Effekthascherei". Die Entscheidung zu den Beamten sei "bedauerlich", aber "wir verteidigen sie mit erhobenem Haupt".

Wie ernst das gemeint ist, wird Rot-Grün noch beweisen müssen. Der Beamtenbund hat angekündigt, die Ministerpräsidentin mit einer Lawine von Protestbriefen zu überziehen.


Stand: 21.03.2013, 14.21 Uhr


Kommentare zum Thema (305)

letzter Kommentar: 25.03.2013, 08:08 Uhr

A13frühkrank schrieb am 25.03.2013, 08:08 Uhr:
Alter und ... Wir sind doch eine arbeitsteilige Gesellschaft, die gegenseitig voneinander abhängig ist. Wer in der heutigen Zeit Werte schaffen kann, der muss eine entsprechende Aus/Bildung haben. Warum beklagen sich denn die Produktionsträger über die schlechte schulische Ausbildung?
Boris schrieb am 24.03.2013, 23:05 Uhr:
Eins haben die Genossen mit der unterschiedlichen Beamtenbehandlung erreicht: Mißgunst und Neid. Das ist genau der Humus auf dem man weitere Genossen züchtet. Gebe es den Neidkomplex der Menschen nicht hätte die SPD wohl mit der 5% Klausel Probleme.
Alter und Naiven schrieb am 24.03.2013, 22:02 Uhr:
Die Beamtenkommentare sind wie der Staat mittlerweile, zerfressen von falschen Vorstellungen wie und wer Werte erarbeitet und schafft! Aber die Parteien mit ihrem Beamtenschutzreflexen werden von den Jungen Leuten nicht mehr gewählt und hoffentlich auch nicht mehr von den Rentenern, wenn sie überhaupt noch etwas von ihrem Eingezahltem und Erschaffenen in BRD haben wollen?
A12 in Lauerstellung schrieb am 24.03.2013, 21:54 Uhr:
@meira:: Wissen Sie dann auch was Transferleistungen sind? Es sind nicht die Gelder, die beim Wechsel von Profifußballern gezahlt werden habe ich recherchiert. Es hat wohl eher was mit Sozialen Geldleistungen des Staates zu tun. Aber vielleicht können Sie mir den Begriff "Transferleistungen"mit ein paar Worten verständlich erklären. Danke schön.
Finanzbeamter FA Dortmund schrieb am 24.03.2013, 21:47 Uhr:
Frau / Herr @ANONYM um 17:31 UHR:: Endlich jemand, der den Beamten mal was gönnt. 10 - 30 Prozent Lohnerhöhung - ich unterstelle mal % im Jahr - das ist dann mal eine Haus-Nummer. Und unsere Ruhestandsbeamten sollen auch an diesem Geldsegen teilhaben. Ich hätte nicht gedacht, so etwas in meiner aktiven Beamtenlaufbahn noch erleben zu dürfen. Sonst spielt immer das Streichorchester so abgedroschene Melodien.Morgen gehe ich daher hochmotiviert ins Büro. Darf ich diese frohe Botschaft auch meinen Kolleginnen und Kollegen weitersagen? Ich werde mir noch vor Ostern ein Konto in der Schweiz zulegen. Denn solche Prozente passen nicht auf mein GIRO-Konto bei der Sparkasse. Wenn ich's richtig sehe, müsste ich den Herren von der Sparkasse bei dem dann verdient hohen Gehalt eine Bescheinigung "nach dem Geldwäschegesetz" vorlegen. Denn die wollen wissen, ob das Geld auch sauber bzw. ehrlich verdient worden ist. Ich geh jetzt schlafen, denn Träume sind Schäume. So ein Pech aber auch!!

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