Autobahnausbau in Gladbeck umkämpft: Bürger entscheiden über Ausbau der A 52
Seit Jahrzenten schon wird in NRW leidenschaftlich über eine Verlängerung der Autobahn 52 debattiert. In Gladbeck schwebt den Planern ein Ausbau der Bundesstraße 224 zur Autobahn vor. Im März haben nun die Einwohner das letzte Wort – per Ratsbürgerentscheid. Am Donnerstag (09.02.12) findet eine große Bürgerversammlung in der Stadthalle statt.

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Die vierspurige Bundesstraße 224 führt mitten durch Gladbeck.
Wer von Süden aus über die B 224 Richtung Gladbecker Stadtzentrum abbiegt, dessen Blick fällt zunächst auf ein riesiges Plakat. Es zeigt die vierspurige Bundesstraße aus der Vogelperspektive, wie sie sich mitten durch das Stadtgebiet schlängelt. Vorbei am Grün des Naherholungsgebiets Wittringen, vorbei an einem Sportplatz und einem Hallenbad, bis die vierspurige Straße schließlich zwischen Häuserzeilen und Lärmschutzwänden verschwindet. Mit dem Plakat wirbt die Stadt für einen Ausbau der Bundesstraße zur Autobahn 52. Eine Bundesstraße, die auf ihrem Weg vom südlichen Münsterland bis zum Bergischen Land auch einige Ruhrgebietsstädte passiert und hier zu Stoßzeiten verlässlich Stau produziert. Pläne, die Bundesstraße als Verlängerung der A 52 auszubauen, gibt es hier und in den Nachbarstädten Essen und Bottrop bereits seit Jahren. Während ein Ausbau in Essen zunächst an der Uneinigkeit der Parteien und den hohen Kosten scheiterte, steht nun eine Entscheidung in Gladbeck an. Dort nämlich sollen am 25. März 2012 die Bürger darüber entscheiden, ob der 4,5 Kilometer lange Streckenabschnitt in ihrem Stadtgebiet tatsächlich zur Autobahn ausgebaut werden soll.
Ein teurer Tunnel als Kompromiss

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So könnte er aussehen, der Autobahntunnel in Gladbeck
Für den Ausbau in Gladbeck lagen in der Vergangenheit gleich mehrere Ausbauvarianten in der Schublade. Sie reichten vom offenen Ausbau bis hin zu einer so genannten Galerielösung, einer doppelstöckigen Straßenkonstruktion mit einer überdachten Fahrbahn, die zu einer Seite offen ist. Bund, Land und Stadt haben nun eine Kompromisslösung vorgeschlagen. Das Gladbecker Teilstück einer neuen Autobahn könnte auch in einem Tunnel verschwinden – zumindest auf einer Länge von 1.500 Metern.
Den Löwenanteil der Kosten für den Bauabschnitt einschließlich Tunnel von voraussichtlich rund 100 Millionen Euro will der Bund übernehmen. Das Land NRW würde rund zehn Millionen Euro dazu beisteuern und für die Stadt Gladbeck bliebe ein Eigenanteil von rund zwei Millionen Euro.
Ausbau als historische Chance?

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Streckenverlauf der geplanten A52
Gladbecks Bürgermeister Uli Roland sieht in dem Ausbau eine "historische Chance"und "die Stunde einer neuen Stadtentwicklungsphase für Gladbeck." Die Wirtschaft könne profitieren und auch "die Lebensqualität wird im gesamten Streckenverlauf höher sein als zurzeit", so der SPD-Mann. Schon einmal Ende der 80er Jahre seien die Pläne für einen Ausbau konkreter geworden, erinnert sich Stadtsprecher Peter Breßer-Barnebeck. Damals sei aber die Einheit dazwischen gekommen und die Finanzierung war erst einmal hinfällig. Künftig könnte also ein Tunnel die Autobahn und mit ihr gleich den Lärm schlucken. Außerdem, so argumentieren die Befürworter der Tunnellösung, könnte somit auch die Trennung der Stadtteile aufgehoben werden, die heute durch die Bundesstraße voneinander getrennt sind. Auf dem Autobahndeckel solle laut Plan eine "Stadtallee" entstehen.
Der Bau des Tunnels würde allerdings auch eine jahrelange Baustelle und hohes Verkehrsaufkommen im Ortskern bedeuten. Derzeit rechnet die Stadt mit sechs bis sieben Jahren Bauzeit, in denen die B 224 in großen Teilen gesperrt sein würde und in der die Verkehrsströme durch die Innenstadt umgeleitet werden müssten. Nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau fahren schon heute durchschnittlich 44.000 Autos über die B 224 in Gladbeck. Nach dem Ausbau sprechen die Prognosen dann von rund 65.000.
Gladbecker sollen abstimmen
Im Januar 2012 entschied der Stadtrat in einer Sondersitzung mit breiter Mehrheit, die Gladbecker in einem Ratsbürgerentscheid über den Ausbau abstimmen zu lassen. In dem Entscheid sollen die Bürger gefragt werden, ob sich die Stadt an der Finanzierung des Tunnels beteiligen soll. Dabei muss eine Mehrheit von mindestens 8.700 der 58.000 Wahlberechtigten für oder gegen das Projekt stimmen. Würde die Mehrheit gegen das Tunnel-Projekt stimmen, wäre damit auch automatisch der Autobahnausbau auf dem Gladbecker Stadtgebiet vom Tisch. Und nicht nur da. Auch in der Nachbarstadt Bottrop würde ein Ausbau dann keinen Sinn mehr machen, so Stadtsprecher Breßer-Barnebeck.
Bürger formieren Widerstand

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Seit 2009 protestiert das Bürgerforum A52 gegen den Autobahnausbau in Gladbeck
Doch die Ausbaupläne stoßen innerhalb der Stadt auch auf heftige Gegenwehr. Längst haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen, wie das "Bürgerforum A 52", gegründet, um ihrerseits über die Auswirkungen des "Jahrhundertprojektes" zu informieren. Die dort engagierten Bürger betrachten den Ausbau der Autobahn, egal in welcher Ausführung, als unannehmbar, fürchten eine schwindende Lebensqualität in der Stadt und bezeichnen die Pläne schlicht "als ökologische und ökonomische Katastrophe".
Allein durch die jahrelange Umleitung des Auto- und Schwerlastverkehrs fürchten die Kritiker neben dem Baulärm auch die Luftverschmutzung durch Abgase und Feinstaub. Außerdem geben sie zu bedenken, dass der Tunnel höchsten 1,5 Kilometer lang sei, der Rest der Autobahn also doch offen durch das Stadtgebiet führe. Während die Stadt mit dem Zusammenwachsen der Stadtteile und einer künftigen Stadtallee auf dem Dach des Autobahntunnels wirbt, fürchten die Gegner nun eine noch größere "Betonschneise", einen stark befahreneren Autobahnzubringer statt einer begrünten Stadtallee und außerdem ein gigantisches neues Autobahnkreuz auf Höhe der A 2, gleich neben dem Naherholungsgebiet rund um das Wasserschloss Wittringen.
Und noch etwas kritisieren die Autobahngegner. Die Stadt setze beim Ratsbürgerentscheid auf eine "Überrumpelungstaktik", so Klaus Axnich vom "Bürgerform A 52". "Die Stadt will die Sache hier mit Gewalt in wenigen Wochen durchziehen." Da bleibe zu wenig Zeit, sich als Bürger auch mit den Gegenargumenten auseinanderzusetzen. "Wir sind allesamt nur ehrenamtlich tätig. Die Stadt hat im Gegensatz zu uns das Geld und die Möglichkeiten den Bau zu bewerben und stellt ihn durchweg positiv da."
Gladbecks Bürgermeister Uli Roland will sich am Donnerstag (09.02.12) bei einer ersten großen Bürgerversammlung in der Stadthalle vor rund 500 Bürgern zum Thema äußern. Und auch die Bürgerinitiativen wollen bis zum 25. März 2012 nicht untätig bleiben.
Stand: 09.02.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (9)
letzter Kommentar: 10.02.2012, 10:50 Uhr
- 2-2-4 schrieb am 10.02.2012, 10:50 Uhr:
- Damals, als der Rheinufertunnel in Düsseldorf (2KM lang) in Planung war, schrieen auch einige, weil etliche Abzweige der Rheinuferstraße wegfielen. Heute macht sich kaum einer mehr Gedanken darüber, daß unter ihm der Verkehr tobt. Vor allem ist jetzt die gesamte Zone vom Rheinufer zur Altstadt bis zum Stadttor gefahrlos zu frequentieren, ausgedehnte Wiesen laden zur Freizeit ein. Keiner wünscht sich den alten Zustand zurück!!!
- Fakten helfen schrieb am 09.02.2012, 17:09 Uhr:
- Wozu muss ich recherchieren, wenn ich meine Zeilen auch mit ein paar ungeprüften Zitaten voll bekomme, nicht wahr? Das Märchen von den "jahrelangen Umleitungen des Schwerlastverkehrs durch die Stadt" wird von den Ausbaugegnern wider besseres Wissen ständig wiederholt. Dabei hat das Land eindeutig erklärt, dass während der gesamten Bauphase der Verkehr in beide Richtungen auf der Trasse verbleiben wird. Und wieso die Lebensqualität schwindet, wenn ich eine vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße unter die Erde verdamme, ist ebenfalls schleierhaft. Ganz offensichtlich ist das Gegenteil richtig. Wenn es nach mir ginge, würde morgen am Tag abgestimmt. So aber haben die (Handvoll) Volksverdummer von der Bürgerinitiative leider noch sechs Wochen Zeit, die Gladbecker BürgerInnen mit ihren Halbwahrheiten zu verwirren.
- Piratenwähler schrieb am 09.02.2012, 13:48 Uhr:
- Elena -1984 wirklich ein befremdendes Statement, welches sie hier zum Besten geben. Sagen sie doch mal, wen sie wählen, eine Partei die Mehrheiten zu Wort kommen lässt oder eine Altpartei, die Mehrheiten allenfalls toleriert?
- Anonym schrieb am 09.02.2012, 12:37 Uhr:
- Immerhin will man direkt die Bürger befragen, ich denke man will sich ein zweites S21 sparen. Ich finde das gut, die Gladbecker sollen darüber abstimmen und dann sieht man was die Bevölkerung möchte oder nicht möchte. Nochmal S21 braucht wirklich niemand.
- der PBC wähler schrieb am 09.02.2012, 12:21 Uhr:
- Bürger befragen?? Hallo??? Das ist ein Bundesintresse. Fragt doch gleich den Ochsen ob es Gulaschsuppe geben soll. Nicht lange hinhalten lassen anfangen und zack ists fertig. Langsamm hab ich den Eindruck alles was Arbeitsplätze für längere Zeit schafft wird von Rot/Grün nicht gewünscht. Übrigens der Lückenschschluß zwischen Hemer und Arnsberg auf der A46 wartet auch bereits seit über 40 Jahren auf den Anfang.
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