Proteste gegen Anti-Islamvideo: "Niemand darf unseren Propheten beleidigen"
In Münster haben am Freitag (21.09.2012) rund 600 Muslime gegen das antiislamische Schmähvideo aus den USA protestiert. Es war die erste Demonstration dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Sie endete am Abend friedlich. Eine weitere Demonstration findet am Samstag (22.09.2012) in Dortmund statt.

-
Bild 1 vergrößern
+
Demonstranten gehen in Münster auf die Straße
"Wir lieben unseren Prophet" steht auf den Schildern - die Muslime halten sie hoch in die Luft. Andere tragen Transparente mit Koran-Suren, eine Frau hat sich in eine Libanonfahne gehüllt. Rund 600 Teilnehmer sind nach Polizeiangaben dem Aufruf zur landesweit ersten Protestkundgebung gegen das Schmähvideo gefolgt. Männer und Frauen marschieren streng voneinander getrennt, die Frauen gehen im Block vorneweg. Für Münster eine ganz und gar ungewöhnliche Situation, Koransuren hallen laut durch die Innenstadt.
Organisator fordert Begrenzung der Meinungsfreiheit

-
Bild 2 vergrößern
+
Die Demonstranten fordern ein Verbot des Schmähvideos
Die Demonstranten wollen ihre Wut gegen das verhasste Islamvideo auf die Straße tragen. "Niemand darf unseren Propheten beleidigen", sagen ein paar Frauen. "Die Meinungsfreiheit muss dort begrenzt werden, wo der Islam oder der Prophet Mohammed beleidigt werden", sagt Amir Abdul Halal, der Organisator der Demonstration. "Wir fordern andere Gesetze in Deutschland, die Verunglimpfung der Religion muss verboten werden."
Der Protestzug bewegt sich langsam durch die Innenstadt von Münster, aus einem vorausfahrenden Auto mit Lautsprecher schallen Koransuren. Zu der Demonstration hatte die schiitische Fatime-Gemeinde aus Münster-Hiltrup aufgerufen. Diese wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Lange Jahre soll sie Zentrum der Hisbollah-Anhänger in Deutschland gewesen sein. Den Demonstranten ist es wichtig, dass ihre Kundgebung friedlich verläuft: "Wir haben auch die christlichen Gemeinden zur Teilnahme aufgerufen", sagt Amir Abdul Halal. Gekommen ist niemand von ihnen.
Islamprofessor spricht sich gegen Verbot des Videos aus

-
Bild 3 vergrößern
+
Rund 600 Teilnehmer zogen durch die Innenstadt Münsters
Auch der Islamprofessor Mouhanad Khorchide aus Münster ist nicht der Einladung zur Demonstration gefolgt. Er hält sie auch nicht für eine gute Idee: "Wir Muslime sollten uns nicht provozieren lassen, schon gar nicht von schlecht gemachten Amateurvideos und auch nicht von Karikaturen", sagt er. Khorchide spricht sich vehement gegen ein Verbot des Schmähvideos aus: "Die Meinungsfreiheit darf nicht für diese Provokation aufgegeben werden", sagt Khorchide. Dafür will er auch in seinen Seminaren werben. Khorchide bildet künftige Islamlehrer an der Universität in Münster aus.
Zu den Demonstranten, von denen die meisten aus dem Libanon, aus Afghanistan oder dem Iran stammen, stoßen später auch einige Salafisten: deutsche Konvertiten. Für sie ist diese Demonstration eine willkommene Gelegenheit, mit anderen Muslimen gemeinsam auf die Straße zu gehen.
Stand: 22.09.2012, 09.52 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien