Neue Studie zur Geflügelmast Antibiotika im Tränkewasser von Hühnern und Puten

Von Rainer Kellers

Geflügelmast ohne Antibiotika? Das ist offenbar die Ausnahme. Selbst wenn die Tiere keine Medikamente verabreicht bekommen, nehmen sie die Wirkstoffe vielfach über das Tränkwasser auf. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des NRW-Verbraucherschutzministeriums.


Hühnerhalle
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Geflügelmast ohne Medikamente ist die Ausnahme

Um es vorwegzuschicken: Auch die neue Studie des Verbraucherschutzministeriums besagt nicht, dass vom Geflügelfleisch in NRW eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Antibiotika an sich sind nicht das Problem. Wenn sie aber zu häufig und auch noch falsch eingesetzt werden, begünstigt das das Entstehen von multirestistenten Keimen. Das sind Krankheitserreger, die immun geworden sind gegen die gängigen Arzneimittel. Es gibt bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass resistente Keime aus der Tierhaltung auf den Menschen überspringen und in der Humanmedizin Probleme bereiten. Allerdings kann man auch nicht ausschließen, dass es eines Tages genau dazu kommt. "Wir müssen alles tun, um das zu verhindern", sagt Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne), als er am Dienstag (03.07.2012) die neue Studie seines Hauses vorstellt.

Medikamentenrückstände in Wasserleitungen


Laut dieser Studie, der so genannten NRW-Verschleppungsstudie, kommen die Tiere in der Geflügelmast selbst dann in Kontakt mit Antibiotika, wenn sie gesund sind und keine Therapie stattfindet. Das haben die Experten des Landesumweltamtes bei Untersuchungen in 43 Ställen von 40 Betrieben in NRW festgestellt. Überprüft wurde in den Hühner- und Putenställen das Wasser in den Tränken der Tiere. Wenn nämlich Geflügelhalter Antibiotika einsetzen, dann verabreichen sie es über das Wasser. In den oft meterlangen Leitungen und auch in den Dichtungen der Trinknippel lagern sich Rückstände der Medikamente ab. Auf diese Weise nehmen die Tiere die Antibiotika auch dann noch auf, wenn die Behandlung längst vorbei ist.

Verschleppung oft über Wochen und Monate


Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) beantwortet am Dienstag (03.07.2012) in Düsseldorf die Fragen von Journalisten
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Kämpfer gegen Antibiotika: Johannes Remmel

Rückstände fanden sich laut der Studie in 26 der 43 Ställe - das sind rund 62 Prozent. Immerhin 16 Ställe waren demnach ohne nachweisbare Rückstände. Dort, wo etwas gefunden wurde, scheint die "Verschleppung" aber langwierig zu sein. Zum Teil lag die Therapie, aufgrund derer das Medikament verschrieben wurde, Wochen, in Einzelfällen sogar Jahre zurück. Einmal eingesetzt, belasten die Substanzen also viele Generationen von Masttieren. In sechs Fällen haben die Prüfer Wirkstoffe nachgewiesen, für die es in Deutschland keine Zulassung gibt. Und in zwei Fällen wurden Antibiotika eingesetzt, obwohl sie von keinem Tierarzt verschrieben worden waren. Das Landesumweltamt prüft nun, rechtliche Schritte gegen die betroffenen Betriebe einzuleiten.

Antibiotika macht die Tiere schneller fett

"Diese Ergebnisse sind nicht akzeptabel", sagte Remmel. Die antibiotikafreie Mast sei eher die Ausnahme, denn die Regel. Der Minister kämpft seit geraumer Zeit gegen den übermäßigen Einsatz der Medikamente in der Tiermast. Im Herbst des vergangenen Jahres hatte er mit einer Studie nachgewiesen, dass so gut wie jedes Masthähnchen - 92,5 Prozent aller Tiere - im Laufe seines kurzen Lebens mit Antibiotika in Berührung kommt. Rechtlich ist es so, dass beim Ausbruch einer Krankheit in einem Mastbetrieb alle Tiere mit den Arzneimitteln behandelt werden müssen, um eine Ausbreitung zu verhindern. In der Vergangenheit wurden die Antibiotika aber oftmals viel zu kurz eingesetzt, was die Entstehung von resistenten Keimen begünstigt. Es besteht deshalb der Verdacht, dass die Medikamente benutzt wurden, um die Mast zu beschleunigen. Die Tiere werden schneller fett, wenn sie mit den Wirkstoffen behandelt werden.

Remmel fordert vom Bund, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die "Antibiotikaströme" in der Tierhaltung transparent zu machen. Das Ziel sei, die Arzneimittel grundsätzlich aus den Ställen zu verbannen. Denn: "Wer Antibiotika sät, wird Resistenzen ernten."


Stand: 03.07.2012, 14.10 Uhr


Kommentare zum Thema (61)

letzter Kommentar: 04.07.2012, 14:04 Uhr

Joe schrieb am 04.07.2012, 14:04 Uhr:
Wie gut dass mich dieses Problem nicht betrifft da ich Vegetarier bin.
Geld gespart schrieb am 04.07.2012, 11:20 Uhr:
Wenn ich Antibiotika brauche, esse ich Geflügelfleisch, und erspare meiner Krankenkasse so die Behandlungs- und Heilkosten und mir die Rezeptgebühr und die Arzneimittelzuzahlung. Also ist doch alles in Butter. Man muß Dinge auch mal aus anderer Perspektive betrachten.
Anonym schrieb am 04.07.2012, 10:10 Uhr:
Werden die Leitungen/Wasser in allen Betrieben regelmäßig überprüft oder nur gezielt in konventionellen Betrieben.
quorf schrieb am 04.07.2012, 10:05 Uhr:
Das einzige was wirklich hilft gegen all die Skandale: Iss weniger Fleisch!
Konsequenzen? schrieb am 04.07.2012, 07:00 Uhr:
... und was werden und wurden für Konsequenzen hier in NRW gezogen? Auf Frau Aigner zu schimpfen ist richtig, reicht aber nicht. Ist jemand für die Vergangenheit zur Rechenschaft gezogen worden und welche Maßnahmen werden für die Zukunft ergriffen? U.g. Kommentar (Reinigung?) ist richtig. Wo sollen denn Arzneimittelreste hin?

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