Fragen und Antworten zu Abi-Standards Das Abitur wird einheitlich

Von Rainer Kellers

Spätestens 2017 sollen in allen Bundesländern einheitliche Standards für die wichtigsten Abiturfächer gelten. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder geeinigt. Was bedeutet das für die Schüler in Nordrhein-Westfalen?

Schüler bei Klausurarbeit Video Einheitliche Abiturstandards ab 2017 (01:34 Min.) Sendung vom 19.10.2012

Einheitliche Abiturstandards ab 2017

Was haben die Kultusminister beschlossen?

Die Abitur-Prüfungen in den 16 Bundesländern sollen vergleichbarer werden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder hat deshalb beschlossen, verbindliche Bildungsstandards in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch einzuführen. Später sollen Biologie, Physik und Chemie folgen. Die Standards definieren die Anforderungen, die Schüler am Ende der gymnasialen Oberstufe erfüllen sollen. Es geht also nicht nur um die Abiturprüfungen, sondern um den gesamten Oberstufen-Unterricht. Entwickelt hat die Standards das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Das Institut gibt den Ländern auch Beispiele für Abituraufgaben an die Hand. Daran können sich die Länder bei der konkreten Ausgestaltung der Abiturfragen orientieren. Bundesweit einheitliche Fragen - also ein Zentralabitur - sind ausdrücklich nicht vorgesehen.

Wann wird es das gemeinsame Abi in NRW geben?


Die Standards sollen 2014 in Kraft treten. Eine daran ausgerichtete Abiturprüfung gibt es in NRW aber erst 2017. Schneller soll es in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg gehen. Dort wird schon 2014 nach den einheitlichen Standards geprüft.

Warum dauert die Einführung in NRW länger?

Jörg Harm, der Sprecher von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), spricht von einem "geordneten und planvollen Vorgehen". Die Vorgaben sollen bis 2014 in die Lehrpläne und Abiturvorgaben eingearbeitet sein. Schüler, die dann in die Oberstufe eintreten, wüssten, was auf sie zukommt und könnten sich optimal auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Diese Chance hätten Schüler nicht, die vor 2017 Abitur machen. Deshalb würden sie nach den bisherigen Vorgaben geprüft. Die FDP kritisiert das Vorgehen der Ministerin. Es leuchte nicht ein, warum NRW bis 2017 warte, sagt NRW-Parteichef Christian Lindner.

Gibt es künftig unterschiedliche Aufgaben für G8 und G9?

Nein. Die Schulzeitverkürzung findet ja nicht in der Oberstufe statt. Schüler, die in acht Jahren zum Abitur geführt werden, durchlaufen genau wie ihre Kameraden, die neun Jahre Zeit haben, eine dreijährige Oberstufe. Deshalb sind die Anforderungen für beide Schulzeitformen identisch.


Grafik zu deutschlandweiten Abiturstandards ab 2017
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So wird derzeit in Deutschland beim Abi geprüft

Nach welchen Vorgaben finden bisher in NRW Abi-Prüfungen statt?


Im Schulministerium entscheidet eine Aufgaben-Kommission über die Prüfungsfragen in den schriftlichen Abiturfächern. Diese Fragen gelten für alle NRW-Schulen, die zum Abitur führen.

Warum lehnt NRW das bundesweite Zentralabitur ab?


Sylvia Löhrmann  schauen sich im Landtag in Düsseldorf um

Sylvia Löhrmann ist gegen ein Zentralabitur

Ministerin Löhrmann setzt sich nach eigenen Worten für die Vergleichbarkeit des Abiturs ein. Der Weg dahin führe aber nicht über gleiche, sondern gleichwertige Aufgaben. Ihr Sprecher Jörg Harm gibt ein Beispiel: Wenn als Standard festgelegt werde, dass die Schüler in der Lage sein müssen, ein Gedicht zu interpretieren, sei es vernünftig, wenn die Länder selbst entscheiden können, ob ein Gedicht von Goethe oder Schiller genommen wird. Der Spielraum der Länder - zuständig für die Bildung - bleibe gewahrt. Außerdem gibt es noch einen ganz praktischen Grund. Bei einem Zentralabitur müssten die Prüfungen deutschlandweit am selben Tag stattfinden. Das sei schwer zu organisieren, meint Harm. Auch die Sommerferien müssten dann in ganz Deutschland am selben Tag beginnen.


Stand: 19.10.2012, 14.03 Uhr


Kommentare zum Thema (18)

letzter Kommentar: 22.10.2012, 21:22 Uhr

der Eulenspiegel schrieb am 22.10.2012, 21:22 Uhr:
„Über den Wolken keine Sorgen“ Ich fand ihren Kommentar ganz lustig. Ich stell mir das gerade vor wie ein Abiturient mit Lehrbuch in der Hand einen Blinddarm entfernt.
Über den Wolken keine Sorgen schrieb am 22.10.2012, 18:00 Uhr:
Wenn ein Pilot im Notfall den Plan nach NRW-Schule abarbeiten würde, müsste er Punkt für Punkt überlegen und den Transfer (der Leistungen) suchen, während der bayerische Schul(ungs)kollege gut konditioniert die Schalter ohne zu überlegen routiniert umlegt und sicher landet. Scherz beiseite, wenn man von einem Arzt operiert würde der die OP nur einmal gezeigt bekam und nun nach NRW-Pädagogik selbst die eigene OP entwickeln müsste und die Wahl hätte zum Nachbar-Arzt zu gehen der die OP 100x im Jahr ausführt, überlegt keiner. Desgleichen werden die Maßstäbe bei Ausbildung zum Piloten oder Schiffskapitän angesetzt, Übung macht den Meister nur in der NRW-Schule sollen die armen Schüler nur nicht zu viel ...... Wenn die Baustellen in NRW unter den Bedingungen abliefe die Ergebnisse schonzureden statt nach Standards zu prüfen, dann würde hier wohl kaum einer wohnen mögen?
Schildbürger (über)streicht schrieb am 22.10.2012, 17:51 Uhr:
der Eulenspiegel schrieb heute, 16:05 Uhr: hmm, wer im Glashaus sitzt solllte nicht mit Steinen werfen?
der Eulenspiegel schrieb am 22.10.2012, 16:05 Uhr:
Das bayrische Modell heißt: “Abiturienten haben gefälligst das zu fressen was man ihnen vorsetzt. Selbstständiges Denken wird mit einer 6 belohnt“. Armes Bayern.
Bayerischer Urwald schrieb am 22.10.2012, 14:27 Uhr:
Hoch lebe das Schema F! Bloß keine neuen Lösungen entwickeln. Die Lösungen die vor hundert Jahren stimmten stimmen heute auch noch. Ob man mit der Methode eine moderne Industriegesellschaft weiter entwickeln kann? Ich wage es zu bezweifeln.

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