Abgeordnete aus der zweiten Reihe - Teil 5 Die Stimme Aachens

Von Sven Gantzkow

WDR.de stellt in einer Serie Landtagsabgeordnete aus der zweiten Reihe vor, keine Polit-Promis, aber solche, die es einmal werden könnten. Daniela Jansen ist frisch für die SPD im Landtag, hat in ihrem Wahlkreis Armin Laschet (CDU) hinter sich gelassen und kümmert sich jetzt um Arbeitsmarktpolitik.


Portrait Daniela Jansen
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Seit 2002 wohnt Daniela Jansen in Aachen und sitzt seit 2012 für die Karlstadt im Landtag

Wer in Aachen das Hochschulradio hört, wacht mit Daniela Jansen auf. Zwar ist ihre Zeit als Mitarbeiterin des Senders schon sieben Jahre her, aber ihre Stimme ist immer noch allgegenwärtig. "Bis heute bin ich da die Station Voice", sagt die 34-Jährige und muss lachen, ein bisschen so, als würde ihr gerade bewusst, wie absurd das eigentlich ist. 2002 kam sie nach Aachen, "der Liebe wegen", wie sie sagt. Mittlerweile will die Mutter von Zwillingen, die in Dortmund geboren und im Münsterland aufgewachsen ist, aus der Karlstadt nicht mehr weg. Mindestens drei Tage die Woche wird ihr für die kommenden fünf Jahre allerdings gar nichts anderes übrig bleiben. Für den Wahlkreis Aachen Innenstadt zog die Sozialdemokratin am 13. Mai mit Direktmandat in den Landtag ein.

Angetreten gegen Armin Laschet

Hatte sie damit gerechnet? "Ich habe mir schon ganz gute Hoffnungen gemacht", sagt sie. Das ist selbstbewusst. Erstens galt ihr Wahlkreis als CDU-Hochburg. Zweitens war ihr direkter Gegenkandidat von der Union niemand Geringeres als Ex-Integrationsminister Armin Laschet, am Wahltag noch Fraktionsvize, heute Parteivorsitzender. Wie Jansen das geschafft hat? "Drei Dinge, die mich von Herrn Laschet unterscheiden: Ich bin jung, ich bin eine Frau - und ich hatte Zeit." Laschet sei zwar ein Politpromi, aber nicht so präsent gewesen wie sie, ist Jansen überzeugt. Als Debütantin hängte sie sich richtig rein, stellte sich in rund 2.500 Haushalten persönlich vor. Klinkenputzen für den Wahlkreissieg. Am Wahlabend lag sie fast vier Prozentpunkte vor Laschet. Ein Genosse meinte damals zu ihr: "Der Landestrend hat Dich auf Augenhöhe gebracht, aber der Wahlkampf hat Dich siegen lassen."

Journalistin? Aber nicht mit Parteibuch!


Eine klassische Parteikarriere ist es nicht, was Daniela Jansen hingelegt hat. Zwar stammt sie aus einem sozialdemokratisch geprägten Haushalt und galt auch während ihres Soziologie- und Politik-Studiums in Düsseldorf als eine, "die SPD wählt", wie sie sagt, aber in die Partei eingetreten ist sie erst 2004. "Ich konnte mir während des Studiums noch vorstellen, Journalistin zu werden", sagt sie. "Da hätte ein Parteibuch nicht gepasst." Neben ihrer Tätigkeit beim Hochschulradio arbeitet sie zu diesem Zeitpunkt auch für die Aachener Nachrichten. Als ihr Mann Björn bei der Kommunalwahl 2004 für den Aachener Rat kandidiert und ein Mandat erringt, verabschiedet sie sich von einer möglichen journalistischen Laufbahn. Auch als Frau eines Politikers hätte sie es als unpassend empfunden, sagt sie. Mittlerweile ist ihr Mann Bürgermeister in Aachen.

"Es stimmt einfach gerade alles!"


Daniela Jansen ist nicht der Typ Mensch, der sofort verfängt. Sie wirkt auf den ersten Blick eher zurückhaltend. Auf den zweiten allerdings überzeugt sie mit klarer Sprache und geistesgegenwärtigem Humor. Ihr ist wichtig, dass sie unprätentiös rüberkommt, eine Eigenschaft, die sie auch an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sehr schätzt. Etwas, das Jansen und Kraft grundlegend unterscheidet: die Geschwindigkeit. Während Kraft den eher bedächtigen und staatstragenden Tonfall pflegt, ist Jansen sehr "schnell und leidenschaftlich" - so ihre Selbsteinschätzung. Wenn sie von ihren ersten Tagen im Landtag erzählt, kommt sie ins Schwärmen, spricht mit breitem Lächeln vom ersten Plenartag, den ersten Fraktionstreffen, ihrem Vorsitz im Frauenausschuss. "Im Moment bin ich auf einem richtigen Hoch, höher geht's fast gar nicht", sagt sie. Job, politischer Erfolg, Familie, Umzug: "Es stimmt einfach gerade alles!" Ihr Blick schweift umher in dem Aachener Eiscafé, vom Steinplattentisch über den Lederstuhl bis zu einem Bild an der Wand. Sie klopft gegen den Rahmen. Er ist aus Holz. Abergläubisch? Sie schaut amüsiert: "Was das angeht, ja. Ansonsten nicht!"

Herbe Enttäuschung zu Beginn


Dass ihre Begeisterungsfähigkeit auch eine Fallhöhe besitzt, musste sie direkt zu Beginn ihrer politischen Laufbahn feststellen: 2005 stürzt sie sich mit in den Wahlkampf, doch sowohl die Landtagswahl im Mai als auch die Bundestagswahl im September verliert die SPD. "Ich war ungeheuer enttäuscht, sogar den Tränen nahe", erinnert sie sich. Waren die Ergebnisse damals nicht absehbar? "Wenn man richtig tief in einem Wahlkampf drinsteckt und man das Gefühl hat, dass er gut läuft, dann kann es manchmal sein, dass man den Blick für die Realität verliert." Diese beiden Niederlagen lassen sie manchmal mit gemischten Gefühlen auf 2005 zurückschauen, und das, obwohl sie in diesem Jahr auch geheiratet hat.

Korrekturen an der Sozialpolitik


Jansens Themen: Bildung und Arbeitsmarkt. Als Abgeordnete will sie sich vor allem auf Letzteres konzentrieren. Ihr Vater war der erste Junge an seinem Gymnasium, der aus einem Arbeiterhaushalt kam. Das prägt. Auch er war lange Mitglied der SPD. Aus Protest gegen Gerhard Schröder und seine Agenda 2010 trat er allerdings vor zehn Jahren aus. Wo befindet sich die SPD momentan sozialpolitisch? "Wir sind auf einem Weg zu einer vorsichtigen Änderung der Agenda 2010", sagt Jansen. Den Grundgedanken von Fördern und Fordern findet sie richtig, aber bei Themen wie der Zeitarbeit müsse man dringend nachbessern.

Aufgeregt vor der Jungfernrede

Gelegenheit dazu erhält sie als Mitglied der Ausschüsse für Arbeit sowie Gesundheit und Soziales. Was außerdem noch aussteht: ihre Jungfernrede im Parlament. Thema? Steht noch nicht fest. Aber sicher ist für sie: "Klar werde ich dann nervös sein." Sie guckt leicht verdruckst, als würde es ihr nichts ausmachen, wenn dieser Moment noch etwas auf sich warten lässt.


Stand: 13.08.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 14.08.2012, 11:22 Uhr

Malocher schrieb am 14.08.2012, 11:22 Uhr:
Hat die gute Dame jemals gearbeitet? Ich würde niemals eine Person als Volksvertreter(in) Wählen, wenn diese niemals am "normalen" Leben teilgenommen hat.
Aachener schrieb am 13.08.2012, 21:55 Uhr:
@Banane: Nicht ganz richtig kombiniert. Der Mann ist einer von drei Bürgermeistern in Aachen, darüber thront noch ein Oberbürgermeister. Letzterer ist in den Medien präsent, die Bürgermeister eigentlich überhaupt nicht und ich glaube, dass weniger als 10% der Bürger seinen Namen nennen könnten, wenn man sie auf den Bürgermeister anspräche. Von daher stimmt das nicht, dass sie es einfacher hatte. Vielleicht zählt der Prophet Laschet nichts im eigenen Land. Aber das ist nun auch wieder eine Vermutung. Oder Frau Jansen ist einfach gut. Auszuschließen ist nix. Gruß, ene Öcher (jedoch anderer Wahlkreis und persönlich nicht bekannt mit ihr)
Nimm Orange gegen Vit.B in Politik schrieb am 13.08.2012, 16:27 Uhr:
Banane schrieb heute, 12:32 Uhr: Modell der Familienpolitik nimmt an Beliebtheit zu, siehe Münte, Schröder aber nicht nur in der SPD. Bei den Linken macht ein Pärchen schon Machtpolitik und sucht sich ganze Parteispitzen aus. Bei der CDU ist der Schäuble-Clan auch nicht so klein, wenn man den Medien auch im Kleingedrucktem folgt? Nö, das muss man nicht mehr wählen, schließlich gibt es jetzt eine ernsthafte und noch lobbyfreie Altenative
Freddy Finkenbreedt schrieb am 13.08.2012, 14:54 Uhr:
Man muss nur Lob übrig haben für solche Frauen. Perfekt. Tresimont, wie der Franzose sagt.
RechtsDaumenLinks schrieb am 13.08.2012, 12:50 Uhr:
Und Zack die nächste Berufspolitikerin die vom Wahlplakat strahlt, sicher wird Sie auch noch entsprechend der Parteidoktrin auf die richtige Bürgerfremde Linie getrimmt. Alles nur eine Frage der Zeit.

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