Abgeordnete aus der zweiten Reihe - Teil 4: Landwirtin mit Landtagsmandat
WDR.de stellt in einer Serie Landtagsabgeordnete aus der zweiten Reihe vor. Christina Schulze Föcking ist die CDU-Expertin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz - und gilt parteiintern als Glücksfall für die Union.

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Landwirtin mit Landtagsmandat: Christina Schulze Föcking
- Audio: Steckbrief Christina Schulze Föcking (00:26 min.) Sven Gantzkow, 03.08.2012
- Christina Schulze Föcking unter der Landtagslupe
Christina Schulze Föcking ist auf Vollständigkeit bedacht. Auf ihrer Homepage, die sie selber pflegt, sind sämtliche Presseberichte aufgeführt, in denen sie seit Beginn ihrer Politkarriere aufgetaucht ist. Der allererste Eintrag, etwas stiefmütterlich hinter mehreren Unterseiten versteckt, stammt aus dem Oktober 2009. Er schildert, wie Schulze Föcking zur Unionskandidatin im Wahlkreis Steinfurt I für die Landtagswahl 2010 gewählt wurde. Sie musste sich, was eher ungewöhnlich ist, einer Kampfabstimmung stellen - und gewann mit fast 80 Prozent. Die Schlagzeile des Artikels lautet: "Glücksfall für die Union".
"Erfahrung, Sachverstand und Augenmaß"
Als Glücksfall gilt sie auch in den eigenen Reihen. Immer wieder fällt ihr Name, wenn nach den jungen Talenten in der CDU gefragt wird, die die gestrauchelte Partei nach dem Wahldebakel vom 13. Mai wieder in die Spur bringen sollen. "Erfahrung, Sachverstand und Augenmaß", attestiert ihr der ehemalige Umweltminister und jetzige Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg. Fraktionschef Karl-Josef Laumann, der ebenfalls aus Steinfurt stammt, lobt seine Kreiskollegin: "In ihrer Heimat kennt sie Land und Leute, weil sie eine von uns ist und uns auch versteht." Und Norbert Röttgen, damals Spitzenkandidat der Union für die Landtagswahl, berief die 35-Jährige im April überraschend in sein Schattenkabinett, Ressort: "Landwirtschaft und Verbraucherschutz".
Offen und aufmerksam
Übersicht
Schulze Föcking ist gelernte Landwirtin, hat früh den Betrieb ihrer Eltern im münsterländischen Steinfurt übernommen und leitet ihn mit Hilfe ihres Mannes und eines Mitarbeiters bis heute. Das Lob ihrer Parteikollegen wiegelt sie souverän ab. "Es freut mich sehr, aber es spielt für mich keine so große Rolle." Das Gute an diesem Understatement: Man nimmt es ihr ab. Es ist ein Freitagvormittag, sie sitzt in einem Café in der Fußgängerzone ihrer Heimatstadt. Immer wieder muss sie das Gespräch unterbrechen, weil sie von Passanten gegrüßt wird. Aus dem Konzept bringt sie das nicht. Sie hat das Talent, offen und aufmerksam zu wirken.
Der Union erst mit 29 beigetreten
Zur Politik kam sie verhältnismäßig spät. Erst mit 29 trat sie 2006 der Union bei. Auch das findet sie nicht ungewöhnlich: "Ich bin über meine Ehrenamtsarbeit zur Politik gekommen." Zu Beginn des Jahrtausends engagiert sie sich im Ring der Landjugend Westfalen-Lippe. In dieser Funktion wird sie 2002 von Bärbel Höhn (Grüne), damals Landesumweltministerin, in eine Zukunftskommission der rot-grünen Landesregierung berufen. Experten und Personen der öffentlichen Lebens sollten darin Konzepte für verschiedene Lebensbereiche entwerfen. Schulze Föcking arbeitet maßgeblich an einem Thesenpapier für die Zukunft der Landwirtschaft mit. "Das war ein richtig gutes Konzept, ich war davon vollkommen überzeugt", sagt sie. Im Endbericht sei es dann aber nur in stark verkürzter Form wiederaufgetaucht. "Ich habe daraufhin meine Unterschrift unter das Papier verweigert." Von Höhn, die für das Eindampfen verantwortlich gewesen sein soll, war sie sehr enttäuscht.
Zur Politik wegen der Grünen
In ihrer Vorstellung als mögliche Landwirtschaftsministerin im April betonte sie unter anderem die Erneuerbaren Energien und das Nebeneinander von konventioneller und Bio-Landwirtschaft als große Herausforderungen. Klingt nach dem "grünen Anstrich", der auch Norbert Röttgen immer nachgesagt wurde. Als sie das hört, muss sie laut lachen: "Naja, man könnte schon sagen, dass es die Grünen waren, die mich zur Politik gebracht haben", sagt sie trocken. Nur eben weniger als Inspiration, sondern eher wegen ihrer Unzufriedenheit mit Bärbel Höhn.
Sie wirkt selbstbewusst, wie sie mit durchgedrücktem Reiterkreuz im Korbstuhl des Cafés sitzt und im Minutentakt Bekannten und Freunden zulächelt. In Steinfurt ist sie sehr verwurzelt, und genau darauf legt sie auch Wert: "Politik muss von unten nach oben gestaltet werden und darf nicht von oben auferlegt werden", sagt sie. Die Gesetzesvorhaben der Landesregierung, egal ob bei Dichtheitsprüfung, Nichtraucherschutz oder Ladenschluss, hält sie für "Reglementierungswut". "Eine Politik die den Bürgerinnen und Bürger immer mehr ihre Freiheit nimmt ,halte ich für grundfalsch", sagt sie entspannt mit einem Lächeln. "Ich habe das Vertrauen, dass die meisten Menschen sich richtig entscheiden."
Lieber nach vorne schauen
Entschieden haben sich am 9. Mai auch die Wähler. Und zwar viele gegen die CDU. Mit 26,3 Prozent fuhr die Partei unter Norbert Röttgen eine historische Schlappe ein. "Die ersten Schritte sind gemacht, und jetzt muss man nach vorne schauen und daran arbeiten", sagt Schulze Föcking dann mit diesem verbindlichen Optimismus, den sie wie völlig selbstverständlich ausstrahlt. Sie hat aber auch, im Vergleich zu vielen Parteikollegen, gut reden. Als eine von noch nicht mal 30 Abgeordneten der Union hat sie ihren Wahlkreis mit Direktmandat gehalten. Ist es da mit Nachvorneschauen getan? "Ich finde schon, dass wir wieder lebendiger miteinander diskutieren", sagt Schulze Föcking dann und bleibt dabei etwas vage: "Demokratie lebt von Rede und Gegenrede. Wir wollen keinen Abnickverein. Wir wollen durch intensive Diskussionen gute Lösungen erreichen."
Energisch wird die Mutter zweier Söhne bei ihren Kernanliegen, beispielsweise dem Flächenverbrauch: "Der Landwirtschaft steht durch Straßenbau oder Industrieparks immer weniger Nutzfläche zur Verfügung, während alte Industriebrachen verwaisen." Hier müsse ein klares Konzept her, und sie ist überzeugt, dass das möglich ist, Stichwort: Entsiegelung.
"Bist Du verrückt? Natürlich machst Du das!"
Das Pendeln nach Düsseldorf, wo sie für die CDU-Fraktion jetzt Sprecherin für Landwirtschaft, Verbraucherschutz und die ländlichen Räume ist, macht ihr nichts aus. Ein Zimmer hat sie sich in der Landeshauptstadt nicht genommen. Sie hat eine Anlaufstelle: Ihre Schwester arbeitet dort als Fotografin. Auch die Trennung von ihrer Familie stellt kein Problem dar, sagt sie. Als Dreigenerationenhaushalt können sich auch die Großeltern mal um den Nachwuchs kümmern. Als Schulze Föcking 2009 mit dem Gedanken spielte, für den Landtag zu kandidieren, und sie zweifelte, ob sie die Aufgabe mit ihrer Familie in Einklang bringen könnte, war die Reaktion zu Hause eindeutig: "Bist Du verrückt? Das ist Deine Chance. Natürlich machst Du das!" Christina Schulze Föcking hat es nicht bereut. "Es macht Spaß, für die Menschen da zu sein."
Stand: 09.08.2012, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (6)
letzter Kommentar: 10.08.2012, 14:22 Uhr
- Anonym schrieb am 10.08.2012, 14:22 Uhr:
- Mehr Land und weniger Wirte braucht die BRD. Platz für Windräder, Solardächer und Biogasanlagen. Braunkohle ist böse und das weite Land ist gut. Unter dem Land wartet das Gas, gefrackt wird demnächst auf auf Deibel komm raus und nach 7 j-10 Jahren ist auch Gas alle , dann haben wir wieder die böse Braunkohle, weil das Land keine Wirte vom Fach hat aber ineffiziente PV auf dem Dach, ein Windrad darüber und eine Biogasanlage davor. denn Land ist Grün und Braunkohle ist schmutzig. Energie kommt vom Land die Nahrung aus den Chemiefabriken, so wird CO2 wenigstens wieder fest in Körper eingebunden oder landet in Biogasanlage oder......Gespeichert werden in BRD nur die Daten von Bürgern aber nicht notwendige Energie aus erneuerbaren Ressourcen. Warum auch, denn das Land ist flach und eine Scheibe Galileo Galilei ein Ketzer. Alles dreht sich ums Land....
- Hmm schrieb am 10.08.2012, 02:19 Uhr:
- Zumindest sieht sie hübsch aus
- Ausserparlamentarier schrieb am 09.08.2012, 23:33 Uhr:
- "In ihrer Heimat kennt sie Land und Leute, weil sie eine von uns ist und uns auch versteht." Ein typisch inhaltsloser Satz von Herrn MdB Laumann. Tatsache ist jedoch, wenn es keinen Wahlkampf gäbe, wäre Frau Schulze Föcking eine völlig unscheinbare und unbekannte Frau. Nirgendwo hat sie in der Vergangenheit zu zentralen Politikfeldern Positionen vertreten, in Umwelt- und Sozialinitiativen kennt sie kennt Mensch. Kritiklos Röttgen und Merkel folgen und dabei jung sein, sind offenbar beste Vorraussetzungen um in der CDU Karriere zu machen. Jens Spahn ist noch so einer aus dem Münsterland...
- Donald Drunk schrieb am 09.08.2012, 21:07 Uhr:
- Ist Die echt? Die sieht gar nicht haesslich und verbiestert genug aus fuer eine brD-Politkarriere inc. Doppelnamen. Ein Gluecksfall fuer Jene, fuer die ihr zweiter Name zum privaten Parteiprogramm geworden ist.
- CDUWatch schrieb am 09.08.2012, 11:44 Uhr:
- Na ja. Der Beitrag blendet aber ihre bisher groesste politische bauchlandung freundlicherweise komplett aus: die versuchte skandalisierung eines pflanzenschutzskandals in nrw. Obwohl ein weltweites Problem, versuchte sie den in NRW zustaendigen Verbraucherschtminister Remmel von den Gruenen einen Skandal anzudichten, liess sogar den Umweltausschuss des Landtags in den Sommerferien fuer eine Sondersitzung zusammenkommen - um zu erfahren, dass NRW nicht anders vorgegangen ist wie alle anderen Bundeslaender auch. Selbst wdr.de berichtete damals "Schuss ins Kraut". Ein politischer Bumerang fuer das Nachwuchstalent...
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