Sicherheitsbestimmungen in Zoos "Direkter Kontakt bedeutet Lebensgefahr"

Von Katja Goebel

Täglich besuchen Tausende von Besuchern Zoos in NRW - auch um gefährliche Tiere zu sehen. Um die halten zu können, gibt es gesetzlich vorgeschriebene Baumaßnahmen. Zusätzlich verlassen sich Zoos auf Sicherheitsbestimmungen und Notfallpläne.


Eisbär im Gelsenkirchener Zoo
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Besonders gefährlicher Zoobewohner: Ein Eisbär in der Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt - hinter Glas

Die genauen Umstände des Tigerangriffs im Kölner Zoo am Samstag (25.08.2012) ermittelt derzeit die Polizei. Doch welche Sicherheitsbestimmungen gelten eigentlich generell für Zoos? Gibt es einen Zoo-TÜV? Und wie ist der Umgang mit besonders gefährlichen Tieren geregelt? Wie bereiten sich Zoos auf Tierausbrüche vor?

Notfallpläne statt scharfer Munition


Luftbild des Tigergeheges im Kölner Zoo. Markiert sind das Außengehege, ein Wirtschaftsraum und drei Käfige.
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Das Tigergehege im Kölner Zoo: Vom Außengehege gelangen die Tiere durch Schiebetüren in die drei Käfige. Diese Käfige sind untereinander erneut mit Schiebetüren verbunden. Offenbar hat die getötete Pflegerin nicht bemerkt, dass eine der Türen offen war, so dass der Tiger sie beim Reinigen der Käfige anfallen konnte.

"Für Wildtiere im Zoo gelten bauliche Maßnahmen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Gerade bei besonders gefährlichen Tieren bedeutet direkter Kontakt schließlich Lebensgefahr", erklärt Pia Krawinkel, Tierärztin im Gelsenkirchener Zoo. So seien Schleusen vorgeschrieben, damit Tiere, die ihr Gehege verlassen, nicht sofort nach draußen gelangen. Es gebe Schieber, die von außen zu steuern sind und welche die Tiere nicht selbstständig öffnen können. Abnahmen von Gehegen erfolgten durch das Bauordnungsamt. Und die Pfleger, die mit besonders gefährlichen Tieren zu tun haben, müssen besonders geschult sein. "Außerdem gibt es Pläne für den Notfall, die besagen, wer die Polizei anruft, wer die Besucher informiert und welche Tore geschlossen werden müssen." Scharfe Waffen, so wie sie der Zoodirektor in Köln benutzt hat, um den Tiger zu erschießen, seien für Zoos nicht vorgeschrieben und dürften auch gar nicht griffbereit herumliegen, so Pia Krawinkel. "Ganz abgesehen davon, dass man auch mit so einer Waffe umgehen können muss."

Zweiter Mitarbeiter in Rufweite


Löwen im Wuppertaler Zoo
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Löwen im Wuppertaler Zoo

"Auch bei uns gibt es einen Sicherheitsplan Tierausbruch", erklärt André Stadler vom Wuppertaler Zoo. Darin sei genau geregelt, wer bei einem Notfall was zu tun habe. Grundsätzlich aber seien Schieber, Schlösser und Türen doppelt, teilweise dreifach gesichert. "Es gibt da nicht nur eine Prüfinstanz, sondern mehrere", so Stadler. So würden zum Beispiel nicht nur Berufsgenossenschaften Sicherheitspläne des Zoos prüfen, sondern auch ein Sicherheitsausschuss der Stadt. "Schleusen und Tore werden von Pflegern immer vor der Arbeit gecheckt und regelmäßig gewartet. Bei der Arbeit in der Nähe besonders gefährlicher Tiere - wie Menschenaffen, Elefanten und großen Raubkatzen - müsste ein zweiter Mitarbeiter mindestens in Rufweite sein. "Natürlich haben wir einen gefährlichen Beruf", so Stadler. "Aber ein Berufskraftfahrer ist einem größeren Risiko ausgesetzt als wir. Bei Autounfällen gibt es nur kein solches Medienecho."

TÜV-Siegel ist die Ausnahme

Freiwillig für Zoos ist hingegen eine Zertifizierung durch den TÜV. "Wir haben als ersten Zoo in Deutschland den Münchener Tierpark Hellabrunn zertifiziert", erklärt Monika Flierl vom TÜV Rheinland. "Dies war allerdings keine Arbeitssicherheitsprüfung, sondern es ging um das Qualitätsmanagement des Zoos." Dabei wurde nicht geprüft, ob die Schließanlagen technisch funktionieren, aber es wurde auf das Notfallkonzept geguckt. "Es wurde genau unter die Lupe genommen, ob im Falle eines Raubtierausbruchs die Zuständigkeiten klar geregelt sind. Im Münchener Tierpark Hellabrunn beispielsweise wird auch während der Öffnungszeiten der Ernstfall geübt. Ein Angestellter des Zoos wird mit einem Raubtierkostüm verkleidet und der Alarmplan wird geprobt", so Monika Flierl, "Ich kenne das Sicherheitskonzept des Kölner Zoos nicht, aber augenscheinlich hat auch dort die Kommunikation funktioniert. "Die Besucher sind gebeten worden, den Zoo zu verlassen und das scheint geklappt zu haben. Es brach jedenfalls keine Panik unter den Besuchern aus."


Stand: 27.08.2012, 13.45 Uhr


Kommentare zum Thema (43)

letzter Kommentar: 30.08.2012, 15:55 Uhr

Oseline schrieb am 30.08.2012, 15:55 Uhr:
Ich habe Freude an den Kurzfilmchen über die Tiger des Kölner Zoos. Es gibt dazu im Internet etliche. Aber was nicht im Fernsehen läuft, existiert vermutlich für einige nicht, die sich Bilder nach eignen Wünschen ausmalen möchten. Ich bin nun überzeugt, dass sich die Tiere in ihrem Gehege sehr wohl fühlen. Wenn ein sog. Experte meint, Tiere des Tierparks seien Verhaltensgestört, dann ist das seine Meinung, die evtl. auf Tiger des Kölner Zoo bezogen, für mich nicht anspricht. Ich sehe diese schönen Tiere als gesunde und gut gepflegte Tiere mit Freude im Wasser spielen, auf warmen Steinen in der Sonne liegen, oder im Schatten der Bäume ruhen. Ein schnelle spielerische Jagd untereinander ist möglich, usw. - Vergleichsweise haben es Menschen, die arm gehalten werden, enger. Eine kleine Wohnung, der Weg zur Arbeit, oder keiner, lieblos-unterkühlt zwischenmenschliche Beziehungen. Abgewöhnungsbedürftig und offensichtlich zu ändern sind diese miefigen Bedingungen - nicht. - Menschenfreund
nrw01 schrieb am 30.08.2012, 13:25 Uhr:
Vor dem Kölner Vorfall war im TV auch ein Fall aus den Staaten, in dem ein Pfleger von einem oder sogar zwei Löwen angegriffen wurde. Der oder die Löwen wurden nur deshalb nicht erschossen, weil ein anderer Pfleger geistesgegenwärtig einen Wasserschlauch benutzt hat und der Pfleger so nicht weiter angegriffen wurde. Da war der Zoodirektor auch schon mit einer geladenen Waffe auf dem Weg zum Wildtiergehege..
WDR.de schrieb am 30.08.2012, 09:56 Uhr:
Posting wurde entfernt. Bitte tragen Sie zum Thema des Artikels bei
Respekt schrieb am 29.08.2012, 13:47 Uhr:
Der Tiger ist schuld. Die Pflegerin ist schuld. Der Direktor ist schuld. Der Zoobesucher ist schuld. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh. Sicher hatte der Tiger nur eine schwere Kindheit. Halloooooooo? - Ein Raubtier bleibt ein Raubtier und so tragisch dieses schreckliche Ereignis ist: Ich werde trotzdem wieder in den Zoo gehen. Und wer den wilden Tieren durch einen zweiten Pfleger noch den Nachtisch gönnt ist ein guter Mensch. Es gibt Jobs die mindestens genauso gefährlich sind und für alle die solche Jobs ausüben: Chapeu (mit gaaaaaaanz tiefer Verneigung). Aber tut bitte nicht in der Überzahl so, als wäre so ein Ereignis wie im Zoo niemals vorstellbar gewesen.
karl schrieb am 29.08.2012, 07:03 Uhr:
gaebe es keine zoo's,wuessten manche menschen gar nicht wie bestimmte tiere aussehen. nachzuchten helfen das keine oder nicht mehr so viel tiere aus der natur geholt werden muessen.ausserdem unterstuetzen zoos auch projekte in den laendern afrkas und asiens. wie man hoert gibt es von den sib. tigern in freiheit nicht mehr so viel? und in koeln gab es nachwuchs.ist doch schoen,oder?

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