Statistik im Selbstversuch: Der Tag in Zehn-Minuten-Einheiten
24 Stunden hat ein Tag - aber was fängt man damit an? Die Statistiker wollen es genau: Ab Mittwoch (01.08.2012) sollen Testpersonen drei Tage lang genau aufschreiben, was sie wann tun. Das bringt Daten - und ganz persönliche Erkenntnisse. Ein Selbstversuch vorab.

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Vom Weckerklingeln bis zum Schlafengehen: Die Statistiker wollen es genau wissen.
Das darf ja wohl nicht wahr sein! 5.30 Uhr, und der Wecker klingelt. Raus, auf zur Arbeit! Aber stopp: Da war doch was - richtig, das Tagebuch. Wo ist der Kuli? Und wo ist diese Liste?! Ich versuche, meine Augen auf "wach" zu stellen, und kritzele in die Spalte neben "5.30-5.40": "Aufstehen, Bad". Was für eine Anstrengung am frühen Morgen - und das war erst der Anfang. Als ich mich aus dem Bett rolle und unter die Dusche wanke, beschleicht mich schon die Ahnung: Die drei Tage mit der Liste werden verdammt anstrengend.
Wo bleibt die Zeit?
Dabei klingt alles so einfach: Drei Tage lang soll ich genau aufschreiben, was ich wann tue und mit wem, auf 30 Din-A4-Bögen, die mir der Landesbetrieb "IT.NRW" geschickt hat. Ein Liste wie jene, die die rund 3.000 Freiwilligen bekommen, die ab Mittwoch (01.08.2012) im Auftrag des Bundes an der dritten "Erhebung zur Zeitverwendung" teilnehmen und damit wie 1991 und 2001 Daten bereitstellen, die Wissenschaftler und Politiker brennend interessieren. So lange will ich nicht warten: Am Donnerstag (21.06.2012) beginnt der Selbstversuch. Denn wie hieß es in der Meldung der NRW-Statistiker: "Die Teilnahme an der Erhebung gibt Ihnen die Möglichkeit darüber nachzudenken, wie Sie Ihre Zeit verbringen und womit Sie die Zeit lieber verbringen würden." Das hat den Ausschlag gegeben: Ich wollte schon immer einmal wissen, wo meine Zeit eigentlich bleibt.
Erste Erkenntnis: Langes Fernsehen am Abend rächt sich

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Viel Arbeit, viel Kaffee
Also raus aus dem Bad und runter in die Küche: "5.40-6.10: Frühstück, Zeitung lesen." Soviel Zeit muss sein, ich muss erst wach werden, ehe ich ins Auto steige. "6.30-7.10: Fahrt zur Arbeit, Radiohören." Das geht heute schneller als sonst, wo ist der Stau in der Innenstadt? Vier Etagen hoch in die Redaktion, Computer anwerfen, "7:30-14.30: Büroarbeit". Dass ich heute über die WestLB schreibe und über das Kraft-Kabinett, interessiert die Statistiker nicht. Der Gang zur Kaffeemaschine schon: Das werten sie als "Pause". Viermal im Laufe des Vormittags trage ich "Kaffee holen" ein. Tag eins, erste Erkenntnis: Ich sollte vielleicht abends nicht so lange fernsehen.

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Dieselben Handgriffe, wieder und wieder
"15.00-15.10: Unterhaltung mit Kollegen". Das war's für heute, jetzt geht es wieder nach Hause, zum Einkaufen und Kochen. Die Liste ist immer dabei: "Mit der Tante telefonieren", schreibe ich auf, denn die Statistiker fragen auch nach sozialen Kontakten, und: "Zeitung lesen". Die umgekippte Sahne im Kühlschrank erwähne ich nicht, es dauert ja nur eine Minute, die zu beseitigen. Wäsche abhängen, Spülmaschine beladen, Katze füttern - eigentlich auch keinen Eintrag wert. Die Statistiker wollen nur Tätigkeiten sehen, die mindestens zehn Minuten dauern. Aber auf der faulen Haut habe ich ja nicht gelegen - und so klemme ich alles in eine Zeile.
Zweite Erkenntnis: Surfen frisst Zeit
Der Abend klingt aus mit Fernsehen - etwas weniger als sonst. Das liegt einerseits an der neugewonnenen Erkenntnis vom Vormittag. Andererseits ist es mir auch peinlich, so lange auf dem Sofa zu liegen und "nichts" zu tun. Aber soll ich mogeln und schreiben, dass ich ein Buch gelesen habe? Nein, lieber gehe ich um 21 Uhr an den Computer, starte eine kleine Recherche, um mich für den nächsten Tag vorzubereiten. Und checke schnell die Mails. Dann noch auf Facebook mit meiner Tochter chatten, ein Rezept für das Abendessen morgen suchen - was, schon 22.30 Uhr? Ich habe es geahnt, jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Surfen ist ein Zeitfresser. Und früher im Bett bin ich jetzt auch nicht.
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Stand: 01.08.2012, 06.00 Uhr
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