Zeitumstellung am Wochenende: Der ewige Zeit-Streit
In der Nacht von Samstag auf Sonntag (28.10.2012) ist die Sommerzeit in den meisten europäischen Ländern zu Ende gegangen. Die Uhren wurden um eine Stunde zurückgedreht und die Normalzeit begann. Die Zeitumstellung ist seit Jahren umstritten. Doch was wiegt schwerer: Schaden oder Nutzen?

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Sonntagnacht wird die Zeit um eine Stunde zurückgedreht
Im März 2007 waren die Bundestagsfraktionen der Grünen und der FDP ausnahmsweise einer Meinung. Es ging um den FDP-Antrag "Bürokratie abbauen - Zeitumstellung abschaffen und Sommerzeit permanent einführen". Die Abgeordneten der Union und der Sozialdemokraten stimmten gegen den Antrag. Die Linke enthielt sich. Eine breite politische Mehrheit für die Abschaffung der Zeitumstellung hat sich bis heute nicht formiert, obwohl es in allen Parteien Befürworter gibt – selbst in der CDU. "Die Sommerzeit macht keinen Sinn", sagte der CDU-Europaparlamentarier Herbert Reul am Freitag (26.10.2012) auf WDR 2. Wenn es nach ihm ginge, würde die Normalzeit, die auch als Winterzeit bezeichnet wird, ganzjährig gelten.
Auch in der Bevölkerung gibt es viele Gegner der Zeitumstellung. Sie halten die im Jahr 1980 eingeführte Sommerzeit für unnütz bis gesundheitsschädlich. Die Bürgerinitiativen heißen "Initiative Sonnenzeit" oder "Initiative zur Abschaffung der Sommerzeit" und kämpfen seit Jahren mit Unterschriftenlisten und Online-Petitionen gegen die Zeitumstellung – bisher ohne Erfolg.
"Die Zeitumstellung bringt nichts"
Der einstige Grund für die Einführung der Sommerzeit war die Vermutung, dass dadurch Energie gespart werden könne. Allerdings ist der gewünschte Energiespareffekt bis heute nicht erwiesen. Das sagt auch Uwe Weber, Sprecher des Umweltbundesamts: "Die Zeitumstellung bringt nichts und ist nach Einschätzung unserer Experten als neutral einzustufen." Dass mehr Energie verbraucht werde, kann Weber nicht bestätigen. Durch die Zeitumstellung verschiebe sich lediglich die Energienutzung. Wenn das Licht am Abend erst später angeknipst wird, wird dafür in den kalten Morgenstunden mehr geheizt.

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Frauen leiden häufiger unter dem Mini-Jetlag als Männer
Obwohl der Nutzen der Zeitumstellung anzuzweifeln ist, schadet sie den meisten Menschen kaum, erklärt der Mediziner Dieter Kunz von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Er ist Sprecher der DGSM-Arbeitsgruppe Chronobiologie und erforscht die die innere Uhr des Menschen. "Die Zeitverschiebung hat kaum Auswirkungen auf die meisten Menschen. Rund siebzig Prozent der Bevölkerung merken gar nichts bei einer Stunde Zeitverschiebung." Manche klagen über einen Mini-Jetlag.
Der Mini-Jetlag macht müde, aber nicht krank
Der Mini-Jetlag führe zwar bei einigen Menschen zu Befindlichkeitsstörungen, das heißt sie fühlen sich müde, haben Verdauungsschwierigkeiten, leichte Kopfschmerzen oder leichtes Schwindelgefühl, aber der Mini-Jetlag mache nicht krank, so Kunz. Nach ein paar Tagen habe sich der Körper an die Zeitverschiebung gewöhnt. Erst wenn die innere Uhr regelmäßig aus dem Rhythmus kommt, wie es bei Schichtarbeitern der Fall ist, könne dies zu einer dauerhaften Störung des Biorhythmus' und zu ernsthaften Tumor-Erkrankungen führen. Ob die Zeitumstellung manchen Menschen längerfristig Probleme mache, sei bislang nicht bekannt. "Das hat einfach noch niemand untersucht", so Kunz.

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Tiere gewöhnen sich schnell an die Zeitumstellung
Die Landwirte haben inzwischen keine Probleme mehr mit der Zeitumstellung. "Landwirte können gut mit der Zeitumstellung umgehen. In Übergangsphasen werden die Tiere an die neue Zeit gewöhnt und die Melkzeiten werden angepasst", so Bernhard Lütke Entrup vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband. Nennenswerte Einbußen hätten die Landwirte durch die Zeitumstellung nicht zu beklagen, so Lütke Entrup.
Russland als Vorbild?
Trotz Bürgerinitiativen und Gegnern der Zeitumstellung in allen politischen Lagern, ist es unwahrscheinlich, dass Deutschland den russischen Weg gehen wird. In Russland wurde die Winterzeit im vergangenen Jahr vom damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew abgeschafft. Die deutschen Zeitumstellungs-Gegner wissen, dass ein Alleingang Deutschlands nicht möglich ist, sondern eine EU-weite Lösung gefunden werden muss. Bis dahin wird die Zeit weiterhin zweimal im Jahr in Braunschweig umgestellt - an der Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.
Stand: 28.10.2012, 10.01 Uhr
- Audio: "Die Sommerzeit ist sinnlos" [WDR 2] Jürgen Mayer / Herbert Reul, WDR 2 Morgenmagazin
Kommentare zum Thema (48)
letzter Kommentar: 29.10.2012, 14:56 Uhr
- Bürger schrieb am 29.10.2012, 14:56 Uhr:
- Totaler Blödsinn - sofort abschaffen!!!
- Erfinder schrieb am 29.10.2012, 09:18 Uhr:
- andrea schrieb heute, 07:14 Uhr: Aber was 30 Jahre blödsinnig war, wird so bleiben - so ist es halt. jenau, wie 16 Jahre Kohl.
- andrea schrieb am 29.10.2012, 07:14 Uhr:
- Ich finde diese Umstellerei völlig sinnfrei. Jetzt - im Herbst - müssen Arbeitnehmer, die auch noch auf den ÖPNV angewiesen, in völliger Dunkelheit das Haus verlassen - möchte denjenigen sehen, der in dieser Jahreszeit Balkon, Garten oder Terrasse genießt! In der dunklen Jahreszeit fährt der Körper doch sowieso "Sparmodus" - was muß es da bis 21 Uhr hell sein? Dafür gibt es Licht in der Wohnung. Aber was 30 Jahre blödsinnig war, wird so bleiben - so ist es halt.
- Arno schrieb am 29.10.2012, 07:08 Uhr:
- Die Zeitumstellung gehört wohl zu den unsinnigsten Ideen, die man sich im Europaparlament ausgedacht hat. Keine Vorteile, nur Nachteile (Stichwort Biorhythmus, Fahrpläne ...) Bedenklich ist, dass es fast unmöglich zu sein scheint, diesen Blödsinn rückgängig zu machen, obwohl alle wissen, dass es ein solcher ist. Traut sich keiner, zuzugeben, dass man damals einen Fehler gemacht hat?
- Hein Mück schrieb am 28.10.2012, 17:21 Uhr:
- Tolle Beiträge hier zu lesen. Zum Glück ist die Umstellung EU-Recht, das bedeutet, daß für eine Änderung (z.B. Abschaffung) alle (z.Zeit 27 Staaten) dafür stimmen müssen. Das wird es sooo schnell nicht geben.
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