Nach der Sprengung einer Fliegerbombe Viersen knirscht

Von Robert Franz

Nach der kontrollierten Explosion einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kehrt die Kreisstadt am Niederrhein zum Tagesgeschäft zurück. Das besteht vor allem aus Fegen, denn über der Stadt haben sich 30 Kubikmeter Sand verteilt.

Jeder Windzug in der Fußgängerzone nervt die Menschen, die dort unterwegs sind. Instinktiv reiben sie sich die Augen. Sand wird auch zwölf Stunden nach der Sprengung der Bombe umhergewirbelt, wenn der Wind durch die Blätter der Straßenbäume weht. Sand liegt auch auf den Tischen der Bäckerei um die Ecke. "Ich hab da schon bestimmt fünf Mal drüber gewischt", sagt die Verkäuferin ein wenig entnervt. "Der Sand ist echt das Schlimmste."

"Glück gehabt"


Broschüren sind mit Sand bedeckt
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Nerviger Sand ist überall

Die Bombe ist am Dienstagvormittag (18.09.2012) das alles bestimmende Thema in der kleinen Stadt. Jeder hat etwas zu erzählen. "Wir haben Glück mit unserem Flachdach gehabt, da ist alles drüber gegangen", berichtet eine Kundin, während sie ihr Brot kauft. Vor dem Laden weht rot-weißes Flatterband. Das Glasdach des benachbarten Bekleidungsgeschäfts hat es schwer getroffen. Steinbrocken haben das Sicherheitsglas platzen lassen. Handwerker sind dabei, die Reste aus der Fassung zu lösen. Mit einem dumpfen Knall schlagen die Scheiben auf dem Boden auf. Doch die Blicke der Passanten sind auf die andere Straßenseite gerichtet.

Schäden werden ermittelt


Arbeiter spricht mit Passanten
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Genervte Passanten beklagen sich über den Sand

Bauzäune sichern dort die geborstenen Schaufensterscheiben der Geschäfte. Eine Anwohnerin erkundigt sich bei den Mitarbeitern des Ordnungsamtes, wann sie zurück in ihre Wohnung kann. "Da ist noch alles drinnen - ich hätte nicht gedacht, dass die Bombe solche Auswirkungen hat." Ein Blick durch die Ladenlokale offenbart das Ausmaß. Im Kinderbekleidungsgeschäft fehlt die Rückwand. Drei Häuser weiter steht Burkhard Wolters in seinem Geschäft. Gerade erst ist sein Versicherungsmakler hereingekommen, um die Schäden aufzunehmen.

Inventar ist zerstört


Portrait von Burkhard Wolters
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Optiker Burkhard Wolters

Während draußen die Aufregung groß ist, wirkt der 74-jährige Optiker ungewöhnlich gelassen. "Das ist aber eine Überraschung", hat er im ersten Moment gedacht, als er am Morgen das Geschäft betreten hat, oder vielmehr das, was davon übrig geblieben ist. Dass er sich der allgemeinen Aufregung nicht anschließt, erklärt Wolters damit, dass er gut versichert sei. "Es ist ja auch keiner zu Schaden gekommen." Mit jedem Schritt ins Innere offenbart sich das Ausmaß der Zerstörung. Eine Glastüre in die Werkstatt ist nur noch an den Angeln zu erkennen. Und die Werkstatt existiert eigentlich gar nicht mehr. Die Decke ist zur Hälfte eingestürzt. Die Geräte liegen unter einem Haufen Steine. Das Jugendstilhaus ist eines der wenigen in der Innenstadt, das den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Nun muss der Anbau des Hauses abgerissen werden.

Am Wochenende soll es weitergehen


Schäden
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Die Werkstatt hat es besonders schlimm getroffen

Wie hoch der Schaden ist, kann Optiker noch nicht abschätzen. "Die Geräte sind alle hin." Dennoch bleibt Wolters gelassen. Das Bild seines Urgroßvaters hängt immer noch an der Wand. Er hatte das Traditionsgeschäft gegründet. Das betrachtet der 74-Jährige offenbar als persönlichen Ansporn: "Am Wochenende werden wir wohl wieder aufmachen." Dann soll der Zugang zur Werkstatt erst mal mit einem Brett verschlossen werden. Bis Wolters dort wieder arbeiten kann, werden Wochen oder Monate vergehen.

Sand im Laptop
Laptop und Kamera auf einem Tisch

Der Sand in Viersen hat auch unserem Reporter Robert Franz das Arbeiten erschwert. Dabei hatte er sich vorgenommen, seine Arbeitsgeräte nie mit an den Strand zu nehmen. Da ist jetzt erst einmal eine Grundreinigung angesagt.


Stand: 18.09.2012, 14.50 Uhr


Kommentare zum Thema (10)

letzter Kommentar: 19.09.2012, 16:36 Uhr

Kleingeister schrieb am 19.09.2012, 16:36 Uhr:
Ehe sich hier User im Forum lustig machen über einen Mit-Foristen, der möglicherweise die deutsche Sprache nicht virtuos beherrscht, sollten sie sich lieber Gedanken darüber machen, wie solche Mitbürger besser integriert werden können, auch in sprachlicher Hinsicht. So viel zum Thema Toleranz. Gratuliere! Und viel Spaß beim nächsten Mallorca-Urlaub, wenn's mal mit der Essensbestellung auf Spanisch nicht so klappt.
Anonym schrieb am 19.09.2012, 16:24 Uhr:
Lieber WDR, darf denn hier jeder jeden Mist schreiben? Menschen, die keine Ahnung haben über Schadensregulierung regen sich auf, sind wahrscheinlich nicht einmal betroffen. Dem ganzen die Krone setzt dann der Kommentar von M. Pastors auf. Ist das jetzt der neue Stil vom WDR? Aber nun zum Thema: Gott sei Dank wurden keine Menschen verletzt, auch wenn der Sachschaden erheblich zu sein scheint. Aber dieser Schaden ist versichert. Ist zwar ärgerlich, wenn's mich getroffen hat, aber wenigstens bleibe ich nicht auf den Kosten sitzen.
WDR.de schrieb am 19.09.2012, 15:33 Uhr:
Kommentar gesperrt. Bitte diskutieren Sie sachlich.
werner schrieb am 19.09.2012, 10:29 Uhr:
Feststellen wer die Bombe im 2ten Weltkrieg geschmissen hat und den Schadenersatzansprüche an das Land stellen.
OMG schrieb am 19.09.2012, 03:27 Uhr:
Kapiert ihr das eigentlich nicht? Man kann auch googeln. Für die Schäden kommt das Land/Bund auf, da braucht ihr nicht ständig die gleichen und unsinnigen Fragen zu stellen. Und wieso stellt ihr die eigentlich? Seid ihr Betroffene?

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