Fünf Menschen erlitten Brandwunden Verpuffung im Chemie-Unterricht

Ein fehlgeschlagenes Experiment während des Chemie-Unterrichts hat am Montagmorgen (29.10.2012) in einer Paderborner Realschule zu einer Verpuffung geführt. Dabei wurden der Lehrer und vier Schüler verletzt, ein Zwölfjähriger erlitt schwere Brandwunden.


Papiertücher und Verbandsmaterial im Klassenraum
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Papiertücher und Verbandsmaterial im Klassenraum

Die Verpuffung ereignete sich am Montag (29.10.2012) gegen 8.30 Uhr im Chemieunterricht einer siebten Klasse der Lise-Meitner-Realschule in Paderborn. Das teilte ein Polizeisprecher WDR.de mit. Ein zwölfjähriger Junge erlitt dabei so schwere Brandwunden, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen wurde. Lebensgefahr bestünde jedoch nicht, sagte der Polizeisprecher. Auch der 28-jährige Lehrer sowie drei weitere Jungen zwischen zwölf und 13 Jahren erlitten Brandverletzungen. Sie wurden in Paderborner Kliniken gebracht. Der 28-Jährige und zwei Schüler konnten die Klinik kurze Zeit darauf wieder verlassen.

Schüler mit Decke gelöscht


Lise-Meitner-Realschule in Paderborn
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Die Lise-Meitner-Realschule in Paderborn

Der 28-Jährige habe ein sogenanntes Lehrer-Experiment vorgeführt, sagte der Polizeisprecher. "Der Lehrer stand vorne und hat etwas vorgemacht." Die Verpuffung in der ersten Unterrichtsstunde habe die Schüler in den vorderen Sitzreihen verletzt. Einen Schüler habe der Chemielehrer nach dem missglückten Experiment mit einer Decke löschen müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Seelsorger und zwei Klassenlehrer betreuten die übrigen 20 Kinder nach Angaben der Schulleitung.

Experiment mit Spiritus

Um was für ein Experiment es sich genau handelte und wieso es missglückte, konnte der Polizeisprecher zunächst nicht sagen. Nach Angaben der Feuerwehr soll Spiritus eine Rolle bei dem Versuch gespielt haben. "Es war wohl eine Lösung mit Brennspiritus und Wasser hergestellt worden", sagte ein Sprecher. Nach Schilderungen der Schüler sei immer weiter Spiritus zugefügt worden, um zu zeigen, ab welchem Mischungsverhältnis es brenne.

Der junge Chemielehrer sei selbst Gefahrstoffbeauftragter an der Realschule, sagte deren Leiterin Cornelia Pongratz gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Sie könne sich derzeit nur vorstellen, dass es ein Unglück war und der Lehrer nicht fahrlässig gehandelt habe. Jetzt müssten die Verantwortlichen in aller Ruhe analysieren, was schief gelaufen sei, sagte Pongratz.


Stand: 29.10.2012, 15.26 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 31.10.2012, 17:09 Uhr

Jens schrieb am 31.10.2012, 17:09 Uhr:
Ja, natürlich sollte Chemie in der Schule verboten werden. Genauso wie Sport. UNd Deutsch auch, man könnte ja einen Schreibkrampf bekommen... Leute, bleibt mal auf dem Teppich :) Unfälle passieren immer wieder, überall. Dann sollte man alles verbieten, dann passiert auch nix. Den Betroffenen gute Besserung.
Dieter Breuer schrieb am 30.10.2012, 10:58 Uhr:
Mein Chemieunterricht liegt zwar schon Jahre zurück, aber Lehrer- und Schülerversuche gehören einfach dazu. Diese sind auch nicht durch eine Präsentation oder einen Filz zu ersetzten. Genausowenig wie Turnen durch einen Film vom Turnen zu ersetzen ist (nur um ein Beispiel zu nennen). Das Leben ist nun mal keine völlig gefahrlose Kuschelveranstaltung.
Carolin schrieb am 30.10.2012, 08:41 Uhr:
Wie kommt man denn dazu, zu fordern, dass das verboten werden soll? Ich möchte nicht in Frage stellen, dass das was passiert ist schlimm ist. Aber vielleicht mal ein paar allgemeine Gedanken dazu. Wie hoch ist die Chance von einem Unfall im Chemie-Unterricht betroffen zu sein? Wie hoch ist dagegen das Risiko im Schulsport oder gar auf dem Schulweg verletzt zu werden? Vielleicht wäre es sicherer für unsere Kinder - sicherer für uns alle - Autos zu verbieten? Einen guten Überblick über das Unfallgeschehen an Schulen liefert die Statistik "Schülerunfallgeschehen 2010" der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung): (Anm. d. Red.: link gelöscht). Auch wenn es für die Betroffenen schlimm ist, Unfälle im Chemie-Unterricht sind mit Sicherheit nicht die Regel. Meiner Meinung nach, sollte man sich vielleicht manchmal überlegen wo die wirklichen Lebensrisiken liegen, bevor man nach Verboten schreit.
Jonas schrieb am 30.10.2012, 05:31 Uhr:
In der heutigen Zeit gehören Experimente im Chemieunterricht verboten. Dafür gibt es tolles Anschauungsmaterial in Form von Filmen, Videos und Powerpoint Präsentationen. Niemand muss heute sein Leben und seine Gesundheit bei gefährlichen Versuchen im Chemieunterricht aus Spiel setzen. Ich hoffe, die Schüler und der Lehrer tragen keine bleibenden Schäden davon. Der Lehrer gehört trotzdem angezeigt und zur Verantwortung gezogen.
Bernd Weber schrieb am 30.10.2012, 01:22 Uhr:
Die Beschreibung des Experiments klingt irgendwie nicht sehr plausibel. Brennspiritus ist im allgemeinen hochprozentiger Alkohol (Ethanol), der aus steuerrechtlchen Gründen vergällt ist. Ethanol ist problemlos in jedem Verhältnis mit Wasser mischbar. Justus von Liebig hat in einem Prozess gegutachtet, in dem es um eine angebliche Selbstentzündung einer Dame ging, die einem Schnäpschen nicht abgeneigt war. Mithin entzündet sich bei einem einfachen Mischen von Brennspiritus mit Wasser nichts. Es war also wohl noch was anderes im Spiel. Angesichts der massiven Brandverletzungen war wohl auch eine größere Menge Spiritus im Spiel. Bei Unterrichtsvorführungen dieser Art sollte man die Substanzmengen groß genug halten um den gewünschten Effekt zu demonstrieren, aber auch so klein, dass nicht mit bösen Überraschungen zu rechnen ist. Schutzscheibe und genügend Abstand vom Experiment hätte auch geholfen.

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