Politiker debattieren Krankenhausskandal: Kritik an Kliniken, Applaus für Meisner
Die Parteien im NRW-Landtag rügen, dass eine junge Frau nach einer Vergewaltigung von zwei katholischen Kliniken in Köln abgewiesen wurde. Gesundheitsministerin Steffens fordert eine bundesweite Regelung, um die volle Versorgung in christlichen Krankenhäusern sicherzustellen.

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Wies Opfer ab: Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln
Scharfe Kritik von Rot-Grün und Piraten, etwas mildere Töne von CDU und FDP: Der Landtag in Düsseldorf debattierte am Mittwoch (23.01.2013) über die umstrittene Entscheidung zweier katholischer Kliniken in Köln, eine vergewaltigte Frau abzuwimmeln. Die Piraten hatten das Thema auf die Tagesordnung des Landesparlaments gesetzt. Alle fünf Fraktionen betonten in verschiedenen Anträgen, ein solcher Fall dürfe sich nicht wiederholen.
Steffens will mit dem Bund reden

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Sieht Klärungsbedarf: Ministerin Steffens
Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sprach von einem "skandalösen Vorgang" in Köln. Der Fall müsse weiter aufgeklärt werden. Es gebe außerdem "grundsätzlichen Klärungsbedarf". Steffens forderte eine bundesweite Regelung, da es sich nicht um ein NRW-Problem handele: "Eine Frau, die nach einer Vergewaltigung in einem Krankenhaus zur stationären Behandlung aufgenommen wird, muss dort die Möglichkeit erhalten, selbstbestimmt über die Einnahme einer 'Pille danach' zu entscheiden." Dies hält die Ministerin "für zwingend notwendig, denn die Verfügbarkeit einer 'Pille danach' kann ein entscheidender Faktor zur psychischen Stabilisierung eines Opfers von sexueller Gewalt sein". NRW werde darum Gespräche mit Bundesgesundheitsministerium, Bundesärztekammer und Klinikgesellschaften suchen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind rund 70 Prozent der landesweit insgesamt 400 Krankenhäuser und Kliniken konfessionell.
In der Debatte musste die Kirche reichlich Kritik einstecken. "Ein katholisches Krankenhaus, das Steuergelder aus dem Landeshaushalt bekommt, hat eine Behandlungspflicht allen Hilfsbedürftigen gegenüber - unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Glauben", kritisierte Lukas Lamla, gesundheitspolitischer Sprecher der Piratenfraktion. Durch das Verhalten der Kliniken sei die vergewaltigte Frau "zum zweiten Mal zum Opfer geworden", sagte die SPD-Abgeordnete Daniela Jansen. Sie zeigte sich "empört" über das Gebaren der kirchlichen Kliniken.
CDU-Applaus für Meisners Entschuldigung
Etwas dezenter fiel die Kritik an der Kirche bei den Christdemokraten aus. Die CDU-Abgeordnete Regina van Dinther betonte einerseits, einem Vergewaltigungsopfer müssten in Krankenhäusern "alle Hilfen" zur Verfügung stehen. Zugleich verteidigte sie grundsätzlich das Ziel der Kirche, das ungeborene Leben zu schützen. Zwar werde die "Pille danach" in katholischen Kliniken nicht angeboten, aber der Hinweis auf diese Möglichkeit sei auch dort Teil der Beratung von Vergewaltigungsopfern. Den lautesten Applaus von den CDU-Abgeordneten gab es, als van Dinther darauf hinwies, der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner habe sich bei der Frau entschuldigt.
Die FDP-Abgeordnete Susanne Schneider stellte heraus, die Kölner Staatsanwaltschaft habe sich gegen Ermittlungen entschieden, weil sie eben keine unterlassene Hilfeleistung sehe. Wie Dinther warnte auch die FDP davor, katholische Kliniken nun unter Generalverdacht zu stellen. Der Fall müsse aber gleichwohl "umfassend aufgeklärt" werden. Schneider zeigte sich verwundert, dass die zunächst vom Opfer eingeschaltete Ärztin nach der ersten Absage einer kirchlichen Klinik erneut bei einem katholischen Krankenhaus in Köln angefragt habe. In einer Mitteilung erklärte unterdessen das Steffens-Ministerium, nach "krankenhausaufsichtsrechtlichen Prinzipien" liege im Kölner Fall kein pflichtwidriges Verhalten vor. Die Aufklärung des Vorgangs sei aber "noch nicht abgeschlossen".
Stand: 23.01.2013, 18.00 Uhr
- Entschuldigung bei Vergewaltigungsopfer: Kardinal Meisner: Ein beschämender Vorgang (22.01.2013)
- Nach Abweisung von Vergewaltigungsopfer: Sanktionen für katholische Krankenhäuser? (22.01.2013)
- Vergewaltigungsopfer in Köln abgewiesen: Katholische Krankenhäuser verweigern Untersuchung (17.01.2013)
- Audio: Aufregung über Richtlinie an katholischem Krankenhaus: Vergewaltigungsopfer nicht behandelt (17.01.2013) Michael Karhausen / Stefan Vogt, WDR 2 Mittagsmagazin
Kommentare zum Thema (25)
letzter Kommentar: 25.01.2013, 07:40 Uhr
- Schluss mit schrieb am 25.01.2013, 07:40 Uhr:
- dem outsourcing Staatlicher Aufgaben!Schluss mit Staatlichen Geldern an Religionsgemeinschaften!Krankenhaeuser,Schulen und Kindergaerten gehoeren in Staatliche Haende!Grundgesetz reinigen von Religion-Artikel 140GG abschaffen.Praeambel ohne Gottesbezug!Keine Sondergesetze fuer Religionsgemeinschaften!Jeder Psychater und jeder Richter wuerde Menschen mit derartigem ausgefeilten Wahnsystem,sofern ohne den "Stempel Religion",als Gefahr fuer sich und die Gemeinschaft dauerhaft in die Psychatrie einweisen!
- Silvia schrieb am 24.01.2013, 20:50 Uhr:
- Wie lange wollt ihr unrecht richten/und die Gottlosen vorziehen?Psl.82,2Pocht nicht so hoch auf eure Gewalt,/redet nicht so halsstarrig!Psl.75,6So geht es jedem,der Gott vergisst,und die Hoffnung des Ruchlosen wird verloren sein. Hiob,8,13.So seid nun verständig,ihr Könige,/und lasst euch warnen,ihr Richter auf Erden!Psl.10.Kann etwa ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther seine Flecken?So wenig könnt auch ihr Gutes tun,die ihr ans Böse gewöhnt seid Jerm.13,23
- Georg Henrici schrieb am 24.01.2013, 19:44 Uhr:
- Katholiken unterliegen in erster Linie ihrem Gewissen. In Sexualfragen brauchen sie sich nichts von Zölibatären vorschreiben zu lassen.
- Anonym schrieb am 24.01.2013, 19:25 Uhr:
- Den streng katholischen Befürwortern der kath.-ethischen Krankenhäuser in unserem Lande sollte ein Artikel aus dem Guardian gezeigt werden(Britische Zeitung) welcher um die Welt geht(Spiegelz.B oder The Hindu in Indien) über eine Summe von Mussolini an Vatikan (für Anerkennung seiner Regierung seitens des Vatikans)gezahlt und deren Anlagen in wachsendes Vermögen. Dabei macht der Vatikan ein Riesengeheimnis und alle fragen sich, ob das alles eine Religionsgemeinschaft unter dem Mantel der Religionsfreiheit zu verbergen hat? Wer meint, Angestellte und Kunden der Einrichtungen mit kirchlichem Träger sind vom Staat zu bezahlen aber nach anderen Gestzen zu führen, der sollte die Kirchen alle bezahlen lassen, denn das Geld haben sie und trotzdem die gesetzlichen Standards des Arbeits-, Erziehungs-oder Medizirechtes einfordern. Es wird Zeit Aufklärung von Kirchen zu verlangen was sie wann , wie und womit alles betreiben!
- katerramus schrieb am 24.01.2013, 16:27 Uhr:
- @ Ich Schrieb // Sind Sie katholisch ? Dann benutzen Sie bei Ihren Verallgemeinerungen nicht den Ausdruck "Christen" - typische katholische Überheblichkeit, das Christentum mit Katholizismus gleichzusetzen.......... ----- übrigens, ich bin kirchensteuerzahlender Christ und wünsche mir eine neue Reformation ;)
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