Entschuldigung bei Vergewaltigungsopfer Kardinal Meisner: Ein beschämender Vorgang

Nachdem eine junge Frau nach einer Vergewaltigung von zwei katholischen Kliniken in Köln abgewiesen wurde, hat sich nun der Kölner Erzbischof zu Wort gemeldet. Kardinal Joachim Meisner entschuldigte sich bei der Frau.


"Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst, denn er widerspricht unserem christlichen Auftrag und Selbstverständnis", stellte er am Dienstag (22.01.2013) in einer Stellungnahme fest. "Eine Vergewaltigung ist ein schlimmes Verbrechen", sagte der Kardinal. Die Kirche müsse in einem solchen Fall jede notwendige medizinische, seelsorgerische und menschliche Hilfe leisten, einschließlich der Spurensicherung.

Reaktion eine Woche nach Bekanntwerden

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen worden war. Die Weigerung der beiden Kliniken hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Aus den eigenen Reihen hagelte es ebenso Kritik wie von Ärzten, Beratungsstellen und der Politik. Die beiden Krankenhäuser, die zur "Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria" gehören, hatten nach Bekanntwerden des Falls von einem "Missverständnis" gesprochen.

Kardinal weiter gegen die "Pille danach"

"So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen", so Meisner. Er sprach sich in seiner Stellungnahme aber indirekt gegen die Verordnung der "Pille danach" aus, die durch Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs eine Schwangerschaft unterbinden kann. Die Kirche vertrete eine klare Position des absoluten Lebensschutzes, so der Erzbischof.

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Die "Pille danach"

Die "Pille danach" wird auch als Notfallverhütung bezeichnet. Das Medikament verschiebt oder verhindert den Eisprung so, dass keine Befruchtung stattfinden kann. Sollte es zu einer Befruchtung gekommen sein, verhindert sie die Einnistung in die Gebärmutter. Nach bereits erfolgter Einnistung der befruchteten Eizelle ist sie nicht mehr wirksam. Nach Angaben des Berufsverbands der Frauenärzte kann die "Pille danach" bei rascher Einnahme eine Schwangerschaft zu einem hohen Prozentsatz verhindern.


Stand: 22.01.2013, 17.00 Uhr


Kommentare zum Thema (104)

letzter Kommentar: 27.01.2013, 19.46 Uhr

Alfred Krüger schrieb am 27.01.2013, 19.46 Uhr:
Hier stehen mal wieder die Alten Kirchenobern mit Ihrer Scheinmoral und wollen den Bürgern den Moralstab Vorhalten. Dieser Alten Verlogen Gemeinschaft bin ich schon lange abgehauen. Das sind auch die, die Missbrauch in Ihrer Kirche decken und Scheinheilig so tun als wäre es nur eine Lappalie.
Pfleger schrieb am 23.01.2013, 23.15 Uhr:
Ich muss mich noch einmal zu Wort melden. Ich arbeite selber in einem konfessionellen Krankenhaus, in den letzten Jahren ist das aber nur noch am Namen zu erkennen. Wer einen öffentlichen Versorgungsauftrag hat, der hat ihn wahrzunehmen, und zwar komplett. Unterlassene Hilfeleistung aus religiösen Gründen ist genau so strafbar wir aus Ignoranz. Die Entschuldigung des Kardinals und seine evtl. echte persönliche Betroffenheit in Ehren. Sie bekommen Geld aus der Solidargemeinschaft für ihre Arbeit und die haben sie zu tun, uneingeschränkt. Ärzte, die sich in solche Schwierigkeiten bringen lassen durch Vorgaben oder unklare Anweisungen, werden auch nicht gebraucht. Es gibt in der Ärzteschaft den Grundsatz: "Wer heilt, hat recht". Das sagt doch alles aus über das Selbstverständnis des Berufs und die lassen sich ins Handwerk reden von Merkwürden? Wenn die Kirche sich aus der Krankenhauslandschaft zurückziehen würde, gäbe es auch keine Unterversorgung. Helios & Co sind sofort da, wei ...
K.Klaus schrieb am 23.01.2013, 22.23 Uhr:
Es ist doch alles nur halbherzig. Man sollte die Verantwortlichen wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Die Politik muss handeln und den Krankenhäusern zur Not mit der Schließung drohen. Die Krankenhaäuser werden zu 100% aus Steuern und Krankenkassenbeiträgen finanziert und müssen von daher die Menschen gleich behandeln. Der ewige Hinweis ( ob bei ZDF/Heute oder Tagesschau )auf die Sonderstellung der Kirchen hat hier nichts zu suchen. Diese Regelung aus der Weimarer Reichsverfassung regelt nur die Stelung der verfassten Kirchen und deren Rechte in Abgrenzung vom staatlichen Recht. Diese Regelung solte auch nur für die verfasste Kirche und auch nicht für die Diakonie und die Krankenhäuser gelten. Dies sind in der Regel nur noch reine Wirtschaftbetriebe. Mit Kirche hat dies alles nicht zu tun. Sondern dient auch nur um seinen Beschäftigten weniger Lohn als im Öffentlichen Dienst zu zahlen.
Ruhig Blut schrieb am 23.01.2013, 15.22 Uhr:
Dr. Simplizissimus schrieb heute, 09:52 Uhr: ""durch Verhinderung oder Verzögerung des Eisprungs eine Schwangerschaft unterbinden kann" so wird in diesem Artikel die Wirkung der Pille danach beschrieben. Das ist jawohl so manipulativ beschrieben wie es nur geht." Regen Sie sich nicht über den WDR auf. Die Formulierung stammt (wie im Infokasten erwähnt) vom Bundesverband der Frauenärzte und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, im Netz zu finden unter "Frauenaerzte-im-Netz". Es gibt dort übrigens auch eine Kontakseite, auf der sie die offenbar selbst ernannten Experten mal gehörig mit der Nase auf Ihre (wahrscheinlich direkt vom Papst inspirierte) Wahrheit "Durch die Pille danach wird das Kind getötet!" zu stoßen. Und lassen Sie sich nicht durch falsche Höflichkeit bzw. Zurückhaltung dazu verleiten, Ihren Missionauftrag nicht mit allem Ihnen zu Gebote stehenden Eifer zu formulieren. Das wäre gaaanz falsch.
Gunnar Gunnarsson schrieb am 23.01.2013, 11.22 Uhr:
Was soll diese viel zu späte Pseudo-Entschuldigung der im Frühmittelalter stehen gebliebenen scheinheiligen Himmelskomiker? Nach dem bisherigen Informationsstand wurde das Opfer zur Erstversorgung und Beweismittelsicherung in Begleitung der Polizei eingeliefert. Die Verabreichung der Pille danach stand zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht zur Debatte. Die hätte problemlos ggfls. auch der Hausarzt verschrieben. Egal - ob es sich um Kindesmißbrauch oder anderes Fehlverhalten handelt: Lügen, Verschleiern und Taktieren gehören zu den bewährten jahrhundertealten Methoden der Katholischen Kirche. Lediglich das Mittel des Scheiterhaufens, um Kritiker mundtod zu machen oder sich noch mehr zu bereichern, haben wir ihnen genommen. Sonst ist alles beim Alten. Aber heilige Inquisition agiert teilweise unverschämt Öffentlich und der Opus Dei übt immer noch seine politische und finanzielle Macht aus.

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