Urban Gardening-Camp in Köln Der grüne Daumen der Großstädter

Von Volker Schulte

Ein Jahr ist es her, dass Kölner Südstädter eine Industriebrache eroberten und einen Gemeinschaftsgarten starteten. Seither haben sie nichts von ihrem Elan eingebüßt - und empfangen nun Gleichgesinnte aus ganz Deutschland.


Kölner Neuland
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NeuLand in Köln

Man kann nicht unbedingt sagen, dass das ehemalige Gelände der Dom-Brauerei mittlerweile eine echte Schönheit ist. Wer an der 16.500 Quadratmeter großen Brache in Köln-Bayenthal vorbeifährt, sieht immer noch vor allem Staub, Schutt und Beton. Aber auf den zweiten Blick fällt er dann doch auf, der grüne Kern des Geländes, die Tomatensträucher, Tabakpflanzen und Kürbisgewächse.


Dorothea Hohengarten vom Verein Kölner Neuland
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Dorothea Hohengarten erntet Tabak-Samen

Die Stadt aufzuhübschen, ist ohnehin nur eines der Ziele von Dorothea Hohengarten und ihren Mitstreitern. Am 3. Juli 2011 haben sich die Journalistin und 180 weitere Anwohner in einer Überraschungsaktion auf dem Gelände getroffen, pflanzten erste Blumen und feierten die Idee, die staubige Brache in ihrer Nachbarschaft, wieder mit Leben zu füllen. Denn nach einigen geplatzten Bauvorhaben war klar, dass auf dem riesigen Gelände vorerst nichts passieren würde. Kurze Zeit später entstand der Verein Kölner NeuLand mit ambitionierten Zielen: Volksbildung, Umwelt- und Naturschutz sowie bürgerschaftliches Engagement. Was ist heute davon geblieben?

"Was seid ihr denn für Hippies?"


Kölner Neuland
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Kürbisse und Tomaten mitten in Köln

Von den etwa 180 ursprünglichen Aktionisten sind nur 20 bis 30 Prozent geblieben, schätzt Dorothea Hohengarten. "Aber dafür sind viele Neue hinzugekommen. Der harte Kern, also diejenigen, die regelmäßig mit anpacken, sind etwa 30 bis 50 Helfer." Und die haben schon einiges auf die Beine gestellt: Weil der Boden mit Schadstoffen belastet ist, überdeckten die Neuländer ihr Gebiet mit einer Plane und Tennisplatz-Sand. Darauf stehen heute dutzende Bretterkisten, in denen ein wildes Kräuter- und Pflanzengemisch wächst. Vor der Kulisse von Baggern, Schrott und Schuttbergen wirkt der Garten skurril und anarchisch.


Kölner Neuland
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Mobile Holzkisten dienen als Beete

Vieles ist immer noch im Aufbau, zum Beispiel das Café, die Workshops, der Gartenladen, in dem Kürbisse, Tomaten, Kartoffeln und Kräuter verkauft werden sollen. Aber die Vereinsmitglieder von Kölner NeuLand treiben ihre Pläne weiterhin voran, mit Fördergeld vom "Klimakreis Köln" richten sie im September sogar eine 2/3-Stelle ein. Aus der Nachbarschaft erhalten sie viel Zuspruch, wie Dorothea Hohengarten versichert. "Nur ganz am Anfang hat mal ein Zaungast gefragt: 'Was seid ihr denn für Hippys?'" Doch statt verträumter Blumenkinder gärtnern bei NeuLand laut Hohengarten die unterschiedlichsten Typen: Vom Büroarbeiter, der Entspannung braucht, bis zum Arbeitssuchenden, der seine Zeit dem Gemeinschaftsgarten widmet. "Auch vom Alter her ist alles dabei, von Anfang 20 bis Mitte 60."

New York, Berlin, NRW


WDR-Autor Till Quitmann filmt Workshop-Teilnehmer Sebastian bei der Arbeit
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WDR-Lokalzeit-Autor Till Quitmann filmt Workshop-Teilnehmer Sebastian

Auf jeden Fall liegen die Kölner Hobbygärtner im Trend. Dass Großstädter gemeinschaftlich Gemüse anbauen, nennt sich Urban Gardening oder auch urbane Landwirtschaft. New York ist die Hochburg dieses Phänomens, in Deutschland haben die Prinzessinnengärten in Berlin 2009 den Anfang gemacht. Genaue Zahlen über die Verbreitung gibt es nicht, aber in NRW laufen Projekte unter anderem in Münster, Bielefeld, Dortmund und Mönchengladbach - Tendenz stark steigend. Die Austauschplattform urbangruen.de listet allein für Köln 34 Akteure auf. Darunter finden sich neben mehreren Gemeinschaftsgärten auch Dachbegrünungen, Baumbeetpatenschaften und interkulturelle Gärten - eben alles, was die Stadt grüner macht und Menschen zusammenbringt.


Kölner Neuland
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Ein Workshop inmitten von Pflanzen und Bauschutt

Im Internet sind die großstädtischen Gärtner schon gut vernetzt, nun wollen sie sich auch persönlich treffen: Kölner Neuland richtet zusammen mit drei weiteren Akteuren ein Sommercamp für alle urbanen und interkulturellen Gemeinschaftsgärten aus Deutschland aus. Etwa 95 Teilnehmer haben sich für das Wochenende (25./26. August) angemeldet, um sich auszutauschen und ihr Spezialwissen in Workshops weiterzugeben. "Nur wenn sich die einzelnen, autarken Gärten wirklich vernetzen, kann daraus eine Bewegung entstehen", sagt Daniel Überall von der Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis, einem der Veranstalter.

Ungewisse Zukunft

Die Zukunft des Gemeinschaftsgartens in der Kölner Südstadt ist allerdings ungewiss. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW hat als Eigentümer dem Verein NeuLand zwar erlaubt, das Gelände vorerst zu nutzen. Sogar ein Vertrag steht kurz vor dem Abschluss. Aber wenn der BLB NRW einen Investoren findet, müssen die Hobbygärtner weichen. Doch Dorothea Hohengarten und Co. folgen weiter ihrer Vision, "ein fester Bestandteil unseres Viertels zu werden." Deshalb legen sie schon heute Geld zurück, um irgendwann mit ihren mobilen Holzkisten-Beeten zu einem neuen Standort ziehen zu können.


Stand: 25.08.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (3)

letzter Kommentar: 27.08.2012, 08:31 Uhr

Erkannter schrieb am 27.08.2012, 08:31 Uhr:
@ :-) Natalie, dem ackernden Kölner gönne ich doch den Spass im Garten und mit der Natur. Alles soll blühen und gedeihen und im Herbst tunlichst ein dicke Ernte. Was mir missfällt, ist die Kirchturmpolitik des WDR, als wenn es im unseren schönen Bundesland NRW nicht auch woanders fleissige Gärtnerinnen und Gärtner gäbe. Nein, da geht man vor die Haustür, lässt den Blick streifen, spart sich ne Autotour und Aufwand und fertig ist die Laube. Ich zahle doch meine Gebühren nicht nur für lokale Gartenberichterstattung.
Natalie schrieb am 27.08.2012, 06:40 Uhr:
@Verärgerter Kritiker: Sorry, aber - während ich Ihren Kommentar las, kam mir gleich der Gedanke, dass Sie ein Düsseldorfer sind, sonst könnten Sie nicht so einen Kommentar loslassen, der mit den eigentlichen Thema "grüner Damen der Großstädter" gar nichts zu tun hat. Und, wenn Sie mal ehrlich sind - wo gibt es denn die meisten aktiven, kreativen, engagierten und ideenreichsten Menschen - ja wohl in Köln - das nur nebenbei. Nun aber zum Thema: Ich finde es jedenfalls immer toll, wenn ich durch eine Großstadt gehe, wenn ich die vielen liebevol gestalteten Balkone, Gärten oder Blumenkästen an den Fenstern sehe. So schaffen sich die Menschen in dem Trubel der Großstadt eine Oase der Erholung. Ich bewundere die Besitzer von Schrebergärten und die Dauer-Camper, die sich mit sehr viel Fleiß und Zeitaufwand ihre Parzellen bepflanzen und pflegen. Es hat nun mal nicht jeder ein Häuschen auf dem Lande. Weiter so Ihr fleißigen Hobby-Gärtner und "Naturgroßstädter" auch wenn sie aus Kölle sind.
Verärgerter Kritiker schrieb am 26.08.2012, 07:07 Uhr:
Köln und wieder mal Köln. Dem WDR genügt wohl der Blick vom dortigen Dom und das Ende der Welt ist erreicht. Warum stellt mein WDR, auch von meinen Gebühren mitfinanziert, mit einem sehr hohen Anteil, immer wieder Ereignisse aus Köln ins Netz. Passiert woanders eigentlich nichts, oder ist Kölle euer Nabel der Welt? Das geht ja nicht nur bei der Internetpräsentation so, im TV das gleiche Erlebnis. Der WDR berichtet von einem Bauernhof, von wo wohl? Aus der Nähe von Köln. Kinder treiben Sport, wo wohl, auf einem Sportplatz in Köln. Lebensmittelkontrolleure im Alltag, wo wohl? Natürlich in Köln. Dort scheint mir alles abgedeckt, was es an Wichtigkeiten im Leben gibt und ich verzichte immer mehr auf den WDR, muss abert trotzdem diesen Unfug mitbezahlen. Gottseidank ist der FC nicht mehr in der 1. BL.