2013 strengere Umweltzonen-Vorschriften Rote Plaketten müssen draußen bleiben

In der größten Umweltzone Deutschlands geht es bald strenger zu: Vom 1. Januar 2013 an dürfen nur noch Autos mit grüner oder gelber Plakette durchs Ruhrgebiet fahren. Auch in Köln und Hagen gelten dann schärfere Vorschriften.


Drei verschiedenfarbige Feinstaub-Plaketten
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Rot ist out im Ruhrgebiet

Die Umweltzonen Ruhrgebiet, Köln und Hagen gehen ab 2013 in die nächste Stufe: Fahrzeuge mit roter Plakette sind vom 1. Januar an dort tabu. In Köln bezieht sich die Regelung auf ein Gebiet von 88 Quadratkilometern links und rechts des Rheins. Nach Angaben der Stadt fahren dort zurzeit rund 6.200 Autos mit roter Plakette und immerhin noch 28.000 führen die gelbe Plakette.

Außerdem kommen noch ganz neue Umweltzonen dazu: So dürfen Autofahrer ab Januar 2013 nur noch mit gelber oder grüner Plakette in die Innenstädte von Langenfeld, Mönchengladbach und Remscheid.

Wer ohne Plakette fährt, zahlt Bußgeld


Umweltzonen Schild auf der Brackeler Strasse.
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Umweltzone in Dortmund

Die Umweltzonen sollen helfen, den Feinstaub in der Atemluft zu reduzieren. Seit 2005 gelten europaweit einheitliche Grenzwerte für Feinstaub: Ein Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft soll nicht öfter als 35 Mal pro Jahr überschritten werden. In Deutschland müssen die Kommunen dafür sorgen, dass diese Grenzwerte eingehalten werden. Eine Maßnahme sind die Umweltzonen: Jedes Auto bekommt eine Plakette - in rot, gelb oder grün, je nachdem, wieviel Schadstoffe das Fahrzeug ausstößt. In Umweltzonen der Stufe 1 sind Autos mit roter, gelber oder grüner Plakette zugelassen. Zone 2 dürfen nur noch Autos mit gelber oder grüner Plakette befahren und in Zone 3 gilt ausschließlich die grüne Plakette. Wer ohne die vorgeschriebene Plakette in eine Umweltzone fährt, muss mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg rechnen.

Ruhrgebiet als einheitliche Umweltzone


Umweltzone
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Umweltzone Ruhrgebiet

Für die Umweltzone Ruhrgebiet haben sich insgesamt 13 Städte zusammengeschlossen und einen gemeinsamen "Luftreinhalteplan Ruhrgebiet" entwickelt, der seit 1. Januar 2012 gültig ist. Zwar war dem Ruhrgebiet bis Ende 2011 noch eine Schonfrist gewährt worden - der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Tag war hier auf 75 Mikrogramm angehoben worden. Doch seit Anfang 2012 gilt auch für die Revierstädte die gleiche Vorschrift wie in anderen Umweltzonen: Der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft darf an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Luftwerte nach Messungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in den meisten Städten nicht verbessert. Zu den besonders problematischen Stellen im Ruhrgebiet gehörten im Jahr 2012 unverändert beispielsweise die Recklinghauser Straße in Herne (70 Überschreitungen), die Kurt-Schumacher-Straße in Gelsenkirchen (62 Überschreitungen) oder die Mülheimer Straße in Oberhausen (45 Überschreitungen). An allen drei Messorten war die Zahl der Grenzwertüberschreitungen im Jahr 2012 deutlich höher als im Jahr davor. Auch in Hagen, Duisburg, Dortmund, Essen und Schwerte wurden die Grenzwerte öfter überschritten als im Jahr 2011.

Feinstaub durch Großbrand


Eine weiß-graue Rauchwolke zieht über den Rhein
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Rauchwolke der brennenden Düngemittelfabrik in Krefeld

"Solche Werte müssen überall individuell bewertet werden", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher im NRW-Umweltministerium. In manchen Städten sei der Verkehr die Hauptquelle für Feinstaub, in anderen dagegen seien es Industrieanlagen. In Straßen mit hohen, geschlossenen Häuserfronten konzentriere sich der Feinstaub dichter als in offenen, breiten Straßen. "Auch Ereignisse wie der Großbrand im September in Krefeld lässt die örtlichen Werte stark steigen."

Gesundheitsrisiken gelten als erwiesen

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben in Europa pro Jahr 100.000 Menschen durch Feinstaub in der Atemluft. Als Hauptquelle gelten Industrieanlagen und Kraftwerke, vor allem aber staubt es im Straßenverkehr. Feinstaubteilchen sind so klein, dass sie ungehindert in die Lunge gelangen und dort Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis oder Krebs auslösen können. In bestimmten Konzentrationen führen sie auch zum Herzinfarkt. Das betrachten Wissenschaftler inzwischen als erwiesen.

ADAC: Bürokratiemonster Umweltzonen

Für den ADAC ist das Projekt Umweltzonen nicht mehr als ein "Bürokratiemonster", sagt NRW-Sprecherin Julia Frizen: "Wir sehen keinen Sinn darin." Viel effektiver seien andere Maßnahmen, die die Städte umsetzen könnten: "Gezieltere Ampelschaltungen, damit der Verkehr stetiger fließt, mehr Mitfahrerparkplätze und Car-Sharing, ein attraktiverer ÖPNV." Außerdem müsse die Autoindustrie mehr in die Entwicklung schadstoffarmer PKW investieren, sagt Frizen. Allerdings: "Viele Leute können sich kein neues Auto leisten", sagt die Sprecherin, "und manch einer, der auf seine alte Kiste angewiesen ist, darf damit jetzt nicht mehr fahren". Das, meint die ADAC-Sprecherin, sei "unsozial".

Stichworte

Umweltzone Ruhrgebiet

In der "Umweltzone Ruhrgebiet" haben sich diese 13 Städte zusammengeschlossen und einen gemeinsamen "Luftreinhalteplan Ruhrgebiet" entwickelt, der seit 1. Januar 2012 gültig ist:

  • Bochum
  • Bottrop
  • Castrop-Rauxel
  • Dortmund
  • Duisburg
  • Essen
  • Gelsenkirchen
  • Gladbeck
  • Herne
  • Herten
  • Mülheim
  • Oberhausen
  • Recklinghausen

Stand: 27.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (46)

letzter Kommentar: 29.12.2012, 19:37 Uhr

@Jupp schrieb am 29.12.2012, 19:37 Uhr:
Zumindest haben wir schon mal eine Person, die sowieso nur billig spaß haben will, überzeugt das unnötige Raserei durch die Ballungszentren nicht gut ist.
Jupp schrieb am 29.12.2012, 05:05 Uhr:
Getroffen werden von dieser Maßmahme nur die Besitzer alter Privatfahrzeuge, für alle anderen gibt es 100000 Ausnahmeregelungen. Als da wären KVB, Taxis, Zulieferer, Handwerker, etc. Nicht zu vergessen die Rheinschiffe, die mit Schweröl angetrieben mitten durch die Umweltzone schippern dürfen. Hinzu kommt der erwähnte Industriegürtel. Die Konsequenz kann nur sein: Köln zu meiden und vor allem dort kein Geld mehr auszugeben!
WDR.de schrieb am 29.12.2012, 09:05 Uhr:
Beitrag gesperrt. Bitte bleiben Sie sachlich.
Gerlinde schrieb am 28.12.2012, 22:02 Uhr:
Also ich habe den Eindruck und wenn dem nächst das Ruhrgebiet und andere Ballungszentren vom Feinstaub zugemüllt sind manchen Leuten ist das scheißegal Hauptsache sie können mit ihrem Auto direkt biss zu den Fußgängerzonen dieser Zentren fahren um schön stoppen zu gehen zu können.
@Kritiker schrieb am 28.12.2012, 19:35 Uhr:
Wie war das damals mit dem Waldsterben???? In den 70ger Jahren stellte man fest dass der Wald in einem dramatisch schlechten Zustand sei. Es wurde befürchtet dass wir bald keinen Wald mehr haben werden. Man versuchte die Ursache heraus zu finden. Man fand heraus dass eine wesendliche Ursache zu viel Schwefel in der Luft und mittlerweile auch in den Waldböden war. Darauf bekamen alle Kohlekraftwerke eine Rauchgasendschwefelung und die Waldböden eine Kalkdüngung. Das Ergebnis ist den Wäldern geht es heute wieder besser.

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