Transplantationsskandal an Uniklinik: Ermittlungen gegen Firma aus NRW
In den Transplantationsskandal am Göttinger Uniklinikum soll auch eine Firma aus NRW verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Akte eines russischen Patienten wurde offenbar vor einer Lebertransplantation manipuliert. Es besteht Bestechungs-Verdacht.

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Bundesweit warten rund 12.000 Schwerkranke auf eine Transplantation
Eine Medizinfirma aus Nordrhein-Westfalen ist wegen des Transplantationsskandals an der Universitätsklinik im niedersächsischen Göttingen ins Zwielicht geraten. "Wir ermitteln gegen ein Unternehmen aus NRW", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag (20.07.2012). Es bestehe der Verdacht der Bestechlichkeit und der Bestechung. Den Namen des Unternehmens nannten die Ermittler nicht. Die Dimension der Affäre im Zusammenhang mit Lebertransplantationen ist noch unklar.
Leber-OP für 280.000 Euro
Die Uniklinik Göttingen bestätigte in dem Skandal 25 weitere Verdachtsfälle. Laut Medienberichten wurden in den vergangenen zwei Jahren in großem Stil Krankenakten gefälscht, damit bestimmte Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation nach oben rücken. So wurden sie beispielsweise durch angeblich schlechte Laborwerte kränker gemacht als sie waren.
Nach WDR.de-Informationen soll es sich bei dem Unternehmen um eine Firma aus Südwestfalen handeln. Der Dienstleister bietet russischen Patienten Rundum-Pakete zur medizinischen Versorgung in der Bundesrepublik an. Offenbar vermittelt der Anbieter wohlhabenden Russen Operationen in deutschen Kliniken. Von der Firma war trotz mehrmaliger Nachfrage keine Stellungnahme zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen zu bekommen. Auf der Webseite der Firma werden die Kosten für eine Lebertransplantation mit 280.000 Euro bei einer Behandlungsdauer von vier Monaten angegeben.
"Frisierte" Patientenakte
Bereits im Juni war der Fall eines russischen Patienten bekannt geworden, dessen Patientenakte in Göttingen offenbar "frisiert" worden war. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit gegen einen 45-jährigen Oberarzt am Klinikum ein. Der Mediziner soll gegenüber der Klinikleitung alle Vorwürfe bestritten haben. Der Verdächtige ist mittlerweile nicht mehr Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie. Die Justiz prüft seit Bekanntwerden des ersten Falls die Rolle möglicher weiterer Beteiligter, darunter eben eine Firma aus NRW.

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In NRW hatte es ebenfalls Skandale um Transplantationen gegeben
Das NRW-Unternehmen soll den Kontakt zwischen Arzt und Patient vor einer Lebertransplantation vermittelt haben. Ob der Oberarzt vor dem Eingriff die Warteliste für Lebertransplantationen manipulierte und welche Summe er gegebenenfalls von dem Patienten gefordert oder angenommen hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Dem Düsseldorfer Gesundheitsministerium liegen bisher keine Informationen über die Verwicklung einer NRW-Firma vor. "Weil Organvermittlung unethisch ist, ist sie in Deutschland nicht erlaubt", sagte eine Sprecherin von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Die Deutsche Transplantationsgesellschaft reagierte mit Bestürzung auf die Fälschungsvorwürfe am Göttinger Universitätsklinikum. Mit großer Sorge und Betroffenheit verfolgten der Vorstand und alle Mitglieder der Transplantationsgesellschaft die Aufklärung der Vorgänge um die umstrittenen Lebertransplantationen in Göttingen, teilte die Organisation in Regensburg mit.
OP gegen Spende in Essen
An NRW-Krankenhäusern hatte es ebenfalls Skandale um Transplantationen gegeben. So verurteilte das Landgericht Essen einen prominenten Mediziner im März 2010 wegen Betrugs und Nötigung zu drei Jahren Haft. Nach Ansicht der Richter hatte der Transplantationschirurg unter anderem von Krebspatienten die Zahlung "freiwilliger Spenden" an die Essener Uniklinik gefordert. Nur dann hätten die Todkranken damit rechnen können, frühzeitig und durch ihn persönlich behandelt zu werden, hieß es. Der Mediziner selbst hatte lediglich einige Fälle der Steuerhinterziehung eingeräumt.
"Mangelverwaltung bei Spenderorganen"
Bundesweit stehen rund 12.000 (in NRW über 3.000) schwer kranke Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation. Alle acht Stunden stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation ein Mensch auf der Warteliste, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht.
Der Mangel an Spenderorganen ist nach Einschätzung der Ärztekammer Westfalen-Lippe die Ursache für den Göttinger Organspende-Skandal. Im Normalfall schließe das System kriminelle Machenschaften aus. "Aber die derzeitige Mangelverwaltung bei Spenderorganen öffnet krimineller Energie nun Tür und Tor", sagte der Präsident der Ärztekammer, Theodor Windhorst, am Samstag (21.07.2012) in Münster und fügte hinzu: "Wir sind beim Organhandel angekommen."
Laut Windhorst müsse nun schnellstmöglich verloren gegangenes Vertrauen wieder aufgebaut werden. Dazu gehöre eine "konsequente Bestrafung", wie etwa der Verlust der Approbation für betroffene Mediziner. Grundsätzlich sei das derzeitige System mit Wartelisten aber "absolut gerecht".
Stand: 21.07.2012, 16.55 Uhr
Kommentare zum Thema (75)
letzter Kommentar: 24.07.2012, 23:35 Uhr
- Stürmer schrieb am 24.07.2012, 23:35 Uhr:
- @anonyma: Sie sollten sich meinen Kommentar noch einmal durchlesen und zumindest versuchen meine gestammelten Worte zu begreifen.
- Null und Eins macht Null schrieb am 24.07.2012, 10:47 Uhr:
- In Vorleistung möchte ich erst einmal wie ein Organspender behandelt werden. Ich möchte nicht wie ein überwachter Sträfling alle vier Wochen wegen ein paar Bluddruck-Generika-Pillen zum Arzt, obwohl ich noch froh sein darf, wenn der die richtig verschreibt und nicht aus dem Werbemittelschrank holt. Ich bin vermutlich ein armer weißer Schwarzer, bis ich evtl. tot auf einem Ausschlachtetisch liege. So arm wie ich bin, lassen meine einstmals so verächtlich behandelten Teile wieder einen Reichtum aufblühen, dass ich mich im zweiten Leben noch darüber verwundert die Augen reiben werde, falls ich mit meinem restlichen Verbleibsel dazu verführt werden kann.
- anonyma schrieb am 23.07.2012, 22:11 Uhr:
- @ Stürmer Sie akzeptieren also klaglos jedes System das " Leben rettet!" Wenn man den Verdacht auf jedes Sytem erweitert, wird man handlungsunfähig. Unter der Flagge der "Nächstenliebe" nehmen sich einige Transplantationsmediziner -weitgehend unkontrolliert- sehr viel heraus. Nur im Ausnahmefall, wie in Essen ,Göttingen, Kiel und der ostdeutschen Universitätsklinik, kommen die Machenschaften heraus. Wo ist eine effiziente Kontrolle des Staates, zumindest der DSO oder der Bundesärztekammer? Sie alle wissen von den Fällen schon seit langem. Immerhin gab es gegen Prof. A. O. schon eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung in Bayern. Sie wurde, soweit ich informiert bin, eingestellt....... Warum nur? Um der "Nächstenliebe" nicht zu schaden? Wenn man so etwas Heikeles wie die Organspende bewirbt, muss man sie auch kontrollieren. bewirbt, muss man auch kontrollieren, dass sie nach rechtsstatlichen Bedingungen abläuft. Und i nicht immer nur von bedauerlichen Einzelfälle ...
- Stürmer schrieb am 23.07.2012, 21:02 Uhr:
- Mit genug Geld kann man fast alles bekommen. Auch das eigene Leben kann man mit genug Geld meist verlängern...im Gegensatz zu Armen Leuten. Mir wäre jede Summe Recht wenn ich am Leben bleibe. Auch ein Arzt oder Organverteilungsbeamter wird ab gewissen Summen Schwach. Moralisch ist er auch dann noch im Recht- er rettet ja ein Leben und kann es vor sich selber Rechtfertigen.... Ich möchte nicht wissen wie viele Politiker, Industrielle oder andere Wohlhabende sich Ihr Leben auf Kosten Anderer erkauft haben. Die Leute die gerne eine Organspendepflicht einführen wollen, wo sie sich schon bei Beschneidungen in die Hose machen.
- anonyma schrieb am 23.07.2012, 15:46 Uhr:
- Wieso soll das eigentlich ein Einzelfall sein? 2004 musste der Ordinarius für Transplantationschirurgie an einer ostdt. Universitätsstadt gehen, weil er eine cholestatische Leber gesplittet hatte und die beiden Empfänger wenige Tage nach der Transplantation starben. Eine Patientin war eine junge Russin, deren Mutter ca 300.000 Euro bar an der Klinikkasse löhnen musste. Außerdem verlangte, so die Mutter, der Transplantationschirurg vor der OP noch eine Privatspende für eine dubiose Stiftung in Lichtenstein. Und was war mit den Star-Transplantationschirurgen aus Essen? Warum sitzt er wegen Bestechlichkeit und Betrug 3 Jahre in Haft? Und die Geschichte mit dem Fürsten von Thurn und Taxis in Großhadern? Ist die bereits vergessen? Wichtig wäre, bei all diesen Fällen nicht nur die Transplantationsakten, sondern auch einmal die Hirntodprotokolle der Spender zu prüfen. Aber an diese heilige Kuh traut sich ja niemand heran.
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