Tote Pflegerin im Kölner Zoo Tigerangriff: Die Polizei hält sich bedeckt

Von Katja Goebel

Bestand die Gefahr, dass Tiger Altai fliehen würde? Warum wurden die Zoobesucher nicht informiert? Viele Fragen über das Geschehen am Samstag (25.08.2012) im Kölner Zoo sind noch offen. Die Polizei hiellt sich am Sonntag bedeckt. Viele User sind empört, dass der Tiger erschossen wurde.


Tiger Altai im Kölner Zoo
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Tiger Altai im Kölner Zoo

Was geschah, nachdem eine Tierpflegerin ihre von Tiger Altai verletzte Kollegin (43) leblos neben dem Tier entdeckt hatte? Bislang ist nur wenig zu erfahren. Viele Fragen sind noch offen. Gegen 12 Uhr wurde die Polizei alarmiert, die mit einem Großaufgebot an Beamten im Zoo auflief. Auch das SEK sei, laut Polizeiangaben, eingeschaltet worden. "Wir wussten zunächst nur, dass es sich um einen Tigerausbruch handeln sollte. Mehr wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht", so ein Polizeisprecher am Sonntag (25.08.2012) gegenüber WDR.de.

Bestand Fluchtgefahr für den Tiger?


Man habe zunächst angenommen, dass die Gefahr bestand, der Tiger könne das Gebäude verlassen, so der Sprecher weiter. So war in Pressemeldungen am Samstag auch von geöffneten Fenstern zu lesen. "Welche Türen und Fenster wo aufstanden oder auch nicht, ist Bestandteil des Ermittlungsverfahrens, das eingeleitet wurde", sagte der Polizeisprecher weiter. Mit ersten Ergebnissen der Ermittlungen sei frühestens am Montag zu rechnen. Möglicherweise würden auch arbeitsschutzrechtliche Ermittlungen veranlasst. Auch die Frage, ob Zoodirektor Theo Pagel das Tier erschoss, bevor die Polizei eintraf oder erst auf Anweisung der Einsatzleitung, wollte die Polizei am Sonntag nicht beantworten und verwies auf das laufende Ermittlungsverfahren.

User streiten, ob Zoodirektor richtig gehandelt hat

Viele WDR.de-User fragen sich auch, ob es wirklich nötig war, den Tiger zu töten oder ob es nicht genügt hätte, ihn lediglich zu betäuben. Auch auf der Facebook-Seite des Kölner Zoos äußerten sich viele kritisch. Deniz Bla schrieb dort: "Wieso wird ein Tiger erschossen, wenn ein Mensch einen Fehler macht?" Nicole Stinn äußerste Verständnis für den Zoodirektor: "Ich finde, dass der Zoodirektor richtig gehandelt hat. Er wollte die Besucher des Zoos schützen."

"In solchen Fällen steht das Wohl unserer Mitarbeiter über allem, da gibt es nur eine finale Lösung", sagte Christopher Landsberg vom Zoo-Vorstand dem Kölner "Express". Die Zooverwaltung war am Sonntag (26.08.2012) nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Tödlicher Angriff


Polizisten und Besucher stehen vor dem Tigergehege im Zoo Köln
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Großaufgebot der Polizei im Kölner Zoo

Bei dem tragischen Unfall hatte am Samstag (25.08.2012) ein sibirischer Tiger im Kölner Zoo eine Pflegerin angegriffen und getötet. Nach Angaben des Kölner Zoos hatte sich die langjährige Mitarbeiterin in einem Bereich aufgehalten, den sie in dem Moment nicht hätte betreten dürfen. Denn dieser Teil des Geheges war zu dem Zeitpunkt, als die Pflegerin eintrat, für die gefährlichen Raubkatzen geöffnet.

Laut Polizeiangaben handele es sich bei dem Ort des Geschehens um ein Wirtschaftsgebäude, das für Besucher nicht zugänglich ist. Laut Angaben des Zoos, befand sich der Tiger aber in einem "Bereich, wo er hingehört."


Nach derzeitigem Kenntnisstand geht man im Zoo davon aus, dass die Tierpflegerin es vor Beginn der täglichen routinemäßigen Reinigungsarbeiten versäumt hat, den Tiger auszusperren. "Vermutlich ist sie dann vom Tiger von hinten angefallen worden, der ihr einen tödlichen Biss in den Hals zufügte, danach aber von ihr abließ. Wir können uns derzeit nicht erklären, warum der erfahrenen Pflegerin ein derart verhängnisvolles Versehen unterlaufen konnte“, so Theo Pagel am Samstag (25.08.2012).

Keine Lautsprecherdurchsagen


Journalisten und Zoobesucher stehen  vor dem Tigergehege im Zoo Köln
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Journalisten und Besucher vor dem Tigergehege

Eine Augenzeugin wunderte sich gegenüber WDR.de darüber, dass es unmittelbar nach dem Vorfall keine Lautsprecherdurchsagen im Zoo gegeben habe und warum die Polizei auch noch beim Eintreffen des Notarztwagens scheinbar etwas gesucht hätte. Teile des Zoos waren nach dem Angriff evakuiert worden. Die Polizei erklärt das so: Noch vor Abschluss der unmittelbar eingeleiteten Evakuierung erlegte der Zoodirektor das Tier im Gebäude." Für Besucher und andere Beschäftigte des Zoos habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden, da der Tiger sein Gehege nicht verlassen konnte, erklärte der Zoo. Der Tierpark wurde dennoch aus Sicherheitsgründen zunächst geräumt, öffnete aber noch am Samstag wieder.

Stichworte

Sibirischer Tiger

Der Sibirische Tiger gilt als einer der größten Katzen der Welt. Er kann eine Körperlänge von 2,80 Meter und ein Gewicht von über 250 Kilogramm erreichen und hat eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren. Wie alle Unterarten des Tigers ist auch der Sibirische Tiger in freier Wildbahn von der Ausrottung durch den Menschen bedroht. Nachdem sein Bestand im Jahre 1940 auf lediglich 20 bis 30 Tiere gesunken war, wurde er unter strengen Schutz gestellt. Heute überleben etwa 200 Sibirische Tiger in einem einzigen Schutzreservat im Amur-Ussuri Gebiet in Sibirien. In Zoos sind Sibirische Tiger jedoch häufig vertreten. Durch gezielte Zuchtprogramme wird die Zoopopulation weiter aufgebaut. Die Zahl der in den Zoos der Welt gehaltenen Sibirischen Tiger übersteigt heute 1.000 Tiere.


Stand: 26.08.2012, 21.11 Uhr


Kommentare zum Thema (138)

letzter Kommentar: 30.08.2012, 19:29 Uhr

mellie schrieb am 30.08.2012, 19:29 Uhr:
Das tut mir leid für Pflegerin UND Tigerkater. So eine gequälte Kreatur und dann noch erschossen zum Schluß. denn gequält sind diese Tiere. Das kann keiner leugnen- Besonders wenn diese Großkatzen in zu kleinen Gehegen immer wider die selben Wege ab und auflaufen. Dieses stereotype Verhalten zeigen auch andere in Gefangenschaft lebende Tiere. Sie sind verhaltensgestört/krank und hospitalisiert durch die lebenslängliche Gefangenschaft. Keine Frage sie leiden. Denn nur dösen und auf Futter warten ist nicht natürlich. Sie können sich nicht ihrer Natur nach ausleben. Schade, ich war noch nie im Kölner Zoo. Aber erst kürzlich ist dort eine ältere Elefantenkuh unter ebenso zweifelhaften Umständen getötet worden, allerdings durch Artgenossen UND auch sie hätte eigentlich getrennt von den anderen übernachten sollen. Hier nun eine nicht geschlossene Tür ......Gibt es Aufzeichnungen von diesen schlimmen Vorfällen. Wenn ja wer besitzt sie, wer guckt sie sich an und WARUM???
WDR.de schrieb am 30.08.2012, 09:56 Uhr:
Posting wurde entfernt. Bitte tragen Sie zum Thema des Artikels bei
AufmerksamerLeser schrieb am 29.08.2012, 22:52 Uhr:
Offensichtlich ist Einigen das Zeitfenster nicht klar. Von einer "schnellen" Rettung kann keine Rede sein! Die Verletzte wurde laut Presse um 12:00 Uhr durch die Kollegin im Gehege entdeckt. Erst um 12:30 Uhr (!) fiel die Entscheidung, den angeblich so schnell vom Himmel gefallenen Zoodirektor zum heldenhaften Schützenkönig mutieren zu lassen. Hätte es jemanden im Zoo gegeben, der Altai bereits bei Entdeckung einen Betäubungsschuss gesetzt hätte, wäre er am Leben geblieben. Nach den 30 min hätte man im Ernstfall immer noch entscheiden können, ob der finale Rettungsschuss nötig gewesen wäre, zumal dann ja angeblich das SEK und die MP7-Helden zugegen waren. Basta. Da hat man Zeit verstreichen lassen und am Ende beseitigte der Zoodirektor das Problem, so dass keiner mehr Fragen stellen kann. Problemtier erledigt ... Und die Polizei trägt keinen Imageschaden davon, muss sie den Kindern nicht mehr erklären, wieso ein toller Tiger ermordet wurde.
Jan schrieb am 29.08.2012, 21:13 Uhr:
Wenn ich im Zoo arbeite,begebe ich mich in "Gefahr".Es liegt in der Obhut meines Arbeitsgebers,einen sicheren Arbeitsplatz zu schaffen.In anderen Ländern, werden Systeme mit Kameras und Leuchtsignalen installiert,das so etwas gar nicht passieren kann.Der Tiger hat keine Schuld,deshalb bin ich der Meinung,das es falsch war,ein menschliches Fehlverhalten,welcher Art auch immer,mit dem Erschiessen des Tiger zu rechtfertigen.Der Tiger hat auch Familie,wie verstört ist die denn jetzt?
Manfred Schmidt schrieb am 29.08.2012, 18:58 Uhr:
Frau Billig. Ich gehe davon aus, dass sie an diesem Vorfall nicht beteiligt waren, geschweige denn zu dieser Zeit im Zoo. Vielleicht sogar in den letzten Jahren überhaupt nicht im Zoo.Deshalb spreche ich ihnen jegliche Kompetenz ab zu diesem Thema überhaupt etwas beizutragen. Sie haben Recht, es ist eine schlimme Tragödie. Für die Frau, aber auch für den Tiger. Der Tiger ist, nach Abwägung der Kriterien, der Verlierer. Richtig, aber notwendig. Der Versuch einen Menschen zu retten ist immer wertvoller als ein Tier zu retten. Diese Tiere zu retten ist eine Aufgabe der Zoos, die diese auch hervorragend leisten, aber es gibt Grenzen. Hier wurde eine erreicht.

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