Gesundheitskosten von Haustieren Wenn der Hund zum Luxus wird

Von Lisa von Prondzinski

Impfung, Operation, Medikamente – die Behandlung von Tieren kann teuer werden. Immer mehr Besitzern von Hund und Co. fällt es offenbar schwer, den Tierarzt zu bezahlen. Das ergab eine Umfrage von WDR.de anlässlich des am Samstag (10.09.2011) beginnenden NRW-Tierärztetages in Essen.


Ein Golden Retriever
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Dino ist ein "Sorgenkind"

Der junge Windhund Pico wurde von einem Kampfhund angefallen. Für die Operationen in der Tierklinik zahlte Picos Halterin mehr als 3.000 Euro. Sie musste Ersparnisse auflösen, die eigentlich für sie selbst vorgesehen waren. Hund, Katze oder Kaninchen können zur großen Geldfrage werden. Die Tierheime werden immer voller, weil Herrchen oder Frauchen sich Futter oder Tierarztrechnungen nicht mehr leisten können. Viele Tierbesitzer sparen sich das Geld dafür vom Munde ab, der Hund wird zum Luxus.

So hat die Tierärztin Almut Schwartzkopff in ihrer Praxis in Bochum - "wo immer schon kleine Leute hinkamen" -, beobachtet, dass die Zahl derer, denen es aus wirtschaftlichen Gründen schwerfällt, die Rechnung zu begleichen, in den den vergangenen Jahren gestiegen ist. "Vor zehn Jahren haben sie alles noch geregelt bekommen. Heute höre ich häufiger den Satz: 'Ich weiß nicht wie ich das bezahlen soll'." Wenn Schwartzkopff die Tierbesitzer gut kennt, dürfen sie daher in Raten zahlen.

Auch kleine Beträge werden in Raten gezahlt

Mit den Raten wird es in der Praxis von Stefan Wolf in Schwerte genauso gehandhabt. Dort sind es "auffallend viele kleine Beträge, die nach und nach gezahlt werden", erzählt die Praxis-Helferin Helferin Gabi Bollier. Bollier ist seit über 25 Jahren in ihrem Beruf tätig. Nun hat sie kürzlich sogar erlebt, dass jemand noch nicht einmal 15 Euro auf einen Schlag bezahlen konnte. Bollier hat auch bemerkt, dass die ärztliche Behandlung häufiger hinausgezögert wird: "Zum Beispiel versucht der ein oder andere die Ohrenentzündung seines Hundes mit einem Pflegemittel in den Griff zu bekommen oder Flöhe mit ätherischen Ölen zu bekämpfen. Was nicht klappt, so dass doch der Tierarzt ran muss."

Preis-Vergleiche haben zugenommen


Tierärztin untersucht Kaninchen
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Tierärztin Beate Degen

Bei Beate Degen in Köln ist es die Prophylaxe, an der gespart wird. "Impfungen, Blutuntersuchungen, Zahnstein-Entfernungen – darauf verzichten die Halter häufiger." Und wesentlich mehr Anrufe als früher bekommt sie: Die Leute suchen nach dem günstigsten Tierarzt. "Können sie das nicht billiger machen? Da und da kostet die Kastration für den Kater fünf Euro weniger", bekommt Degen dann zu hören. Auch die Zahlungsmoral scheint schlechter zu werden. In einigen Praxen heißt es: Mehr und mehr Leute haben erst gar nicht vor, die ärztlichen Leistungen zu bezahlen. Deshalb wollen viele Tierärzte das Geld sofort haben.

Versicherungen lohnen sich oft nicht

Die Höhe der Behandlungskosten ist in der Gebührenordnung für Tierärzte festgeschrieben. Allerdings gibt es Spielräume: Wenn  etwa eine Knochen-Operation sehr aufwändig war, dann darf statt des einfachen Gebührensatzes ein höherer Betrag verlangt werden. Manche Halter fahren womöglich mit einer Tierkrankenversicherung gut, die gibt es als reine OP- und auch als Vollversicherung.

Doch die Versicherungen sind teuer - und steigen bei häufigen Arztbesuchen und Behandlungen schnell im Preis. Peter Poischen zum Beispiel hat bei seinem zu hell geratenen Golden Retriever darauf verzichtet. Dabei ist Dino ein "kleines Sorgenkind": Er hat von kleinauf Arthrose in den Vorderläufen, ist beim Gassi gehen in Glasscherben getreten und hat eine Allergie gegen Lebensmittel entwickelt. Dinos Besitzer hat schon eine Menge Geld bei Tierärzten gelassen, aber er meint, dass er damit immer noch besser fährt als mit einer Versicherung.

Unnötige Untersuchungen


Mann mit Hund
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Peter P. muss mit Dino häufig zur Behandlung

Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Tierhalter, die sich alles leisten können -  auch unnötige Untersuchungen. "Wenn ein Tier Durchfall hat, muss ich es nicht Röntgen oder einen Ultraschall machen", sagt ein Tierarzt. Wolfgang Kahl, der in Düsseldorf in einem sozial gemischten Gebiet seine Praxis hat, sieht eine soziale Kluft zwischen Hundehaltern, die sich etwas verschärft habe. Schon am Fell könne er meistens erkennen, ob die Besitzer über viel oder eher weniger Geld verfügten. Die besser Betuchten würden sich mehr Mittel für die Pflege leisten. 


Stand: 10.09.2011, 09.00 Uhr


Kommentare zum Thema (30)

letzter Kommentar: 12.09.2011, 17:12 Uhr

Minna Knallenfalls schrieb am 12.09.2011, 17:12 Uhr:
Wenn dat so weitergeht mit "unsere" Regierung, wenn die weiter so unser Geld inn`t Ausland verschenken un` obendrinn weiter unsere schon vor J a h r z e h n t e n mit Steuergeld abgezahlten Einrichtungen inne Stadt verhoekern ("privatisieren"), un` immer mehr Steuern wollen um dat allet zu bezahlen, so dat wir am End` nix mehr haben, und wenn wir dann so arm sind wie dammals in `21-`22 (da hamse mir am Bahnhof Oberbarmen zwei Koffer voller Geld geklaut, nich weil se` de Scheine wollten sondern de Koffer), dann wird man so`n leckeret Tierken mit ganz anderen Augen seh`n un` froh sein dat man dat hat.
Herbert schrieb am 12.09.2011, 15:00 Uhr:
Tja, heutzutage will jeder alles möglichst umsonst haben. Das geht aber nicht, gute Leistung kostet halt auch gutes Geld. Wenn ich als Tierarzt ein Tier behandle muß auch jemand für die Kosten aufkommen! In ganz ganz seltenen Fällen kann ich bei Kleinigkeiten mal ein Auge zudrücken. Im großen und ganzen aber muß die Kasse stimmen. Tierliebe schön und gut aber auch das Einkommen muß stimmen, dafür hat man schließlich ordentlich studiert. Das hat nichts mit Gierig oder leicht verdientem Geld zu tun, wer so etwas behauptet hat keinen blassen Schimmer von der Realität und Lebenswirklichkeit. Wenn Menschen gut verdienen haben sie auch viel dafür geleistet. Aber wer die Wörter Abitur und Studium nur vom Hörensagen kennt und weiter davon entfernt ist wie der Mond von der Erde der sollte sich ein wenig geschlossener halten. Es hat dann nämlich seinen Grund das die monitären Möglichkeiten manchmal sehr gering sind. Tierarztpraxen sind keine Wohlfahrtspraxen!
ts ts schrieb am 12.09.2011, 13:35 Uhr:
Wo steht überhaupt, dass es sich um Hartz4er handelt? Sobald jemand nicht viel Geld hat, heißt es gleich er hat Hatz4!! Wieviele verdienen einfach nicht viel? Aber sofort wird wieder irgendwas hinein interpretiert und die Story steht!!
Ich schrieb am 12.09.2011, 11:57 Uhr:
Mag sein, dass es Alternativen gibt, aber jemand der sein Tier wirklich schon Jahrzehnte hat, will nicht irgendein Tier! Da ist auch eine emotionale Bindung vorhanden! Auch von Seiten des Tiers! Ist schon ziemlich kaltherzig ein evtl. schon altes Tier einfach abzugeben! Da macht man es sich doch sehr leicht!
Unglaublich schrieb am 12.09.2011, 11:46 Uhr:
Seh ich überhaupt nicht so! Wenn jemand 10 Jahre ein Tier hat und arbeitslos wird, sein Tier abgeben muss, ist das eine Sauerei! Wie er sich das dann vom Mund abspart ist sein Problem! Aber nur weil man in die Arbeitslosigkeit rutscht ein Tier das man unter Umständen schon viele, viele Jahre hat, an dem man hängt nur abgeben zu müssen, weil es einigen nicht passt würde ich nicht einsehen! Zumal alte Tiere im Tierheim keine Chance haben! Da kosten sie auch Geld, wo ist der Witz? Und nicht jedes Tier muss gleich operiert werden oder ist ständig krank! Das ist quatsch!Irgendwo muss man einfach abwägen und nicht immer gleich die Keule rausholen!

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