Strauß-Erbe klagt gegen Strauß-Biograf: Zweifel am wichtigsten Zeugen
300 Millionen Mark soll der frühere bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß seinen Kindern vererbt haben. Das behauptet der Buchautor Wilhelm Schlötterer. Dagegen klagt der älteste Sohn von Strauß vor dem Kölner Landgericht - offenbar mit Erfolg.

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Franz Josef Strauß (2.v.l.) mit Familie, Sohn Max Strauß (r.)
Max Strauß hat nach Aussage eines Bankmitarbeiters 1992 das Erbe seines Vaters in bar nach Luxemburg schaffen wollen. Der Banker sagte am Freitag (18.01.2013) als Zeuge vor dem Landgericht Köln aus. Max Strauß bestritt die Aussagen des Mannes.
Burkhard K. ist heute 60 Jahre alt und arbeitete 1992 bei der Citibank in München. Er kann sich noch gut an ein Telefonat mit einer Kollegin aus Luxemburg erinnern. Die habe ihm von einem Anrufer namens Max Strauß berichtet, der Geld nach Luxemburg transferieren wollte. Daraufhin habe er in der Kanzlei von Strauß angerufen und sei zu einem Mann durchgestellt worden, von dem er angenommen habe, dass es Max Strauß sei. Auf die Frage, um welches Geld es sich handele, habe er als Antwort sinngemäß erhalten: "Das ist unser Erbe von unserem Vater. Der Betrag ist 300 Millionen." Es sei ein Bartransfer nach Luxemburg gewünscht worden. Dazu kam es aber nicht, sagte der Zeuge, da seine Bank damals die Linie vertreten habe, kein Geld von Politikern oder deren Familien anzunehmen.
"Damals war Wilder Westen"
Im Angesicht dieser schweren Vorwürfe konfronierte der Anwalt von Max Strauß konfrontierte Burkhard K. mit dessen früheren Aussagen und versuchte, ihm Widersprüche nachzuweisen. Beispielsweise habe sich die Luxemburger Kollegin an keinen Kontakt mit Strauß oder dessen Büro erinnern. Vielleicht sei er ja auch Opfer eines Scherzanrufs gewesen, sagte der Anwalt. Doch Burkhard K. wies dies entschieden zurück: "Das war zu konkret, das war ernst." Man könne sich von den damaligen Verhältnissen im Bankensektor und besonders von den Seilschaften in Bayern kaum noch eine Vorstellung machen, sagte K., der heute als selbstständiger Kaufmann arbeitet: "Damals war Wilder Westen und in Bayern war der Westen noch wilder."
Max Strauß sagt als Zeuge aus

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Max Strauß im Kölner Landgericht
Max Strauß bestritt im Gericht die Darstellung des Bankmitarbeiters. Er habe nie mit ihm gesprochen, versicherte der den Richtern. Zudem stellte er die Darstellung des angeblichen 300-Millionen-Mark-Transfers als unglaubwürdig dar. Eine solche Summe hätte man sicherlich in einem gepanzerten Konvoi transportieren müssen, so Strauß. Er bestritt erneut, dass das Erbe seines Vaters auch nur im Entferntesten so hoch gewesen sei.
Unterlassungsklage mit Aussicht auf Erfolg
Vor dem Kölner Landgericht geht es um Passagen aus dem Buch "Macht und Missbrauch" des Autoren Wilhelm Schlötterer, in dem er mit dem früheren CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß abrechnet. 30 Jahre lang hat der 73-jährige Schlötterer als Beamter im bayerischen Finanzministerium gearbeitet und war dadurch nah dran an Strauß und der Gerüchteküche. In seinem Buch behauptet Schlötterer, dass Strauß seinen Kindern 300 Millionen Mark hinterlassen hat. Dagegen hat Max Strauß auf Unterlassung geklagt. Das Gericht sprach am Freitag (18.01.2013) zwar noch kein Urteil, stellte aber klar, dass es die Vorwürfe gegen Strauß nicht für ausreichend belegt hält. Burkhard K. habe nicht belegen können, dass er wirklich mit Strauß gesprochen habe. Das Urteil soll am 13. Februar verkündet werden.
Es geht um die Ehre des Franz Josef Strauß
Bei den Recherchen zu seinem Buch beruft sich Schlötterer auf Vertraute, Angehörige und Angestellte wie den Piloten von Strauß. Der Verwaltungsjurist sagte zu WDR.de: "Als einfacher Bundestagsabgeordneter kann Strauß nicht so viel verdient haben." Nach Ansicht von Schlötterer wären zehn Millionen Mark schon viel. Strauß müsste also andere inoffizielle Geldquellen aufgetan haben - so der Vorwurf. Schlötterer sieht sich im Recht. "Ich weiß nicht, was an der Aussage zu beanstanden ist", sagte er. Schließlich habe er nur auf Gerüchte verwiesen.
Gerüchte, die - sollten sie sich bewahrheiten - das Image von Strauß ankratzen würden. Bis heute wird der einstige Landesvater in Bayern verehrt. Und bis heute verweisen führende CSU-Politiker gerne auf ihr Idol. Nach Ansicht von Schlötterer will Strauß-Junior die Ehre seines Vaters retten.
Stichworte
- Franz Josef Strauß
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Strauß (1915-1988) zählte zu den mächtigsten und zugleich umstrittensten Politikern in Deutschland. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte er zu den Bundestagsabgeordneten der ersten Stunde und kletterte die Karriereleiter rasant nach oben. 27 Jahre lang gab er als Parteivorsizender die Richtung der CSU vor.
Nach verschiedenen Spitzenposten wurde er 1956 Bundesverteidigungsminister. In diesem Amt erarbeitete er Pläne zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr, wogegen Pazifisten und das Nachrichtenmagazin "Spiegel" Sturm liefen. Im Zuge der "Spiegel"-Affäre musste der wortgewaltige Bayer zurücktreten. Nach seinem kompletten Rückzug aus dem Bundeskabinett war er von 1978 bis 1988 Ministerpräsident von Bayern. 1980 scheiterte er als Kanzlerkandidat der Union.
Stand: 18.01.2013, 15.11 Uhr
Kommentare zum Thema (27)
letzter Kommentar: 21.01.2013, 06:31 Uhr
- kleinundbissig schrieb am 21.01.2013, 06:31 Uhr:
- Ich glaube ebenfalls nicht, dass ein Herr FJS in seinem Arbeitsleben ein Vermögen in dem Ausmaß auf reellem Weg anhäufen konnte. Aber da ist wohl der eine Berufspolitiker dem anderen Berufspolitiker gleich. Ist schon eigentümlich, wie Politiker in Spitzenpositionen (manchmal auch in 2. oder 3. Liga) innerhalb ihrer politischen Tätigkeit diese enormen Vermögen anhäufen können. -Wie kommt z.B. ein ehem. Hochschulehrer innerhalb weniger Jahre zu einem derartigen privaten Vermögen, dass er Milionen"spenden" an SEINE Partei vergeben kann?- FJS war nie eine mir persönlich besonders symphatische Figur in der Politik. Aber was ich ihm neidlos zugestehen muss, er war der mit Abstand genialste Politiker, denn kein anderer seiner damaligen (und auch heutigen) "Kollegen" hätte sich trotz all der der ihm angelasteten und teilweise auch nachgewiesenen Affairen so lange und so gut in dem sowieso schmutzigen Geschäft "Politik" gehalten.
- Wilder Heinrich schrieb am 19.01.2013, 22:03 Uhr:
- @dummer Martin: Wowereit und Beck sind ja richtige Engel, das wusste ich bisher ja noch gar nicht. Als nächstes erzählen Sie, Steinbrücks Millionen seien lediglich eine Aufwandentschädigung und Brandts Fremdgeherei sei Mitarbeitermotivation gewesen? Hört sich nach unkritischer und willfähriger Mitläuferei an. Glück auf.
- sasa2008 schrieb am 19.01.2013, 20:12 Uhr:
- Viele Grüße aus Sangerhausen /S-Anhalt An Herrn Max Strauß. Vielleicht weckt das Erinnerungen bei Ihm. Die Sangerhäuser werden Sie nicht vergessen. Gott vergelts.
- dummer Martin schrieb am 19.01.2013, 18:55 Uhr:
- @Conni: Ein Flughafen oder eine Loveparade sind zwei unterschiedliche Dinge. Weder kann ein Bürgermeister den Flughafen planen, noch hat er sonst eine Indikation für das Scheitern. Das war bei der Loveparade ganz anders. Die war nicht nur als Problem übersichtlicher. Hier gab es entschiedene begründete Gegenstimmen und wer sich noch an den Flaschenhals erinnert, dem wird noch heute schlecht. Sauerland musste aus dem Amt getreten werden, Wowereit hat, obwohl gestützt durch die große Koalition in Berlin, einen kleinen Rücktritt geschafft. Immerhin ein Schuldanerkenntnis, so wie von Kurt Beck und so wie es Christian Wullf und Karl Theodor zu Guttenberg nicht schafften. Sollte Wowereit mehr als politische Schuld haben, so soll er gehen. Da bin ich ganz schmucklos.
- Strauß schrieb am 19.01.2013, 14:43 Uhr:
- Sie haben eines vergessen die HS-Schützenpanzer Affäre von F.J. Strauß,man hatte gemunkelt damals, das FJ Strauß erst nach dem Unfall seiner Frau Hannelore mit den Milliarden in die damalige DDR gefahren ist,warum wohl,weil das Leben so Kostbar ist,oder?
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